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Paul von Hindenburg
Er wurde bei der Reichspräsidentenwahl 1932 wiedergewählt und blieb bis zu seinem Tod im Amt. Nachdem Hindenburg Adolf Hitler mehrmals als Regierungschef …
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Überblick und Bedeutung
Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg (2. Oktober 1847–2. August 1934) war ein deutscher Generalfeldmarschall und Politiker. Von 1925 bis zu seinem Tod amtierte er als Reichspräsident, also als Staatsoberhaupt der Weimarer Republik. Seine historische Bedeutung beruht vor allem auf zwei Rollen: Im Ersten Weltkrieg gehörte er an der Spitze der Obersten Heeresleitung zu den mächtigsten Männern Deutschlands; als Reichspräsident trug er später entscheidend zur Schwächung der parlamentarischen Demokratie und zur Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur bei.
Hindenburg stammte aus einer preußischen Offiziers- und Gutsbesitzerfamilie. Er heiratete 1879 Gertrud von Sperling; das Paar hatte drei Kinder. Nach Kadettenausbildung und Kriegsakademie durchlief er eine lange Laufbahn in der preußischen Armee. Er nahm am Deutschen Krieg von 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil und war am 18. Januar 1871 bei der Kaiserproklamation in Versailles anwesend. Zu seinen späteren Ämtern gehörten Tätigkeiten im Großen Generalstab, im Kriegsministerium und als Kommandierender General. 1905 wurde er General der Infanterie, 1911 trat er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand.
Militärische Macht und Hindenburg-Mythos
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Hindenburg am 22. August 1914 Oberbefehlshaber der 8. Armee in Ostpreußen. Mit seinem Stabschef Erich Ludendorff schlug er vom 26. bis 30. August die eingedrungene russische Narew-Armee. Der Sieg wurde als Schlacht bei Tannenberg bekannt. Die strategische Leistung wird im Artikel hauptsächlich Ludendorff zugeschrieben; in der Öffentlichkeit galt jedoch Hindenburg als Sieger. Er förderte diesen Mythos selbst und setzte die Bezeichnung „Tannenberg“ durch, die an die Niederlage des Deutschen Ordens gegen ein polnisch-litauisches Heer im Jahr 1410 anknüpfte. Weitere deutsche Erfolge folgten vom 6. bis 14. September 1914 an den Masurischen Seen und 1915 in der Winterschlacht in Masuren.
Hindenburg wurde am 27. November 1914 zum Generalfeldmarschall befördert. Am 29. August 1916 übernahm er gemeinsam mit Ludendorff die dritte Oberste Heeresleitung, kurz OHL. Diese übte bis 1918 massiven Einfluss auf die Regierung aus und entmachtete Kaiser Wilhelm II. praktisch. Hindenburg war an wichtigen Entscheidungen beteiligt, darunter der uneingeschränkte U-Boot-Krieg, die Ablehnung eines Verständigungsfriedens sowie die Friedensverträge von Brest-Litowsk und Bukarest. Zeitgenossen und manche Historiker sprechen deshalb von einer „Militärdiktatur“. Andere Historiker wenden ein, die OHL habe die politische Verantwortung nie vollständig übernommen und sei innenpolitisch an Grenzen gestoßen. Unstrittig ist ihre weitreichende faktische Machtausübung.
Nach der militärischen Niederlage riet Hindenburg Wilhelm II. am 9. November 1918, in den Niederlanden Asyl zu suchen. Anschließend arbeitete er mit der republikanischen Regierung zusammen, um Unruhen im Heer einzudämmen. Am 25. Juni 1919 trat er als Generalstabschef zurück.
Vor einem Untersuchungsausschuss verbreitete Hindenburg am 18. November 1919 die Dolchstoßlegende: Er behauptete, die Armee sei nicht militärisch besiegt, sondern durch Kräfte in der Heimat „von hinten erdolcht“ worden. Diese Behauptung war inhaltlich falsch; Deutschland hatte den Krieg militärisch verloren, und die Entscheidung für den Waffenstillstand war bereits vor der Novemberrevolution von der letzten kaiserlichen Regierung getroffen worden. Die Legende lenkte von der Verantwortung der militärischen Führung ab und belastete die demokratischen Parteien, auf denen die Weimarer Republik beruhte.
