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Politischer Konsum
Er bezeichnet ein spezifisches Verhalten von Konsumenten, das sich durch eine stabile, längerfristige und bewusste Motivation auszeichnet und darauf abzielt, …
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Grundidee und Abgrenzung
Politischer Konsum bezeichnet ein bewusstes und längerfristig stabiles Konsumverhalten, mit dem Verbraucher aktiv Einfluss auf Wirtschaft, Gesellschaft und/oder Politik nehmen wollen. Entscheidend ist dabei das öffentliche Interesse: Politischer Konsum unterscheidet sich von individuellem Konsum dadurch, dass er nicht nur privaten Nutzen verfolgt, sondern gesellschaftliche oder politische Wirkungen erzielen soll.
Politischer Konsum kann zwei Formen annehmen: Beim „buycott“ kaufen Konsumenten gezielt bestimmte Produkte oder Dienstleistungen, um ein Unternehmen, eine Produktionsweise oder ein Anliegen zu unterstützen. Beim „boycott“ entscheiden sie sich bewusst gegen den Kauf, um Kritik auszudrücken oder Druck auszuüben.
In der betriebswirtschaftlichen Literatur werden „politischer Konsum“ und „ethischer Konsum“ häufig gleichbedeutend verwendet. Die Begriffe betonen aber unterschiedliche Seiten desselben Verhaltens: „Ethischer Konsum“ hebt die ursächliche Motivation hervor, etwa eine Gewissensentscheidung. „Politischer Konsum“ betont die Zielrichtung, also die beabsichtigten Auswirkungen des Konsumverhaltens.
Politische Beteiligung durch Konsum
Politischer Konsum kann als Form politischer Partizipation verstanden werden, wenn man politische Beteiligung weit definiert. Nach dem Politikwissenschaftler Günter D. Radtke ist Partizipation „jede mentale oder im Verhalten sichtbare Beschäftigung mit Politik“. Unter dieser Definition kann auch eine Kaufentscheidung politisch sein, wenn sie bewusst auf politische oder gesellschaftliche Ziele bezogen ist.
Politischer Konsum sollte dabei nicht als Ersatz für herkömmliche Beteiligungsformen wie Wahlen, Parteienarbeit oder Demonstrationen verstanden werden, sondern als Ergänzung. Er erweitert das Repertoire politischer Handlungsmöglichkeiten im Alltag.
Als Beteiligungsform hat politischer Konsum mehrere Merkmale: Er ist legal, unbürokratisch und individualisiert. Das bedeutet, dass einzelne Personen ohne formale Verfahren handeln können. Im gesellschaftlichen Diskurs wird diese Form der Beteiligung außerdem als legitim und zugleich als relativ unkonventionell wahrgenommen.
Bedeutung in der Gesellschaft
Politischer Konsum gewinnt besonders in westlichen, postmaterialistischen Wohlstandsgesellschaften an Bedeutung. Postmaterialistisch bedeutet hier, dass neben materieller Sicherheit auch Werte wie Umwelt, Gesundheit, soziale Verantwortung oder Lebensqualität wichtig werden.
Mehrere Entwicklungen haben die Relevanz politischen Konsums verstärkt. Im Artikel genannt werden die BSE-Fälle ab 2000 in Deutschland sowie die wachsende Bedeutung von Umwelt- und Klimafragen. Dazu gehört auch der 2007 viel diskutierte vierte Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change.
Gleichzeitig hängt politischer Konsum stark von finanziellen Ressourcen ab. Viele politische Konsumentscheidungen können kostenintensiv sein. Deshalb ist der individuelle finanzielle Spielraum vieler Bürger begrenzt, und Geld wird zu einer wichtigen Voraussetzung dafür, ob Menschen politisches Konsumverhalten tatsächlich ausüben können.
Akteure und Einflusswege
Politischer Konsum entsteht im Zusammenspiel mehrerer Akteure. Unternehmen versuchen häufig, ihre Produkte durch moralische oder ethische Eigenschaften aufzuwerten und dadurch Verbraucher zum Kauf zu motivieren. Verbraucher wiederum betrachten Unternehmen zunehmend als politische Akteure, die Verantwortung für politische und soziale Entwicklungen tragen.
Bürgerinitiativen und NGOs spielen bei dieser Einflussnahme auf Unternehmen eine Schlüsselrolle. Sie können öffentliche Aufmerksamkeit herstellen und Druck auf Unternehmen ausüben. Als Beispiel nennt der Artikel Protestaktionen der NGO Greenpeace, die häufig mithilfe der Medien öffentlichen Druck erzeugen, etwa bei einer Demonstration 2006 gegen den Kosmetikhersteller L’Oréal.
Die politikwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich mit politischem Konsum bisher nur zögerlich. Der Forschungsstand wird deshalb als noch unzulänglich beschrieben.