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Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel

Diese Zusammentreffen führten dazu, dass die römisch-katholische Kirche und der ökumenische Patriarch von Konstantinopel in Vertretung der orthodoxen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Leitung
  2. 2. Entstehung und frühe Stellung
  3. 3. Osmanische Zeit und Nationalkirchen
  4. 4. 20. Jahrhundert bis heute
  5. 5. Aufbau und Zuständigkeiten
  6. 6. Teilkirchen

Bedeutung und Leitung

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, auch Kirche von Konstantinopel genannt, ist eine autokephale orthodoxe Kirche. Autokephal bedeutet, dass eine Kirche sich selbst leitet und kein höheres kirchliches Oberhaupt über sich hat. Ihr Oberhaupt ist der ökumenische Patriarch von Konstantinopel; derzeit ist dies Bartholomäus I. Er gilt als Primus inter pares, also als „Erster unter Gleichen“, unter den Oberhäuptern von etwa 350 Millionen orthodoxen Christen.

Der Sitz des Patriarchen ist die Georgskathedrale im Phanar in Istanbul. Bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 war über Jahrhunderte die Hagia Sophia die Kathedrale des Patriarchats.

Entstehung und frühe Stellung

Als Gründer der Kirche von Byzanz gilt der Apostel Andreas. Als erster Erzbischof wird Metrophanes für die Jahre 325–326 genannt. Kaiser Konstantin der Große förderte das Christentum und machte Byzanz zur zweiten Hauptstadt des Römischen Reiches. Die Stadt wurde als „neues Rom“ und als Konstantinopolis bezeichnet.

Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde die Stellung Konstantinopels als „neues Rom“ bestätigt. Der Patriarch von Konstantinopel erhielt Jurisdiktion, also kirchliche Zuständigkeit, über wichtige Erzdiözesen wie Pontus, Asia und Thrakien. Zugleich wurde der 381 festgelegte Vorrang Roms vor Konstantinopel beseitigt.

Das große morgenländische Schisma von 1054 bedeutete die formale Trennung der lateinischen Kirche des Westens von der griechischen Kirche des Ostens. Papst Leo IX. in Rom und Patriarch Michael I. von Konstantinopel exkommunizierten einander, schlossen sich also gegenseitig aus der kirchlichen Gemeinschaft aus. Von 1204, dem Vierten Kreuzzug, bis zur Rückeroberung Konstantinopels 1261 war der Patriarch im Exil.

Osmanische Zeit und Nationalkirchen

Nach der Eroberung Konstantinopels durch Mehmed II. im Jahr 1453 blieb der Patriarch von Konstantinopel Oberhaupt aller orthodoxen Gemeinden. Weil der Patriarch jedoch mit der osmanisch-türkischen Staatsgewalt verbunden war, lösten sich in den Unabhängigkeitsbewegungen einzelner Völker auch deren Kirchen von der organisatorischen Einheit mit dem Patriarchat.

1767 wurde das autonome Erzbistum Ohrid und 1776 das Patriarchat von Peć aufgelöst; ihre Diözesen wurden direkt dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt. 1870 stellte ein Ferman Sultan Abdülaziz’ einen Großteil der Diözesen in den Vilâyets Tuna, Edirne, Manastır, Saloniki und Kosovo unter das Bulgarische Exarchat. 1872 erklärte das Patriarchat von Konstantinopel dieses Bulgarische Exarchat für schismatisch, also von der kirchlichen Gemeinschaft getrennt. Dadurch verschärfte sich der bulgarisch-griechische Kirchenkampf.

20. Jahrhundert bis heute

Zwischen 1914 und 1923 mussten wegen der Verfolgung der Griechen im Osmanischen Reich die meisten Griechen die neue Türkei verlassen. Der Verbleib des Patriarchats an seinem angestammten Sitz im Phanar wurde durch den Vertrag von Lausanne 1923 völkerrechtlich abgesichert. Trotzdem wurde Patriarch Konstantin VI., der von 1924 bis 1925 amtierte, von den türkischen Behörden des Landes verwiesen. Der Streit wurde beigelegt, indem Konstantin VI. zur Abdankung bewogen wurde; die Türkische Republik erkannte das Patriarchat als religiöse Institution der griechischen Minderheit auf ihrem Gebiet an.

