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Pennsylvania Dutch (Sprache)
Das Pennsylvania-Hochdeutsch stellt demgegenüber ein altertümliches Hochdeutsch auf der Grundlage des 18./19. Jahrhunderts dar, erweitert um Elemente und …
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Einordnung und Bezeichnung
Pennsylvaniadeutsch, auch Pennsylvania Dutch oder Pennsylvania German, ist eine Sprachvariante des Deutschen in Nordamerika. Die Eigenbezeichnungen lauten unter anderem Pennsilfaanisch, Pennsilfaanisch Deitsch, Pennsilfaani und Pennsilveni-Deitsch. Die Sprache baut vor allem auf vorderpfälzischen und kurpfälzischen Dialekten auf und gehört innerhalb der indogermanischen, germanischen und westgermanischen Sprachen zum Deutschen, genauer zum Hochdeutschen und Westmitteldeutschen. Der Sprachcode ist pdc; einen ISO-639-1-Code gibt es nicht.
Gesprochen wird sie vor allem in Südost-Pennsylvania, Zentral-Ohio und Nord-Indiana, außerdem in Teilen von Illinois, im kanadischen Ontario und in Belize. Die Angaben zur Sprecherzahl sind nicht einheitlich: Für 2012 werden 350.000–420.000 genannt, viele Schätzungen liegen jedoch zwischen 300.000 und 350.000. Aktiv gesprochen wird die Sprache von mindestens 300.000 Menschen in den USA und von mehr als 5000 in Kanada.
Das englische Wort Dutch bedeutete früher teilweise allgemein westgermanische Sprachen des europäischen Festlands. Deshalb kann Pennsylvania Dutch entweder als Fortsetzung dieser älteren englischen Bedeutung oder als Anglisierung von deitsch beziehungsweise deutsch erklärt werden. Im heutigen Gebrauch sind Pennsylvania Dutch und Pennsylvania German weitgehend austauschbar. Die Bezeichnung Dutch blieb auch bestehen, weil sich die Pennsylvania Dutch im 19. Jahrhundert von neu eingewanderten Deutschamerikanern unterschieden und während der antideutschen Stimmung im Ersten Weltkrieg unter Anpassungsdruck standen.
Entstehung und heutige Verbreitung
Vor allem im 18. Jahrhundert wanderten Mennoniten, Schwarzenauer Brüder, Schwenkfelder, Pietisten und Böhmische Brüder wegen religiöser Verfolgung nach Pennsylvania aus. Viele stammten aus der historischen Kurpfalz; weitere kamen aus Baden, Württemberg, der deutschsprachigen Schweiz und dem Elsass. Der größte Teil der Einwanderung erfolgte nach 1710.
Zunächst bestanden mehrere Dialekträume. Zwischen mittelfränkischen, rheinfränkischen, schwäbischen, bairischen und alemannischen Dialekten kam es jedoch zu einem Ausgleich. Besonders das Pfälzische setzte sich durch, während einzelne alemannische Merkmale erhalten blieben. Ab etwa 1800 kann man von einer überregionalen, auf dem Pfälzischen beruhenden Sprachvariante ausgehen. 1938 einigte man sich auf einem Orthographiekongress auf die deutsche Orthographie, die allerdings freizügig verwendet wird.
Bis zu den beiden Weltkriegen war Pennsylvaniadeutsch in Südost-Pennsylvania mit etwa 800.000 Sprechern weit verbreitet. Das Schulgesetz von 1834 förderte langfristig die stärkere Verwendung des Englischen. Besonders stark wirkten später antideutsche Maßnahmen und repressive Gesetze während und nach den Weltkriegen. Viele Familien gaben die Sprache deshalb nicht mehr an ihre Kinder weiter.
Heute erhalten vor allem Amische alter Ordnung und Mennoniten alter Ordnung die Sprache. Sie sprechen untereinander ausschließlich oder überwiegend Pennsylvaniadeutsch und sind wegen ihrer hohen Kinderzahl eine wachsende Sprechergruppe. Außerhalb dieser Gemeinschaften ist die Sprache meist selten und wird dort häufig nur noch von sehr alten Menschen gesprochen. Siedlungen dieser Gruppen liegen vor allem in Pennsylvania, Ohio, Indiana und New York; durch Wanderungen entstehen außerdem neue Siedlungen weiter westlich. Seit den 1970er Jahren gibt es kleine Mennonitensiedlungen in Belize, daneben jüngere Siedlungsversuche von Amischen neuer Ordnung in Bolivien und Paraguay.
Viele amische und mennonitische Sprecher können Hochdeutsch in Bibeltexten lesen und verstehen, beherrschen es aber nur selten als Umgangssprache. Der Gottesdienst der Amischen wird in amischem Hochdeutsch gehalten, einer Mischung aus Bibelhochdeutsch und Pennsylvaniadeutsch.
Grammatik und sprachliche Besonderheiten
In seiner Grundstruktur ähnelt Pennsylvaniadeutsch stark dem Vorder- und Kurpfälzischen zwischen Mannheim, Ludwigshafen, Speyer und Neustadt. Wichtige Unterschiede und Besonderheiten sind:
- Der Dativ wird weitgehend abgebaut. In geb mich sell Buch steht der Akkusativ anstelle von „gib mir dieses Buch“; in festen Formen wie mit’m Buch bleibt der Dativ jedoch erhalten.
