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Michelangelo
Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Michelangelo entstammte einer florentinischen Familie, die zwar auf adelige …
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Künstler der Hochrenaissance
Michelangelo Buonarroti (vollständig Michelagniolo di Lodovico di Lionardo di Buonarroto Simoni; * 6. März 1475 in Caprese, Republik Florenz; † 18. Februar 1564 in Rom) war italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister und Dichter. Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern der italienischen Hochrenaissance. Besonders wichtig sind seine Darstellungen des menschlichen Körpers: Sie verbinden genaue Anatomie, Bewegung, idealisierte Schönheit und starken Ausdruck.
Er stammte aus einer angesehenen, aber finanziell nicht wohlhabenden florentinischen Bürgerfamilie. Gegen den Widerstand seines Vaters begann er mit 13 Jahren eine Ausbildung bei Domenico Ghirlandaio und lernte dort unter anderem die Freskomalerei. Ab 1489 gehörte er zur Kunstschule Lorenzo de’ Medicis, geleitet von Bertoldo di Giovanni. Dort begegnete er humanistischen Gelehrten und setzte sich mit antiker Kunst sowie mit Neuplatonismus auseinander.
Seine Lebensphasen waren eng mit Florenz und Rom verbunden: Nach der ersten Florentiner Zeit folgten Bologna (1494/95), Rom (1496–1501), Florenz (1501–1504), eine zweite römische Zeit bis 1515, Florenz (1515/16–1534) und schließlich Rom (1535–1564).
Frühe Bildhauerei und Durchbruch
Frühe erhaltene Werke sind das Marmorrelief Madonna della Scala von 1491 und die um 1491–1492 entstandene, unvollendete Kentaurenschlacht. Bei der Madonna della Scala orientierte sich Michelangelo an Donatellos Stiacciato, einem extrem flachen Reliefstil, der mit sehr kleinen Abstufungen räumliche Tiefe erzeugt. In Bologna schuf er 1494/95 Figuren für das Grabmal des heiligen Dominikus, darunter den heiligen Petronius, den heiligen Proculus und einen knienden Engel. Das Kruzifix für Santo Spirito in Florenz, um 1492–1493, zeigt den nackten Christus und verweist auf seine anatomischen Studien.
In Rom entstanden um 1497 die Madonna Manchester, deren Zuschreibung lange umstritten war, heute aber überwiegend als eigenhändiges Frühwerk gilt, sowie der 203 cm hohe Bacchus von 1496/97. Die Marmorstatue zeigt den Gott des Weins in schwankender Haltung; Kardinal Raffaele Riario lehnte sie ab, worauf Jacopo Galli sie erwarb.
Seinen frühen Ruhm begründete vor allem die römische Pietà von 1498/99, nach anderen Quellen spätestens 1500. Sie zeigt Maria mit dem toten Christus auf dem Schoß. Michelangelo wählte den Marmor persönlich in Carrara aus. Die für das Grabmal des Kardinals Jean Bilhères de Lagraulas bestimmte Skulptur wurde im Petersdom aufgestellt.
Hauptwerke in Florenz und das Juliusgrab
Von 1501 bis 1504 schuf Michelangelo in Florenz den David, eine 5,16 Meter hohe und 5.660 Kilogramm schwere Statue aus Carrara-Marmor. Sie stellt den jugendlichen biblischen David nackt im Kontrapost dar; in der rechten Hand hält er einen Stein, über der linken Schulter liegt die Schleuder. Michelangelo arbeitete ab September 1501 an einem zuvor unvollständig behauenen Marmorblock. Die Statue wurde am 8. September 1504 am Palazzo della Signoria aufgestellt; seit 1873 steht sie in der Galleria dell’Accademia. Der David gilt als Hauptwerk der Renaissance-Skulptur.
Für den Großen Ratssaal plante er 1504 die Cascina-Schlacht. Sie sollte Florentiner Soldaten zeigen, die am 28. Juli 1364 beim Baden am Arno vom Angriff Pisas überrascht werden und zu Waffen und Rüstung greifen. Der Karton im Originalmaßstab wurde später zerschnitten; erhalten ist nur eine Grisaillekopie. Der Tondo Doni, eine Heilige Familie mit Johannesknaben, entstand vermutlich um 1503/04 oder um 1507. Seine sichere Datierung ist nicht möglich. Die Brügger Madonna entstand 1504–1505 und zeigt Maria frontal mit dem stehenden Jesuskind.
Das 1505 beauftragte Grabmal Julius’ II. beschäftigte Michelangelo bis 1545. Aus einem geplanten freistehenden Mausoleum mit über 40 Figuren wurde schrittweise ein wandgebundenes Kenotaph, also ein Grabdenkmal ohne Bestattung, in San Pietro in Vincoli. Zentral steht der 235 cm hohe Moses, geschaffen zwischen 1513 und 1516 und möglicherweise 1542 überarbeitet. Seine Hörner beruhen auf einem Übersetzungsfehler der Vulgata zu Ex 34,29. Rachel und Lea neben ihm stehen für vita contemplativa und vita activa, also das betrachtende und das tätige Leben. Die beiden Louvre-Prigioni, Der sterbende und Der rebellische Sklave, entstanden 1513–1516 als ursprünglich vorgesehene Figuren des Grabmals.
