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Pablo Picasso
Pablo Ruiz Picasso (* 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien; † 8. April 1973 in Mougins, Frankreich) vollständig Pablo Diego José Francisco de Paula Juan …
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Profil und Bedeutung
Pablo Ruiz Picasso (25. Oktober 1881, Málaga, Spanien – 8. April 1973, Mougins, Frankreich) war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Sein Gesamtwerk umfasst Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Plastiken und Keramiken; seine Gesamtzahl wird auf etwa 50.000 Werke geschätzt. Kennzeichnend sind die außerordentliche Vielfalt der Ausdrucksformen und Techniken sowie der wiederholte Wechsel und das Nebeneinander verschiedener Stile.
Besonders wichtig für die Kunstgeschichte sind die Blaue und die Rosa Periode, die Entstehung des Kubismus gemeinsam mit Georges Braque und das Gemälde Les Demoiselles d’Avignon von 1907. Dieses gilt als Schlüsselbild der Klassischen Moderne. Guernica von 1937 setzt die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs künstlerisch um und gilt später als berühmtestes Antikriegsbild des 20. Jahrhunderts. Picassos Taube, die er 1949 für den Pariser Weltfriedenskongress entwarf, wurde weltweit zum Friedenssymbol.
Kindheit, Ausbildung und künstlerischer Aufstieg
Picasso wurde als erstes Kind des Malers und Kunstlehrers José Ruiz y Blasco und María Picasso y López geboren. Sein Vater unterrichtete ihn ab dem Alter von sieben Jahren. Das 1889 begonnene und 1890 vollendete Ölbild Picador gilt als sein erstes bekanntes Ölgemälde.
1891 zog die Familie nach A Coruña. Picasso wurde dort mit zehn Jahren an einer Schule für Bildende Künste aufgenommen. Nach dem Tod seiner Schwester Conchita im Januar 1895 übersiedelte die Familie nach Barcelona. Dort bestand er mit 14 Jahren in nur einem Tag die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie La Llotja und durfte die ersten zwei Klassen überspringen. 1897 studierte er kurze Zeit an der Königlichen Akademie von San Fernando in Madrid, verließ sie aber wegen der Lehrmethoden. In Madrid besuchte er besonders den Prado.
1898 kehrte Picasso nach Barcelona zurück und bewegte sich im Umfeld des katalanischen Modernisme. Im Februar 1900 fand im Künstlercafé Els Quatre Gats seine erste Einzelausstellung statt; sie wurde kritisch besprochen und brachte nur mäßigen Verkaufserfolg. Im selben Jahr reiste er erstmals nach Paris. Dort beeindruckten ihn unter anderem Werke von Paul Cézanne, Edgar Degas und Pierre Bonnard sowie Darstellungen des großstädtischen Lebens von Henri de Toulouse-Lautrec.
1901 änderte Picasso seine Signatur zunächst zu „Picasso“ und begann nach dem Tod seines Freundes Carlos Casagemas die Blaue Periode. Das Bild Evokation – Das Begräbnis Casagemas gilt als ihr erstes Werk. Von 1904 bis 1906 wurde Blau allmählich durch Rosa- und Orangetöne ersetzt. Die Motive stammten häufig aus der Welt der Gaukler, Seiltänzer und Harlekins. Picasso lernte 1904 Fernande Olivier kennen, die bis 1912 seine Begleiterin und Muse war. 1905 entdeckten Leo und Gertrude Stein seine Werke; 1906 lernte er über ihren Salon Henri Matisse kennen.
Seit dem Winter 1905/06 bereitete Picasso Les Demoiselles d’Avignon vor und vollendete das Bild im Juli 1907. Das Werk leitete die sogenannte période nègre oder Iberische Periode ein. Die ersten Reaktionen waren überwiegend ablehnend; selbst Matisse und André Derain kritisierten es. Der Galerist Daniel-Henry Kahnweiler wurde dennoch ein wichtiger Förderer.
Kubismus, Krieg und Surrealismus
Ab 1908 arbeitete Picasso eng mit Georges Braque zusammen. Beide verglichen ihre Landschaftsbilder, die sich auffallend ähnelten. Der Kunstkritiker Louis Vauxcelles prägte 1908 im Zusammenhang mit Braques Bildern den Begriff „Kuben“. Picasso und Braque begründeten damit den Kubismus, eine Kunst, der es nach Picassos Definition vor allem um die Form geht.
Der analytische Kubismus (1908–1912) „öffnet“ die geschlossenen Formen der Körper zugunsten eines Formenrhythmus. Körperlichkeit und räumliche Lage werden nicht durch illusionistische Mittel vorgetäuscht. Verschiedene Ansichten eines Gegenstands können gleichzeitig erscheinen; dadurch entsteht eine kristalline Struktur. Ein Beispiel ist das Porträt Ambroise Vollard von 1910.
