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Bündnis 90/Die Grünen

Politik in Bund, Land, Kommunen und EU ; Bundestagsfraktion · Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ; Europäisches Parlament und internationale Mitgliedschaften.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und programmatische Entwicklung
  3. 3. Politische Schwerpunkte
  4. 4. Organisation und innerparteiliche Regeln
  5. 5. Wahlen, Regierungen und politische Entwicklung

Profil und Bedeutung

Bündnis 90/Die Grünen ist eine politische Partei Deutschlands. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt ist die Umweltpolitik. Leitgedanke grüner Politik ist ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit: Umwelt und Gesellschaft sollen so gestaltet werden, dass die Bedürfnisse heutiger Menschen erfüllt werden, ohne die Lebensgrundlagen und Chancen künftiger Generationen zu gefährden. Die Partei verbindet grüne Politik mit Linksliberalismus und europäischem Föderalismus.

Die Partei entstand aus der westdeutschen Ökologie-, Anti-Atomkraft-, Friedens- und Frauenbewegung sowie den Neuen Sozialen Bewegungen und Teilen der Neuen Linken. Nach der Vereinigung mit dem ostdeutschen Bündnis 90 am 14. Mai 1993 wurde sie zur gesamtdeutschen Partei. Von 1998 bis 2005 war sie erstmals an einer Bundesregierung beteiligt. Von 2021 bis 2025 regierte sie gemeinsam mit SPD und FDP in einer Ampelkoalition; nach deren Bruch regierte sie mit der SPD in einer Minderheitsregierung. Seit 2025 ist sie wieder Oppositionspartei.

Ende 2025 hatte die Partei 183.761 Mitglieder. Das Durchschnittsalter lag Ende 2024 bei 49 Jahren, der Frauenanteil bei 45 %. Sie hatte 85 von 630 Sitzen im Bundestag, 283 von 1898 Sitzen in Landtagen und 12 von 96 deutschen Sitzen im Europäischen Parlament. Parteivorsitzende sind Franziska Brantner und Felix Banaszak. Die Partei ist Mitglied der Europäischen Grünen Partei, ihrer Fraktion Grüne/EFA und der Global Greens.

Entstehung und programmatische Entwicklung

Vor der Parteigründung traten seit 1976 verschiedene ökologische und umweltpolitische Listen bei Wahlen an. Bei der Europawahl 1979 erreichte die politische Vereinigung Die Grünen 3,2 %. Die Bremer Grüne Liste zog am 7. Oktober 1979 mit 5,1 % erstmals in ein Landesparlament ein. In Sindelfingen wurde am 30. September 1979 der erste Landesverband gegründet; am 13. Januar 1980 entstand in Karlsruhe die Bundespartei Die Grünen. Ihr erstes Programm beschrieb sie als „sozial, ökologisch, basisdemokratisch, gewaltfrei“ und als „Anti-Parteien-Partei“.

In der Anfangszeit gab es starke Konflikte zwischen dem linken und dem rechten Flügel. Ein Teil des rechten Flügels verließ die Partei bis 1981 und gründete die Ökologisch-Demokratische Partei. Danach gewannen linke und ökosozialistische Gruppen zunächst an Einfluss. 1983 zogen die Grünen mit 5,6 % und 27 Abgeordneten erstmals in den Bundestag ein, 1987 erreichten sie 8,3 % und 44 Sitze. Der wichtigste innerparteiliche Streit betraf das Verhältnis zu Staat und Regierung: Die „Fundis“ wollten eine grundsätzliche Oppositionsrolle, die „Realos“ strebten Regierungsbeteiligungen an. Die erste rot-grüne Koalition entstand 1985 in Hessen.

