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Spanische Grammatik
Adjektive erscheinen meist nach dem Substantiv, es gibt Präpositionen statt Postpositionen, und Nebensätze werden von Konjunktionen eingeleitet. Spanisch ist …
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Grundzüge der Sprache und des Satzes
Spanisch (español oder castellano) ist eine relativ flektierende romanische Sprache mit zwei grammatischen Geschlechtern und über 50 konjugierten Formen je Verb. Substantive, Adjektive und Determinative werden dagegen vergleichsweise wenig flektiert. Es ist eine Pro-Drop-Sprache: Das Subjektpronomen kann meist fehlen, weil die finite Verbform Person und Numerus erkennen lässt. Ein ausdrücklich gesetztes Subjektpronomen dient daher oft der Hervorhebung, dem Kontrast oder der Eindeutigkeit.
Die Grundstellung ist Subjekt – Verb – direktes Objekt – indirektes Objekt (SVO). Satzadverbiale und andere adverbiale Bestimmungen können am Anfang, nach dem Verb oder am Ende stehen; Satzadverbiale werden dann durch Komma abgetrennt. Die Wortstellung ist jedoch beweglich: Besonders in Fragen sowie nach vorangestellten Adverbialen, Objekten oder Nebensätzen kann das Subjekt hinter dem finiten Verb stehen. Wird ein Objekt vorangestellt, wird es meist zusätzlich durch ein klitisches Pronomen beim Verb wiederholt.
Klitische, also unbetonte Pronomen wie me, te, lo, la oder se stehen vor dem konjugierten Verb. Beim Infinitiv, Gerundium und bejahten Imperativ werden sie angehängt. Die Verneinung steht immer vor dem Verb und gegebenenfalls auch vor den Klitika. Präpositionen stehen vor ihrer Ergänzung; das Spanische hat keine Postpositionen.
Der Wortakzent liegt regelhaft auf der letzten Silbe oder, bei Wörtern auf Vokal, n oder s, auf der vorletzten Silbe. Abweichungen kennzeichnet der Akut über dem betonten Vokal. Geschrieben wird mit lateinischen Buchstaben, außerdem mit Akut, ñ und ü; ü ist ein Trema, kein Umlaut.
Substantive, Adjektive und Adverbien
Substantive haben maskulines oder feminines Genus und werden nur nach Numerus, nicht nach Kasus flektiert. Endungen auf -a, -ad, -ción, -sión und -z sind meist feminin, solche auf -o, -l, -r, -n und -e meist maskulin. Das sind Tendenzen: un problema und el idioma sind maskulin, dagegen heißt es la mano. Einen Rest des Neutrums gibt es bei abstrakten Substantivierungen: lo bueno bedeutet „das Gute“.
Der Plural lautet nach Vokal meist -s (casa, casas), nach Konsonant -es (mujer, mujeres); bei -z wird daraus -ces (luz, luces). Endet ein Wort auf -n, kann sich der Akzent ändern, etwa orden – órdenes und canción – canciones. Diminutivsuffixe wie -(c)ito/-ita, -(c)ico/-ica oder -(c)illo/-illa drücken Verkleinerung aus, zum Beispiel pobrecito. Augmentativsuffixe wie -azo/-aza, -ón/-ona und -ote/-ota drücken Vergrößerung aus, etwa jamonazo.
Adjektive stimmen immer mit ihrem Bezugswort in Genus und Numerus überein, auch prädikativ: las bicis eran caras. Zweiendige Adjektive unterscheiden meist -o und -a, etwa rojo/roja; einendige enden häufig auf -e oder Konsonant, etwa verde oder feliz. Bei mehreren Bezugswörtern gleichen Genus steht das Adjektiv im entsprechenden Plural; bei unterschiedlichem Genus im maskulinen Plural: chicos y chicas simpáticos. Vor dem Substantiv werden einige Formen gekürzt: buen hombre, mal día, primer tiempo, tercer gol und un gran hombre.
Die Steigerung verwendet más und menos: más fuerte; Gleichheit wird mit tan … como, der Superlativ mit bestimmtem Artikel plus Komparativ gebildet: la bici más cara. Wichtige Sonderformen sind bueno/mejor, malo/peor, pequeño/menor und grande/mayor. Der Elativ („sehr“) lautet meist muy + Adjektiv oder -ísimo, etwa carísimas.
