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Napoleon III.
Charles-Louis-Napoléon Bonaparte (Napoleon III.), war der Sohn von Hortense de Beauharnais und Louis Bonaparte – Bruder Napoleons I. und König von Holland …
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Person und Aufstieg
Napoleon III. (Napoléon III.; geboren am 20. April 1808 in Paris, gestorben am 9. Januar 1873 in Chislehurst bei London) hieß ursprünglich Charles-Louis-Napoléon Bonaparte beziehungsweise Louis-Napoléon Bonaparte. Er war von 1848 bis 1852 französischer Staatspräsident und von 1852 bis 1870 Kaiser der Franzosen sowie der letzte französische Monarch. Als Sohn von Louis Bonaparte, dem früheren König von Holland und Bruder Napoleons I., und Hortense de Beauharnais gehörte er zur Familie Bonaparte. Seine Mutter war eine Tochter von Joséphine de Beauharnais und damit Stieftochter Napoleons I. Zeitgenossen bezweifelten teilweise seine Vaterschaft; Louis Bonaparte stellte sie jedoch nie offiziell infrage.
Nach dem endgültigen Sturz Napoleons I. 1815 lebte Louis-Napoléon zunächst mit seiner Mutter auf der Flucht. Er wuchs später unter anderem in Konstanz, Augsburg und auf Schloss Arenenberg im Schweizer Kanton Thurgau auf. Von 1821 bis 1823 besuchte er das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg und beherrschte Deutsch sowie Schweizerdeutsch. 1829 besuchte er die Artillerieschule in Thun, diente später als Artillerieoffizier in der Schweizer Armee und wurde 1832 Ehrenbürger des Kantons Thurgau.
Seine frühen Versuche, die Macht der Bonapartisten wiederherzustellen, scheiterten. Ein Aufstand in Italien, an dem er sich mit seinem Bruder Napoléon Louis den Carbonari anschloss, wurde niedergeschlagen; sein Bruder starb. Ein Putschversuch in Straßburg am 30. Oktober 1836 scheiterte ebenfalls. Louis-Napoléon wurde verhaftet, begnadigt und unter der Bedingung in die USA geschickt, ins Exil zu gehen. Nach seiner Rückkehr nach Arenenberg wurde er 1838 auf französischen Druck hin aus der Schweiz ausgewiesen und ging nach Großbritannien. Sein zweiter Putschversuch am 6. August 1840 in Boulogne-sur-Mer führte zu lebenslanger Festungshaft in Ham. Am 25. Mai 1846 gelang ihm die Flucht nach England.
Präsidentschaft, Staatsstreich und Kaiserreich
Nach der Februarrevolution 1848 kehrte Louis-Napoléon nach Frankreich zurück und wollte auf demokratischem Weg politische Macht gewinnen. Bei der Präsidentschaftswahl im Dezember 1848 siegte er gegen Louis-Eugène Cavaignac mit 5.430.000 von 7.317.344 abgegebenen Stimmen. Sein Programm versprach eine gefestigte Regierung, soziale Konsolidierung und nationale Größe. Am 20. Dezember 1848 übernahm er das Amt. 1849 entsandte er Truppen nach Italien, die die im Februar ausgerufene Römische Republik bekämpften und am 2. Juli in Rom die Herrschaft des Papstes im Kirchenstaat wiederherstellten.
Durch häufige Regierungswechsel stärkte der Präsident seine persönliche Stellung und besetzte Ministerien mit loyalen Anhängern. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit führte er am 2. Dezember 1851 einen Staatsstreich nach dem Vorbild des 18. Brumaire VIII durch. Nach blutigen Kämpfen, die er am 5. Dezember für sich entschied, ließ er am 21. Dezember über eine neue Verfassung abstimmen. Diese gab ihm diktatorische Vollmachten; 7,5 Millionen Franzosen stimmten dafür und 640.000 dagegen.
Am 21. November 1852 wurde ein weiteres Plebiszit über die Wiederherstellung des Kaisertums abgehalten. 7.824.000 stimmten mit Ja, 253.000 mit Nein. Daraufhin ließ sich Louis-Napoléon am 2. Dezember 1852 zum Kaiser der Franzosen ausrufen und nahm den Herrschernamen Napoleon III. an. Die Unterstützung beruhte auf seiner populistischen Ansprache an die Bevölkerung, auf dem Versprechen nationaler Erfolge, auf der Unterstützung konservativer ländlicher Bevölkerungsteile und auf der Revolutionsangst der kapitalistischen Bourgeoisie.
Herrschaft und Modernisierung
Das Zweite Kaiserreich begann als autoritäres Empire. Napoleon III. regierte zunächst mit weitgehend unbeschränkter Macht. Das Parlament, das Corps législatif, konnte keine eigenen Gesetze einbringen, sondern nur die vom Kaiser vorgelegten Gesetze billigen. Es galt ein Mehrheitswahlrecht, doch die Regierung beeinflusste Wahlen durch Wahlempfehlungen, Druck auf die Opposition und Eingriffe in den Verkauf farbiger Wahlzettel sowie in die Wahlwerbung. Freie Wahlen im heutigen Sinn gab es daher nicht. Armee, Kirche und die von der Regierung eingesetzten Präfekten bildeten wichtige Säulen des Systems. Politische Gegner wie Victor Hugo und Adolphe Thiers mussten das Land verlassen; politische Gefangene und Kriminelle wurden teilweise in Strafkolonien deportiert.