Bei der Bundestagswahl 1990 scheiterten die westdeutschen Grünen mit 4,8 % an der Fünfprozenthürde. Die ostdeutsche Listenverbindung Bündnis 90/Grüne – BürgerInnenbewegungen erhielt im Wahlgebiet Ost 6,0 % und acht Sitze. Die ost- und westdeutschen grünen Parteien fusionierten kurz danach; am 21. September 1991 gründete sich Bündnis 90 aus Demokratie Jetzt, der Initiative Frieden und Menschenrechte und Teilen des Neuen Forums. Am 14. Mai 1993 vereinigten sich Bündnis 90 und Die Grünen. 1994 zog die fusionierte Partei mit 7,3 % und 49 Mandaten wieder in den Bundestag ein.

Die Partei entwickelte sich von radikalen ökologischen und pazifistischen Forderungen zu einer pragmatischeren Ausrichtung. Der „Grundkonsens“ von 1993 und das Grundsatzprogramm von 2002 ordneten ökologische und außenpolitische Ziele stärker den Möglichkeiten der sozialen Marktwirtschaft und den internationalen Veränderungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zu. Das aktuelle Grundsatzprogramm „… zu achten und zu schützen … Veränderung schafft Halt“ wurde im November 2020 beschlossen. Es nennt Ökologie, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Demokratie und Frieden als Grundwerte. Im Mittelpunkt stehen „Mensch“, „Würde“ und „Freiheit“. Das Programm fordert Bürgerräte statt Volksentscheide auf Bundesebene, bezeichnet das Bedingungslose Grundeinkommen als „Leitidee“ sozialer Sicherung und nennt eine „föderale Republik Europa“ als langfristige Perspektive.

Politische Schwerpunkte

Das zentrale politische Ziel ist nachhaltige Entwicklung, besonders Klimaschutz. Die Grünen fordern seit ihrer Gründung den Bau- und Betriebsstopp von Atomkraftwerken, den Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeinsparung. Im Wahlprogramm 2013 standen der Ausstieg aus der Kohleenergie und eine vollständige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2030. Bis 2040 sollten auch Wärmeerzeugung und Verkehr weitgehend erneuerbar werden. Zur Verkehrswende gehören Tempo 80 auf Landstraßen, Tempo 120 auf Autobahnen, ein höherer Radverkehrsanteil, emissionsfreie Neuwagen ab 2030 und ein Mobilpass für öffentlichen Verkehr, Carsharing und Bikesharing. 10 % der öffentlichen Wälder sollten als Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Wirtschaftspolitisch wandelte sich die Partei von kapitalismus- und teilweise marxismuskritischen Positionen zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft. Das Grundsatzprogramm von 2020 formuliert: „Die Wirtschaft dient den Menschen und dem Gemeinwohl, nicht andersherum.“ Märkte werden als Instrument für Effizienz, Innovation und technologischen Fortschritt anerkannt, sollen aber durch ökologische Rahmenbedingungen begrenzt werden. Zur Finanzierung des Klimaschutzes forderten die Grünen unter anderem eine CO₂-Bepreisung mit vollständiger Rückzahlung der Einnahmen als Klimaprämie.

In der Sozialpolitik forderte das Wahlprogramm 2013 einen Mindestlohn von 8,50 Euro oder mehr, gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaft, einen Hartz-IV-Regelsatz von 420 Euro und eine Garantierente von 850 Euro. Vorgesehen waren außerdem eine Bürgerversicherung für alle, eine Begrenzung von Mietsteigerungen, mehr Geld für Hochschulen und ein Erwachsenen-Bafög. Das Ehegattensplitting sollte durch eine moderne Individualbesteuerung ersetzt werden. Bei Cannabis sollten Eigengebrauch und privater Anbau entkriminalisiert sowie eine legale Abgabe über lizenzierte Fachgeschäfte ermöglicht werden.

In der Gesundheitspolitik sollen Vorsorge, Digitalisierung, eine bessere Vernetzung des Gesundheitswesens, Unterstützung bei Behandlungsfehlern und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege gestärkt werden. Vorgesehen sind Gesundheits- und Pflegezentren in ländlichen Gebieten. Während der Corona-Pandemie unterstützten die Grünen eine Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal ab dem 15. März 2022 und forderten eine globale Impfstoffkampagne.