Malerei in den päpstlichen Kapellen
Die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle malte Michelangelo von 1508 bis 1512. Das Fresko misst 40,5 × 13,2 Meter, umfasst mehr als 500 Quadratmeter und rund 350 Einzelfiguren. Statt der zunächst vorgesehenen zwölf Apostel entstand ein umfangreiches Programm aus dem Alten Testament.
Im Zentrum liegen neun Genesis-Szenen in drei Gruppen: Schöpfung, erstes Menschenpaar sowie Noah. Dargestellt sind Trennung von Licht und Finsternis, Erschaffung von Sonne, Mond und Pflanzen, Scheidung von Himmel und Wasser, Erschaffung Adams und Evas, Sündenfall und Vertreibung, Opfer Noahs, Sintflut und Trunkenheit Noahs. Vier Eckzwickel zeigen Rettungsgeschichten Israels. Hinzu kommen sieben Propheten, fünf Sibyllen, die Vorfahren Christi sowie 94 Aktfiguren; die Ignudi sind nackte Jünglinge, die Hauptszenen flankieren. Illusionistische Architektur gliedert das gesamte Bildprogramm. Von 1979 bis 1999 wurden die Gemälde restauriert.
Das Jüngste Gericht entstand 1536–1541 an der Altarwand derselben Kapelle und misst etwa 17 × 15,5 Meter. Christus erscheint als Weltenrichter, neben ihm Maria, umgeben von Heiligen und Märtyrern. Links steigen Auferstandene auf, rechts fahren Verdammte zur Hölle hinab; Charon und Minos verweisen auf Dantes Göttliche Komödie. Rund 390 Figuren wurden überwiegend mittels Kartons durch Spolvero, das Übertragen von Linien durch feine Punktierung, oder Ritzung auf die Wand gebracht. Die vielen Akte lösten Kritik aus. Daniele da Volterra übermalte ab 1565 Blößen und erhielt deshalb den Beinamen „Braghettone“.
Michelangelos letzte große Malereien sind die Fresken der Cappella Paolina: Bekehrung des Saulus (1542–1545, 625 × 661 cm) und Kreuzigung Petri (1546–1550, 625 × 662 cm). Sie stellen Berufung und Martyrium der Apostelfürsten Paulus und Petrus einander gegenüber.
Architektur, letzte Jahre und Nachwirkung
In Florenz entwarf Michelangelo die Medici-Kapelle, die Neue Sakristei von San Lorenzo, als Begräbnisstätte der Medici. Sie wurde zwischen 1521 und 1534 errichtet, blieb aber teilweise unvollendet. Zu ihrem Skulpturenschmuck gehören die Sitzfiguren Giuliano und Lorenzo de’ Medicis, die vier Tageszeiten Nacht und Tag sowie Morgen und Abend und die Medici-Madonna. Das ebenfalls für San Lorenzo entworfene Fassadenprojekt von 1516–1520 wurde trotz zahlreicher Modelle und Zeichnungen nicht ausgeführt. Für die Biblioteca Medicea Laurenziana plante Michelangelo Lesesaal, Vorraum und die monumentale Treppe; die Bibliothek wurde 1571 eröffnet.
Nach dem Tod Antonio da Sangallos des Jüngeren übernahm Michelangelo 1546 die Bauleitung von St. Peter in Rom. Er vereinfachte Sangallos Plan, strich unter anderem Apsidenumgänge, Eckkapellen, Vestibüle und Campanili und arbeitete besonders an der Kuppel. Das große Kuppelmodell entstand 1558–1561. Bei seinem Tod 1564 waren die Südtribüne fertig, die Nordtribüne im Bau und der Tambour der Kuppel bis zum Gebälk errichtet.
Michelangelo starb am 18. Februar 1564 in Rom. Sein Leichnam wurde im März heimlich nach Florenz überführt und in Santa Croce beigesetzt. Viele Skulpturen und Vorhaben blieben unvollendet; dafür wird rückblickend der Begriff Non-finito verwendet. Ob dies bewusst als Gestaltungsmittel geschah oder durch Aufträge, Zeitdruck, Finanzierung, Materialprobleme oder Krankheit bedingt war, wird in der Forschung diskutiert.
Seine Skulpturen, Fresken und Architektur beeinflussten den Manierismus und spätere Künstler. David und Pietà gelten als zentrale Renaissancewerke; die Sixtinische Decke und Das Jüngste Gericht als Höhepunkte der abendländischen Malerei. Neben Leonardo da Vinci und Raffael gehört Michelangelo zu den „großen Drei“ der Hochrenaissance.