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Paul VI.

Er war von 1963 bis 1978 der 262. Papst der römisch-katholischen Kirche und Oberhaupt des Staates der Vatikanstadt. Wegen seiner prägenden Rolle für den Verlauf …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Weg zum Papstamt
  2. 2. Wahl und Abschluss des Konzils
  3. 3. Reformen, Lehre und Frauen
  4. 4. Enzykliken und zentrale Schriften
  5. 5. Reisen, Ökumene und Diplomatie
  6. 6. Tod, Nachwirkung und Heiligsprechung

Überblick und Weg zum Papstamt

Paul VI., bürgerlich Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini, lebte vom 26. September 1897 bis zum 6. August 1978. Der italienische Priester und Bischof war von 1963 bis 1978 der 262. Papst der römisch-katholischen Kirche und Oberhaupt des Staates der Vatikanstadt. Seine wichtigste Aufgabe war die Fortführung, der Abschluss und die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Deshalb gilt er manchen als eigentlicher „Konzilspapst“.

Montini stammte aus lombardischem Landadel. Er studierte Katholische Theologie, Kirchenrecht, ziviles und kanonisches Recht sowie Philosophie. Am 29. Mai 1920 empfing er die Priesterweihe und erlangte im selben Jahr in Mailand das Doktorat im Kirchenrecht.

Ab 1922 arbeitete er im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls. Von 1937 an war er als Substitut enger Mitarbeiter des späteren Papstes Pius XII. Ab 1944 unterstand ihm auch die Päpstliche Hilfskommission für Flüchtlinge. Laut Artikel unterstützte sie Katholiken bei der Emigration, half aber auch Flüchtigen, der Justiz zu entkommen; über sogenannte Rattenlinien wurden Flüchtlinge vor allem nach Argentinien geschleust. 1954 wurde Montini Erzbischof von Mailand und widmete sich besonders der Seelsorge für Arbeiter sowie dem Bau neuer Kirchen. Johannes XXIII. ernannte ihn am 15. Dezember 1958 zum Kardinal.

Wahl und Abschluss des Konzils

Nach dem Tod Johannes’ XXIII. am 3. Juni 1963 wurde Montini am 21. Juni 1963 im fünften Wahlgang zum Papst gewählt und nahm den Namen Paul VI. an. Nach Giulio Andreotti erhielt er 65 von 80 Stimmen. Die Krönung fand am 30. Juni auf dem Petersplatz statt. 1964 legte er die Tiara ab; er war der letzte Papst, der mit ihr gekrönt wurde.

Bereits am 27. Juni 1963 berief Paul VI. das durch den Tod seines Vorgängers unterbrochene Zweite Vatikanische Konzil erneut ein. Er führte es zu Ende und setzte sämtliche Beschlüsse in Kraft. Sein Verständnis der Kirche war dabei auf einen universellen Dialog gerichtet: Für die katholische Kirche solle grundsätzlich niemand fremd, ausgeschlossen oder fern sein.

Die Nachwirkung seines Pontifikats wird vor allem mit der Aufgabe verbunden, das Konzil von 1962 bis 1965 in das Leben der Kirche zu überführen. Seine umfassende kirchliche Gesetzgebung war prägend, auch wenn der vollständig neu gefasste Codex Iuris Canonici erst 1983 veröffentlicht wurde.

Reformen, Lehre und Frauen

Paul VI. setzte wichtige vom Konzil angestoßene Reformen um, besonders die Liturgiereform. Eine durchgreifende Demokratisierung der Kirche lehnte er jedoch ab. Nach dem „petrinischen Prinzip“ war Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt Voraussetzung für Dialog. 1965 wandelte er das Heilige Offizium in die Kongregation für die Glaubenslehre um, 1966 gründete er das Presseamt des Heiligen Stuhls und schaffte den Index der verbotenen Bücher ab.

Seine Soziallehre entwickelte er besonders in Populorum progressio (1967) über den gerechten Fortschritt der Völker und Octogesima adveniens (1971) weiter. Africae terrarum (1967) würdigte afrikanische christliche Traditionen und Volksfrömmigkeit. Am 30. Juni 1968 formulierte er das Credo des Gottesvolkes. Die Reformen führten unter anderem zur Abspaltung der Priesterbruderschaft Pius X. um Marcel Lefebvre sowie sedisvakantistischer Kreise; nach dem Artikel blieb die Einheit der Kirche insgesamt gewahrt.

Mit Romano Pontifici Eligendo vom 1. Oktober 1975 regelte er die Papstwahl neu: Kardinäle, die bei Eintritt der Sedisvakanz das 80. Lebensjahr vollendet hatten, verloren das Wahlrecht; die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle sollte 120 nicht überschreiten.

