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Opus Dei

Nach Rhonheimer ist es jedoch nicht Aufgabe der katholischen Kirche, eine Soziallehre aufzustellen, vielmehr sei der „Antikapitalismus“ der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Wesen und kirchenrechtlicher Status
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Aufbau, Mitgliedschaft und Leitung
  4. 4. Religiöser Alltag, Verbreitung und Finanzen
  5. 5. Kritik, politische Einordnung und Gegenpositionen

Wesen und kirchenrechtlicher Status

Das Opus Dei („Werk Gottes“) heißt offiziell seit 1982 Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei. Es ist eine römisch-katholische Einrichtung, die der spanische Priester Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás am 2. Oktober 1928 gründete. Ziel sind nach Escrivá die „Heiligung der Arbeit“ und die „Verchristlichung der Gesellschaft“: Beruf, Alltag und persönliche Lebensführung sollen als Weg zu Gott verstanden werden.

Kirchenrechtlich ist das Opus Dei seit 1982 eine Personalprälatur, also ein klerikaler Zweckverband, dem Laien und Kleriker angehören können. Es war bislang die einzige Organisation dieser Art. Papst Johannes Paul II. errichtete sie durch die Apostolische Konstitution Ut sit. Seit dem Motu proprio Ad charisma tuendum vom 14. Juli 2022 untersteht sie dem Dikasterium für den Klerus statt der Bischofsbehörde. Der Prälat erhält nicht mehr automatisch eine Bischofsweihe und muss jährlich über Zustand und apostolische Arbeit der Prälatur berichten. Zudem darf die Organisation ihre Arbeit in einer Diözese nur mit Zustimmung des jeweiligen Bischofs aufnehmen.

Die seit 1982 geltenden Statuten heißen Codex Iuris Particularis Operis Dei. Als Zielgruppen nennen sie Menschen aller Berufe und gesellschaftlichen Klassen, besonders „Intellektuelle“. 2022 hatte das Opus Dei 95.625 Mitglieder, darunter 2.115 Priester und höhere kirchliche Würdenträger, in 70 Ländern. Die Zentrale befindet sich in der Villa Tevere in Rom.

Entstehung und Entwicklung

Escrivá gründete das Opus Dei in Madrid, nachdem er als Hauskaplan mit Armut, kirchenfeindlichen Einstellungen und der gesellschaftlichen Stellung der Kirche konfrontiert war. Zunächst schlossen sich ehelos lebende Männer an; 1930 entstand eine Frauenabteilung. 1943 gründete Escrivá innerhalb der Männerabteilung die Priesterliche Gesellschaft vom Heiligen Kreuz. Seit etwa 1950 können auch verheiratete Laien dem Opus Dei angehören.

Kirchliche Anerkennungen erfolgten schrittweise: 1941 als Fromme Vereinigung durch den Erzbischof von Madrid, 1950 als Säkularinstitut durch Papst Pius XII. und 1982 als Personalprälatur. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die internationale Ausbreitung: 1945 in Portugal, 1946 wurde der Zentralsitz nach Rom verlegt; anschließend folgten unter anderem mehrere Länder Lateinamerikas. 1952 begann die Arbeit in Deutschland, 1956 in der Schweiz und 1957 in Österreich.

Die Geschichte im Spanien der Franco-Diktatur ist ein wichtiger und umstrittener Teil des Artikels. Escrivá traf Franco mehrfach zu religiösen Besinnungstagen und Exerzitien. Ab den 1950er Jahren wurden Mitglieder des Opus Dei in der Regierung und Wirtschaft Spaniens einflussreich; 1957 wurden drei Mitglieder Minister, 1962 ein weiteres. Für die Franco-Ära sind nach dem Artikel nur diese vier Mitgliedschaften sicher belegt, während höhere Zahlen für spätere Kabinette genannt werden. Kritiker werfen Escrivá Nähe zu Franco und Faschismus sowie die Forderung nach „blindem Gehorsam“ vor. Aussagen des ehemaligen Mitglieds Vladimir Felzmann über Äußerungen Escrivás zu Hitler und zum Holocaust wies das Opus Dei als nicht plausibel zurück.

In Spanien förderte das Opus Dei Bildungs- und Wirtschaftseinrichtungen, darunter die Universität Navarra in Pamplona und die IESE Business School in Barcelona. Dem Artikel zufolge waren Mitglieder und Sympathisanten während des Franquismus an wirtschaftspolitischen Reformen beteiligt. Die daraus abgeleiteten Einschätzungen über politischen Einfluss und Verantwortung sind Gegenstand von Kritik und Gegenargumenten.

