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Impressionismus

Der Begriff Impressionismus wurde auch auf bestimmte Stilrichtungen in der Musik, in der Literatur, im Film und in der Fotografie übertragen. Claude Monet: …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Gesellschaftliche Deutung
  3. 3. Malerei
  4. 4. Musik
  5. 5. Literatur
  6. 6. Fotografie und Film

Grundidee und Einordnung

Der Impressionismus ist eine Stilrichtung der Kunstgeschichte, die flüchtige Augenblicke, Lichtwirkungen und Stimmungen einer Szene festhält. Er entstand in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst als Bewegung innerhalb der Malerei. Später wurde der Begriff auf Strömungen in Musik, Literatur, Fotografie und Film übertragen. Gemeinsam ist diesen Erscheinungsformen, dass sie häufig nicht eine vermeintlich objektive und vollständige Wirklichkeit darstellen, sondern einen augenblicklichen, subjektiven Eindruck.

Der Name der Bewegung hängt besonders mit Claude Monets Gemälde „Impression – soleil levant“ („Impression – Sonnenaufgang“) von 1872 zusammen. Bei der ersten Gruppenausstellung der Impressionisten, die am 15. April 1874 im Atelier des Pariser Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines 35 eröffnet wurde, griffen Kritiker die Bezeichnung auf. Jules-Antoine Castagnary erklärte, die Künstler gäben nicht einfach eine Landschaft, sondern den von ihr hervorgerufenen Eindruck wieder. Louis Leroy verwendete am 25. April 1874 in der Satirezeitschrift „Le Charivari“ eine abschätzig gemeinte Bezeichnung, die ebenfalls von Monets Bild abgeleitet war. Er gilt deshalb häufig als Schöpfer des Begriffs. Der Ausdruck war jedoch bereits in den 1860er- und 1870er-Jahren für andere Landschaftsmaler gebräuchlich. Bei der Vorbereitung der dritten Impressionisten-Ausstellung von 1877 wurde er offiziell verwendet.

Um 1900 entwickelten sich verwandte Strömungen wie Pointillismus, auch Divisionismus oder Neoimpressionismus genannt, Cloisonismus und Synthetismus. Zusammen mit den Nabis, der Schule von Pont-Aven und Werken van Goghs, Gauguins, Toulouse-Lautrecs und Cézannes werden sie dem Post- beziehungsweise Spätimpressionismus zugerechnet.

Gesellschaftliche Deutung

Einige Sozial- und Kunsthistoriker deuteten besonders den deutschen Impressionismus als Dekadenzphänomen, darunter Karl Lamprecht und Eckart von Sydow. Nach Lamprecht war er eine ästhetische Reaktion auf den Naturalismus. Dessen wirklichkeitsbezogener, „wahrheitssuchender Aktivismus“ und seine deutlichen Aussagen hätten bei einem Bürgertum Ablehnung hervorgerufen, das Genuss, Entspannung, Behagen und Zerstreuung suchte und nicht mehr den „Elan der Gründerzeit“ besaß. Mit dieser Entwicklung wurde nach dieser Deutung auch das Interesse an den differenzierten Genusskulturen des Hellenismus, des Rokoko und der burgundisch-flämischen Kultur neu belebt. Diese Kulturen standen für eine „Sehnsucht nach schönerem Leben“. Es handelt sich dabei um eine bestimmte sozialhistorische Interpretation und nicht um eine allgemein verbindliche Definition des Impressionismus.

Malerei

Die impressionistische Malerei kündigte sich bereits in Édouard Manets Arbeiten der 1860er-Jahre an, etwa in „Musik in den Tuilerien“ von 1862. Diese Werke brachen in wichtigen Punkten mit der akademischen Lehrmeinung. Die erste gemeinsame Ausstellung fand 1874 statt; Monets „Impression – soleil levant“ gab der Bewegung ihren Namen.

Zur Hauptaufgabe wurde die Darstellung des Lichts und der atmosphärischen Bedingungen. Farbe galt als Ergebnis von Licht und Atmosphäre und zugleich als Träger des Lichts. Viele Künstler verzichteten teilweise auf Schwarz und erdige Farbtöne, wodurch ihre Farbpalette heller wurde. Statt ein Motiv vollständig und möglichst genau abzubilden, wollten sie die Unmittelbarkeit eines Augenblicks und die Stimmung einer Szene erfassen. Typisch sind daher momenthafte Darstellungen, scheinbar zufällige Bildausschnitte und ein Verzicht auf Vollständigkeit.

