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Pronomen in der spanischen Sprache
Das Pronomen, pronombre wird in der spanischen Grammatik, ebenso wie in der deutschen, als eine Wortart geführt. Es zählt zu den nominalen Wörtern mit den …
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Grundlagen und Formen der Personalpronomen
Pronomen (spanisch pronombres) sind nominale Wörter, die für eine Nominalphrase stehen oder ein Substantiv begleiten können. Sie tragen je nach Art Merkmale wie Person, Genus, Numerus und Kasus. Besonders komplex sind die Personalpronomen: Anders als spanische Substantive unterscheiden sie Formen für Subjekt, Besitz beziehungsweise Genitiv, indirektes Objekt beziehungsweise Dativ und direktes Objekt beziehungsweise Akkusativ.
Personalpronomen gliedern sich in betonte, selbständige Formen und unbetonte, an ein Verb gebundene Klitika. Wichtige betonte Subjektformen sind yo „ich“, tú oder vos „du“, él/ella „er/sie“, usted „Sie“, nosotros/nosotras „wir“, vosotros/vosotras „ihr“ und ellos/ellas beziehungsweise ustedes „sie/Sie“. Nach Präpositionen stehen unter anderem mí und ti. Die wichtigsten unbetonten Objektformen sind me, te, lo/la, le, nos, os, los/las und les.
In der 1. und 2. Person Plural sowie in der 3. Person zeigen viele Formen das Genus: nosotros/nosotras, vosotros/vosotras, ellos/ellas und los/las. Eine maskuline Pluralform wird verwendet, sobald eine Gruppe mindestens ein männliches Individuum enthält; die feminine Form bezeichnet ausschließlich weibliche Gruppen. Das neutrale ello steht für abstrakte Sachverhalte, etwa in todo ello „das alles“, wird in der gesprochenen Sprache aber häufig durch esto oder eso ersetzt.
Spanisch ist eine Pro-Drop-Sprache: Ein Subjektpronomen kann entfallen, weil die Verbform Person und Numerus erkennen lässt. Es wird vor allem zur Hervorhebung, Gegenüberstellung oder als freistehende Antwort gesetzt: Él es literato y ella es actriz „Er ist Schriftsteller und sie ist Schauspielerin“; auf ¿Quién escribió…? kann die Antwort ¡Yo! lauten.
Nach Präpositionen stehen betonte Formen. Mit con „mit“ entstehen Sonderformen: con + mí wird conmigo, con + ti wird contigo. Belebte direkte und indirekte Objekte werden mit a eingeleitet. Ein betontes Objektpronomen muss zusätzlich durch ein Klitik am Verb aufgenommen werden: Primero me miró a mí „Zunächst sah sie mich an“.
Bei der Anrede heißt der Gebrauch von vos anstelle von tú im Singular Voseo. In Lateinamerika ersetzt ustedes allgemein die in Spanien gebräuchliche Form vosotros und wird unabhängig von Vertrautheit oder Sprachebene verwendet. Im Singular kommen regional tú, vos oder die höfliche Form usted vor. Usted und ustedes verlangen Verbformen der 3. Person.
Unbetonte Objekte und ihre Stellung
Unbetonte Objektpronomen oder Klitika können nur zusammen mit einem Verb gebraucht werden. Die Formen der 1. und 2. Person, me und te, beziehen sich auf die Sprechsituation. Formen der 3. Person greifen normalerweise etwas aus dem Zusammenhang wieder auf. Als direktes Objekt stehen standardsprachlich lo oder la im Singular und los oder las im Plural: Carlos come manzanas wird zu Carlos las come. Lo kann außerdem einen abstrakten Sachverhalt vertreten: No lo he visto „Ich habe es nicht gesehen“. Als indirektes Objekt stehen le und les: Carlos llevó manzanas a su madre wird zu Le llevó manzanas.
Bei einem einfachen finiten Verb steht das Klitik unmittelbar davor; zwischen Pronomen und Verb darf kein anderes Satzglied stehen. Auch die Verneinung geht dem gesamten Komplex voraus: No me gusta tu coche. Nach Infinitiv und Gerundium wird das Pronomen angehängt und mit dem Verb zusammengeschrieben, etwa buscarla „sie suchen“ oder intentándolo „es versuchend“. Dasselbe gilt beim bejahten Imperativ, beispielsweise Búsquesemelo „Suchen Sie es für mich“. Beim verneinten Imperativ steht es dagegen vor dem Verb: No te preocupes. Die ursprüngliche Betonung des Verbs bleibt erhalten, weshalb bei der Zusammenschreibung gegebenenfalls ein Akzent gesetzt werden muss, etwa in cómpramelo.
