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Franziskus (Papst)

Als Argentinier war Franziskus der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem 8. Jahrhundert. Wegen seiner Abstammung hatte er auch die italienische und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und kirchlicher Werdegang
  2. 2. Militärdiktatur und umstrittene Vergangenheit
  3. 3. Wahl, Name und Beginn des Pontifikats
  4. 4. Kirchenleitung und Reformen
  5. 5. Soziale, ökologische und gesellschaftliche Positionen
  6. 6. Dialog, Krankheit, Tod und Nachwirkung

Person und kirchlicher Werdegang

Franziskus, bürgerlich Jorge Mario Bergoglio SJ, wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geboren und starb am 21. April 2025 in der Vatikanstadt. Von seiner Wahl am 13. März 2013 bis zu seinem Tod war er der 266. Bischof von Rom, Papst, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän der Vatikanstadt. Als Argentinier war er der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem 8. Jahrhundert und der erste Papst aus dem Jesuitenorden.

Bergoglio erwarb zunächst einen Berufsabschluss als Chemietechniker und arbeitete unter anderem als Techniker in einem lebensmittelwissenschaftlichen Labor. 1958 trat er den Jesuiten bei. Er studierte Geisteswissenschaften, Philosophie und katholische Theologie; 1960 schloss er das Philosophiestudium, 1970 das Theologiestudium ab. Theologisch beeinflusste ihn besonders die „Theologie des Volkes“, eine argentinische Variante der Befreiungstheologie. Sie betont, dass die Kirche an der Seite der Armen stehen und deren Rechte und Teilhabe fördern soll.

Am 13. Dezember 1969 wurde Bergoglio zum Priester geweiht. Von 1973 bis 1979 war er Provinzial, also Leiter der argentinischen Jesuitenprovinz. Später war er Rektor und Theologiedozent in San Miguel. Eine 1986 in Frankfurt begonnene Dissertation über Romano Guardinis Werk Der Gegensatz blieb unvollendet. 1992 wurde Bergoglio Weihbischof in Buenos Aires, 1997 Koadjutorerzbischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 21. Februar 2001 zum Kardinal. Als Erzbischof arbeitete er besonders in Armenvierteln, kritisierte Korruption und soziale Ungleichheit und wandte sich gegen einen rein wirtschaftlich bestimmten Fortschrittsbegriff.

Militärdiktatur und umstrittene Vergangenheit

Bergoglios Verhalten während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ist bis heute umstritten. Im sogenannten „Schmutzigen Krieg“ wurden bis zu 30.000 mutmaßliche Oppositionelle entführt, gefoltert und ermordet; bis zu 500 in Haft geborene Kinder wurden ihren Familien geraubt.

Besonders ausführlich wurde der Fall der Jesuitenpriester Franz Jalics und Orlando Yorio diskutiert. Beide arbeiteten in einem Armenviertel von Buenos Aires. Am 23. Mai 1976 wurden sie von Marinesoldaten entführt und in der Escuela de Mecánica de la Armada (ESMA) fünf Tage verhört und gefoltert. Danach waren sie fünf Monate lang gefangen. Nach ihrer Freilassung im Oktober 1976 verließen sie Argentinien.

Jalics und Yorio warfen Bergoglio vor, er habe ihnen den Schutz der Kirche entzogen, Gerüchte über eine Guerillazugehörigkeit nicht zurückgewiesen oder sie sogar beim Militär denunziert. Andere Zeugenaussagen und Bergoglios eigene Darstellung widersprachen dem. Er erklärte, er habe sich wiederholt bei Diktator Jorge Rafael Videla und Admiral Emilio Massera für die beiden eingesetzt und nach ihrer Gefangennahme ihre Freilassung betrieben. Der ermittelnde Richter kam 2010 zu dem Schluss, Bergoglio habe sich juristisch nicht strafbar gemacht. Zugleich weisen Historiker auf die bislang fehlende vollständige Akteneinsicht hin.

Die Aussagen blieben widersprüchlich. Yorio hielt seine Vorwürfe bis zu seinem Tod im Jahr 2000 aufrecht. Jalics erklärte am 15. März 2013, er könne Bergoglios Rolle bei der Entstehung der Haft nicht beurteilen; am 20. März ergänzte er, Bergoglio habe sie nicht angezeigt. Mehrere von der Diktatur verfolgte Personen, darunter Adolfo Pérez Esquivel, Alicia Oliveira und Leonardo Boff, berichteten dagegen, Bergoglio habe Verfolgten geholfen oder sie geschützt.

Wahl, Name und Beginn des Pontifikats

Nach dem Amtsverzicht Benedikts XVI. am 28. Februar 2013 begann am 12. März das Konklave mit 115 Kardinälen. Am zweiten Tag erhielt Bergoglio im fünften Wahlgang die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Am 13. März 2013 wurde er zum Papst gewählt.