Die Fotografie beeinflusste diese Gestaltung stark. Künstler wie Gustave Caillebotte verwendeten in Werken wie „Die Parkettschleifer“ fotografisch wirkende Mittel: Bewegungs- und Momentaufnahmen, extreme Perspektiven, Verzerrungen, ausgewählte Ausschnitte und Unschärfen. Weitere Voraussetzungen waren die moderne Farbtheorie Chevreuls und die industrielle Herstellung von Ölfarben in verschließbaren Bleituben. Diese Tuben wurden 1841 vom amerikanischen Maler John Goffe Rand patentiert und erleichterten die Freiluftmalerei, also das Malen außerhalb des Ateliers unmittelbar vor dem Motiv.

Um 1900 verbreitete sich diese Malweise in ganz Europa, danach auch in Amerika und Australien. Der deutsche Impressionismus entwickelte sich auf einem besonderen Weg aus Realismus und Naturalismus. Die vorhandenen Mittel wurden zunehmend auf den sinnlichen Seheindruck ausgerichtet. Max Liebermann näherte sich durch eine lockerere Malweise und seine Vorliebe für lichtdurchflutete Blätterdächer dem Impressionismus, ohne seine naturalistischen Grundlagen aufzugeben. Deshalb entstanden nach kritischer Einschätzung teils Mischformen mit geringerer Strahlkraft als in Frankreich. Lovis Corinth begann realistisch und bei religiösen Motiven symbolistisch; seine impressionistischen Arbeiten weisen bereits auf den Expressionismus voraus. Max Slevogt wurde zunächst von Manet und später besonders durch Licht und Farben einer Ägyptenreise beeinflusst.

In Worpswede bei Bremen entstand Ende der 1880er-Jahre aus naturalistischer Landschafts- und Freilichtmalerei eine impressionistische Schule um Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler. Aufenthalte nordischer Künstler in Frankreich führten außerdem zur Entstehung naturalistisch und impressionistisch geprägter Künstlerkolonien, darunter die Skagener Künstlerkolonie in Jütland und die Fleksumer Gruppe in Norwegen. Unter den italienischen Impressionisten wird Francesco Filippini wegen seiner eigenständigen Sicht- und Malweise hervorgehoben.

Musik

In der Musik bezeichnet Impressionismus einen Stil vor und um die Wende zum 20. Jahrhundert. Statt eindeutiger gegenständlicher Aussagen stehen fein abgestufte Klangfarben, Atmosphäre und Stimmung im Mittelpunkt. Wagners Oper „Tristan und Isolde“ verwies bereits auf diese Entwicklung.

Als wichtigster Begründer gilt Claude Debussy (1862–1918), obwohl er selbst die Bezeichnung „Impressionist“ ablehnte. Für ihn war Musik „Klang- und Farbkunst“. Seine Werke erzeugen Klangbilder, in denen Stimmungen hauptsächlich durch Klangfarben und wechselnde Harmonien dargestellt werden. Melodische Motive werden meist nicht ausführlich entwickelt, kontrapunktisch verarbeitet oder systematisch durchgeführt. Sie erscheinen kurz, stehen in schnell wechselnden harmonischen Zusammenhängen und werden bald von neuen Motiven abgelöst. Debussy ließ sich von Naturwahrnehmungen und von asiatischer Musik anregen, die er bei der Pariser Weltausstellung 1889 kennengelernt hatte.

Ein bedeutender Zeitgenosse war Maurice Ravel (1875–1937). Sein besonders beliebter „Boléro“ ist eine impressionistische Instrumentationsstudie für großes Orchester. In England wurde der musikalische Impressionismus unter anderem von Cyril Scott (1879–1970) und John Ireland (1879–1962) geprägt und weiterentwickelt.