Attributive Adjektive stehen häufig nach dem Substantiv; ihre Stellung kann die Bedeutung verändern. una extraña mujer heißt „eine seltsame Frau“, una mujer extraña „eine fremde Frau“. Nachstellung ist oft bestimmend, etwa el perro blanco: gemeint sind nur die weißen Hunde. Voranstellung kann erläuternd oder wertend sein, etwa la blanca nieve. Prädikative und freie prädikative Adjektive stehen nach dem Verb, zum Beispiel El coche es nuevo y bonito und Juana lo miró absorta.
Adverbien bestimmen Verben, Sätze, Adjektive oder andere Adverbien und sind unveränderlich. Viele entstehen aus der femininen Adjektivform plus -mente, etwa rápidamente; andere entsprechen der maskulinen Adjektivform, etwa trabajar duro oder Hablan distinto. Mögliche Steigerungen sind tan … como, más/menos que sowie -ísimo beziehungsweise -ísimamente. Bedeutungsgruppen sind Orts-, Zeit-, Art-und-Weise-, Grad-, Affirmations-, Negations- und Zweifelsadverbien. Ein Adverb steht normalerweise nicht zwischen Hilfsverb und Vollverb; bezieht es sich auf ein Adjektiv oder Adverb, steht es davor.
Artikel, Pronomen und Präpositionen
Artikel sind Determinative: Sie bilden mit einem Substantiv eine Nominalphrase und helfen, den Referenten zu identifizieren oder zu quantifizieren. Der bestimmte Artikel lautet el, la, los, las. lo ist ein neutraler, nicht pluralfähiger Artikel vor Adjektiven, Ordinalzahlen oder Possessivpronomen: lo bueno, lo primero, lo suyo. de + el wird del, a + el wird al. Vor femininen Substantiven mit betontem a oder ha steht el statt la, zum Beispiel el agua; beim unbestimmten Artikel steht un statt una, etwa un alma.
Der bestimmte Artikel wird unter anderem generisch verwendet: Los gatos no vuelan. Er steht nach todos/todas, meist bei Zeit- und Altersangaben sowie vor señor, señora und Titeln im Satz. Der unbestimmte Artikel lautet un, una, unos, unas. unos/unas kann „ein paar“, „etwa“ oder eine nicht näher bestimmte Gruppe bedeuten und steht auch bei Pluralia tantum wie unas gafas. Er fehlt häufig vor otro, tal und medio, bei Objekten von tener oder buscar sowie oft bei Mengenangaben.
Pronomen können selbstständig stehen oder ein Substantiv begleiten. Zentral ist der Unterschied zwischen betonten Formen, die wie Nominalphrasen frei stehen können, und klitischen Formen am Verb. Subjektpronomen sind betont, etwa yo, tú/vos, él/ella, nosotros/-as, vosotros/-as, ellos/ellas sowie usted/ustedes. Objektklitika sind unter anderem me, te, nos, os, lo, la, los, las, le und les. Bei einem betonten Objekt muss zusätzlich ein Klitikum stehen: A mí no me han invitado.
Possessivformen richten sich nach Genus und Numerus des Bezugsnomens, nicht nach dem Geschlecht des Besitzers: el coche es mío, aber la noche es mía. Unbetonte Formen sind beispielsweise mi(s), tu(s), su(s), nuestro/-a und vuestro/-a; betonte Formen sind mío/-a, tuyo/-a und suyo/-a. Reflexivpronomen lauten me, te, se, nos, os, se. Bei echten Reflexivverben beziehen sich Subjekt und Objekt auf dieselbe Person; im Infinitiv erscheint -se, etwa ducharse und lavarse. se kann außerdem ähnlich wie deutsches „man“ oder in passivähnlichen Konstruktionen verwendet werden.
Präpositionen sind unveränderliche Wörter mit genau einer Ergänzung. Sie drücken räumliche, zeitliche oder grammatische Beziehungen aus. Mindestens 18 werden angesetzt; Beispiele sind a, con, de, en, para, por, sin, sobre und tras. Im Spanischen können sie Funktionen markieren, die im Deutschen Fälle ausdrücken: Belebte direkte Objekte erhalten a; a oder para können einer Dativfunktion entsprechen, de einer Genitivfunktion. Bei Bewegungen bezeichnet das Verb typischerweise die Richtung; eine bloße Art-und-Weise-Bewegung lässt sich oft nicht mit einer Richtungsangabe verbinden: La botella flotó hacia la cueva, aber nicht *La botella flotó a la cueva.
