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Amerikanisches Englisch
Amerikanisches Englisch (englisch American English [əˈmɛɹɪkən ˈɪŋɡlɪʃ], kurz AE oder AmE) ist die Standardvarietät der englischen Sprache, die in den …
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Einordnung und Bedeutung
Amerikanisches Englisch (American English, AE oder AmE) ist die Standardvarietät der englischen Sprache in den Vereinigten Staaten. Es ist eine nationale Varietät der westgermanischen Sprache Englisch und gehört mit etwa britischem, australischem und neuseeländischem Englisch zur plurizentrischen englischen Sprache, also zu einer Sprache mit mehreren nationalen Standardformen. Rund 260 Millionen Menschen sprachen es 2016 in den USA.
Für die Mehrheit der Bevölkerung ist Englisch Muttersprache; große Minderheiten erwerben es als Zweitsprache, darunter spanisch-, französisch-, deutsch- und chinesischsprachige Gruppen. Im Unterschied zu vielen englischen Varietäten in Afrika und Asien ist es für die Mehrheit seiner Sprecher Erstsprache. Amerikanisches Englisch ist zusammen mit britischem Englisch eine Hauptvarietät und gilt in vielen Ländern als Leitnorm für Englisch als Fremd- oder Zweitsprache. Besonders in Asien hat es das britische Englisch oft als Vorbild abgelöst. Seine internationale Wirkung hängt auch mit der amerikanisch dominierten Filmindustrie, Popmusik und seiner Rolle als Unterrichtssprache zusammen.
Englisch ist in Medien, Politik, Verwaltung und Schulwesen die dominante Sprache der USA und damit de facto Amtssprache, besitzt aber keinen offiziellen Status auf Bundesebene. Das 1982 im Senat vorgelegte English Language Amendment kam nicht zur Abstimmung.
Entstehung und Entwicklung
Das amerikanische Englisch wurde von Dialekten englischer, schottischer und irischer Einwanderer geprägt. Sprachkontakte mit Franzosen, Spaniern, Deutschen, amerikanischen Ureinwohnern und durch Sklavenhandel nach Amerika gelangten Afrikanern wirkten ebenfalls ein. Die englische Besiedlung begann 1607 mit Jamestown in Virginia. Auf Plantagen verwendeten versklavte Menschen mit unterschiedlichen Erstsprachen englischbasierte Pidgin-Sprachen; daraus entwickelten sich später auch Kreolsprachen wie Gullah.
Siedler in Neuengland kamen vor allem aus dem Osten Englands. Ihre Dialekte sprachen <r> nach Vokalen meist nicht aus; diese nicht-rhotische Aussprache ist dort bis heute typisch. Die Besiedlung Pennsylvanias durch vor allem nordenglische Quäker und später schottische Siedler trug zur groben Gliederung in Northern American English, Midland American English und Southern American English bei.
Sprachen der amerikanischen Ureinwohner beeinflussten das Englisch nur gering, hauptsächlich bei Orts-, Kultur-, Tier- und Pflanzennamen. Französische, niederländische, deutsche und besonders spanische Sprachgemeinschaften blieben in verschiedenen Regionen bestehen. Nach der Unabhängigkeit 1783 förderte Noah Webster ein spezifisch amerikanisches Englisch. Sein American Spelling Book und das 1828 veröffentlichte Dictionary of the American Language beeinflussten insbesondere eine gegenüber dem britischen Englisch vereinfachte Orthografie.
Nach der Abschaffung der Sklaverei und besonders ab 1910 zogen viele Afroamerikaner aus dem Süden in Industriestädte des Nordens; dort verbreitete sich afroamerikanisches Englisch. Westexpansion und Einwanderung führten westlich des Mississippi zu einer relativ homogenen, meist General American genannten Variante. In großen Städten entstanden dagegen eigene urbane Dialekte; durch Zuwanderung entwickelten sich auch englische Zweitsprachvarianten wie Chicano English.
Regionale und soziale Varianten
Die drei groben regionalen Varianten sind South, North-Eastern und General American. Southern American English wird unter anderem in Virginia, den Carolinas, Florida, Alabama, Mississippi, Louisiana, Texas, Kentucky, Tennessee, Oklahoma, Arkansas und im südlichen Missouri gesprochen. Besonders an der Küste ist es nicht-rhotisch: r wird nur vor Vokalen gesprochen. Auffällig ist außerdem, dass /ai/ oft zu [a:] wird, etwa [ha:] für high.
