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Partizip I oder II? Grammatik einfach erklärt B2/C1

Lingster Academy8:22 18.723 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 42 Zeilen
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  1. Dieses Video spart dir einen Monat im Deutschkurs! Hallo und herzlich willkommen in der Lingster Academy! Ich bin deine
  2. Deutschlehrerin Julia und in diesem Video lernst etwas über ganz besondere Adjektive, nämlich im Partizip I und II. Wann ist es ein kochendes Ei und wann ein gekochtes Ei?
  3. Es gibt zur heutigen Lektion kostenloses Material, das kannst du dir über den Link unter diesem Video herunterladen. Also, los geht’s!
  4. Wir beschäftigen uns nun mit einem sehr spannenden Thema der deutschen Grammatik: Wie benutzt man die Verbformen Partizip I und II, wenn sie als Adjektive verwendet werden?
  5. Du lernst jetzt, wie du sie korrekt benutzt, welche Unterschiede es gibt und vor allem, wie du sie in deinem Sprachgebrauch sicher und präzise einsetzen kannst.
  6. Wir fangen mal mit dem Partizip II an, denn das kennst du sicher schon sehr gut. Woher noch mal? Ah ja, vom Perfekt (Ich habe gekocht), vom Plusquamperfekt (Ich hatte gekocht), vom Futur
  7. II (Ich werde gekocht haben) und natürlich vom Passiv (Die Spaghetti werden gekocht). Das heißt, man kann damit zusammengesetzte Zeiten bilden. Man nennt es auch Partizip Perfekt.
  8. Aber jetzt mal egal, in welchen Situationen du „gekocht“ benutzt - was bedeutet das eigentlich? Oder „geschrieben“, „gemacht“, „geschnitten“, „abgefahren“. Was haben diese Partizipien
  9. in ihrer Bedeutung gemeinsam? Alle diese Handlungen sind beendet, oder? Sie sind fertig, abgeschlossen. Und genau das kann man ausdrücken, um ein Nomen zu beschreiben:
  10. die gekochten Spaghetti = das Kochen ist beendet der geschriebene Text = das Schreiben ist beendet der abgefahrene Zug = der Zug ist losgefahren Du kannst ein Partizip II ganz einfach als
  11. Adjektiv benutzen, wenn du es vor ein Nomen stellst und die passende Endung daran hängst. Das funktioniert genau wie bei einem normalen Adjektiv, aber dieses Attribut
  12. beschreibt einen beendeten Prozess. Vielleicht fragst du dich jetzt: Kann man jedes Partizip II als Adjektiv benutzen? Teste es mal selbst: das geschlafene Kind,
  13. der gearbeitete Architekt, der geholfene Sanitäter Hmm, klingt falsch? Ist es auch. schlafen, arbeiten und helfen sind Verben, die kein Objekt haben und deshalb kann man sie nicht nutzen,
  14. um ein Nomen zu beschreiben. Fragen an dich: kann man ein Kind schlafen? Nein, man es schlafen legen, dann ist das Baby das Objekt. Kann man einen Architekten arbeiten?
  15. Nein, aber man kann mit ihm arbeiten. Aber man kann in diesen Fällen super das Partizip I benutzen: das schlafende Kind, der arbeitende Architekt und der helfende Sanitäter
  16. Was ist der Unterschied zum Partizip II? Ein schlafendes Kind ist ein Kind, das schläft. Ein arbeitender Architekt ist ein Architekt, der arbeitet. Ein
  17. helfender Sanitäter ist ein Sanitäter, der hilft. Diese drei Handlungen sind also nicht beendet, so wie es beim Partizip II der Fall ist. Ein Partizip I zeigt an, dass es einen aktiven Prozess gibt,
  18. der noch nicht fertig ist. Oder es zeigt an, dass etwas gleichzeitig mit einer anderen Sache passiert. Deshalb nennt man es auch Partizip Präsens. Z. B. Das lachende Kind spielt im Garten.
  19. Es gibt noch einen weiteren Bedeutungsunterschied zwischen dem Partizip I und dem Partizip II. Gekochte Spaghetti sind Spaghetti, die gekocht wurden und gekocht sind.