Reichspräsident und Übergang zum Präsidialregime
Nach einigen Jahren im Ruhestand kandidierte der parteilose, monarchistisch eingestellte Hindenburg 1925 für die politischen Rechtsparteien. Am 26. April wurde er im zweiten Wahlgang gegen Wilhelm Marx zum Nachfolger Friedrich Eberts gewählt und am 12. Mai vereidigt. Er war damit das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das unmittelbar vom Volk gewählt wurde. Die Forschung beurteilt seine frühe Amtsführung unterschiedlich: Bis 1930 handelte er grundsätzlich verfassungsgemäß und wandte den Notstandsartikel 48 zunächst nicht an. Zugleich bevorzugte er konservative Politiker, beeinflusste die Bildung der Kabinette und verhinderte eine gesetzliche Begrenzung seiner Befugnisse.
1930 vollzog Hindenburg den Übergang zum autoritären Präsidialregime. Nachdem die Große Koalition unter Hermann Müller an einem Streit über die Arbeitslosenversicherung zerbrochen war, ernannte er am 29. März Heinrich Brüning zum Reichskanzler eines Minderheitskabinetts. Ein Präsidialkabinett war vor allem vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig und regierte mithilfe von Notverordnungen nach Artikel 48. Der Reichstag konnte solche Verordnungen jedoch aufheben. Als dies im Juni 1930 geschah, löste Hindenburg das Parlament auf. Die Neuwahl stärkte vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise besonders KPD und NSDAP; die demokratischen Parteien verloren ihre Mehrheit. Die SPD tolerierte danach die Regierung Brüning, damit der Reichstag deren Notverordnungen nicht aufhob.
Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 unterstützten SPD, Zentrum und andere demokratische Parteien den überzeugten Monarchisten Hindenburg, um Adolf Hitler zu verhindern. Hindenburg erhielt erst im zweiten Wahlgang am 10. April 1932 die notwendige Mehrheit und wurde für sieben weitere Jahre gewählt.
Sein Ansehen wurde außerdem durch den Osthilfeskandal geschädigt. Gut Neudeck war ihm 1927 zum 80. Geburtstag mit Spendengeldern im Umfang von einer Million Reichsmark geschenkt und zur Vermeidung von Erbschaftsteuern unmittelbar seinem Sohn Oskar überschrieben worden. Hinzu kamen Vorwürfe, das „Ostpreußengesetz“ von 1929 habe Spender und andere ostelbische Großgrundbesitzer begünstigt. Historiker vermuten, dass diese Verwicklungen Hindenburgs spätere Entscheidung für Hitler beeinflusst haben könnten.
Regierungskrise und Ernennung Hitlers
Nach seiner Wiederwahl entließ Hindenburg Brüning und ernannte Franz von Papen zum Reichskanzler. Politisch rechte Berater wie Oskar von Hindenburg, Otto Meissner, Elard von Oldenburg-Januschau, Kurt von Schleicher und Papen wollten die NSDAP in ein autoritäres Regime einbinden. Biografen betonen jedoch, dass Hindenburg seine Entscheidungen eigenverantwortlich traf.
Hindenburg lehnte Hitlers Forderung nach dem Kanzleramt zunächst wiederholt ab. Am 10. August 1932 wollte er den von ihm abwertend genannten „böhmischen Gefreiten“ nicht zum Reichskanzler ernennen. Er erklärte, er könne es nicht verantworten, einer einseitig gegen Andersdenkende gerichteten Partei die gesamte Regierungsgewalt zu übertragen. Nach der Reichstagswahl vom November bot er Hitler am 21. November zwar die Kanzlerschaft an, verlangte aber Koalitionspartner für eine stabile parlamentarische Mehrheit. Hitler forderte stattdessen ein von Notverordnungen gestütztes Präsidialkabinett, sodass keine Einigung zustande kam.
