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Patriarchat (Kirche)
Patriarchate gibt es in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen sowie in der römisch-katholischen Kirche.
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Begriff und kirchliche Funktion
Ein Patriarchat ist in vorreformatorischen Kirchen eine kirchliche Verwaltungseinheit und ein Jurisdiktionsbereich, der eine eigene Teilkirche bildet und dem weitere Diözesen angehören. Das Oberhaupt ist ein Bischof mit dem Titel Patriarch. Er steht den übrigen Diözesanbischöfen seines Patriarchats über, wobei seine genaue Rechtsstellung je nach Epoche und Teilkirche stark unterschiedlich ist. Auch die Amtszeit eines Patriarchen wird Patriarchat genannt.
Patriarchate gibt es in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen sowie in der römisch-katholischen Kirche. In der Alten Kirche entwickelte sich das Patriarchat aus Obermetropolien. Eine Obermetropolie war ein kirchliches Gebiet, in dem ein Bischof die Vorherrschaft über mehrere Diözesen besaß.
Grundlage der bischöflichen Autorität war die Apostolische Sukzession: Jeder Bischof galt über eine lange Reihe von Vorgängern als Nachfolger der Apostel. Im 2. Jahrhundert setzte sich anstelle der kollegialen Leitung durch Gemeindeälteste, die Presbyter, die Bischofskirche durch. Damit wurde das Bischofsamt zum zentralen Element der kirchlichen Leitung. Bei Ignatius von Antiochien zeigte sich bereits eine fast monarchische Autorität mit umfassender Lehr-, Weihe- und Jurisdiktionsgewalt.
Entstehung der altkirchlichen Patriarchate
Die staatlichen Verwaltungsreformen unter Diokletian Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts gliederten das Römische Reich in drei Präfekturen: die Praefectus praetorio Illyrici, Italiae et Africae, die Praefectus praetorio Galliarum und die Praefectus praetorio per Orientem. Diese Präfekturen bestanden aus staatlichen Diözesen; unter Diokletian gab es zwölf, je vier pro Präfektur. Die Diözesen umfassten wiederum einzelne Provinzen. Zur Präfektur des Ostens gehörten zunächst Thrakien, Asia, Pontus und die Diözese des Orients. Unter Konstantin dem Großen wurde Ägypten aus der Diözese des Orients ausgegliedert und als fünfte Diözese eingerichtet.
Das Konzil von Nicäa 325 bestätigte die sogenannte Metropolitanverfassung. Danach sollte unter anderem der Bischof von Alexandrien die Obergewalt über Ägypten, Libyen und Pentapolis behalten, entsprechend den Vorrechten des Bischofs von Rom. Auch Antiochien und andere Exarchien sollten ihre Vorrechte bewahren. Aus diesen kirchlichen Verwaltungsgebieten entwickelten sich später die Patriarchate.
Das westliche Abendland, also der Okzident, wurde vom Patriarchat von Rom verwaltet. In Ägypten entstand das Patriarchat von Alexandrien, während das Patriarchat von Antiochien das Gebiet der staatlichen Diözese des Orients erbte. Thrakien, Asia und Pontus hatten möglicherweise zunächst eigene Patriarchate. Das Konzil von Konstantinopel 381 verlieh dem Bischof von Konstantinopel die Rechte eines Obermetropoliten über diese drei Diözesen und den Ehrenvorrang nach Rom. Das Konzil von Chalcedon 451 räumte auch dem Bischof von Jerusalem einen Jurisdiktionsvorrang ein.
Pentarchie und kirchliche Spaltungen
Kaiser Justinian I. kodifizierte in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts die fünf Obermetropoliten als Patriarchen. Gemeinsam bildeten sie die Pentarchie, wörtlich „Fünfherrschaft“. Diese Ordnung wurde 1215 in der 5. Konstitution des Vierten Laterankonzils bestätigt.
Die fünf Patriarchate galten als ranggleich, standen aber in einer festen Ehrenordnung. An der Spitze stand Rom als Primus inter pares, also als „Erster unter Gleichen“:
- das Patriarchat des Abendlandes in Rom, verbunden mit den Aposteln Petrus und Paulus;
- das Patriarchat von Konstantinopel, verbunden mit dem Apostel Andreas;
- das Patriarchat von Alexandria, verbunden mit den Evangelisten Johannes und Markus;
- das Patriarchat von Antiochien, verbunden mit dem Apostel Petrus;
- das Patriarchat von Jerusalem, verbunden mit allen Aposteln.