North-Eastern American English kommt im östlichen Neuengland und in New York vor und ist ebenfalls nicht-rhotisch. Es ähnelt dem britischen Standardenglisch stärker als andere amerikanische Dialekte. In Neuengland, nicht aber in New York, haben bard, dance, path, calm und father ein offenes [a:]. General American bezeichnet eine relativ ortsneutrale Standardvarietät gebildeter Mittelschichtamerikaner. Sie ist besonders für die Mitte und den Westen wichtig und dient meist als Grundlage für Aussprachbeschreibungen. Neuere Studien zeigen jedoch auch dort deutliche, besonders urbane Variation, etwa in Boston, Philadelphia, Atlanta, Detroit, Chicago und San Francisco.
African American Vernacular English ist eine soziale Varietät mit Ursprüngen im Süden, die auch in vielen Großstädten des Nordens gesprochen wird. Die Bezeichnung verdeutlicht, dass sie nicht von allen Afroamerikanern gesprochen wird. Hispanic American English ist eine soziale und ethnische Varietät von Amerikanern mit spanischen Wurzeln; spanische Einflüsse zeigen sich in Aussprache und Wortschatz. Das amerikanische Englisch ist insgesamt homogener als das britische: Die Herkunft lässt sich laut Peter Trudgill und Jean Hannah in Großbritannien anhand der Aussprache oft auf 15 km, im amerikanischen Osten ungefähr auf 200 km, im Westen fast gar nicht eingrenzen.
New York City English ist ein regionaler Dialekt von New York City und Teilen der umliegenden Metropolregion. Sein Gebiet umfasst die fünf Stadtbezirke, weite Teile von Long Island einschließlich Nassau County und Teilen von Suffolk County sowie Teile des Hudson Valley, des südwestlichen Connecticut und des nordöstlichen New Jersey.
Kennzeichnende Aussprache und Konsonanten
Das auffälligste Merkmal vieler amerikanischer Varietäten ist Rhotizität: Der r-Laut wird auch nach Vokalen am Silben- oder Wortende gesprochen, etwa in car [kʰɑɹ]. Nicht-rhotisch sind jedoch Teile Neuenglands, New Yorks und der Südstaaten. Amerikanische und kanadische Aussprache ähneln sich stark und werden deshalb manchmal als nordamerikanisches Englisch zusammengefasst.
Typisch ist Flapping. Zwischen zwei Vokalen werden t, tt und d meist als alveolarer Flap [ɾ] gesprochen, wenn der zweite Vokal unbetont ist; bei t und d gilt dies auch nach r. Beispiele sind tomato [tʰəˈmeɪ̯ɾoʊ̯], pretty [ˈpɹɪɾi], lady [ˈleɪ̯ɾi] und order [ˈɔɹɾɚ]. Auch über Wortgrenzen hinweg ist es möglich: I get it. [ˌʔaɪ̯ ˈɡɛɾɪˀ]. Für deutsche Ohren klingt [ɾ] oft ähnlich wie /d/, etwa in city oder better.
Stimmlose Plosive [p], [t] und [k] werden am Wortanfang und in betonter Position aspiriert, also mit hörbarem Luftausstoß: [pʰ], [tʰ], [kʰ]. Ein auslautendes [t] kann als glottaler Plosiv [ʔ] erscheinen, zum Beispiel put [pʰʊʔ], cut [kʰʌʔ], what [wʌʔ] und button [ˈbʌʔn̩]. Nach n und vor einem Vokal fällt [t] häufig weg, etwa in center [ˈsɛn(t)ɚ].
Zum Konsonantensystem gehören unter anderem die Affrikaten [t͡ʃ] in child und [d͡ʒ] in joy, die Frikative [f], [θ], [s], [ʃ], [v], [ð], [z], [ʒ], [h] sowie die Nasale [m], [n], [ŋ]. Umgangssprachlich kann [ŋ] in Gerundien wie going oder trying zu [n] werden. Das l ist am Silben- oder Wortende vor Konsonanten meist ein „dunkles“ [ɫ], etwa well [wɛɫ]; viele Sprecher verwenden es bei jedem l. Eine Minderheit spricht wh- noch [hw] wie in white [hwaɪ̯t], meist wird es aber wie w gesprochen, sodass whine und wine gleich [waɪ̯n] lauten.