Im synthetischen Kubismus (1912–1916) entwickelten Picasso und Braque die Technik des papier collé, einer frühen Form der Collage. Sie verwendeten Papier, Zeitung, Tapete, imitierte Holzmaserung, Sägespäne und Sand. Gemalte und reale Gegenstände gingen ineinander über und verliehen dem Bild einen materiellen, dinghaften Charakter. Stillleben mit Rohrstuhl von 1912 gilt als erste Collage Picassos. Von den Salonkubisten, zu denen unter anderem Fernand Léger, Robert Delaunay, Albert Gleizes und Jean Metzinger gehörten, distanzierten sich Picasso und Braque.
Der Erste Weltkrieg trennte Picasso von Braque und Kahnweiler. Picasso musste als Spanier keinen Kriegsdienst leisten und blieb in Paris. 1917 entwarf er für das Ballett Parade Bühnenbilder, Kostüme und den Bühnenvorhang. 1918 heiratete er die Tänzerin Olga Chochlowa; aus der Ehe ging Paulo hervor.
Von 1916 bis 1924 standen klassizistische Arbeiten und synthetischer Kubismus nebeneinander. Diese Koexistenz wurde mit der zeitgenössischen Rückbesinnung auf „Reinheit und Ordnung“ verbunden. Beispiele sind Drei Frauen am Brunnen von 1921, Drei Musikanten von 1921 und Panflöte von 1923 beziehungsweise Die Panflöte von 1924.
Picasso stand seit 1923 mit André Breton und den Surrealisten in Kontakt und beteiligte sich 1925 an deren erster Ausstellung. Seine Arbeiten wurden in surrealistischen Zeitschriften veröffentlicht. Im engeren Sinn wird Picasso jedoch nicht dem Surrealismus zugerechnet; surrealistische Anregungen verband er mit Elementen anderer Kunstrichtungen. Wichtige Motive dieser Zeit sind der Minotaurus sowie Themen wie Sexualität, Gewalt und Tod. Die Familiensituation geriet 1935 in eine Krise: Aus der Beziehung mit Marie-Thérèse Walter wurde die Tochter Maya geboren, woraufhin Olga die Scheidung verlangte. Die Ehe blieb bis zu ihrem Tod 1955 bestehen.
Spanischer Bürgerkrieg, Zweiter Weltkrieg und Spätwerk
Ab 1936 unterstützte Picasso aus Paris die republikanische Regierung Spaniens im Spanischen Bürgerkrieg. Nach der Bombardierung der baskischen Stadt Gernika am 26. April 1937 begann er am 1. Mai mit Studien für Guernica. Das monumentale Wandbild ist rund dreieinhalb Meter hoch und fast acht Meter breit. Es wurde ab dem 12. Juli 1937 im spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung gezeigt. Einzelne Figuren, darunter die Weinende Frau und das Sterbende Pferd, griff Picasso später wieder auf. Die republikanische Regierung ernannte ihn 1937 in Abwesenheit zum Direktor des Prado.
Während der deutschen Besetzung von Paris von 1940 bis zur Befreiung am 25. August 1944 blieb Picasso in seinem Atelier in der Rue des Grands-Augustins. Die Nationalsozialisten erteilten ihm wegen seiner Gegnerschaft zu Franco ein Ausstellungsverbot. 1944 trat er der Kommunistischen Partei Frankreichs bei und blieb bis zu seinem Lebensende Mitglied. Über das Verhältnis von Kunst und Politik wurde gestritten; Picasso bezeichnete Malerei als „Waffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind“.
Nach 1945 arbeitete Picasso wieder häufiger in Südfrankreich und setzte sich mit Henri Matisse auseinander, dessen Malweise sein Spätwerk beeinflusste. Ab 1947 beziehungsweise 1948 beschäftigte er sich intensiv mit Bildhauerei und Keramik. In Vallauris experimentierte er in der Werkstatt Madoura mit Ton und Glasuren, schuf ungewöhnliche Formen und verhalf dem Ort zu internationaler Bekanntheit. 1951 entstand Massaker in Korea, 1952 die Wandgemälde Der Krieg und Der Frieden. 1955 kaufte Picasso die Villa La Californie in Cannes, 1958 das Schloss Vauvenargues.
Das Spätwerk verbindet eine zunehmend linienbetonte, skizzenhafte Arbeitsweise mit neuen Interpretationen älterer Meister. Dazu gehören Versionen nach Delacroix’ Frauen von Algier, Velázquez’ Las Meninas und Manets Frühstück im Freien. Die Nachschöpfungen verbinden formalen Witz und inhaltliche Ironie. 1972 entstanden mehrere Selbstbildnisse. Mit dem Bild Die Umarmung vom 1. Juni 1972 endete Picassos malerisches Werk; bis zu seinem Tod zeichnete er noch mehr als zweihundert Bilder.
Picasso starb am 8. April 1973 in Mougins. Als Todesursache nennt der Artikel eine Lungenembolie; andere Quellen nennen einen Herzinfarkt mit Lungenödem. Am 10. April wurde er im Garten von Schloss Vauvenargues begraben.
