Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Matze
Um gemäß den jüdischen Speisegesetzen koscher für das Pessach zu sein, unterliegt die Herstellung der Matzen rabbinischer Aufsicht. ... Eine Ausstellung über …
Inhalt5 Abschnitte
Matze und ihre Bedeutung
Eine Matze ist ein dünner Brotfladen ohne Triebmittel, auch „ungesäuertes Brot“ genannt. Religiöse und traditionsverbundene Juden essen sie während des Pessach. Sie wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel hergestellt; Öl kann hinzukommen.
Sie erinnert an den biblisch überlieferten Auszug der Israeliten aus Ägypten. Beim ersten Passah sollten die Israeliten in Eile ungesäuertes Brot neben gebratenem Lamm und bitteren Kräutern essen (Ex 12,8–11 Lut). Als „ewige Ordnung“ sollen sie sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen und am ersten Tag den Sauerteig aus ihren Häusern entfernen (Ex 12,14–15 Lut).
Pessach-Regeln und Seder
Während Pessach ist nicht nur gesäuertes Brot verboten, sondern alles, was gären könnte, etwa Teigwaren und Mehl; bei Aschkenasim zählen auch Hülsenfrüchte und Reis dazu. Deshalb werden zum Beispiel Kuchen und Aufläufe aus Matzen oder Matzemehl hergestellt. Chametz bedeutet Gesäuertes.
Das ausdrückliche Gebot, Matze zu essen, gilt für den ersten Pessach-Abend, den Seder, am Beginn des 15. Nisan; in der jüdischen Diaspora gilt es für den 15. und 16. Nisan. In der übrigen Woche muss lediglich auf Chametz verzichtet werden.
Am Seder liegen drei besondere, meist handgebackene und dickere Matzen auf dem Tisch, durch Tücher voneinander getrennt. Die obere steht für die Kohanim, die Tempelpriester, die mittlere für die Leviten, die Tempeldiener, und die untere für Israel, das Volk der Israeliten. Jeder Jude soll ein Stück davon essen. Zum Seder gehört außerdem das Verstecken und Wiederfinden des Afikomans, das als Spiel für die teilnehmenden Kinder dient.
Orthodoxe Juden verwenden während Pessach kein Geschirr, das jemals mit Brot mit Triebmittel in Berührung war. Daher gibt es oft getrennte Pessach-Geschirre für Milchiges und Fleischiges; anderes Geschirr kann durch langes Auskochen rituell gereinigt werden.
Besondere Matzen und Herstellung
Matzen müssen für Pessach koscher sein und stehen deshalb unter rabbinischer Aufsicht. Geerntetes Getreide oder Mehl darf nicht vorzeitig mit Wasser in Berührung kommen; jeder Kontakt mit einem Säuerungsmittel ist verboten. Vom Mischen von Mehl und Wasser bis zur fertig gebackenen Matze dürfen höchstens 18 Minuten vergehen.
Bei gewöhnlicher Matze wird ab dem Mahlen der Körner und bei der weiteren Mehlverarbeitung darauf geachtet, dass nichts gesäuert wird. Bei Mazza schmura („bewachte Mazza“) beginnt diese Kontrolle schon bei der Ernte. Hitze, Luftfeuchtigkeit oder zu langes Kneten können dazu führen, dass Getreide, Mehl oder Teig gesäuert werden.
Mazzot mizwa („Matzen des Gebots“) wurden früher am Nachmittag desselben Tages eigenhändig für den Sederabend gebacken. Sie dienen dazu, das Gebot des Matze-Essens am Seder zu erfüllen.
Ungesäuertes Brot im Christentum
Jüdische Christen feierten nach dem für sie naheliegenden Beispiel Christi das Abendmahl in den Kirchen Armeniens und Roms mit ungesäuertem Brot. Byzanz lehnte diesen Brauch ab: Die Einsetzungsworte zum Abendmahl wurden so ausgelegt, dass das von Jesus gebrochene Brot gesäuert gewesen sei. Danach seien Azymen, also ungesäuertes Brot, durch das Evangelium abgeschafft.
Im 11. Jahrhundert bemühten sich Rom und Konstantinopel um eine Vereinheitlichung der Riten. In Byzanz spielte dabei die Eingliederung des armenischen Reiches von Ani im Jahr 1045 eine Rolle. Bis ins 13. Jahrhundert war der Streit über ungesäuertes Brot beim Abendmahl ein wichtiger Teil der byzantinischen Polemik gegen den lateinischen Ritus. Auch nachdem sich die offizielle Diskussion ab Ende des 12. Jahrhunderts stärker dem Filioque zuwandte, blieb der Azymenstreit ein wesentlicher Grund für Spannungen zwischen Gemeinden byzantinischen und lateinischen Ritus. Noch im 18. Jahrhundert wurde er polemisch erörtert.
Matzenbrei
Matzenbrei ist ein aschkenasisches Gericht, das während Pessach häufig zum Frühstück gegessen wird. Für eine einfache Zubereitung werden Matzen in kleine Stücke gebrochen, in Milch oder Wasser fast vollsaugen gelassen, mit Eiern und Gewürzen vermischt und in erhitzter Butter in der Pfanne gebacken. Er kann mit süßen oder salzigen Soßen serviert werden.
Ein polnisch-jüdischer Merkspruch lautet: „jedna maca jedno jajo, druga maca drugie jajo“ – eine Matze ein Ei, zwei Matzen zwei Eier. Er wird scherzhaft als Wortspiel verwendet.