Umstritten blieb Humanae vitae vom 25. Juli 1968. Die Enzyklika erlaubte Ehegatten die Berücksichtigung empfängnisfreier Zeiten, verwarf künstliche empfängnisverhütende Mittel aber als „immer unerlaubt“. Paul VI. trat außerdem für die Gleichberechtigung von Frauen ein, auch innerhalb der Kirche. 1966 erklärte er, Frauen könnten alle kulturellen und sozialen Funktionen übernehmen.

Enzykliken und zentrale Schriften

Die großen Enzykliken Pauls VI. stehen laut Artikel thematisch im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und erläutern Fragen der Glaubens- und Sittenlehre ausführlicher als Konzilsdokumente.

  • Ecclesiam suam (6. August 1964): über den Weg der Kirche in der heutigen Zeit.
  • Mense Maio (29. April 1965): über die Marienverehrung im Monat Mai.
  • Mysterium fidei (3. September 1965): über die Eucharistie als Mitte der Kirche.
  • Christi matri rosarii (15. September 1966): über das Rosenkranzgebet als Mittel zum Frieden.
  • Populorum progressio (26. März 1967): über den gerechten Fortschritt der Völker.
  • Sacerdotalis caelibatus (24. Juni 1967): über die Ehelosigkeit der Priester.
  • Humanae vitae (25. Juli 1968): über die Weitergabe des menschlichen Lebens.

Weitere wichtige Apostolische Schreiben waren Marialis cultus (1974), Gaudete in Domino (1975) und Evangelii nuntiandi (1975).

Reisen, Ökumene und Diplomatie

Pauls Auslands- und Pilgerreisen waren eine Neuheit. Vom 4. bis 6. Januar 1964 reiste er ins Heilige Land in Israel und Jordanien; es war die erste Pilgerfahrt eines Papstes dorthin. In Jerusalem traf er Patriarch Athinagoras von Konstantinopel. Die Begegnung trug 1965 zur Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikationen von Konstantinopel und Rom aus dem Morgenländischen Schisma von 1054 bei.

Weitere Reisen führten ihn 1964 nach Indien, 1965 zur UNO-Vollversammlung nach New York, 1967 nach Fátima und Istanbul, 1968 nach Kolumbien, 1969 nach Genf und Uganda sowie 1970 unter anderem auf die Philippinen und nach Australien. In Manila entging er am 27. November 1970 knapp einem Messerattentat durch Benjamín Mendoza y Amor Flores.

Er baute den Dialog mit der Orthodoxie und der Altkatholischen Kirche aus. 1969 schrieb er dem designierten altkatholischen Erzbischof Marinus Kok erstmals einen persönlichen Glückwunschbrief. Zugleich öffnete er die Diplomatie gegenüber kommunistischen Staaten, obwohl dies innerhalb der Kirche umstritten war. Bei einem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Andrejewitsch Gromyko am 27. April 1966 forderte er besonders Religionsfreiheit im Ostblock. Ziel der vorsichtigen Annäherung war, die Lage der katholischen Kirche dort zu mildern. Am 1. Januar 1968 führte er den Weltfriedenstag ein.

Tod, Nachwirkung und Heiligsprechung

Im März 1978 setzte sich Paul VI. persönlich für die Freilassung des von den Roten Brigaden entführten Aldo Moro ein, mit dem er seit dessen Studienzeit befreundet war. Moro wurde dennoch ermordet; Paul VI. hielt später die Trauermesse beim Staatsakt. Nach einem schweren Herzinfarkt starb der gesundheitlich angeschlagene Papst am 6. August 1978 gegen 21:40 Uhr in Castel Gandolfo. Er wurde seinem Wunsch entsprechend in einem Erdgrab in den vatikanischen Grotten bestattet.

In der Rückschau wird seine Reformbereitschaft anerkannt; seine Amtszeit gilt als entscheidend für die Rezeption und Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Er förderte auch zeitgenössische Kunst: 1973 eröffnete er in den Vatikanischen Museen die Sammlung Moderner Religiöser Kunst. Die von Pier Luigi Nervi von 1964 bis 1971 errichtete vatikanische Audienzhalle heißt offiziell Aula Paolo VI.

Johannes Paul II. eröffnete am 11. Mai 1993 das Seligsprechungsverfahren. Benedikt XVI. stellte im Dezember 2012 den heroischen Tugendgrad fest. Papst Franziskus sprach Paul VI. am 19. Oktober 2014 selig und am 14. Oktober 2018 heilig. Sein nichtgebotener liturgischer Gedenktag ist seit 2019 der 29. Mai, der Jahrestag seiner Priesterweihe.

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