Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Parteihochburg

Hochburgen nach Partei (Zweitstimmen) ; AfD · Görlitz, Sachsen ; CDU · Cloppenburg – Vechta, Niedersachsen ; CSU · Rottal-Inn, Bayern ; FDP · Düsseldorf I …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Deutschland nach Regionen
  3. 3. Parteimuster in Deutschland
  4. 4. Zweitstimmenbeispiele in Deutschland und Österreich
  5. 5. Schweiz
  6. 6. Weitere Länder

Begriff und Grundidee

Eine Parteihochburg ist ein Ort, Wahlbezirk, Wahlkreis oder eine Region, in der eine bestimmte politische Partei mehrfach besonders hohe Stimmenanteile erhalten hat. Solche Hochburgen können durch Parteitraditionen, bestimmte Wählerschichten, viele Stammwähler in einer Region oder andere örtliche Umstände entstehen.

Der Begriff wird auch erweitert verwendet, zum Beispiel in Zusammensetzungen wie NS-Hochburg für Regionen mit hoher Unterstützung des Nationalsozialismus in der Zeit des Nationalsozialismus.

Deutschland nach Regionen

In Deutschland zeigen sich Parteihochburgen oft deutlich nach Bundesländern und innerhalb einzelner Regionen. In Baden-Württemberg hatte die CDU jahrzehntelang eine starke Stellung, besonders in ländlichen Gebieten wie Oberschwaben und Franken; von 1953 bis 2011 stellte sie ununterbrochen alle Ministerpräsidenten. Das Land gilt zugleich als Stammland der FDP. Die Grünen sind besonders in Universitätsstädten wie Tübingen und Freiburg stark; 2011 erreichten sie 24,2 Prozent und stellten mit Winfried Kretschmann ihren ersten Ministerpräsidenten in Deutschland. 2026 folgte Cem Özdemir als zweiter grüner Ministerpräsident. Auch die AfD erzielte in einzelnen Städten wie Pforzheim, Rastatt und Göppingen hohe Ergebnisse.

In Bayern ist die CSU in fast allen Wahlbezirken stärkste Partei, besonders in Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Unterfranken. In München und Nürnberg sind SPD und Grüne stärker vertreten. In Berlin ist der Ostteil eine Hochburg der Partei Die Linke; außerdem ist Berlin eine Hochburg der Grünen, besonders im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost. Die AfD erzielte 2016 im Bezirk Marzahn-Hellersdorf die meisten Zweitstimmen.

Brandenburg ist seit 1990 stark von der SPD geprägt, die seit Gründung des Bundeslandes die Ministerpräsidenten stellt. Bremen wird seit dem Zweiten Weltkrieg durchgehend von einem SPD-Bürgermeister geführt; die Grünen sind dort seit 2007 an der Regierung beteiligt. In Hamburg erreichte die SPD 2020 mit 39,2 Prozent ihr aktuell bestes Landtagswahlergebnis aller Bundesländer, während die Grünen mit 24,2 Prozent ebenfalls stark waren.

Hessen galt zwischen den 1950er und 1970er Jahren wegen der SPD als „rotes Hessen“, seit 1999 ist jedoch die CDU stärkste Partei und stellt den Ministerpräsidenten. FDP und Grüne erzielen besonders im Rhein-Main-Gebiet hohe Anteile. In Niedersachsen ist die CDU im Emsland sowie in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta sehr stark, während die SPD in Aurich – Emden und im Raum Hannover/Braunschweig hohe Ergebnisse erzielt. Nordrhein-Westfalen galt lange als „Herzkammer der SPD“, besonders wegen des Ruhrgebiets und vieler Großstädte; in ländlichen Regionen wie Eifel, Münsterland, Sauerland und Siegerland dominiert eher die CDU.

In Rheinland-Pfalz war die CDU bis Anfang der 1990er Jahre führend, danach erzielte bis 2026 die SPD bei Landtagswahlen die relative Mehrheit und stellte von 1991 bis 2026 die Ministerpräsidenten. Im Saarland wechselten die Schwerpunkte: Unter Oskar Lafontaine war es eine SPD-Hochburg, später war die CDU bis 2021 stärkste Kraft, und Die Linke erzielte dort zeitweise ihre besten westdeutschen Ergebnisse. Seit der Bundestagswahl 2021 und der Landtagswahl 2022 regiert wieder die SPD mit absoluter Mehrheit im Landtag.