Ab 1860/61 wurde der Regierungsstil liberaler: Das Parlament erhielt mehr Rechte, die Pressefreiheit wurde erweitert und Gewerkschaften wurden zugelassen. 1864 setzte Napoleon III. das Recht auf Gewerkschaften und Streik durch. Dennoch führten wirtschaftliche Krisen ab Mitte der 1860er-Jahre sowie außenpolitische Niederlagen zur Destabilisierung des Regimes. Ein Plebiszit von 1870 bestätigte die liberalen Reformen und den Sénatus-consulte vom 20. April 1870 mit 83 % beziehungsweise 7,3 Millionen Stimmen gegen 17 % beziehungsweise 1,5 Millionen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 82 %.
Die Regierungszeit war von einer umfassenden Modernisierung geprägt. In Paris ließ Napoleon III. unter Georges-Eugène Haussmann große Teile der Stadt umbauen. Enge, gebogene Straßen wurden durch breite Alleen ersetzt; Ziel waren „Luft, Licht und (sauberes) Wasser“. Auch das Eisenbahnnetz wurde stark ausgebaut, allerdings überwiegend auf Paris ausgerichtet, sodass Querverbindungen schwach blieben.
Die Wirtschaft wuchs stark. Die Investitionen in die Industrie verdoppelten sich, der Steinkohleverbrauch verdreifachte sich und die Zahl der Dampfmaschinen vervierfachte sich. 1869 beschäftigte das Unternehmen Le Creusot 10.000 Arbeiter. Die Textilindustrie hatte mit 2 Millionen von insgesamt 4,3 Millionen Beschäftigten im sekundären Sektor die meisten Arbeitskräfte. Rund die Hälfte der Bevölkerung arbeitete in der Landwirtschaft; deren Produktion stieg innerhalb von 20 Jahren um etwa 20 %. Am Ende des Kaiserreichs entfielen 50 % der Bevölkerung auf den primären, 29 % auf den sekundären und 21 % auf den tertiären Sektor. Es entstanden moderne Banken wie Crédit Foncier, Crédit Industriel et Commercial, Crédit Lyonnais und Société Générale. Die Lateinische Münzunion harmonisierte ab dem 23. Dezember 1865 die Währungen ihrer Mitgliedstaaten auf Grundlage des Gold-Silber-Bimetallismus des Germinal-Franken. Napoleon unterstützte außerdem den Bau des Suezkanals.
Napoleon interessierte sich für Geschichte, Archäologie und Kunst. Seine 1862 erstmals veröffentlichte, zweibändige Histoire de Jules César mit Atlas wurde bis 1865 ins Deutsche und in acht weitere europäische Sprachen übersetzt. Er förderte archäologische Untersuchungen in Gergovia, Alesia und Bibracte. 1863 ermöglichte er neben dem offiziellen Pariser Salon den Salon des Refusés. Die Gründe für diese Entscheidung sind unter Kunsthistorikern umstritten.
Außenpolitik und Kriege
Napoleon III. musste wegen des plebiszitären Charakters seiner Herrschaft immer wieder politische und militärische Erfolge vorweisen. Seine Außenpolitik sollte Frankreichs Isolation überwinden, das Ansehen des Kaiserreichs steigern und teilweise das französische Territorium vergrößern.
Im Krimkrieg unterstützte er das Osmanische Reich gegen Russland, weil er einen russischen Zugriff auf wichtige Positionen wie den Bosporus verhindern wollte. Der Konflikt um die Nutzung der Grabeskirche in Jerusalem und russische Ansprüche auf den Schutz orthodoxer Christen trugen zur Kriegserklärung Frankreichs an Russland Ende März 1854 bei. Französische und britische Truppen landeten im Mai 1854 bei Warna und im September auf der Krim. Nach einer fast einjährigen Belagerung wurde Sewastopol im September 1855 eingenommen. Am 30. März 1856 endete der Krieg mit dem Frieden von Paris. Napoleon konnte dabei diplomatisch als Schiedsrichter auftreten; Frankreich gewann die Anerkennung seines Kaiserreichs in Europa. Die Heilige Allianz zerbrach, Österreich wurde isoliert und die Popularität Napoleons stieg. 1858 billigte er außerdem eine Marineexpedition nach Vietnam, in deren Folge Saigon erobert wurde und die französische Kolonialherrschaft in Vietnam begann.
