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Paul Cézanne

Paul Cézanne (* 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence; † 22. Oktober 1906 ebenda) war ein französischer Maler. Cézannes Werk wird unterschiedlichen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Künstlerische Bedeutung und zentrale Themen
  2. 2. Leben und künstlerische Entwicklung
  3. 3. Methode: Wahrnehmung, Farbe und Form
  4. 4. Anerkennung, Einfluss und Nachwirkung

Künstlerische Bedeutung und zentrale Themen

Paul Cézanne (19. Januar 1839–22. Oktober 1906) war ein französischer Maler aus Aix-en-Provence. Seine Bedeutung liegt darin, dass er impressionistische Farbwirkungen mit einer festeren, konstruktiven Bildordnung verband. Er gab die illusionistische Fernwirkung und viele Regeln der akademischen Kunst auf und suchte eine neue Gestaltung aus Farbe, Form und Fläche. Deshalb gilt er als Wegbereiter der Klassischen Moderne.

Seine wichtigsten Bildthemen waren Badende, Landschaften aus der Provence – besonders die Montagne Sainte-Victoire –, Stillleben und Porträts. Zu seinen bekanntesten Werkgruppen gehören Die Kartenspieler, die fünf Versionen zwischen 1890 und 1895 umfassen, sowie die Badenden. Von den Badeszenen schuf Cézanne etwa 140 Gemälde und Skizzen.

Sein Werk wird gewöhnlich in drei Entwicklungsphasen beschrieben:

  • In der frühen „dunklen“ Periode, etwa 1861–1871, beeinflussten ihn Romantik, Eugène Delacroix und Gustave Courbet. Er verwendete schwere Farbaufträge, dunkle und kontrastreiche Töne, Schwarz, Braun, Grau und Preußischblau. Themen waren unter anderem Porträts und dramatisch-dämonische Szenen.
  • In der impressionistischen Periode, etwa 1872–1882, wandte er sich unter dem Einfluss von Camille Pissarro, Édouard Manet und anderen von der dunklen Malweise ab. Er arbeitete mit den Grundfarben Gelb, Rot und Blau und lockeren, nebeneinandergesetzten Pinselstrichen. Landschaften wurden zunehmend aus farbigen Volumen und geometrischen Grundformen aufgebaut.
  • In der „Periode der Synthese“ und der späteren „lyrischen Periode“, etwa 1883–1906, verfestigte er die Formen durch flächig-diagonalen Farbauftrag, verringerte die traditionelle Perspektive und ordnete Farben und Formen zu einem kompositorischen Gleichgewicht. Im Spätwerk verband er frei erfundene Figuren, besonders Badende, mit Landschaften.

Leben und künstlerische Entwicklung

Cézanne wuchs in Aix-en-Provence als Sohn des späteren Bankiers Louis-Auguste Cézanne auf. Von 1852 an besuchte er das Collège Bourbon und freundete sich mit Émile Zola und Jean-Baptistin Baille an. Auf Wunsch seines Vaters studierte er ab 1859 zunächst Rechtswissenschaft, widmete sich aber lieber dem Zeichnen. In Abendkursen an der École de dessin d’Aix-en-Provence gewann er 1859 den zweiten Preis für Figurenstudien.

1860 durfte er im Familienanwesen Jas de Bouffan die Wände des Salons ausmalen. Dort entstanden die vier Jahreszeitenbilder. 1861 zog er nach Paris, wurde jedoch an der École des Beaux-Arts abgewiesen. An der Académie Suisse lernte er Camille Pissarro, Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley kennen und studierte im Louvre Werke von Michelangelo, Rubens und Tizian. Nach einer kurzen Rückkehr nach Aix ging er Ende 1862 erneut nach Paris.

Während des Deutsch-Französischen Krieges lebte Cézanne mit Hortense Fiquet in L’Estaque. Ihr Sohn Paul wurde am 4. Januar 1872 geboren. Von Ende 1872 bis 1874 lebte die Familie in Auvers-sur-Oise; in Pontoise arbeitete Cézanne mit Pissarro. Dieser ermutigte ihn, mit den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau sowie ihren unmittelbaren Abweichungen zu malen und auf lineare Konturen zu verzichten. Die Gestalt sollte durch farbliche Tonwerte entstehen.

Cézanne nahm 1874 und 1877 an Ausstellungen der später „Impressionisten“ genannten Gruppe teil. 1874 sorgten seine Werke Eine moderne Olympia und Das Haus des Gehängten für Entrüstung; Das Haus des Gehängten wurde dennoch für 300 Francs verkauft. 1882 gelangte durch Antoine Guillemet erstmals ein Gemälde Cézannes in den offiziellen Salon. 1886 heiratete er Hortense Fiquet. Nach dem Tod seines Vaters im selben Jahr erbte er ein Einkommen von 25.000 Francs.

1895 eröffnete Ambroise Vollard in Paris Cézannes erste Einzelausstellung. Von ungefähr 150 zugesandten Werken zeigte Vollard 50. 1897 erwarb Hugo von Tschudi für die Berliner Nationalgalerie Die Mühle an der Couleuvre bei Pontoise, das erste Cézanne-Gemälde in einem Museum. 1902 ließ Cézanne nördlich von Aix das Atelier des Lauves bauen. Er starb am 22. Oktober 1906 in Aix-en-Provence an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich nach einem Unwetter beim Malen zugezogen hatte.