Die Partei tritt für Geschlechtergerechtigkeit, Frauenquoten, Lohngleichheit, die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare und die Öffnung der Ehe ein. Seit 2015 ist geschlechtergerechte Sprache in Parteibeschlüssen verbindlich; im Regelfall soll das Gendersternchen verwendet werden. Das Transsexuellengesetz soll durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden.

Weitere Schwerpunkte sind ökologischer Landbau, Verbraucherschutz, Tierschutz, das Bio-Siegel und die Agrarwende. Gefordert wurden unter anderem ein Ende der Subventionierung von Massentierhaltung und Verbote schwerwiegender Eingriffe an Tieren. In der Digitalpolitik stehen informationelle Selbstbestimmung, IT-Sicherheit, digitale Souveränität, Open Source, Open Data und hohe Daten- und Verbraucherschutzstandards im Mittelpunkt. Vorratsdatenspeicherung und Chatkontrolle lehnt die Partei als anlasslose Massenüberwachung ab.

Außenpolitisch streben die Grünen eine wertebasierte und feministische Außenpolitik, Demokratieförderung und ein starkes Europa mit gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik an. Das frühere strikt pazifistische Profil wurde in den 1990er-Jahren verändert. Das Grundsatzprogramm von 2002 schließt völkerrechtlich legitimierte Gewalt gegen Völkermord und Terrorismus nicht mehr kategorisch aus. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine befürwortete die Partei diplomatische, finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung einschließlich weitreichender Waffensysteme und änderte damit die frühere Ablehnung von Waffenexporten in Kriegsgebiete.

Organisation und innerparteiliche Regeln

Die Partei ist in 16 Landesverbände, etwa 440 Kreisverbände und rund 1800 Ortsverbände gegliedert. Nach dem Prinzip der Dezentralisierung besitzen die Ortsverbände weitgehende Autonomie. Die Bundesdelegiertenkonferenz, auch Bundesversammlung genannt, ist das oberste Beschlussorgan. Sie findet mindestens einmal jährlich statt, beschließt über Programme und Satzung und wählt den Bundesvorstand, die Europawahlliste, den Parteirat, das Bundesschiedsgericht und die Bundesrechnungsprüfer.

Der Bundesvorstand führt das Tagesgeschäft. Er besteht aus der gleichberechtigten Doppelspitze, der politischen Geschäftsführung, der Bundesschatzmeisterin und zwei stellvertretenden Vorsitzenden. Der sechsköpfige Vorstand wird für zwei Jahre gewählt. Der Länderrat tagt vierteljährlich und koordiniert Bundespartei, Fraktionen und Landesverbände; der Parteirat berät und plant gemeinsame Initiativen. Die G-Koordination stimmt Bundespartei, Bundestagsfraktion und Regierungsgrüne in den Ländern ab.

Das Frauenstatut reserviert mindestens die Hälfte der Listenplätze, Delegiertenplätze und Rederechte für Frauen. Bei drei Plätzen sind mindestens zwei Frauen zu wählen. Das Frauenvotum ermöglicht ein gesondertes Votum der anwesenden Frauen, das Frauenveto kann eine Beschlussvorlage einmalig auf die nächste Versammlung vertagen. Die Partei hält außerdem an Doppelspitzen fest. Die früher strikte Trennung von Amt und Mandat wurde 2003 gelockert: Höchstens ein Drittel der Mitglieder des Bundesvorstands darf zugleich Abgeordneter sein.

Zur Partei gehören die Grüne Jugend mit 18.900 Mitgliedern im Juli 2025 und die unabhängig organisierte Hochschulvereinigung Campusgrün. Die Grüne Jugend ist seit 2001 Teilorganisation der Partei und hat ein Höchstalter von 27 Jahren. Die Grünen Alten vertreten Mitglieder und Interessierte über 50 Jahre. Die formal unabhängige Heinrich-Böll-Stiftung ist eine Einrichtung politischer Bildung, vergibt Stipendien und dokumentiert grüne Politik im Archiv Grünes Gedächtnis.