Techniken und weitere Werke
Picasso arbeitete nicht nur als Maler, sondern in zahlreichen Werkgattungen. Seine Skulpturen dienten als Experimentierfeld für das malerische Schaffen und beeinflussten unter anderem Futuristen, Dadaisten und Konstruktivisten. Zu den wichtigen Arbeiten gehören der Frauenkopf Fernande von 1909, die Kartonkonstruktion Gitarre von 1912, die Assemblage der Absinthgläser von 1914, Drahtkonstruktionen von 1928/29, der Stierschädel aus Fahrradsitz und Fahrradlenker von 1942 sowie die monumentale Plastik ohne Titel von 1967 in Chicago.
In der Druckgrafik schuf Picasso von 1930 bis 1937 die hundertteilige Suite Vollard. Weitere zentrale Themen waren Stierkampf und der Minotaurus. 1937 entstand die Folge Traum und Lüge Francos mit 18 Aquatinta-Radierungen. Ab November 1945 arbeitete Picasso erneut in der Lithografiewerkstatt von Fernand Mourlot. 1957 entstand La Tauromaquia mit 26 Aquatinta-Radierungen. In Vallauris widmete er sich außerdem dem Linolschnitt. Die Friedenstaube von 1949 wurde durch etwa hundert Zeichnungen vorbereitet.
Für das Theater entwarf Picasso Bühnenbilder und Kostüme, unter anderem für Parade (1917), Der Dreispitz (1919), Pulcinella (1920) und Les Aventures de Mercure (1924). Seine Keramik umfasst Faune, Nymphen, dekorierte Teller und Platten sowie Arbeiten mit ungewöhnlichen Unterlagen. 1949 entstanden gemeinsam mit Gjon Mili Lichtmalereien, sogenannte Luminografien: Picasso zeichnete in einem abgedunkelten Raum mit einer Taschenlampe, deren Lichtbahnen durch Langzeitbelichtung fotografisch sichtbar wurden.
Neben Gedichten verfasste Picasso die Theaterstücke Le Désir attrapé par la queue von 1941 und Les quatre petites von 1948 sowie die Gedichtsammlung El entierro del Conde de Orgaz von 1949. Sein bildnerisches Werk wurde außerdem in Dokumentarfilmen, Spielfilmen, Theaterstücken, einer Fernsehserie und einem Musikstück verarbeitet.
Nachlass, Museen und heutige Bewertung
Picasso hinterließ neben Immobilien etwa 1.900 Gemälde, 12.000 Zeichnungen, 1.300 Skulpturen, 3.000 Keramiken und 8 Teppiche. Andere Angaben des On-Line Picasso Project nennen 1.885 Gemälde, 7.089 Zeichnungen, 30.000 Drucke, 150 Skizzenbücher, 1.228 Skulpturen und 3.222 Keramiken. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Verzeichnis; ein von Christian Zervos herausgegebenes Werkverzeichnis umfasst 33 Bände, aber nicht alle Arbeiten.
Picasso hinterließ kein Testament. Die juristisch schwierige Erbauseinandersetzung wurde im Herbst 1977 beendet; die Erben einigten sich auf Quoten am Gesamterbe. Der französische Staat übernahm 3.800 Kunstwerke als Erbschaftsteuer und bildete damit die Grundlage des Musée Picasso in Paris. Bedeutende Sammlungen befinden sich außerdem unter anderem in Paris, Barcelona, Madrid, Málaga, Antibes, New York, Chicago, Berlin, Düsseldorf, Köln, Basel und Münster. Das Museu Picasso in Barcelona wurde 1963 eröffnet; sein Grundstock bestand aus 574 Werken von Picassos Freund und Sekretär Jaime Sabartés.
Picassos Werke gehören zu den teuersten auf dem Kunstmarkt. Sitzende Frau am Fenster wurde 2021 für insgesamt 103,4 Millionen Dollar verkauft, Femme à la montre 2023 für rund 130 Millionen Euro; Les femmes d’Alger (Version „O“) erzielte 2015 rund 179 Millionen Dollar. Gleichzeitig wurden Fälschungen, Diebstähle und Streitfälle um bislang unbekannte Werke bekannt. 2010 wurden bei seinem früheren Elektriker 271 Werke entdeckt; der Prozess endete im März 2015 mit zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung. Gestohlene Werke wie Buste de Femme von 1938 und Frauenkopf von 1939 wurden später gefunden, während Taube mit Erbsen von 1911 oder Frühjahr 1912 verschollen blieb.
Die Neubewertung des Spätwerks, besonders durch Ausstellungen 1992/93 und 2006/07, stellte dessen wilde Gemälde, technisch genaue Zeichnungen und den Wettlauf mit der verbleibenden Lebenszeit heraus. Im Jahr 2023 wurde Picasso anlässlich seines 50. Todestags zugleich wegen seines machistischen und sexistischen Umgangs mit Frauen kritisiert. Feministische und #MeToo-geprägte Lesarten veränderten den Blick auf seine Person und die Frage, wie sein Werk heute präsentiert werden kann.