Methode: Wahrnehmung, Farbe und Form

Cézannes Malerei beruhte auf genauer Beobachtung, nicht auf einer bloßen Kopie des sichtbaren Gegenstands. Seine drei Schlüsselbegriffe waren Motiv, sensation und réalisation.

„Aller sur le motif“ bezeichnete den Gang zum Motiv und zugleich die Beziehung zu einem äußeren Gegenstand, der den Künstler innerlich bewegt. „Sensation“ meinte sowohl den optischen Reiz eines Gegenstands als auch die emotionale Reaktion darauf. Cézanne formulierte: „Nach der Natur malen bedeutet nicht den Gegenstand kopieren, es bedeutet seine Empfindungen zu realisieren.“ Farbe vermittelte zwischen dem Gegenstand und der Empfindung. „Réalisation“ bezeichnete die eigentliche malerische Verwirklichung: Das Motiv, die ausgelösten Empfindungen und das Gemälde sollten gleichzeitig Gestalt gewinnen.

Cézanne wollte die Natur beobachten und zugleich ihre innere Ordnung sichtbar machen. In einem Brief vom 15. April 1904 an Émile Bernard schrieb er: „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt […].“ Damit ist keine vollständige Abstraktion gemeint, sondern eine Vereinfachung und Ordnung der Gegenstandsformen.

In den Stillleben ordnete Cézanne Früchte, Krüge, Töpfe und Tischtücher nicht immer nach der linearen Perspektive, sondern nach dem kompositorischen Gleichgewicht. Eine Birne konnte deshalb überdimensional groß erscheinen. Form und Volumen entstanden aus vielen einzelnen Farbtupfen, deren Gleichgewicht eine langsame Arbeitsweise erforderte. Auch ein Berg wie die Montagne Sainte-Victoire wurde als Aufbau von Formen, Räumen und Strukturen verstanden.

Zeichnungen bildeten die Grundlage seiner Arbeit. Cézanne hinterließ mehr als 1200 Zeichnungen mit Detailskizzen, Beobachtungen und Vorstudien. Im Spätwerk gewann die Aquarellmalerei besondere Bedeutung. Er schuf insgesamt mehr als 30 Ölbilder und 45 Aquarelle der Montagne Sainte-Victoire. Die Aquarelle bilden eine eigenständige Werkgruppe und wirkten auf seine Ölmalerei zurück. Sein Ziel beschrieb er als Suche nach „Konstruktionen und Harmonien parallel zur Natur“.

Anerkennung, Einfluss und Nachwirkung

Zu Lebzeiten stießen Cézannes Bilder häufig auf Unverständnis und Spott. Anerkennung erhielt er vor allem von Pissarro, Monet, Renoir, Degas, Kunstsammlern und Ambroise Vollard. Der Kritiker Gustave Geffroy bezeichnete ihn 1895 als „großen Wahrheitsfanatiker“ und schrieb, er werde „in den Louvre kommen“. Nach Cézannes Tod änderte sich seine Stellung rasch.

1907 würdigten eine Ausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune und eine Retrospektive im Salon d’Automne in Paris sein Werk. Diese Ausstellungen beeinflussten unter anderem Georges Braque, André Derain, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Pablo Picasso. 1910 wurden Cézannes Bilder in London in der Ausstellung Manet and the Post-Impressionists gezeigt; 1910/11 fand die erste Ausstellung in den Vereinigten Staaten in der Galerie 291 in New York statt, 1913 folgte die Armory Show.

Cézannes Einfluss auf die Moderne war weitreichend. Picasso nannte ihn „unser aller Vater“, Matisse eine „Art lieber Gott der Malerei“. Seine Bildordnung wirkte auf Kubismus, Fauvismus, Abstraktion und zahlreiche weitere Richtungen. Zugleich gab es Missdeutungen: Kubistische Künstler beriefen sich besonders auf die Formulierung von Zylinder, Kugel und Kegel, vernachlässigten dabei aber teilweise Cézannes Ausgangspunkt in der Naturbeobachtung. Ihm ging es nicht um eine bloße Umdeutung der Natur in geometrische Formen, sondern darum, Gegenstandsformen und ihre Farbigkeit unter verschiedenen Aspekten im Bild zu erfassen.

Auch außerhalb der Malerei wurde Cézanne wichtig. Rainer Maria Rilke sah in seiner Kunst eine Überwindung der bloßen Stimmungsmalerei und eine Anregung für das „sachliche Sagen“ in der Dichtung. Peter Handke setzte sich 1980 in Die Lehre der Sainte-Victoire mit Cézannes Sicht auf Landschaft und Farbe auseinander. In Aix-en-Provence erinnern Wege zum Jas de Bouffan, nach Le Tholonet, zum Bibémus-Steinbruch, an den Arc und zum Atelier Les Lauves an seine Motive. Das Atelier ist seit 1954 öffentlich zugänglich.

Auf dem Kunstmarkt stiegen die Preise stark. 1999 wurde Stillleben mit Vorhang, Krug und Obstschale für 60,5 Millionen US-Dollar versteigert. Das Aquarell Nature morte au melon vert erzielte 2007 25,5 Millionen Dollar. Der angebliche Verkauf einer Version der Kartenspieler für 275 Millionen Dollar im Jahr 2011 ist hinsichtlich der genauen Summe und des Käufers nicht bestätigt. 2019 wurde Bouilloire et fruits für über 59 Millionen Dollar verkauft. Eine Version der Montagne Sainte-Victoire erzielte am 9. November 2022 bei Christie’s 138 Millionen US-Dollar einschließlich Steuern; dies war der höchste gesicherte Cézanne-Preis im Artikel.

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