Literatur

In der deutschen Literaturwissenschaft dient „Impressionismus“ als literaturhistorischer Ordnungsbegriff. Seine Verwendung ist jedoch umstritten, weil er als zu ungenau gilt und kein durchgehender fachwissenschaftlicher Konsens besteht. Die impressionistische Literatur entwickelte sich im Zusammenhang mit der Abkehr vom Naturalismus. Ihre Grenzen zum späteren Symbolismus sind unscharf; manche Werke werden beiden Strömungen zugeordnet.

Im Unterschied zum Naturalismus erscheint die Wirklichkeit stets durch die subjektive Wahrnehmung einer Figur oder Erzählinstanz gebrochen. Ziel ist nicht vor allem die Beschreibung einer objektiven Realität. Festgehalten werden vergängliche Stimmungen, emotionale „Landschaften“, das verwirrende Leben der Großstadt sowie Personen mit ihren Zweifeln und Mehrdeutigkeiten. Solche Wahrnehmungen treten an die Stelle eines streng chronologischen Erzählens, umfassender Charakterbilder oder ausführlicher Naturbeschreibungen.

Eine wichtige Technik ist der innere Monolog, also die unmittelbare Wiedergabe der Gedanken einer Figur. Als Beispiele gelten Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“ von 1899, Arthur Schnitzlers Novelle „Lieutenant Gustl“ von 1900, Herman Bangs Personencharakteristiken und die auf Sinneseindrücke ausgerichteten Gedichte Detlev von Liliencrons. Auch Werke von Marcel Proust und Henry James werden häufig dem Impressionismus zugeordnet.

Fotografie und Film

In der Fotografie erhoben Piktorialisten Ende des 19. Jahrhunderts den Anspruch, mit fotografischen Mitteln Kunst zu schaffen. Angeregt durch Antoine Claudet und Peter Henry Emerson verwendeten sie Unschärfe gezielt als Stilmittel. Robert Demachys Gummi-Bichromatdrucke von Ballettszenen ähnelten in Stil und Stimmung den Gemälden Edgar Degas’. Auch Werke von Heinrich Kühn, Alfred Stieglitz, Gertrude Käsebier, Edward Steichen, Adolphe de Meyer, Mary Devens und Alvin Langdon Coburn besitzen eine impressionistische Wirkung.

Zwischen Fotografie und Malerei bestand eine wechselseitige Beziehung. Die Malerei übernahm zufällig erscheinende Kompositionen, angeschnittene Figuren, Tiere und Wagen sowie die Wirkung eines Schnappschusses. Degas nutzte absichtlich zufällig wirkende Bildausschnitte und Kompositionen. Gustave Caillebotte wurde wegen einer angeblich zu „fotografischen“, also zu realistischen Darstellung kritisiert. Seine Motive und Perspektiven nahmen Techniken des „Neuen Sehens“ vorweg, die sich erst in den 1920er-Jahren in der Fotografie durchsetzten. Fotografen wie André Kertész, Wols und László Moholy-Nagy zeigen eine besondere Nähe zu Caillebotte, etwa durch steile Draufsichten auf Straßen und Plätze.

Heute spricht man von impressionistischer Fotografie, wenn bestimmte Verfahren optische Effekte und Stimmungen erzeugen. Dazu gehören die bewusste Kamerabewegung während einer Langzeitbelichtung, beispielsweise beim Verfolgen eines bewegten Objekts, eine weit geöffnete Blende mit nur einer scharfen Bildebene und unscharfem Vorder- oder Hintergrund sowie besondere Filter.

Der impressionistische Film im engeren Sinn bezeichnet vor allem ein ästhetisches Konzept des französischen Films der 1920er-Jahre. Typisch waren nichtlineare, assoziative Erzählweisen, schnelle Schnitte und Einstellungswechsel, Doppelbelichtungen, Weichzeichner und bewusst unscharfes Filmmaterial. Ein frühes Beispiel der assoziativen Erzählweise ist der experimentelle Kurzfilm „Manhatta“ von Charles Sheeler und Paul Strand aus dem Jahr 1921. Regisseure wie Germaine Dulac, Louis Delluc, Jean Epstein, Abel Gance, Marcel L’Herbier, Dimitri Kirsanoff und der in Europa tätige Brasilianer Alberto Cavalcanti bezogen sich auf die impressionistische Malerei des 19. Jahrhunderts und auf impressionistische Musik. Filmhistoriker wie Henri Langlois und Georges Sadoul etablierten die Bezeichnung.

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