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Passiv in der spanischen Sprache

Aktiv und Passiv sind die beiden Genera verbi in den rezenten und genetisch verwandten indoeuropäischen Sprachen bzw. Sprachfamilie. Das Passiv war kein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktionen des Passivs
  2. 2. Hauptformen der Passivbildung
  3. 3. Vorgang: ser + Partizip
  4. 4. Zustand: estar + Partizip
  5. 5. Synthetisches und Reflexivpassiv

Grundidee und Funktionen des Passivs

Das Passiv (voz pasiva, „Leideform“) ist eine Diathese, also eine Kategorie des Verbs, die die Handlungsrichtung ausdrückt. Es ist ein Spezialfall der Valenzalternation: Bei einer solchen Alternation behalten stammverwandte Verben ihre Grundbedeutung, haben aber andere semantische oder syntaktische Mitspieler.

Im Aktiv wird vor allem hervorgehoben, wer oder was handelt; im Passiv steht die Handlung, der Vorgang oder ihr Ergebnis im Vordergrund. Das Subjekt handelt dann nicht selbst, sondern ist von der Handlung betroffen. Bei transitiven Verben – Verben mit direktem Objekt – kann das direkte Objekt des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes werden. Das Agens, also der Handelnde, kann weggelassen oder mit por, seltener de, ergänzt werden.

Beispiel: Atila destruyó la ciudad. („Attila zerstörte die Stadt.“) Im Passiv lautet der Satz La ciudad fue destruida por Atila. („Die Stadt wurde von Attila zerstört.“) La ciudad ist dabei nicht mehr direktes Objekt, sondern Passivsubjekt.

Für das Verständnis muss man syntaktische Funktionen und semantische Rollen unterscheiden. Syntaktische Funktionen sind etwa Subjekt sowie direktes und indirektes Objekt. Semantische Rollen beschreiben die Bedeutung eines Satzteils: Das Agens führt die Handlung aus, der Patiens ist von ihr betroffen. Weitere im Artikel genannte Rollen sind causa (Ursache), beneficiario (Nutznießer oder Geschädigter), experimentador (Wahrnehmender), fuente u origen (Ausgangspunkt), finalidad o propósito (Ziel) und dirección o meta (Weg bzw. Richtung). Das indirekte Objekt bezeichnet häufig den Endpunkt, der die Folgen einer Handlung erhält: In Carlos llevó manzanas a su madre ist Carlos das Agens, manzanas der Patiens und su madre das indirekte Objekt.

Passivformen sind grundsätzlich in verschiedenen Zeiten und Modi möglich, etwa Indicativo und Subjuntivo. Das Vorgangspassiv wird im Spanischen jedoch besonders in Verwaltungssprache und Printmedien verwendet. In der gesprochenen Alltagssprache werden oft Aktiv, Reflexivpassiv oder andere Umschreibungen bevorzugt. Das bedeutet nicht, dass spanische Passivkonstruktionen nicht existieren; sie können besonders passend sein, wenn der Handelnde unbekannt ist oder nicht betont werden soll.

Hauptformen der Passivbildung

Traditionell werden zwei Arten unterschieden: das analytische Passiv (pasiva analítica) und das synthetische Passiv (pasiva sintética). Das analytische Passiv besteht aus einem konjugierten Kopulaverb – ser oder estar – und dem Partizip Perfekt (participio pasado, perfecto oder pasivo) des Vollverbs. Das Partizip stimmt dabei in Genus und Numerus mit dem Subjekt überein.

Beispiel: Pedro comió las peras. wird zu Las peras fueron comidas por Pedro. Das Partizip comidas steht im Femininum Plural wie las peras.

Das analytische Passiv gliedert sich in Vorgangspassiv mit ser und Zustandspassiv mit estar. Ser und estar können hier als Hilfs- oder Kopulaverben dienen. Die Wahl hängt vor allem davon ab, ob ein Geschehen bzw. Prozess oder ein Zustand bzw. Resultat dargestellt wird. Daneben nennt der Artikel tener + participio, llevar + participio und traer + participio als mögliche Kopulaersätze (verbos pseudocopulativos), die ebenfalls passive Konstruktionen bilden können.