Im Sardinischen Krieg unterstützte Napoleon III. die Einigung Italiens. Nach einem Attentat Felice Orsinis traf er sich am 20. Juli 1858 heimlich mit dem Ministerpräsidenten Sardinien-Piemonts, Camillo Benso von Cavour, in Plombières-les-Bains. Frankreich sagte für den Fall eines österreichischen Angriffs Unterstützung zu. Sardinien-Piemont sollte Oberitalien erhalten und im Gegenzug Savoyen und Nizza an Frankreich abtreten. Ein österreichisches Ultimatum vom 19. April 1859 führte zum Krieg von Mai bis Juli 1859. Napoleon übernahm den Oberbefehl über 130.000 französische Soldaten; die entscheidenden Operationen führten seine Generäle. Die Siege bei Magenta und Solferino besiegten Österreich und erleichterten ein vereintes Italien. Frankreich gewann Savoyen und Nizza.
Die französische Intervention in Mexiko von Januar 1862 bis März 1867 begann nach Mexikos Einstellung der Schuldentilgung. Großbritannien und Spanien zogen sich zurück, als sie erkannten, dass Napoleon nicht nur Schulden eintreiben, sondern Mexiko erobern wollte. Die Intervention endete mit einer Niederlage und der Hinrichtung Maximilians I., der von den Franzosen 1864 bis 1867 als „Kaiser von Mexiko“ eingesetzt worden war. Nach dem preußischen Sieg über Österreich 1866 und dem Scheitern des französischen Versuchs, Luxemburg zu erwerben, verlor Napoleon weiter an Ansehen. Luxemburg wurde 1867 im Zweiten Londoner Vertrag für neutral erklärt.
Niederlage, Absetzung und Lebensende
Im Juli 1870 begann Napoleon III. den Deutsch-Französischen Krieg. Als Gründe nennt der Artikel die Erwartungen seiner Anhänger und seiner Frau Eugénie an militärischen Ruhm sowie die durch Bismarcks Emser Depesche verschärfte Lage. Seine politischen Annahmen erwiesen sich als falsch: Die süddeutschen Staaten blieben nicht neutral, und kein Staat trat auf französischer Seite in den Krieg ein. Frankreich war trotz eigener Kriegserklärung nicht in der Lage, eine erfolgreiche Offensive zu beginnen oder den Einmarsch Preußens und seiner Verbündeten zu verhindern.
Napoleon übernahm selbst den Oberbefehl, war aber wegen starker Blasenschmerzen kaum einsatzfähig und übergab ihn am 12. August an Marschall François-Achille Bazaine. Er schloss sich später ohne militärische Funktion der Armee Marschall Mac-Mahons an. Nach der Schlacht bei Beaumont wurde der Weg nach Metz blockiert. In der Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 wurde die französische Armee eingeschlossen. Am 2. September begab sich Napoleon in die Gefangenschaft König Wilhelms I.; die französische Armee kapitulierte. Am 4. September wurde Napoleon nach der Ausrufung der Dritten Republik in Paris abgesetzt. Bis zum 19. März 1871 stand er im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel unter Arrest.
Danach ging er nach Großbritannien und lebte ab dem 21. März 1871 in Camden Place in Chislehurst. Von dort plante er eine Rückkehr nach Frankreich, starb jedoch vor der Umsetzung. Nach Operationen zur Entfernung von Blasensteinen am 3. und 6. Januar 1873 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand; im Zusammenhang mit einer wahrscheinlich bis zum Nierenversagen fortgeschrittenen Erkrankung und der Verwendung von Chloroform kam es zu Herzversagen. Napoleon III. starb am 9. Januar 1873, eine Stunde vor einer geplanten dritten Operation. Er wurde in der kaiserlichen Krypta der Sankt-Michaels-Abtei in Farnborough beigesetzt, ebenso später sein Sohn Napoléon Eugène Louis Bonaparte und seine Frau Eugénie.
Ehe und historische Einordnung
Am 29. beziehungsweise 30. Januar 1853 heiratete Napoleon III. die spanische Gräfin Eugénie de Montijo. Das Paar hatte einen Sohn, Napoléon Eugène Louis Bonaparte (1856–1879). Die Ehe war wegen Napoleons zahlreicher Affären unglücklich; ihm werden acht außereheliche Kinder zugeschrieben, die er nicht anerkannte. Eugénie übernahm besonders seit den 1860er-Jahren zunehmend politische Aufgaben. Sie war konservativ, klerikal und autoritär, unterstützte die Erhaltung des Kirchenstaates und befürwortete 1870 den Krieg gegen Preußen. Napoleon setzte sie 1859 und 1870 als Regentin in Paris ein.
Die historische Bewertung Napoleons III. ist besonders in Frankreich überwiegend negativ. Kritiker wie Victor Hugo und Karl Marx sahen in seiner Herrschaft ein Verbrechen beziehungsweise eine groteske Form der Heldenherrschaft. Die Niederlage von 1870, der Verlust Elsass-Lothringens und die hohen Reparationszahlungen verschlechterten seinen Ruf weiter. Zugleich betont der Artikel seinen persönlichen Mut bei den Putschversuchen und in der Schlacht bei Sedan. Als positive Ergebnisse gelten die Unterstützung der italienischen Einigung, die französischen Gewinne von Savoyen und Nizza sowie die wirtschaftliche, soziale und infrastrukturelle Modernisierung Frankreichs. Am Ende seiner Herrschaft war Frankreich moderner, sozialer und reicher als zuvor.