Durch ihre Communio, also ihre kirchliche Gemeinschaft, vermittelten die fünf Patriarchate den Diözesen ihrer Jurisdiktion die Gemeinschaft mit allen Ortskirchen und galten als Garanten der Einheit der Weltkirche. Konflikte wurden durch Konzilien geklärt.
Im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte wurde die patriarchale Leitung der Gesamtkirche durch Schismen aufgegeben oder unwirksam. Aus den alten Patriarchaten entwickelten sich eigenständige Kirchen: Das Patriarchat des Abendlandes wurde zum Zentrum der Lateinischen Kirche, Konstantinopel zum Zentrum der orthodoxen Kirchen. Aus dem Patriarchat von Antiochien gingen unter anderem die Armenische Kirche und die Syrische Kirche von Antiochien hervor; aus dem Patriarchat von Alexandrien die Koptische und die Äthiopische Kirche.
Außerhalb des Römischen Reiches trugen die Oberbischöfe zunächst den Titel Katholikos, später zusätzlich oder allein den Titel Patriarch. Wichtige Katholikate waren Seleukia-Ktesiphon, Armenien, Georgien und das Maphrianat beziehungsweise Katholikat des Ostens oder von Indien. Aus ihnen gingen unter anderem die Assyrische Kirche des Ostens, die Armenische Apostolische Kirche, die Georgische Orthodoxe Apostelkirche sowie Kirchen in Malankara hervor.
Orthodoxe und römisch-katholische Patriarchate
Seit dem Morgenländischen Schisma gehören vier altkirchliche Patriarchate zu den byzantinisch-orthodoxen Kirchen: das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel in Istanbul, das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandrien und ganz Afrika mit Sitz in Alexandria, das Patriarchat von Antiochien und dem Ganzen Orient mit Sitz in Damaskus sowie das Griechische Patriarchat von Jerusalem. Das Ökumenische Patriarchat beansprucht außerdem weltweite Zuständigkeit für lokale Bistümer und Erzbistümer, die keinem anderen Patriarchat unterstehen.
Weitere orthodoxe Patriarchate entstanden später. Das Patriarchat von Georgien entstand im 11. Jahrhundert. Im Gefolge der Slawenmission bildeten sich unter anderem das Patriarchat von Moskau und Ganz Russland, seit 1589 im fünften Ehrenrang, das Patriarchat von Serbien mit Unterbrechungen seit dem 14. Jahrhundert, das Patriarchat von Bulgarien mit Unterbrechungen seit 918 sowie das Patriarchat von Rumänien seit 1925. Das Katholikat von Abchasien bestand vom 16. Jahrhundert bis 1814. Als nichtkanonisch bezeichnet der Artikel das Patriarchat von Kiew und der ganzen Ukraine, die Kroatisch-Orthodoxe Kirche aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und das Türkisch-Orthodoxe Patriarchat, da sie sich jeweils ohne Zustimmung des zuständigen Patriarchats abspalteten.
Das Patriarchat des Abendlandes in Rom entwickelte sich zur Lateinischen Kirche und zum Papsttum. Der Papst übt die patriarchale Jurisdiktion über die Lateinische Kirche und über Partikularkirchen aus, die keiner anderen patriarchalen Jurisdiktion angehören. Der seit dem 5. Jahrhundert geführte Titel „Patriarch des Abendlandes“ wurde 2006 von Benedikt XVI. abgelegt und im April 2024 von Franziskus wieder eingeführt.
In der römisch-katholischen Kirche gibt es neben Rom fünf Patriarchate in der Lateinischen Kirche und acht in den Katholischen Ostkirchen. Große Patriarchate besitzen eine eigene patriarchale Jurisdiktion; kleine Patriarchate, die sogenannten Titularpatriarchate, besitzen keine eigene Jurisdiktion. Die weltweite Gewalt des Papstes über alle Patriarchate beruht nicht auf der patriarchalen Jurisdiktion, sondern auf dem Jurisdiktionsprimat.