Die Mitgliederzahl stieg von 22.000 im Jahr 1982 auf 183.761 im Jahr 2025. Nach Austritten konservativer Kräfte sowie vieler Ökosozialisten 1990 bis 1992 sank sie zunächst, nach 1998 folgte wegen Regierungs- und Kriegsbeteiligungen ein Rückgang. Seit den 2010er Jahren nahm sie wieder stark zu. Die Wählerschaft ist überwiegend städtisch, relativ jung und überdurchschnittlich gebildet; zugleich wandelte sie sich durch Regierungsbeteiligungen und die Entwicklung der Partei teilweise zu einer bürgerlicheren Wählerschaft. In Ostdeutschland blieb die gesellschaftliche Verankerung schwächer als im Westen.

Wahlen, Regierungen und politische Entwicklung

Die wichtigsten Bundestagswahlergebnisse zeigen den langfristigen Aufstieg der Partei: 1,5 % im Jahr 1980, 5,6 % und 28 Sitze 1983, 8,3 % und 44 Sitze 1987, 7,3 % und 49 Sitze 1994, 8,6 % und 55 Sitze 2002, 10,7 % und 68 Sitze 2009, 8,4 % und 63 Sitze 2013, 8,9 % und 67 Sitze 2017, 14,7 % und 118 Sitze 2021 sowie 11,6 % und 85 Sitze 2025. Der Artikel nennt für 2021 auch 14,8 %; die beiden Angaben stehen somit widersprüchlich nebeneinander.

Bei Europawahlen erreichten die Grünen 1979 3,2 %, 1984 8,2 %, 1994 10,1 %, 2004 11,9 %, 2009 12,1 %, 2014 10,7 %, 2019 20,5 % und 2024 11,9 %. Das Ergebnis von 2019 war das beste der Parteigeschichte. 2024 verlor die Partei deutlich an Zustimmung und wurde in Deutschland viertstärkste Kraft.

Auf Landesebene stellte Winfried Kretschmann von 2011 bis 2026 erstmals einen grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg; seit Mai 2026 wird die grün-schwarze Koalition unter Cem Özdemir fortgeführt. Weitere aktuelle Regierungsbeteiligungen bestehen in Hamburg und Niedersachsen mit der SPD, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit der CDU sowie in Bremen mit SPD und Die Linke. Insgesamt ist die Partei in 13 von 16 Landtagen vertreten und an sechs von 16 Landesregierungen beteiligt. Frühere besondere Koalitionsformen waren rot-rot-grüne Regierungen in Thüringen und Berlin, eine Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz, die Dänen-Ampel in Schleswig-Holstein, eine Jamaika-Koalition im Saarland und Kenia-Koalitionen in Sachsen und Brandenburg.

In Kommunen waren rot-grüne Bündnisse nach den hessischen Kommunalwahlen 1981 erstmals sichtbar. Später kamen schwarz-grüne Bündnisse hinzu. Die Grünen stellen Oberbürgermeister unter anderem in München, Hannover, Münster, Kiel, Kassel, Würzburg, Norderstedt, Lüneburg, Göppingen, Greifswald, Böblingen und Neuburg an der Donau. Auf europäischer Ebene arbeiten sie in der Europäischen Grünen Partei und der Fraktion Grüne/EFA. In der ersten rot-grünen Bundesregierung von 1998 bis 2005 übernahmen sie unter anderem das Außen-, Umwelt-, Gesundheits- sowie das Verbraucherschutz-, Ernährungs- und Landwirtschaftsressort. Beschlossen wurden unter anderem die Ökosteuer, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts, eingetragene Lebenspartnerschaften und der mittelfristige Atomausstieg.

Lernvideos zu Bündnis 90/Die Grünen

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