Sachsen gilt als CDU-Hochburg, verlor aber 2004 erstmals seit 1990 die absolute CDU-Mehrheit. Die NPD war von 2004 bis 2014 im Landtag; später wurde Sachsen, besonders Ostsachsen, zu einer starken Region der AfD. 2017 wurde die AfD in Sachsen mit 0,1 Prozent Vorsprung vor der CDU stärkste Kraft. In Schleswig-Holstein erzielen FDP und Grüne überdurchschnittliche Ergebnisse. Thüringen ist stark für Die Linke, die 2019 mit 31,0 Prozent erstmals bei einer Landtagswahl stärkste Kraft in Deutschland wurde und von 2014 bis 2024 mit Bodo Ramelow ihren ersten und bisher einzigen Ministerpräsidenten stellte. Auch die AfD hat dort eine Hochburg und wurde 2024 erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft.

Parteimuster in Deutschland

Die Union aus CDU und CSU erzielt ihre besten Ergebnisse traditionell in Süddeutschland und in katholisch geprägten Gebieten. Sie ist im ländlichen Raum deutlich stärker als in Großstädten.

Die SPD hat ihre Hochburgen vor allem in Nord- und Westdeutschland. Nordrhein-Westfalen galt lange als besonders wichtiges Kernland der SPD, weil sie dort zwischen 1966 und 2005 ausnahmslos regierte. In Ost- und Süddeutschland erreicht die SPD meist schwächere Ergebnisse.

Die AfD ist besonders in strukturschwachen Gebieten und in Ostdeutschland stark. In allen ostdeutschen Ländern ist sie mittlerweile mindestens zweitstärkste Partei. Sachsen und Thüringen werden als klare AfD-Hochburgen genannt; schwächer ist die Partei in Nord- und Westdeutschland.

Die FDP hat Hochburgen vor allem in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Baden-Württemberg gilt als Stammland der FDP. Schwächer ist sie in Ostdeutschland und Bayern.

Die Linke erzielt aus historischen Gründen in Ostdeutschland deutlich stärkere Ergebnisse als im Westen. In Westdeutschland scheitert sie bei Landtagswahlen nicht selten an der Fünf-Prozent-Hürde. Eine Besonderheit ist das Saarland, das wegen der Popularität Oskar Lafontaines als Hochburg der Linken galt.

Bündnis 90/Die Grünen sind in Westdeutschland stärker als im Osten. Sie sind besonders stark in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen und den Stadtstaaten. Allgemein erzielen sie in Großstädten und in strukturstarken Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet oder Teilen Süddeutschlands deutlich bessere Ergebnisse als in ländlichen oder strukturschwachen Regionen.

Zweitstimmenbeispiele in Deutschland und Österreich

Für Deutschland listet der Artikel Parteihochburgen nach Zweitstimmen bei Bundestagswahlen. Aufgeführt werden Parteien, die im gesamten Wahlgebiet mindestens ein halbes Prozent der gültigen Stimmen erhielten, also die Hürde für staatliche Parteienfinanzierung erreichten.

Bei der Bundestagswahl 2025 lagen Beispiele für höchste Zweitstimmenanteile in einzelnen Wahlkreisen bei: AfD in Görlitz mit 46,7 Prozent, BSW in Frankfurt (Oder) – Oder-Spree mit 12,6 Prozent, CDU im Hochsauerlandkreis mit 43,6 Prozent, CSU in Bad Tölz-Wolfratshausen – Miesbach mit 41,9 Prozent, FDP in Düsseldorf I mit 7,8 Prozent, Freie Wähler in Rottal-Inn mit 10,5 Prozent, Grüne in Freiburg mit 26,6 Prozent, Die Linke in Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost mit 31,7 Prozent, SPD in Aurich – Emden mit 28,6 Prozent und Tierschutzpartei in Berlin-Marzahn – Hellersdorf mit 2,3 Prozent.

Auch frühere Bundestagswahlen zeigen typische Hochburgen: 2021 erreichte die SPD in Aurich – Emden 43,5 Prozent, die Grünen in Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost 36,8 Prozent und die AfD in Görlitz 32,6 Prozent. 2017 kam die CDU in Cloppenburg – Vechta auf 53,1 Prozent, die AfD in Sächsische Schweiz – Osterzgebirge auf 35,5 Prozent und die SPD in Aurich – Emden auf 37,8 Prozent. 2013 erzielte die CDU in Cloppenburg – Vechta 63,2 Prozent, die CSU in Rottal-Inn 58,8 Prozent und die SPD in Gelsenkirchen 44,0 Prozent.