Vokale und r-gefärbte Formen
Die Beschreibung der Vokale bezieht sich auf General American. Ungespannte Vokale sind [ɪ], [ɛ], [æ], [ʊ], [ə], [ʌ] und [ɑ]. In betonten einsilbigen Wörtern müssen ungespannte Vokale vor einem Konsonanten stehen: bit [bɪt] und cap [kʰæp] sind möglich, *[bɪ] und *[kʰæ] nicht. [ə] ist immer unbetont, beispielsweise in idea [(ʔ)aɪ̯ˈdiə̯]. Vor [n] oder [m] kann [æ] als [ɛə~eə] erscheinen, etwa man [mɛə̯n]. [ɑ] darf in wenigen betonten Einsilbern ohne folgenden Konsonanten stehen, zum Beispiel spa [spɑ].
Gespannte Vokale und Diphthonge sind [i(ː)], [e], [ɔ], [o], [u], [aɪ̯], [aʊ̯] beziehungsweise [æʊ̯] und [ɔɪ̯]. [e] und [o] sind häufig diphthongisch, besonders in offenen Silben: day [deɪ̯], dough [doʊ̯]. Zwischen [ɑ] und [ɔ] unterscheiden viele Sprecher nicht; cot/caught und Don/Dawn werden dann jeweils gleich ausgesprochen. Bei on gibt es regionale Unterschiede: Im Norden, etwa in New York, Connecticut und New Jersey, lautet es [ɑn], im Süden von Virginia sowie North und South Carolina [ɒn~ɔən].
Die Rhotizität führt zu r-gefärbten Vokalen: [ɚ~ɝ] in bird [bɚd], [iɚ] in beard [biɚd], [ɛɚ] in scarce [skɛɚs], [ɑɹ] in bard [bɑɹd], [ɔɹ] in board [bɔɹd] und [uɚ] in poor [pʰuɚ] oder [pʰoɹ]. Im Standard-Amerikanischen sind Mary, merry und marry nicht unterschieden, sondern alle [ˈmɛɹi]. Es ist unklar, ob [aɪɹ]/[aɪɚ] wie in fire und [aʊɹ]/[aʊɚ] wie in sour ein- oder zweisilbig sind.
Grammatik, Wortschatz, Schreibung und Forschung
Die Grammatik stimmt im Wesentlichen mit britischem Englisch überein. Amerikanisches Englisch bevorzugt jedoch regelmäßige Vergangenheitsformen wie spilled, burned und leaped statt spilt, burnt und leapt. Für die Zukunft wird nur will verwendet, während britisches Englisch auch shall kennt. Umgangssprachlich können Adjektive adverbial verwendet werden: He looks real nice statt He looks really nice. Bei Präpositionen heißt es beispielsweise AE on the street gegenüber BE in the street, AE a knock on the door gegenüber BE a knock at the door und AE chat with gegenüber BE chat to.
Im Wortschatz gibt es zahlreiche Unterschiede: cookie statt (sweet) biscuit, diaper statt nappy, gas(oline) statt petrol, sidewalk statt pavement, truck statt lorry und windshield statt windscreen. Gründe sind die Bewahrung älterer Formen wie fall statt autumn, die Übernahme nichtstandardsprachlicher britischer Wörter wie candy statt sweets und Entlehnungen, etwa cookie aus dem Niederländischen. Weitere Entlehnungen sind potlach, moccasin, tomahawk und wigwam aus Sprachen amerikanischer Ureinwohner, arroyo aus dem Spanischen, bureau aus dem Französischen und fest aus dem Deutschen.
Websters Rechtschreibreform von 1806 prägte Unterschiede wie center statt centre, color statt colour, catalog statt catalogue und program statt programme. AE schreibt offense und defense mit -se und verwendet bei eigenständigen Verbendungen ausschließlich -ize, etwa organize und colonize. Konsonanten werden meist nur nach betontem Vokal verdoppelt, daher traveling und chiseled statt travelling und chiselled; dagegen stehen in enroll, installment und skillful zwei l. Weitere vereinfachte Schreibungen sind mold, judgment, plow, draft, encyclopedia und maneuver.
Die systematische Forschung begann Ende des 19. Jahrhunderts; 1889 entstand die American Dialect Society. Wichtige Werke und Ressourcen sind The American Language von H.L. Mencken, The English Language in America von George P. Krapp, mehrere Wörterbücher von 1938 bis 2012, The Atlas of North American English, das Brown University Standard Corpus of Present-Day American English aus den 1960er Jahren und der American National Corpus.