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Partizipation
Bürgerbeteiligung, betriebliche Mitbestimmung, Interessenverband, politische Partei). Partizipation gilt als gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau …
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Bedeutung und gesellschaftliche Funktion
Partizipation bedeutet Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Mitsprache oder Einbeziehung. In der Soziologie bezeichnet sie die Einbeziehung von Einzelpersonen und Organisationen, den sogenannten Stakeholdern, in Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse. Sie kann etwa als Bürgerbeteiligung, betriebliche Mitbestimmung, Interessenverband oder politische Partei auftreten.
Partizipation wird häufig aus emanzipatorischen, legitimatorischen oder Effektivitätsgründen als wünschenswert angesehen. Sie ist gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau von sozialem Kapital beitragen und dadurch soziales Vertrauen stärken kann.
Beteiligung in Erziehung und Kunst
In der Pädagogik heißt Partizipation, Kinder und Jugendliche bei allen Ereignissen und Entscheidungen einzubeziehen, die das Zusammenleben betreffen. Beispielsweise können Hausregeln in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam ausgehandelt werden; Kinder werden auch bei Entscheidungen über eine Fremdunterbringung beteiligt. In der Jugendverbandsarbeit kann das Stimmrecht bei der Wahl von Entscheidungsträgern unter 18-Jährigen zustehen. Klassensprecher nehmen an SV-Stunden teil und berichten anschließend ihrer Klasse.
In der Kunst ist Partizipation die Mitwirkung des Publikums an einer Aufführung oder einem Kunstwerk. Schon Zuschauen sowie Reaktionen wie Klatschen, Lachen oder Buhrufe können dazugehören. Max Glauner unterscheidet dabei Interaktion, also solche Publikumsreaktionen, von Kooperation: Hier werden Zuschauer aktiv zum Handeln aufgefordert und wirken an der Entstehung des Werks mit. Als Kollaboration bezeichnet er die Teilhabe im emphatischen Sinn, bei der das Publikum als koproduktiver Faktor der Werkentstehung oder Aufführungspraxis wirkt.
Mitwirkung beim Wohnen und Planen
Die Partizipations-Bewegung im Wohnungsbau entstand in den 1960er Jahren. Sie war eine Reaktion auf monotone Wohnblöcke der Nachkriegsarchitektur und auf zentralistische Stadtplanung.
Nach Habraken und anderen wird zwischen „Baukunst“, etwa öffentlichen Gebäuden, und „alltäglicher Architektur“ unterschieden. Letztere meint Wohnungsbau mit Partizipation und wird teilweise nicht mehr zur Kunst gezählt. Wichtige Grundsätze sind Architektur als Halbprodukt für die individuellen Interpretationen der Bewohner innen und außen, „Struktur und Einfüllung“ sowie die Verbindung hoher und alltäglicher Kultur im Städtebau.
Politische Partizipation und ihre Formen
Politische Partizipation ist die Teilhabe von Bürgern an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen. In Anlehnung an Max Kaase umfasst sie alle Verhaltensweisen von Bürgern, die allein oder in Gruppen Einfluss auf politische Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen des politischen Systems nehmen wollen.
Die Forschung unterscheidet verfasste oder institutionalisierte Formen, die rechtlich geregelten Verfahren und Institutionen entsprechen, von nicht verfassten Formen. Außerdem wird zwischen konventionellen, also etablierten, üblichen und sozial akzeptierten, sowie unkonventionellen Formen unterschieden; auch die Unterscheidung legaler und illegaler Formen ist wichtig.
Leicht messbare konventionelle und institutionalisierte Formen sind Wahlbeteiligung, Mitarbeit in Parteien oder Interessenverbänden und politische Ämter in Parlamenten und Regierungen. Weniger konventionelle oder nicht institutionalisierte Formen sind politischer Konsum, Bürgerinitiativen, Neue soziale Bewegungen, Petitionen, öffentliche Diskurse, Demonstrationen und Streiks. Das Internet und insbesondere Web 2.0 ermöglichen E-Partizipation: eine breite, individualistische sowie zeitlich und örtlich ungebundene Beteiligungsform.
Einflussfaktoren politischer Beteiligung
Die politische Partizipationsforschung entwickelt verschiedene Theorien und Modelle zur Beschreibung und Erklärung politischer Beteiligung. Bei der genderorientierten Untersuchung der politischen Partizipation von Frauen werden hemmende und fördernde Faktoren berücksichtigt. Dazu gehören die sozio-ökonomische Lage, nationale politische Kultur, individuelle politische Orientierung, das „politische Kompetenz-Gefühl“, Frauenförderung, strukturelle Diskriminierung und geschlechtstypische Sozialisationsprozesse.
Partizipation in Organisationen und weiteren Feldern
In der Verwaltungswissenschaft befasst sich Verwaltungsethik mit Beteiligungsmöglichkeiten interner Personen wie Mitarbeitern und externer Personen wie Bürgern. In Unternehmen bedeutet Partizipation die Beteiligung von Beschäftigten an Entscheidungs- und Willensbildung, auch auf hierarchisch höheren Ebenen. Neben Arbeitnehmerbeteiligung können Unternehmen auch Kunden in Entscheidungen einbeziehen.
In der Schweizer Quartiersplanung ist der partizipative Mitwirkungsprozess weit ausgebaut, jedoch nicht transparent strukturiert; je nach Kanton werden politische, wirtschaftliche oder verwaltungstechnische Instrumente eingesetzt. Im Kanton Basel trat am 1. Juni 2007 aufgrund der Verfassung ein neuer Mitwirkungsartikel in Kraft.
Im Hochschulbereich umfasst studentische Partizipation akademische Selbstverwaltung, die Mitgestaltung von Lehrveranstaltungen und Lehre im Rahmen der Peer-Education. Die Ottawa-Charta der Gesundheitsförderung von 1986 nennt Partizipation als Kernmerkmal; sie ist inzwischen ein institutionell anerkanntes Prinzip der Gesundheitsförderung. Auch transformative Forschung beziehungsweise Wissenschaft nutzt Partizipation, beispielsweise im Beteiligungsansatz von Reallaboren.