Aufbau und Formen des Verbs
Das Verb ist das syntaktische Zentrum des Satzes. Es bezeichnet Tätigkeiten, Vorgänge, Zustände und Veränderungen und bestimmt durch seine Valenz, welche Ergänzungen es verlangt. Es wird nach Person, Numerus, Tempus, Modus, Aspekt, Aktionsart und weiteren Kategorien flektiert. Es gibt drei Konjugationen: -ar (hablar), -er (comer) und -ir (vivir). Eine einfache finite Form besteht aus Stamm, Themavokal und Flexionsmorphemen; in comprasteis sind dies compr- + -a- + -ste- + -is.
Finite Formen zeigen Person und Numerus; infinite Formen zeigen beides nicht. Zu diesen formas no personales gehören der Infinitiv (comprar), das Gerundium (comprando) und das Partizip (comprado). Sie können Sätze verkürzen oder ersetzen, bilden aber erst zusammen mit einem finiten Verb periphrastische Formen. Die regelmäßigen Endungen sind: -ando bei -ar und -iendo bei -er/-ir im Gerundium; -ado bei -ar und -ido bei -er/-ir im Partizip.
Zusammengesetzte Zeiten werden mit einer Form von haber plus Partizip gebildet und drücken gegenüber der einfachen Zeit Vorzeitigkeit aus: ha hablado, había hablado, habrá hablado, habría hablado und hubiera/hubiese hablado. Das Partizip in diesen Formen stimmt nicht mit dem Subjekt überein. haber, ser und estar sind Hilfsverben; ir + a + Infinitiv bildet eine besonders häufige Zukunftsumschreibung.
Es gibt etwa neunhundert unregelmäßige Verben; die Zählung ist laut Artikel ungenau, weil Ableitungen unterschiedlich mitgezählt werden. Häufige Unregelmäßigkeiten betreffen die 1. Person Singular des Präsens, Indefinido, Futur, Condicional und Präsens des Subjuntivo. Im Präsens diphthongieren bei manchen Verben betonte e und o zu ie und ue: comenzar – comienzo, aber comenzamos; dormir – duermo, aber dormimos. pedir zeigt e zu i: pido. Wichtige unregelmäßige Verben sind ser, haber und ir.
Transitive Verben verlangen ein direktes Objekt und können passiviert werden; intransitive können ohne Ergänzung stehen. Reflexive Verben werden von einem Reflexivpronomen begleitet. Ein Vollverb kann allein ein Prädikat bilden. Kopula-, Hilfs- und Modalverben werden im Artikel als „Strukturverben“ zusammengefasst, weil sie komplexe Prädikate bilden.
Zeiten, Modi und Aspekt
Tempus ordnet ein Ereignis zeitlich ein, Aspekt beschreibt die Sicht auf seinen Verlauf oder Abschluss. Das Spanische hat insgesamt siebzehn Tempora gegenüber sechs deutschen Formen. Nach Hans Reichenbach werden Sprechzeit S beziehungsweise H, Ereigniszeit E und Referenzzeit R unterschieden. Für die Vergangenheit gilt E = R < S, für Gegenwart E = R = S und für Zukunft S < E = R. Der Indikativ setzt einen Sachverhalt als wirklich, der Subjuntivo als möglich, der Condicional als bedingt und der Imperativ als befohlen.
Das Presente ist imperfektiv und beschreibt Gegenwart; mit Zeitangabe kann es Zukunft ausdrücken: Mañana es el cumpleaños de Juana. Es dient auch als historisches Präsens. Als gnomisches Präsens beschreibt es wissenschaftliche oder allgemeine Tatsachen, als Gewohnheitspräsens wiederholte Vorgänge: En invierno nieva mucho.