Am 2. Dezember 1932 ernannte Hindenburg Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Dessen Versuch, Teile der NSDAP um Gregor Strasser für eine „Querfront“ zu gewinnen, scheiterte. Als Schleicher anschließend die Auflösung des Reichstags ohne fristgerechte Neuwahl und damit einen Verfassungsbruch vorschlug, entzog Hindenburg ihm das Vertrauen.
Nachdem Hitler, Papen und Alfred Hugenberg sich auf Hitler als Reichskanzler, Papen als Vizekanzler und ein Kabinett mit zunächst nur zwei NSDAP-Ministern verständigt hatten, ernannte Hindenburg Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Am 1. Februar löste er den Reichstag auf. Am 4. Februar unterzeichnete er die Verordnung zum Schutze des Deutschen Volkes, welche die Presse- und Meinungsfreiheit einschränkte. Nach dem Reichstagsbrand folgte am 28. Februar die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat, die wesentliche Grundrechte außer Kraft setzte und Massenverhaftungen von Anhängern der KPD und SPD ermöglichte.
Beim „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 stellte das Regime symbolisch eine Verbindung zwischen Kaiserreich und nationalsozialistischer Herrschaft her und nutzte Hindenburgs hohes Ansehen. Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März beseitigte anschließend das alleinige Gesetzgebungsrecht des Reichstags und erlaubte der Regierung, selbst Gesetze zu erlassen. Hindenburg blieb zwar formal Reichspräsident, unterstützte aber die entscheidenden Schritte zur Diktatur. Ob er Hitler im Juni 1934 zu den Mordaktionen des angeblichen „Röhm-Putsches“ drängte, ist unter Historikern umstritten.
Tod, Nachwirkung und heutige Bewertung
Hindenburg starb am 2. August 1934 um 9 Uhr auf Gut Neudeck im Alter von 86 Jahren. Bereits am Vortag hatte Hitlers Kabinett die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in Hitlers Person beschlossen; das Gesetz trat mit Hindenburgs Tod in Kraft. Hindenburg hatte Hitler in seinem politischen Testament nicht zum Nachfolger bestimmt. Dennoch behauptete sein Sohn Oskar vor der Volksabstimmung vom 19. August 1934, der Vater habe in Hitler seinen unmittelbaren Nachfolger gesehen. Fast 90 Prozent der Abstimmenden billigten die Zusammenlegung der Ämter.
Gegen Hindenburgs ursprünglichen Wunsch ließ Hitler ihn im Tannenberg-Denkmal beisetzen. Als die Rote Armee 1945 heranrückte, wurden die Särge Hindenburgs und seiner Frau abtransportiert. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie in der Elisabethkirche in Marburg.
Hindenburg erhielt zahlreiche militärische Auszeichnungen, Ehrendoktorwürden und insgesamt 3824 Ehrenbürgerschaften. Straßen, Plätze, Schulen, Kasernen, Schiffe und Luftschiffe trugen seinen Namen; besonders bekannt wurde der Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“. Das NS-Regime setzte die bereits im Ersten Weltkrieg entstandene Heldenverehrung fort, unter anderem durch Münzen, Briefmarken und eine Gedächtnisausstellung im Berliner Zeughaus 1935.
Seit dem Ende des Nationalsozialismus wurden zahlreiche Ehrungen und Benennungen zurückgenommen. Begründet wurde dies vor allem damit, dass Hindenburg Hitler den Weg zur Macht geöffnet und dessen erste Maßnahmen zur Errichtung der Diktatur mitgetragen hatte. Berlin strich ihn 2020 aus der Ehrenbürgerliste. Zahlreiche Kommunen benannten Straßen, Plätze und Schulen um, darunter Münster, Hannover, Darmstadt, Freiburg, Lüneburg und Hamburg. Im Juni 2026 beschloss die Gemeinde Sylt, den Hindenburgdamm in Syltdamm umzubenennen. Die Auseinandersetzungen zeigen, dass Hindenburg nicht nur als militärische Symbolfigur des Ersten Weltkriegs, sondern vor allem wegen seiner Verantwortung für den Untergang der Weimarer Demokratie beurteilt wird.