In der Lateinischen Kirche ist das Lateinische Patriarchat von Jerusalem ein großes Patriarchat. Es wurde 1099 im Kreuzfahrerstaat errichtet, war nach dem Verlust Jerusalems ab 1291 ein Titularpatriarchat und wurde am 23. Juli 1847 mit Jurisdiktion über Israel, Palästina, Jordanien und Zypern wiedererrichtet. Titularpatriarchate mit residierendem Patriarchen sind Venedig und Lissabon, letzteres seit 1716. Das Patriarchat von Ostindien ist seit 1886 ein Titularpatriarchat; der Titel wird traditionell dem Erzbischof von Goa und Daman verliehen. Das Patriarchat von Westindien besteht seit 1524, ist seit 1963 nicht mehr besetzt.
Ehemalige lateinische Patriarchate sind Aquileia, Grado, das Lateinische Patriarchat von Äthiopien sowie die während der Kreuzzüge errichteten lateinischen Patriarchate von Antiochien, Konstantinopel und Alexandria. Die drei letztgenannten wurden 1964 im Zuge der Ökumene mit der Orthodoxie nach mehreren Jahren der Vakanz aufgehoben. Grado wurde 1451 aufgelöst und durch Venedig ersetzt; Aquileia wurde am 6. Juni 1751 aufgehoben.
Katholische Ostkirchen und altorientalische Kirchen
Die acht Patriarchate der Katholischen Ostkirchen besitzen jeweils eine eigene patriarchale Jurisdiktion. Dazu gehören das koptisch-katholische Patriarchat von Alexandria mit Residenz in Kairo, das maronitische Patriarchat von Antiochien und des ganzen Orients mit Residenz in Bkerkhe im Libanon, das syrisch-katholische Patriarchat von Antiochia mit Residenz in Beirut, das melkitische Patriarchat von Antiochien sowie das chaldäische Patriarchat von Bagdad. Letzteres wurde bis 2022 als Patriarchat von Babylon bezeichnet und besteht seit dem 3. Jahrhundert beziehungsweise seit 1553.
Zum melkitischen Patriarchat gehören außerdem drei große Jurisdiktionsgebiete: Antiochien und das ganze Morgenland mit Sitz in Damaskus, Alexandria und ganz Afrika mit Sitz in Alexandria sowie Jerusalem. Die beiden letztgenannten Gebiete bestehen seit 1838 und gehörten zuvor seit 1772 als melkitische Administraturen zu Antiochien. Alexandria umfasst Ägypten, den Sudan und den Südsudan; Jerusalem umfasst Jerusalem und die Palästinensischen Autonomiegebiete. Der melkitische Patriarch trägt daher die Titel dreier Patriarchalsitze. Hinzu kommt das armenisch-katholische Patriarchat von Kilikien mit Residenz in Beirut.
In den altorientalischen Kirchen ist der Patriarch jeweils Kirchenoberhaupt; in der armenischen Kirche trägt er den Titel Katholikos. Zu den Patriarchaten des antiochenischen Ritus gehören das jakobitische Patriarchat von Antiochia und dem ganzen Orient mit Sitz in Damaskus sowie das Katholikat des Orients in Kottayam, Kerala. Letzteres ist vom Katholikat von Indien zu unterscheiden, das vom jakobitischen Patriarchat von Antiochien abhängig ist.
Zum alexandrinischen Ritus gehören das koptische Patriarchat von Alexandria und ganz Afrika mit Sitzen in Kairo und Alexandria, das äthiopische Patriarchat in Addis Abeba, autokephal seit 1950 und Patriarchat seit 1959, sowie das eritreische Patriarchat in Asmara, Patriarchat seit 1998. Im armenischen Ritus bestehen das Armenische Patriarchat und Katholikat aller Armenier mit Kathedra in Etschmiadsin und Sitz in Vagharshapat, das Katholikat von Kilikien mit Sitz in Antelias sowie die armenischen Patriarchate von Jerusalem und Konstantinopel. Im ostsyrischen Ritus gibt es das Katholikat und Patriarchat der Assyrischen Alten Kirche des Orients mit Kathedra in Seleukia-Ktesiphon und Sitz in Ankawa bei Erbil sowie das Katholikat und Patriarchat der Alten Kirche des Orients in Bagdad, das seit 1968 Patriarchat ist.
Einige Kirchenoberhäupter führen den Titel Katholikos zusätzlich oder anstelle des Patriarchentitels. Im armenischen Ritus stehen Patriarchen im Rang unter den Katholikoi. In Antiochien gibt es dagegen mit dem „Katholikos von Indien“ auch einen Katholikos, der einer nicht autokephalen Kirche vorsteht.