  20. Ein arbeitender Architekt ist ein Architekt, der arbeitet. Er kann nicht gearbeitet werden, nur er selbst kann arbeiten, ganz typisch für Partizip I. Wenn man sie in Relativsätze umformt,
  21. steht der Satz zum Partizip II im Passiv und der zum Partizip I im Aktiv. *Ausnahmen sind Verben, die das Perfekt mit sein bilden: Bei ihnen ist die Bedeutung Aktiv:
  22. ein abgefahrener Zug ist ein Zug, der abgefahren ist. Ein abfahrender Zug (P1) ist ein Zug, der gerade abfährt. (Aktivsatz) Ich kann nicht sagen. Der Zug wurde
  23. abgefahren. Ich könnte das Verb ändern: Der Zug wurde umgeleitet. Die Bildung des Partizip I ist ganz einfach: Man braucht nur den Infinitiv und hängt ein -d daran.
  24. So wird aus „reisen“ – reisend. Und das kann man dann mit der passenden Endung als Adjektiv bzw. als Attribut benutzen: Reisende Studenten trifft man auf der ganzen Welt.
  25. Aus „steigen" wird steigend und als Attribut sieht das dann z.B. so aus: Die steigenden Kosten sind für viele Verbraucher ein Problem, steigende Aktien jedoch eine Freude.
  26. Es gibt eine Sonderform des Partizip I, das so genannte Gerundivum und das wird mit „zu“ gebildet: Die zu streichenden Fenster befinden sich
  27. auf der Hinterseite des Gebäudes. heißt: sie müssen gestrichen werden Sie hat das auszufüllende Formular bereits ausgedruckt. heißt:
  28. sie muss das Formular ausfüllen Die Schüler haben heute mit der zu lesenden Lektüre begonnen. heißt:
  29. sie müssen die Lektüre lesen Und: Das ist eine nicht zu lösende Aufgabe! heißt hier: man kann sie nicht lösen
  30. Kommt dir das von den Passiv-Ersatzformen vielleicht bekannt vor? Es geht hier um Dinge, die man machen muss, soll oder kann.
  31. Was denkst du? Kann man aus jedem Verb ein Partizip I machen und als Adjektiv benutzen? Im Gegensatz zum Partizip II geht das bei den allermeisten Verben schon,
  32. ja. Man muss jedoch aufpassen, dass die Aussagen Sinn ergeben. Schau mal: Es gibt einen geschriebenen Text. Das ist ein Text, der geschrieben wurde bzw. den jemand
  33. geschrieben hat. Gibt es einen schreibenden Text?? Kann ein Text schreiben? Nimmt er einen Stift in die Hand und schreibt los? Nein, denn nur Menschen können schreiben. Diese Kombination
  34. ist also nicht logisch. Es gibt schreibende Studenten, Dozenten oder Menschen allgemein. Zum Abschluss möchte ich dir noch eine andere Besonderheit der Partizipien erklären:
  35. Du kannst sie nominalisieren, so wie andere Adjektive auch, und das passiert sehr oft bei Bezeichnungen für Menschen. Wichtig dabei ist: Auch wenn du Adjektive
  36. nominalisierst, werden sie trotzdem wie Adjektive dekliniert, schau dir mal die folgenden Beispiele an: der/die Angestellte,
  37. ein Angestellter, eine Angestellte, im Plural: Angestellte, die Angestellten der/die Vorgesetzte, ein Vorgesetzter, eine Vorgesetzte,
  38. im Plural: Vorgesetzte, die Vorgesetzten der/die Studierende, ein Studierender, eine Studierende, im Plural: Studierende, die Studierenden
  39. der/die Reisende, ein Reisender, eine Reisende, im Plural: Reisende, die Reisenden Für dich als Deutschlerner sind die nominalisierten Partizipien wirklich
  40. eine Herausforderung, weil du dich je nach Artikel oder Artikelwort auf die richtige Deklination konzentrieren musst. Aber mit ein wenig Übung schaffst du natürlich auch das!
  41. Und das wars auch schon wieder für heute! Vergiss nicht, dir die Tabelle zu holen, der Link ist unter diesem Video. Und wenn dir das Video gefallen hat und du etwas gelernt hast,
  42. dann abonniere jetzt meinen Kanal! Ich sag tschüss, bis zum nächsten Video! Deine Julia

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