Besteht das Prädikat aus einem finiten und einem infiniten Verb, sind häufig zwei Positionen möglich. Das Klitik kann am infiniten Verb stehen oder vor das finite Verb angehoben werden: Puedes venderlo und Lo puedes vender bedeuten beide „Du kannst es verkaufen“. Ebenso sind Estábamos preparándonos und Nos estábamos preparando möglich. Diese optionale Verschiebung heißt Klitik-Anhebung; ihre Analyse als Bewegung des Pronomens ist allerdings umstritten.
Treffen mehrere Klitika zusammen, steht das indirekte vor dem direkten Objekt: te lo digo „ich sage es dir“. Vor einem weiteren Pronomen der 3. Person werden le und les zu se: Les da el coche wird bei vollständiger Pronominalisierung zu Se lo da, niemals zu *Les lo da. Reflexives se steht vor allen anderen Klitika. Zusammengefasst lautet die Reihenfolge: se + te/os + me/nos + lo/la/los/las/le/les. Damit steht se an erster Stelle, Pronomen mit l- zuletzt und te/os vor me/nos.
Gebrauchsvarianten und Klitikverdopplung
Leísmo bezeichnet den Gebrauch von le oder les als direktes Objekt anstelle von lo beziehungsweise los. Er kommt vor allem im europäischen Spanisch und bei Personenbezug vor und gilt als gehobener Stil: La Reina le abrazó „Die Königin umarmte ihn“. Le und les werden vielerorts auch als direkte Objektformen für die höflichen Anreden usted und ustedes gebraucht: Le acompaño, señor López „Ich begleite Sie, Herr López“.
Laísmo ist der Gebrauch von la oder las als indirektes Objekt anstelle von le oder les, wenn weibliche Personen gemeint sind, etwa Su padre la regaló un rímel „Ihr Vater schenkte ihr eine Wimperntusche“. Auch diese Variante tritt vorwiegend im europäischen Spanisch auf, besitzt aber im Gegensatz zum Leísmo eher niedriges Prestige.
Bei der Klitikverdopplung steht neben einem vollständigen Objekt zusätzlich ein darauf bezogenes Klitik am Verb: Le di un regalo a mi madre „Ich gab meiner Mutter ein Geschenk“ oder A mis invitados siempre les ofrezco café „Ich biete meinen Gästen immer Kaffee an“. Auch direkte Objekte können verdoppelt werden: Lo vi a tu papá en la tienda.
In zwei Fällen ist die Verdopplung obligatorisch. Erstens kann ein betontes Personalpronomen nicht allein als Objekt stehen: Ese regalo se lo di a él und A mí no me han invitado benötigen daher se beziehungsweise me. Zweitens muss ein an den Satzanfang vorangestelltes Objekt durch ein Klitik am Verb wiederaufgenommen werden. In Lo vi a tu papá ist die Dopplung dagegen nicht zwingend; auch Vi a tu papá ist grammatisch möglich.
Reflexive und unbestimmte Personenbezüge
Reflexivpronomen zeigen hauptsächlich an, dass Subjekt und Objekt dieselbe Person oder Sache bezeichnen. Ihre unbetonten Formen entsprechen in der 1. und 2. Person den Personalpronomen: me, te, nos und os. Nur die 3. Person einschließlich der Höflichkeitsformen hat die besondere Form se. Die betonte Form nach Präpositionen lautet sí; mit con verschmilzt sie zu consigo. Beispiele sind Lo dijo a sí mismo „Er sagte es zu sich selbst“ und el problema en sí „das Problem an sich“. Ob das Reflexiv direktes oder indirektes Objekt ist, wird formal nicht unterschieden: Me ducho „Ich dusche mich“, aber Me ducho los pelos „Ich dusche mir die Haare“.
Manche Verben enthalten das Reflexivpronomen fest; ihre Infinitivform endet dann auf -se. Für ihre Stellung gelten dieselben Regeln wie für andere Klitika: El paciente no se quiere lavar zeigt Klitik-Anhebung, während in ¡Tranquilízate! das Pronomen an den bejahten Imperativ angehängt wird.
Se kann außerdem ein unbestimmtes Subjekt oder eine passivähnliche Konstruktion ausdrücken: ¿Cómo se dice eso en español? „Wie sagt man das auf Spanisch?“ Grammatisch ist se dabei kein Subjekt. Der Satzteil, der sonst Objekt wäre, kann die Kongruenz des Verbs bestimmen: Así se evitan accidentes enthält die Pluralform evitan passend zu accidentes.