Vorgang: ser + Partizip

Das Vorgangspassiv (pasiva con ser oder pasiva de proceso) beschreibt einen Vorgang, Prozess oder ein Ereignis. Seine Grundform ist: Subjekt + ser + Partizip, das in Genus und Numerus mit dem Subjekt übereinstimmt, + por + Subjekt des Aktivsatzes. Entscheidend ist die Frage: „Was wurde von wem oder wovon in Gang gesetzt, ausgelöst?“

Das direkte Objekt des Aktivsatzes wird zum Passivsubjekt; das Agens tritt in den Hintergrund. Es kann nach por ergänzt werden, muss aber nicht genannt werden. So wird aus Juana invita a María der Satz María es invitada por Juana. Ebenso lautet Las contraventanas fueron cerradas: „Die Fensterläden wurden geschlossen.“

Das Vorgangspassiv wird mit ser und einem veränderlichen Partizip gebildet, etwa Las camas no han sido hechas oder Los científicos nucleares habían sido radiados. Mit Modalverben wie ir a oder acabar de steht ser im Infinitiv. Eine Konstruktion mit estar + Partizip ist dagegen kein Vorgangspassiv; dort verhält sich das Partizip wie ein Adjektiv. Der Gegensatz wird an La casa fue arruinada por el enigmo und La casa estaba arruinada gezeigt. Im ersten Satz wird der Vorgang mit einem möglichen Agens ausgedrückt, im zweiten der Zustand der zerstörten bzw. ruinierten Sache.

Bei der Beschreibung der Rollen erscheint im Vorgangspassiv der Patiens als Nominalphrase im Nominativ. Das Agens wird nicht als normales Satzsubjekt realisiert, sondern kann als por-Ergänzung erscheinen.

Zustand: estar + Partizip

Das Zustandspassiv (pasiva con estar oder pasiva de estado) bezeichnet nicht das Geschehen selbst, sondern dessen abgeschlossenes Ergebnis oder einen daraus entstandenen Zustand. Seine Form lautet: Subjekt + estar + Partizip; auch hier richtet sich das Partizip in Geschlecht und Zahl nach dem Subjekt.

Die Leitfrage lautet: „Wie ist der Zustand einer Person oder eines Gegenstandes, nachdem eine Handlung oder Ereignis geschehen oder abgeschlossen ist?“ Beispiele sind Las camas ya están hechas („Die Betten sind bereits gemacht.“), Todas las casas están vendidas und Las contraventanas están cerradas. Los pacientes han estado radiados ist ein Beispiel im Pretérito perfecto de indicativo.

Der Artikel stellt dem prozesshaften Vorgangspassiv mit ser das Ergebnis mit estar gegenüber: La casa fue arruinada por el enigmo benennt einen Vorgang, La casa estaba arruinada den Zustand. Außerdem wird zwischen perfektiven und imperfektiven Zuständen unterschieden: Ein perfektiver Zustand hat einen bekannten Anfang und ein Ende; einem imperfektiven Zustand fehlen diese Merkmale. Nach dem Artikel stehen mit ser kombinierte Adjektive für imperfektive, mit estar kombinierte für perfektive Zustände.

Synthetisches und Reflexivpassiv

In der alltäglichen gesprochenen Sprache wird das analytische Passiv häufig durch synthetische Konstruktionen und besonders durch das Reflexivpassiv (pasiva refleja) ersetzt. Diese Form verwendet se und die dritte Person Singular oder Plural eines transitiven Verbs. Sie hat ein Subjekt, meist eine unbelebte Sache oder ein belebtes, aber unbestimmtes Subjekt ohne Artikel. Das Verb stimmt mit diesem Subjekt überein.

Typische Stellung ist se + Verb + Subjekt, möglich ist auch Subjekt + se + Verb: Se vende esta casa bzw. Esta casa se vende. Se venden los coches bedeutet „Die Autos werden verkauft“ bzw. „Man verkauft die Autos“. Este coche se vende bien entspricht „Dieses Auto verkauft sich gut“. Das erleidende Subjekt kann den Vorgang nicht selbst ausführen; deshalb gilt Los coches se venden als Reflexivpassiv, Las mujeres se venden por unos euros nach dem Artikel jedoch nicht.

Die Konstruktion heißt auch Mediopassiv (voz mediopasiva). Allgemein werden reflexive Konstruktionen als solche beschrieben, bei denen Agens und Patiens denselben Bezug haben. Fehlt ein Subjekt, liegt kein pasiva refleja vor: Aquí se come pollo hat ein Subjekt; Aquí se come bien wird als „Hier isst man gut“ eingeordnet.

Daneben nennt der Artikel unpersönliche Aktivkonstruktionen als Alternative, wenn Verursacher oder Ursache unbekannt oder unwichtig sind: Allí están ensanchando el edificio bedeutet „Dort wird das Gebäude erweitert.“ Auch hay que + Infinitiv kann eine passive bzw. unpersönliche Bedeutung ausdrücken: Hay que hacer ejercicio y dormir bien bedeutet „Man muss gut trainieren und schlafen.“

Lernvideos zu Passiv in der spanischen Sprache

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