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Politische Soziologie
Die Politische Soziologie (oder Politiksoziologie) ist ein sozialwissenschaftliches Fachgebiet, das sowohl zur Soziologie als auch zur Politikwissenschaft …
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Kern des Fachgebiets
Die Politische Soziologie, auch Politiksoziologie genannt, ist ein sozialwissenschaftliches Fachgebiet an der Schnittstelle von Soziologie und Politikwissenschaft. Ihr Hauptthema ist das Verhältnis von Politik und Gesellschaft. Sie untersucht, wie gesellschaftliche Bedingungen politische Ordnung und politisches Handeln prägen, wie politische Institutionen aufgebaut sind und funktionieren, wie politische Entscheidungsprozesse ablaufen und wie politische Entscheidungen sowie politische Strukturen auf die Gesellschaft zurückwirken.
Damit fragt die Politische Soziologie nicht nur danach, was im politischen System geschieht, sondern auch, welche sozialen Gruppen, Werte, Einstellungen und Strukturen politische Prozesse beeinflussen. Viele Schriften klassischer Soziologen können diesem Fachgebiet zugeordnet werden.
Zentrale Themen
Wichtige Gegenstände der Politischen Soziologie sind politische Sozialisation, politische Kommunikation, politische Einstellungen und politisches Verhalten. Politische Sozialisation bezeichnet dabei die Entwicklung politischer Orientierungen und Haltungen; politische Kommunikation meint den Austausch politischer Informationen und Deutungen. Zum politischen Verhalten gehören besonders politische Partizipation, also Beteiligung an Politik, und Wahlverhalten.
Weitere zentrale Themen sind politische Kultur und Werte, Parteien, Interessengruppen und soziale Bewegungen. Parteien und Interessengruppen werden untersucht, weil sie politische Interessen bündeln und in Entscheidungsprozesse einbringen. Soziale Bewegungen sind ebenfalls wichtig, weil sie gesellschaftlichen Protest und politische Veränderungsansprüche sichtbar machen können.
Theorien und Erklärungsansätze
Zu den wichtigen Theorien der Politischen Soziologie gehört die Theorie der Cleavages, auch Theorie der Spaltungstrukturen genannt, von Stein Rokkan und Seymour Martin Lipset. Sie befasst sich mit gesellschaftlichen Konfliktlinien, die politische Lager, Parteien und Wahlverhalten prägen können.
Ein weiterer Ansatz sind Theorien des rationalen Wählerverhaltens. Ein Beispiel ist Anthony Downs’ Werk „An Economic Theory of Democracy“ von 1957. Solche Ansätze erklären politisches Verhalten über zweckrationale Entscheidungen von Wählerinnen und Wählern.
Außerdem nennt der Artikel marxistische Erklärungsansätze, etwa zur Erklärung von Zusammenhängen und Ursachen der Revolution von 1848 in „18. Brumaire des Louis Bonaparte“. Solche Ansätze richten den Blick auf gesellschaftliche Konflikte und Machtverhältnisse.
Parteien und Überschneidungen
Für die Politische Soziologie ist auch das Binnenleben von Parteien wichtig. Dazu gehören Fragen danach, wie Parteien intern organisiert sind, wie Macht innerhalb von Parteien verteilt ist und wie Parteien entstehen oder sich verändern. Als Beispiele nennt der Artikel Robert Michels’ „Ehernes Gesetz der Oligarchie“ sowie Moissei Jakowlewitsch Ostrogorskis „Die Demokratie und politische Parteien“.
Die Politische Soziologie überschneidet sich teilweise mit der Vergleichenden Politikwissenschaft und der Politischen Theorie. In Deutschland war Max Gustav Langes Buch seit 1961 wegführend, weil es politische Theoretiker wie Thorstein Veblen, David B. Truman, George E. Gordon Catlin und James Burnham vorstellte.
Datenquellen für Analysen
Für sozialwissenschaftliche Analysen nutzt die Politische Soziologie häufig Sekundärdatenpools. Sekundärdaten sind bereits erhobene Daten, die für neue wissenschaftliche Fragestellungen erneut ausgewertet werden können.
Bekannte Datenquellen sind die American National Election Studies, das Eurobarometer, die European Values Study, die German Longitudinal Election Study, das International Social Survey Programme, der World Values Survey und der European Social Survey. Solche Datensammlungen ermöglichen vergleichende Untersuchungen zu politischen Einstellungen, Werten, Wahlverhalten und gesellschaftlichen Entwicklungen.