- Nominativ und Akkusativ fallen teilweise zusammen.
- Der unbestimmte Artikel lautet immer en: en Mann, en Fraa, en Kind.
- Das sch fällt nicht mit dem als Ich-Laut gesprochenen ch zusammen.
- In Wörtern wie kurz und dort erscheint a statt oa: katz, dat statt koatz, doat.
- Das r wird entweder wie im amerikanischen Englisch oder als Zungen-r gesprochen. Ein Gaumen-r wie im heutigen Standarddeutschen kommt nicht vor; am Silbenende kann das r wegfallen.
- Der Doppellaut au, soweit er auf mittelhochdeutsches /ou/ zurückgeht, wird in vielen Unterdialekten als langes a gesprochen.
- Ältere Wörter wie seller „dieser, jener“, ebbes „etwas“ und ass als Relativwort für „das/was“ sind erhalten.
- Die tun-Paraphrase verbindet ein Verb mit duh tun: ich duh Kieh melke bedeutet „ich melke Kühe“.
- Eine Verlaufsform mit am und dem Infinitiv ist möglich: ich bin am melke.
- In regionalen Varianten des Mittleren Westens kann ei zu einem Monophthong werden: Däätsch statt Deitsch.
Einflüsse des amerikanischen Englisch zeigen sich besonders bei der Aussprache von r und l in pennsylvanischen Regionalvarianten, beim beschleunigten Abbau des Dativs und möglicherweise bei der stärkeren Verwendung von Progressiv-Konstruktionen. Als Futur-Hilfsverben treten figgere und zelle anstelle von werden auf, etwa ich zell dich klobbe für „ich werde dich schlagen“. Die Form des Progressivs selbst entspricht dabei nicht dem amerikanischen Englisch.
Einfluss des Englischen auf den Wortschatz
Der Anteil englischer Lehnwörter liegt ungefähr bei 15 %. In den regionalen Varianten Pennsylvanias werden weniger Lehnwörter verwendet als im Mittleren Westen der USA. Die englischen Wörter werden meist in das deutsche Sprachsystem eingebaut:
- Verben und Adjektive erhalten deutsche Flexionsformen. Aus englisch to farm wird beispielsweise ich hab gefarmt.
- Substantive bekommen einen deutschen Artikel und können mit deutschen Wörtern zusammengesetzt werden. Carpenterarwett verbindet englisch carpenter „Schreiner“ mit dem pennsylvaniadeutschen Wort für „Arbeit“.
- Lehnübersetzungen oder semantische Entlehnungen übertragen englische Wendungen in deutsche Strukturen, etwa hod sich besser ausgedreht nach englisch has turned out better, obwohl die deutsche Bedeutung „ging besser aus“ lautet.
- Bei Lehnbedeutungen beeinflusst ein ähnliches englisches Wort die Bedeutung eines deutschen Wortes. Ich gleich kann unter dem Einfluss von englisch to like „ich mag“ bedeuten. Außerdem fallen die Bedeutungen von wissen und kennen teilweise in wissen zusammen, ähnlich wie bei englisch to know.
In den amischen und mennonitischen Gemeinschaften führen die vielen englischen Lehnwörter zu einem fortlaufenden Wandel des Wortschatzes.
Schrift, Beispiele und sprachliche Pflege
Eine einheitliche Rechtschreibung hat sich nie vollständig herausgebildet. Zunächst wurden Dialekttexte nach den Regeln der jeweiligen deutschen Schriftsprache geschrieben, obwohl die Laut-Buchstaben-Zuordnung dabei Schwierigkeiten verursacht. 2004 gab es 80 bis 100 pennsylvaniadeutsche Mundartautoren. Ein Teil veröffentlichte in Dialektspalten englischsprachiger Zeitungen, die Mehrheit in der von Michael Werner gegründeten Zeitung Hiwwe wie Driwwe. Seit 2011 vergibt der Pfälzische Mundartdichterwettstreit in Bockenheim an der Weinstraße den Hiwwe wie Driwwe Award für pennsylvaniadeutsche Literatur.
Ein Beispiel für die deutsche Schreibweise ist eine pennsylvaniadeutsche Fassung des Vaterunsers mit Formen wie Vadder, Naame, gebb, Schulde und Ewichkeit. Daneben entwickelte sich wegen des engen Kontakts zum Englischen eine teilweise englische Orthographie. Der Zeitungsverleger Edward H. Rauch verbreitete sie besonders durch Pennsylvania Dutchman. In dessen Vorwort von Januar 1873 wird Pennsylvaniadeutsch als „mixture fun Deitsh un Aenglish“ beschrieben.
Zur sprachlichen Dokumentation entstanden unter anderem die Filme Penn’a Du (1981/82) von Georg Brintrup und Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika (2019) von Benjamin Wagener und Christian Schega. 2003 wurde in Ober-Olm der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis gegründet, der den Austausch zwischen dem deutschen und dem pennsylvaniadeutschen Sprachraum fördert. Seit März 2006 gibt es außerdem eine Wikipedia auf Pennsylvaniadeutsch.