Er nahm als erster Papst den lateinischen Namen Franciscus an. Der Name erinnert an Franz von Assisi, den Bergoglio als Mann der Armut, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung verstand. Sein Leitbild lautete eine „arme Kirche für die Armen“. Die Ordnungszahl I. wird nach vatikanischer Auskunft erst verwendet, wenn ein weiterer Papst diesen Namen annimmt.

Seine Amtseinführung fand am 19. März 2013 statt. Franziskus erhielt den Fischerring und das Pallium, ein liturgisches Zeichen des Petrusdienstes. In seiner Predigt stellte er das Dienen, den Schutz der Armen und die Bewahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt. Er betonte außerdem seine Rolle als „Bischof von Rom“. Dieses Amt begründet kirchenrechtlich das Papstamt, ohne dass Franziskus den päpstlichen Primat aufgab.

Sein Wappen enthält das Jesuitensymbol mit der goldenen Sonne und dem Christusmonogramm IHS. Drei Nägel stehen für Armut, ehelosen Gehorsam und Keuschheit. Der achtzackige Stern symbolisiert Maria, die Nardenblüte den heiligen Josef; diese Deutung wurde vereinzelt bezweifelt. Der Wahlspruch lautet „Miserando atque eligendo“ („aus Barmherzigkeit erwählt“). Franziskus wohnte im Gästehaus Santa Marta statt im Apostolischen Palast, trug weiterhin sein schlichtes Eisenkreuz, fuhr häufig einfache Fahrzeuge und verzichtete auf ein Gehalt. Diese Lebensweise wurde als Zeichen von Bescheidenheit und Nähe zu Armen verstanden.

Kirchenleitung und Reformen

Franziskus wollte eine missionarische Kirche, die sich nicht um sich selbst dreht. Sie sollte wie ein „Feldlazarett“ zuerst soziale Wunden heilen und Menschen an den „Rändern menschlicher Existenz“ erreichen. Er kritisierte „kirchliche Selbstbezogenheit“, Klerikalismus und eine Kirche, die mehr wie eine Verwaltung als wie eine Gemeinschaft von Hirten und Gläubigen handelt.

Ein Schwerpunkt war die Reform der Römischen Kurie, der zentralen Verwaltung der katholischen Kirche. 2014 schuf er einen Wirtschaftsrat, ein Wirtschaftssekretariat und die Stelle eines Generalrevisors. Die Vatikanbank IOR wurde untersucht und teilweise neu organisiert. 2016 und 2017 fasste Franziskus mehrere päpstliche Räte in neuen Dikasterien zusammen. Die Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium vom 19. März 2022, in Kraft seit dem 5. Juni 2022, regelte die Kurienstruktur neu. Erstmals konnten auch Laien, Männer oder Frauen, Präfekten von Dikasterien werden. 2025 wurde Raffaella Petrini zur ersten Regierungschefin des modernen Vatikanstaates ernannt.

Franziskus hielt an der Ablehnung der Frauenordination fest. In Evangelii gaudium und Querida Amazonia erklärte er das Priestertum für Frauen weiterhin für ausgeschlossen. Zugleich ließ er 2020 erneut die Möglichkeit eines Frauendiakonats untersuchen. Mit Spiritus Domini vom 10. Januar 2021 öffnete er Frauen dauerhaft den kirchenrechtlichen Zugang zum Lektoren- und Akolythendienst. Den Zölibat betrachtete er nicht als Glaubensartikel, aber eine allgemeine Aufhebung lehnte er ab.

Bei sexuellem Missbrauch setzte er die Entlassung schuldiger Kleriker aus dem kirchlichen Dienst fort und gründete 2014 eine Kommission zum Schutz Minderjähriger. 2019 berief er erstmals die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen zu einer Konferenz über Missbrauch ein und erklärte, kein Missbrauch dürfe mehr vertuscht werden.

Soziale, ökologische und gesellschaftliche Positionen

Franziskus kritisierte den unregulierten Kapitalismus, Wirtschaftsliberalismus, Konsumismus und eine „Wegwerfkultur“. In Evangelii gaudium von 2013 formulierte er: „Diese Wirtschaft tötet.“ Er wandte sich gegen eine Wirtschaft der Ausschließung, die Vergötterung des Geldes, soziale Ungleichheit, Korruption und die Vorstellung, Wirtschaftswachstum führe automatisch zu mehr Gleichheit. Er forderte Solidarität mit Armen, Flüchtlingen und Ausgeschlossenen. 2013 besuchte er Lampedusa und prangerte die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ gegenüber ertrinkenden Flüchtlingen an.