Das Pretérito perfecto compuesto (haber im Präsens + Partizip) beschreibt abgeschlossene Handlungen mit Gegenwartsbezug, etwa Perdón, no te he entendido. Typische Angaben sind hoy, esta semana, ya, nunca und últimamente. In vielen Ländern Lateinamerikas wird es in der gesprochenen Sprache kaum verwendet und durch das Indefinido ersetzt. Das Pretérito indefinido ist eine einfache Erzählzeit für abgeschlossene, vergangene Ereignisse, oft mit ayer, anoche, el año pasado oder hace tres días. Beispiel: Llegué a las seis de la mañana, tomé una ducha y me fui a la cama.
Das Pretérito imperfecto beschreibt Verlauf, Wiederholung, Zustände und Hintergrund in der Vergangenheit; Anfang und Ende bleiben offen. Es passt zu Beschreibungen, Gewohnheiten und gleichzeitig ablaufenden Handlungen. In Erzählungen bildet es meist den Hintergrund, während das Indefinido ein neu eintretendes, abgeschlossenes Ereignis bezeichnet: María hacía un jersey de punto cuando llegué a casa. Bei manchen Verben ändert sich damit die deutsche Wiedergabe: sabía bedeutet „ich wusste“, supe „ich erfuhr“; conocía „ich kannte“, conocí „ich lernte kennen“.
Der perfektive Aspekt betrachtet eine Handlung als Ganzes oder abgeschlossen: E ⊆ R. Der imperfektive Aspekt betrachtet sie im Verlauf: R ⊆ E. Das Gegensatzpaar Indefinido/Imperfecto ist dafür zentral. Das Pluscuamperfecto (había + Partizip) bezeichnet eine Handlung vor einem anderen Zeitpunkt der Vergangenheit: Había terminado mi operación quirúrgica cuando mi asistente entró. Das literarische Pretérito anterior (hubo + Partizip) bezeichnet unmittelbar vorausgehende Vergangenheit. acabo de + Infinitiv ist das Pretérito próximo für gerade Geschehenes: Acabo de comer.
Das Futuro próximo ir + a + Infinitiv bezeichnet nahe oder geplante Zukunft: Mañana voy a trabajar. Das Futuro simple bezeichnet Zukunft: Viajaré a Madrid en octubre. Das Futuro perfecto bezeichnet, was vor einem zukünftigen Zeitpunkt abgeschlossen sein wird: Los tres habrán vuelto de Murcia para la próxima semana. Der Condicional simple bezieht sich auf irreale oder bedingte Gegenwart, der Condicional perfecto auf die Vergangenheit. Der Subjuntivo steht vor allem in Nebensätzen; bei gleichem Subjekt kann er oft durch einen Infinitiv ersetzt werden: Prefiero comer en casa, aber Prefiero que tú comas en casa.
Aktivformen und Passiv
Die regelmäßigen Muster zeigen amar, temer und partir. Im Indikativ Präsens lauten die 1. Person Singular amo, temo und parto; im Indefinido amé, temí und partí; im Futur amaré, temeré und partiré. Der Condicional lautet amaría, temería und partiría. Der Imperativ bejaht heißt beispielsweise ama, teme, parte; verneinte Imperative verwenden Formen des Subjuntivo: no ames, no temas, no partas.
ser ist stark unregelmäßig, zum Beispiel soy, era, fui, seré, sería und sea. haber hat unter anderem die Formen he, había, hube, habré und haya und dient als Hilfsverb der zusammengesetzten Zeiten. ir lautet im Präsens voy, vas, va, vamos, vais, van und im Indefinido fui, fuiste, fue, fuimos, fuisteis, fueron; es bildet mit a + Infinitiv das periphrastische Futur.
Spanisch unterscheidet Vorgangspassiv mit ser und Zustandspassiv mit estar. Das Vorgangspassiv bezeichnet den Ablauf, das Zustandspassiv das Ergebnis. Anders als im Deutschen stimmt das Partizip in beiden Passivformen mit dem Subjekt in Genus und Numerus überein: La ventana fue cerrada; La ventanas están cerradas.
Modalpartikel sind im Spanischen weniger wichtig als im Deutschen. Aussagen werden stattdessen auch durch Wortstellung, Intonation sowie die Stellung von Adjektiven und Pronomen oder durch den Subjuntivo abgestuft. Genannt werden acaso, claro, entonces, pues, pero, pero si, vaya, ya, como que und por cierto.