Aufbau, Mitgliedschaft und Leitung

Das Opus Dei ist in eine streng getrennte Männer- und Frauenabteilung gegliedert. Der Klerus gehört zur Männerabteilung. Laien bleiben institutionell dem Ortsbischof unterstellt; der Prälat ist für ihre freiwillig übernommenen asketischen, bildungsmäßigen und apostolischen Verpflichtungen zuständig.

Die Aufnahme erfolgt in drei Stufen: Frühestens mit 16½ Jahren kann eine Person um Aufnahme mit 17 Jahren bitten. Es folgen die einfache Zulassung (Admissio), nach einem Jahr die vorläufige Eingliederung (Oblatio) und nach fünf Jahren die endgültige Eingliederung (Fidelitas), die der Prälat bestätigen muss. Oblatio und Fidelitas beruhen auf einer förmlichen Erklärung gegenseitiger Rechte und Pflichten, die das Opus Dei als „Vertrag“ einstuft. Jugendliche können zuvor als Aspiranten auf eine spätere Aufnahme vorbereitet werden. Die Einbindung Minderjähriger und die mögliche Bindung an Zölibat werden im Artikel als Konfliktpunkt genannt.

Es gibt drei Mitgliedergruppen. Numerarier sind zölibatär lebende Männer und Frauen, meist Akademiker, die in Zentren oder Einrichtungen mit „größtmöglicher persönlicher Verfügbarkeit“ leben. Sie übernehmen vor allem Leitung und Ausbildung. Sie studieren, mit Ausnahme der Hilfsnumerarierinnen, zwei Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie. Numerarier sollen Erbschaften testamentarisch der Organisation übertragen und berufliche Einkünfte bis auf ein Taschengeld abgeben. Ihr Anteil wird auf etwa 20 Prozent geschätzt. Hilfsnumerarierinnen gehören zu den Numerarierinnen und übernehmen manuelle oder häusliche Arbeiten wie Kochen und Reinigen.

Assoziierte sind ebenfalls zölibatäre Laien, leben wegen beruflicher oder familiärer Pflichten aber außerhalb der Häuser. Supernumerarier leben ebenfalls im eigenen Haushalt und dürfen heiraten oder sind verheiratet; sie stellen nach Schätzungen die größte Mitgliedergruppe. Mitarbeiter sind keine Mitglieder. Sie unterstützen durch Gebet, Arbeit oder Spenden und können auch anderen Konfessionen oder Religionen angehören; 2005 wurden weltweit 164.000 Mitarbeiter genannt.

Die Priesterliche Gesellschaft vom Heiligen Kreuz ist mit dem Opus Dei verbunden und hat etwa 4.000 Mitglieder. Ihr gehören alle Priester des Opus Dei sowie auf Wunsch Diözesanpriester und Diakone an. Leiter des Opus Dei ist der Prälat, der vom Generalkongress der Männer auf Lebenszeit gewählt und vom Papst ernannt wird. Prälat seit 2017 ist Fernando Ocáriz Braña. Regionen mit Regionalvikar, Regionalsekretär und weiteren Räten koordinieren die Arbeit in einzelnen Ländern oder Ländergruppen.

Religiöser Alltag, Verbreitung und Finanzen

Der „Lebensplan“ ordnet den religiösen Alltag der Mitglieder. Zu den täglichen Übungen zählen Messe, dreimalige Gewissenserforschung, festgelegte Gebete einschließlich Rosenkranz sowie zwei Stunden Schweigen am Mittag. Hinzu kommen monatliche Klausurtage und jährliche Einkehrwochen. Mitglieder, die außerhalb eines Zentrums leben, sollen möglichst viel davon erfüllen. In den Zentren legen Mitglieder im wöchentlichen „Kreis“ Rechenschaft über die Erfüllung des Lebensplans ab.

Für zölibatär lebende Numerarier, Numerarierinnen und Assoziierte nennt der Artikel außerdem körperliche Bußübungen: werktags zwei Stunden einen kleinen dornenbespickten Bußgürtel, samstags Selbstgeißelung und einmal wöchentlich Schlafen auf dem Fußboden, soweit die Gesundheit dies erlaubt. Das Opus Dei bestätigt körperliche Buße, beschreibt sie aber als milde Askese, Teilhabe am Erlösungswerk Jesu und Hilfe zur Selbstüberwindung. Für nicht-zölibatäre Supernumerarier seien Selbstüberwindungen im Alltag maßgeblich. Der Abschnitt zu diesen Praktiken ist im Artikel ausdrücklich als nicht ausreichend belegt gekennzeichnet.