Nach Konstantin VI. folgten Vasilios III., Photios II., Benjamin I. und Maximos V. Am 26. Januar 1948 trat Athinagoras das Amt des ökumenischen Patriarchen an. Nach dem Pogrom von Istanbul 1955 und der Ausweisung dauerhaft in Istanbul lebender griechischer Staatsbürger 1964 wurde nahezu die gesamte verbliebene orthodoxe Bevölkerung aus der Stadt vertrieben: Von rund 110.000 Phanarioten blieben nur rund 2.500 in Istanbul.

1964 traf Patriarch Athinagoras in Jerusalem Papst Paul VI. Eine wichtige Geste war die Rückgabe der Kopfreliquie des Apostels Andreas, die Kreuzfahrer 1204 in Konstantinopel geraubt hatten. 1967 besuchten sich Papst Paul VI. und der Patriarch gegenseitig. Diese Begegnungen führten dazu, dass die römisch-katholische Kirche und der ökumenische Patriarch in Vertretung der orthodoxen Kirchen die gegenseitigen Exkommunikationen von 1054 aus dem Gedächtnis der Kirche strichen.

Das Verhältnis zum türkischen Staat blieb schwierig. Das griechisch-orthodoxe Seminar von Chalki auf Heybelıada wurde 1971 geschlossen, als die Türkei alle privaten Hochschulen verstaatlichte. Nach Athinagoras’ Tod verhinderte die türkische Regierung die Wahl des Metropoliten Meliton von Chalkedon; der Heilige Synod wählte im Juli 1972 Demetrius I. Seit 1991 ist Bartholomäus I. ökumenischer Patriarch. 2011 ordnete Ministerpräsident Erdoğan die Rückgabe früher konfiszierter Immobilien und Sakralbauten christlicher Minderheiten an, was Bartholomäus I. und Vertreter der Europäischen Union positiv bewerteten.

2018 wurden die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche gegen den Widerstand des Moskauer Patriarchats dem ökumenischen Patriarchat unterstellt. Ziel war, sie zu einer autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine zu vereinigen. Die Synode der russisch-orthodoxen Kirche erklärte daraufhin am 15. Oktober 2018, die Gottesdienstgemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat einseitig abzubrechen.

Aufbau und Zuständigkeiten

Zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gehören sechs Erzdiözesen, 18 weitere Metropolien und acht Teilkirchen auf allen Kontinenten. Erzdiözesen und Metropolien sind kirchliche Verwaltungsgebiete, die von Erzbischöfen oder Metropoliten geleitet werden.

Die größten Diözesen liegen auf Kreta, auf der Inselgruppe Dodekanes und in der Mönchsrepublik Athos in Griechenland. Die Diözesen in den sogenannten „neuen Ländern“, also Nordgriechenland und der Ostägäis, gehören nominell zum Patriarchat, werden aber von der Kirche von Griechenland verwaltet. Im Gebet kommemorieren sie weiterhin den Ökumenischen Patriarchen und nicht den Erzbischof von Athen. In Istanbul, dem ehemaligen Konstantinopel, und seiner Umgebung gibt es nur noch wenige Gemeindemitglieder.

Zu den genannten Erzdiözesen und zugehörigen Bereichen gehören unter anderem Konstantinopel, Kreta, Thyateira und Britannien, Amerika, Australien und Italien. Weitere Metropolien bestehen unter anderem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Frankreich, Kanada, Hongkong, Korea, Mexiko und Zentralamerika, Neuseeland, Schweden und ganz Skandinavien sowie Spanien und Portugal.

Teilkirchen

Innerhalb des Patriarchats gibt es autonome Teilkirchen. Autonom bedeutet, dass sie in vielen inneren Angelegenheiten selbstständig handeln, aber weiterhin zum Patriarchat gehören. Genannt werden die Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche und die Orthodoxe Kirche Finnlands.

Weitere Teilkirchen und kirchliche Einheiten sind die Autokephale orthodoxe Kirche von Albanien in Amerika, die Karpatho-Russische Kirche in Amerika, die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche in der Diaspora in Westeuropa und Australien, die Ukrainische Orthodoxe Kirche in den USA, die Ukrainische Orthodoxe Kirche in Kanada, das Exarchat von Malta und das Exarchat der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa, das heute mehrheitlich mit der Russisch-Orthodoxen Kirche vereint ist.

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