Die Enzyklika Laudato si’ vom 18. Juni 2015 verbindet Umwelt- und Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit. Franziskus bezeichnete den Menschen als Hauptverursacher der globalen Erwärmung, forderte den Ausstieg aus fossilen Energieträgern und eine Energiewende zu erneuerbaren Energien. Die Energiewende erklärte er zu einer moralischen Notwendigkeit. Er kritisierte die Zerstörung der Biodiversität und hielt marktbasierte Instrumente wie den Emissionsrechtehandel für ungeeignet, den notwendigen grundlegenden Wandel herbeizuführen. 2019 sprach er vom globalen „Klimanotstand“. Im Apostolischen Schreiben Laudate Deum von 2023 forderte er wirksame Maßnahmen gegen die Klimakrise.

Bei Schwangerschaftsabbruch, künstlicher Verhütung und Leihmutterschaft vertrat er die katholische Lehre. Schwangerschaftsabbruch verglich er 2018 mit einem Auftragsmord; Leihmutterschaft bezeichnete er 2022 und 2024 als unmenschlich und forderte ein weltweites Verbot. Die gleichgeschlechtliche Ehe lehnte er ab, befürwortete aber rechtliche Lebenspartnerschaften. Zugleich wandte er sich gegen Ausgrenzung und Kriminalisierung homosexueller Menschen, forderte Entschuldigungen für Diskriminierung und erlaubte im Dezember 2023 die Segnung unverheirateter und homosexueller Paare außerhalb des Gottesdienstes.

Franziskus lehnte die Todesstrafe unter allen Umständen ab; 2018 wurde der Katechismus entsprechend geändert. Er forderte die Abschaffung von Atomwaffen und bezeichnete ihren Besitz als unmoralisch. Im Ukrainekrieg bot der Vatikan Vermittlung an, entsandte Hilfskardinäle in die Ukraine und weihte Russland und die Ukraine dem Unbefleckten Herzen Mariens. Seine Äußerungen über eine mögliche Mitverantwortung der NATO lösten 2022 Kontroversen aus.

Dialog, Krankheit, Tod und Nachwirkung

Franziskus setzte auf Ökumene und interreligiösen Dialog. Er traf unter anderem den Ökumenischen Patriarchen Bartholomeos I., den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. und den schiitischen Geistlichen Ali as-Sistani. 2019 unterzeichnete er mit Ahmad al-Tayyib, dem Scheich der Azhar, das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen. Im Verhältnis zum Judentum verurteilte er Antisemitismus und pflegte bereits als Erzbischof enge Kontakte zur jüdischen Gemeinschaft Argentiniens. Gegenüber dem Islam betonte er, eine angemessene Interpretation des Koran stehe jeder Gewalt entgegen.

Während der COVID-19-Pandemie spendete Franziskus am 27. März 2020 erstmals in der jüngeren Geschichte außerplanmäßig den Segen Urbi et orbi vor einem menschenleeren Petersplatz und mit dem Allerheiligsten in der Monstranz. Ab 2021 warb er wiederholt für COVID-19-Impfungen. 2024 nahm er als erster Papst am G7-Gipfel in Fasano teil und sprach über künstliche Intelligenz und autonome Waffen.

Seine Gesundheit war durch eine teilweise Entfernung des rechten Lungenflügels nach einer schweren Lungenentzündung im Alter von 21 Jahren, eine Darmoperation 2021, Arthritis und Knieprobleme belastet. 2025 erkrankte er an einer beidseitigen Lungenentzündung, wurde zeitweise mechanisch beatmet und am 23. März aus dem Krankenhaus entlassen. Am 21. April 2025 starb er im Alter von 88 Jahren an einem Schlaganfall mit anschließendem irreversiblen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch. Am 26. April wurde er entsprechend seinem Testament in einem schlichten Erdgrab mit der Inschrift „Franciscus“ in Santa Maria Maggiore in Rom beigesetzt.

Zu seinen zentralen Schriften gehören die Enzykliken Lumen fidei, Laudato si’, Fratelli tutti und Dilexit nos sowie die Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium, Amoris laetitia, Querida Amazonia, Praedicate Evangelium, Vos estis lux mundi und Laudate Deum. Konservative Katholiken kritisierten besonders mögliche Folgerungen aus Amoris laetitia zur Eucharistiezulassung wiederverheirateter Geschiedener und seinen Umgang mit Sexualethik und Migration. Einer seiner schärfsten Gegner war Carlo Maria Viganò. Zugleich wurde Franziskus für Frieden, Barmherzigkeit, Solidarität und Schöpfungsbewahrung ausgezeichnet, unter anderem 2016 mit dem Karlspreis. Sein Wirken wurde außerdem in Dokumentar- und Spielfilmen sowie im Oratorium Laudato si’ dargestellt.

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