Der Artikel beschreibt außerdem interne Vorgaben zur Lektüre, Geheimhaltung und Mitgliederwerbung. Ein ständig überarbeiteter Index führe mehr als 1.000 verbotene Bücher auf. Namen anderer Mitglieder und interne Kenntnisse sollen geheim gehalten werden. Mitglieder sollen neue Personen ansprechen; in Zentren werden dafür Listen geführt.

Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in Spanien, Lateinamerika und Italien. Mit der Spiritualität des Opus Dei verbundene Bildungs- und Sozialwerke umfassen Schulen, Berufsbildungszentren, Universitäten, Hilfswerke und Spitäler. Beispiele sind die Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz in Rom und die Universität Navarra. In Deutschland hat das Opus Dei etwa 600 Mitglieder und seine Regionalleitung in Köln; Österreich zählte 2018 rund 400, die Schweiz rund 300 Mitglieder. Das Vermögen wurde 2005 in einem Artikel des Irish Independent auf etwa 2,8 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2017 war Banco Popular ein wesentlicher Finanzier.

Kritik, politische Einordnung und Gegenpositionen

Kritik richtet sich laut Artikel vor allem gegen eine sehr konservative oder rechtsgerichtete politische Ausrichtung, Geheimhaltung, Finanzgebaren, Geschlechterrollen, strenge Disziplin und körperliche Bußpraktiken. Theologen wie Hans Urs von Balthasar und Wolfgang Beinert bezeichneten das Opus Dei als integralistische beziehungsweise fundamentalistische Machtbildung. Andere Kritiker sehen ein Risiko für demokratische Strukturen.

Ehemalige Mitglieder erhoben Vorwürfe des Machtmissbrauchs, besonders in Jugendeinrichtungen und gegenüber Frauen. Genannt werden Kontrolle, Abschottung von Familien und Druck gegen einen Austritt. Das Opus Dei weist den Vorwurf zurück, Minderjährige zu rekrutieren, und verweist darauf, dass Mitglieder mindestens 18 Jahre alt sein müssten und Juniorkandidaten ab 14 Jahren die Zustimmung ihrer Eltern benötigten. 43 Frauen in Argentinien erhoben 2022 Vorwürfe rechtswidriger Arbeitsbedingungen und finanzieller Ausbeutung; diese sollten offiziell aufgeklärt werden. Eine Behauptung, Opus Dei habe in Spanien 300.000 Babys entführen lassen, wurde in einem Verfahren zwar nicht als Eingriff in den sozialen Geltungsanspruch der deutschen Untergliederung bewertet; das Oberlandesgericht Köln stellte zugleich fest, dass die beklagte Vereinigung keine Belege dafür vorlegen konnte.

Politische Kritik verweist auf die Mitarbeit einzelner Mitglieder im Franco-Regime sowie vermutete Verbindungen zu Fujimori, Pinochet und konservativen politischen Kräften. Das Opus Dei setzte sich teilweise erfolgreich gegen Behauptungen über Beteiligungen an Waffengeschäften juristisch zur Wehr. Als Gegenposition wird dargestellt, dass Opus-Dei-Mitglieder in den 1950er Jahren vor allem als technokratische Fachleute in Führungsämter gelangten und dies auch den Einfluss der Falange zurückdrängte. Der spanische Journalist und Opus-Dei-Angehörige Antonio Fontán engagierte sich unter Franco für Pressefreiheit und Demokratie.

Der Artikel nennt zudem Kritik an neoliberalen Positionen einzelner Mitglieder und der Zusammenarbeit der Päpstlichen Universität Santa Croce mit dem Acton Institute. Beanstandet wird ein Widerspruch zur katholischen Soziallehre, etwa bei gerechtem Lohn, Umverteilung und Klimaschutz. Prälat Fernando Ocáriz Braña widerspricht der Deutung, für das Opus Dei sei beruflicher Erfolg entscheidend; maßgeblich sei das Bemühen als Dienst für andere. Schließlich werden verschiedene, teils einander widersprechende Verschwörungstheorien erwähnt, die dem Opus Dei Weltherrschaftspläne oder sogar eine jüdische Identität unterstellen.

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