Weitere generalisierende Formen sind uno und una; sie schließen den Sprecher typischerweise ein: Uno se siente estafado „Man fühlt sich betrogen“. Eine Verbform der 3. Person Plural ohne ellos bezeichnet dagegen eine unbestimmte Gruppe oder einen unbekannten Täter und schließt den Sprecher als Handelnden aus: Dicen que viajar ilustra „Man sagt, Reisen bildet“ oder Tocaron el timbre „Es klingelte“. In familiärer Rede kann auch die 2. Person Singular unpersönlich gebraucht werden.
Zeigen, Besitz und unbestimmte Mengen
Demonstrativpronomen drücken eine Zeigehandlung aus und unterscheiden drei Entfernungsstufen. Für Nähe beim Sprecher stehen este/esta, estos/estas und neutral esto; für Nähe beim Hörer ese/esa, esos/esas und eso; für Entfernung von beiden aquel/aquella, aquellos/aquellas und aquello. Sie gehören grammatisch zur 3. Person und richten sich in Genus und Numerus nach dem begleiteten oder vertretenen Substantiv. Die neutralen Formen esto, eso und aquello werden nur selbständig gebraucht. Der Artikel unterscheidet in seiner Darstellung außerdem zwischen freistehendem Gebrauch mit Akzent und Gebrauch als Begleiter ohne Akzent.
Possessivpronomen geben einen Besitzer oder eine andere Zugehörigkeit an. Sie stimmen in Genus und Numerus mit dem Bezugswort überein, nicht mit dem Geschlecht des Besitzers. Deshalb unterscheidet spanisches suyo nicht wie deutsches „sein“ und „ihr“ nach dem Geschlecht der besitzenden Person. Schwache Formen stehen vor dem Substantiv: mi(s), tu(s), su(s), nuestro/nuestra, vuestro/vuestra mit ihren Pluralformen. Starke Formen wie mío/mía, tuyo/tuya, suyo/suya, nuestro/nuestra und vuestro/vuestra können selbständig oder nach dem Substantiv stehen: Este es mi coche, aber El coche es mío. Auch en mi presencia und en presencia mía sind möglich.
Indefinitpronomen bezeichnen eine nicht genauer bestimmte oder quantifizierte Person, Sache oder Menge in der 3. Person. Der Artikel unterscheidet Pronomen der Schätzung wie mucho, tanto und menos, der Auswahl wie algún, alguien, nadie und cualquiera, der Gesamtheit wie todo sowie der Zuordnung wie cada. Manche Formen verändern sich nach Genus oder Numerus, andere nur teilweise oder gar nicht: menos ist unveränderlich, tal hat den Plural tales, aber keine Genusunterscheidung. Vor einem Substantiv können solche Wörter als Indefinitbegleiter oder Determinanten auftreten; einige werden außerdem adverbial verwendet. Formen wie ambos „beide“ und los otros „die anderen“ werden traditionell teils hier eingeordnet, sind ihrer Bedeutung nach jedoch definit.
Relativpronomen und Relativsätze
Relativpronomen ersetzen ein Substantiv, Pronomen oder Adverb und verbinden zugleich einen Hauptsatz mit einem Relativsatz. Der Relativsatz folgt normalerweise seinem Bezugswort und beschreibt es näher: La casa en que vivo es mía „Das Haus, in dem ich wohne, gehört mir“.
Die unveränderliche Form que kann Personen und Sachen vertreten. Präpositionen kennzeichnen ihre Funktion, etwa de que im Genitiv und a que im Dativ. Zusammengesetzte Formen mit Artikel drücken Genus und Numerus aus: el que, la que und ihre Pluralformen sowie das neutrale lo que. Lo que kann sich auf einen ganzen vorhergehenden Satz beziehen.
El cual, la cual und ihre Pluralformen werden ebenfalls für Personen und Sachen verwendet; das neutrale lo cual bezieht sich auf einen vollständigen Sachverhalt. Diese Formen sind in der Umgangssprache selten, in der Schriftsprache häufiger und stehen besonders nach mehrsilbigen oder zusammengesetzten Präpositionen oder bei größerem Abstand zum Bezugswort. Quien und quienes beziehen sich nur auf Personen und können nach Präpositionen anstelle anderer Relativformen stehen.
Cuyo, cuya, cuyos und cuyas drücken einen Besitzbezug aus. Ihr Genus und Numerus richten sich nach dem nachfolgenden Substantiv, nicht nach dem vorhergehenden Bezugswort. Cuanto mit seinen Formen kann Personen und Sachen in der Bedeutung „alles, was“ oder „alle, die“ erfassen.
Relativpronomen tragen schriftlich keinen Akzent. Ähnlich lautende Fragepronomen wie quién, cuál und cuánto erhalten dagegen einen Akut, auch wenn sie einen Nebensatz einleiten.