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Haggada
„erzählen“, „berichten“; deutsch veraltet Agade) ist im religiösen Leben der Juden Erzählung und Handlungsanweisung für den Seder, die Zeremonie am Erev Pessach …
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Begriff und Bedeutung
Die Haggada ist die Erzählung und Handlungsanweisung für den Seder, die Zeremonie am Erev Pessach, dem Vorabend des Fests zur Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Als liturgischer Text ist sie aus der rabbinischen Auslegungstradition hervorgegangen und gehört zur rabbinischen Literatur.
Sie ist nicht mit der Aggada zu verwechseln. Aggada ist ein Oberbegriff für erzählende oder der religiösen Auslegung dienende Texte aus dem Talmud. Haggada bezeichnet dagegen die Sammlung oder Fassung solcher Texte, die eigens beim Pessach-Seder verwendet wird. In einer erweiterten Definition bezeichnete Schmuel ha-Nagid als Haggada jede Auslegung im Talmud, die kein Gebot, also keine Halacha, behandelt.
Aufbau, Stil und Funktion
Die Haggada ist eine vielschichtige Textsammlung, in der unterschiedliche Erzählungen, Lehrmeinungen und liturgische Bestandteile zusammenwirken. Sie verbindet historische Erinnerung, ethische Unterweisung und religiöse Praxis. Zu ihren Bestandteilen gehören biblische Zitate, erzählende Midraschim – rabbinische Auslegungen religiöser Texte –, Gebete und Anweisungen für Rituale. Diese Inhalte sind thematisch und in einzelnen Episoden angeordnet.
Typisch sind Dialoge, Wiederholungen, Parallelismen und symbolische Sprache. Gegenstände und Handlungen stehen dabei sinnbildlich für historische oder spirituelle Inhalte. Daneben können unter anderem Kurzkommentare zu Stellen des Tanachs, Erzählungen, Anekdoten, Sagen, Märchen, Fabeln, Sprichwörter, philosophische Weisheiten, Leitgedanken und Trostsprüche vorkommen.
Die Texte sind nicht nur zum Lesen bestimmt, sondern zur Rezitation und aktiven Teilnahme am Seder. Dadurch verbindet die Haggada didaktische, erzählerische und dramatische Elemente. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Erfahrung des Exodus – des Auszugs aus Ägypten – in der Gegenwart erfahrbar zu machen sowie religiöse Tradition und Identität weiterzugeben. Sie ergänzt die Halacha, also die religiösen Gebote und Regeln, durch sittlich-religiöse Belehrung und eine erzählende Theologie in Geschichten, Aphorismen und Gleichnissen.
Verwendung am Sederabend
Die Pessach-Haggada ist meist ein kleines, teilweise bebildertes Buch. Beim Festmahl des Sederabends liest und singt die Familie gemeinsam daraus. Der Text ist teils auf Aramäisch und teils auf Hebräisch verfasst; heute enthält er häufig Übersetzungen und Erklärungen in der jeweiligen Landessprache.
Inhaltlich schildert die Haggada die im Buch Exodus beschriebenen Ereignisse: das Exil in Ägypten und den Auszug in die Freiheit. Die biblische Darstellung wird durch traditionelle rabbinische Ausschmückungen und Auslegungen ergänzt. Das gemeinsame Lesen, Singen und Ausführen der Rituale bindet die Teilnehmenden aktiv in die Erinnerung an die Befreiung ein.
Traditionelle Lieder
Zahlreiche überlieferte Lieder begleiten das Festmahl. Dazu gehört Ma Nischtana („Was unterscheidet ...“), das Lied der vier Fragen. Echad mi jodea („Eins – wer weiß es?“) ist ein Frage-Antwort-Gesang und eine Zählgeschichte, die gemeinsame jüdische Motive und Lehren aufzählt.
Den traditionellen Abschluss der Haggada bilden Chad gadja und Dajenu, dessen Titel „es hätte uns genügt“ bedeutet.
Bekannte Handschriften
Zu den bekanntesten Haggadot gehört die aus Deutschland stammende Vogelkopf-Haggada, die ungefähr um 1300 entstand. Eine weitere berühmte und bemerkenswerte Handschrift ist die um 1314 in Spanien hergestellte Sarajevo-Haggada.