Für Österreich nennt der Artikel Parteihochburgen bei der Nationalratswahl 2019. Aufgeführt werden Parteien, die im gesamten Wahlgebiet mehr als ein Prozent der gültigen Stimmen erreichten, also die Hürde für die einmalige Parteienförderung. Beispiele sind die ÖVP in Osttirol mit 55,0 Prozent, die SPÖ in Wien Süd mit 34,6 Prozent, die Grünen in Wien Innen-West mit 32,1 Prozent, die FPÖ in der Weststeiermark mit 22,6 Prozent, NEOS in Wien Innen-West mit 14,0 Prozent und JETZT in Wien Innen-West mit 3,7 Prozent.

Schweiz

In der Schweiz ist die Bestimmung von Parteihochburgen schwieriger als in Deutschland und Österreich. Wahlen zum Nationalrat und Ständerat eignen sich nur begrenzt, weil manche Kantone nur einen Abgeordneten je Kammer wählen. Aussagekräftiger sind die Wahlen zu den Kantonsparlamenten.

Auch diese Daten sind nicht überall direkt vergleichbar, weil in manchen Kantonen die Sitzverteilung durch Majorzwahlen ermittelt wird. Deshalb berechnet der Artikel Parteihochburgen über den Anteil gewonnener Mandate an der Gesamtzahl der Mandate. Eine Ausnahme ist das Parlament von Appenzell Innerrhoden, weil es keine Auskunft über die Parteizugehörigkeit der Mitglieder gibt.

Beispiele aus kantonalen Parlamentswahlen sind: CVP im Kanton Wallis mit 48 von 130 Mandaten und 36,9 Prozent Mandatsanteil im Jahr 2021, FDP im Kanton Appenzell Ausserrhoden mit 24 von 65 Mandaten und 36,9 Prozent im Jahr 2019, SVP im Kanton Thurgau mit 45 von 130 Mandaten und 34,6 Prozent im Jahr 2020, SP im Kanton Basel-Stadt mit 30 von 100 Mandaten und 30,0 Prozent im Jahr 2020 sowie Lega im Kanton Tessin mit 18 von 90 Mandaten und 20,0 Prozent im Jahr 2019.

Weitere Länder

In den Vereinigten Staaten haben die Demokraten ihre Hochburgen an der West- und Ostküste, in Großstädten sowie in Gebieten mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Schwarzen und Hispanics. Die Republikaner sind dagegen vor allem im ländlichen Raum, im Landesinneren und in konservativ geprägten Südstaaten stark.

Im Vereinigten Königreich gewinnen die Conservatives ihre Parlamentsmandate vor allem in ländlichen Regionen Englands. Labour hat Hochburgen in städtischen Gebieten, besonders in und um London, Liverpool, Manchester und Newcastle, sowie in Wales. Die separatistische SNP ist seit Mitte der 2010er Jahre die dominierende Partei in Schottland und gewann bei den vorletzten Unterhauswahlen fast alle Sitze in Schottland. Die Liberal Democrats sind besonders in Universitätsstädten stark und waren bis vor einigen Jahren auch in Schottland stark.

Weiterlesen

Politische Partei Politische Parteien in einem Mehrparteiensystem konkurrieren untereinander um die Besetzung der politischen Entscheidungspositionen; sie tragen zur politischen … Nationalsozialismus Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919 … Zeit des Nationalsozialismus Die NS-Zeit begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht … Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 Die Wahl zum 17. Landtag von Baden-Württemberg fand am 14. März 2021 statt, am selben Tag wie die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz und die Kommunalwahlen in … Bayern Geographie ... Bayern ist mit rund 1300 Museen das museumsreichste Bundesland Deutschlands und eine der museumsreichsten Regionen des Kontinents. Nürnberg Nürnberg (nürnbergisch häufig Nämberch, häufige Abkürzung Nbg) ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Mittelfranken des Freistaats Bayern. Bündnis 90/Die Grünen Politik in Bund, Land, Kommunen und EU ; Bundestagsfraktion · Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ; Europäisches Parlament und internationale Mitgliedschaften. Direktmandat Als Direktmandat wird in Deutschland ein Parlamentsmandat bezeichnet, das der Bewerber erringt, der bei einer Parlamentswahl in einem Wahlkreis die meisten … Brandenburg Zu den wesentlichen Wirtschaftszweigen in Brandenburg gehören die Automobilfertigung, die Stahlindustrie, die Landwirtschaft, die Energiewirtschaft, der … Bremen Die Stadt Bremen ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl (ca. 580.000 Einwohner) die zehntgrößte Stadt in Deutschland. Sie gehört zur europäischen Metropolregion … Rhein-Main-Gebiet Kern der Metropolregion ist der städtische Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Insgesamt hat das Rhein-Main-Gebiet rund 6,2 Millionen Einwohner, von denen etwa 2 … Niedersachsen Neben der Landeshauptstadt Hannover gibt es sechs weitere Großstädte: Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen und Salzgitter. Die Ballungsräume …