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Palästinakrieg
Erste Intifada 1987–1993 | Zweite Intifada 2000–2005 | Gazakrieg 2008–2009 | Operation Wolkensäule 2012 | Operation Protective Edge 2014 | Krieg in Israel …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Verlauf
Der Palästinakrieg, auch Israelischer Unabhängigkeitskrieg, war der erste arabisch-israelische Krieg. Er wurde 1947–1949 auf dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina sowie auf der Sinai-Halbinsel und im Südlibanon ausgetragen. Auf Arabisch wird er auch Nakba („die Katastrophe“) genannt.
Der Konflikt begann ohne formale Kriegserklärung am 30. November 1947, einen Tag nach der Verabschiedung des UN-Teilungsplans. Zunächst kämpften arabische Milizen gegen jüdische Militärorganisationen. Nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 und dem Ende des britischen Mandats rückten am 15. Mai reguläre Truppen Ägyptens, Syriens, Transjordaniens und des Irak in das Gebiet ein. Libanon, Saudi-Arabien und Jemen unterstützten die arabische Seite ebenfalls.
Die arabische Allianz akzeptierte den UN-Teilungsplan nicht und bestritt das Existenzrecht Israels. Ihr gemeinsames Ziel war nach außen die Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates über das gesamte Mandatsgebiet; tatsächlich verfolgten die beteiligten Regierungen jedoch unterschiedliche Ziele. Jordanien wollte vor allem das Westjordanland gewinnen, während Ägypten und Syrien einen Machtzuwachs Jordaniens verhindern wollten. Israel kämpfte um die Durchsetzung und Sicherung seiner Staatlichkeit.
Der Krieg endete mit einem eindeutigen militärischen Sieg Israels. Die Waffenstillstandslinien von 1949 überließen Israel etwa 75 % des früheren Mandatsgebiets; das israelische Gebiet war damit um ein Drittel größer als im UN-Teilungsplan vorgesehen. Transjordanien annektierte das Westjordanland einschließlich Ostjerusalems, Ägypten verwaltete den Gazastreifen. Jerusalem wurde in einen israelisch kontrollierten Westteil und einen jordanisch kontrollierten Ostteil geteilt.
Vorgeschichte und Bürgerkrieg
Während des Ersten Weltkriegs waren rund 90 % der Einwohner Palästinas Araber. In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 versprach die britische Regierung die Schaffung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina. Zugleich standen britische Zusagen an den Scherifen Hussein über ein arabisches Königreich, die durch das Sykes-Picot-Abkommen eingeschränkt beziehungsweise gebrochen wurden. Großbritannien übernahm Palästina als Mandatsgebiet.
Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Januar 1933 nahm die jüdische Einwanderung stark zu. 1936 waren rund 30 % der Bevölkerung jüdische Einwanderer. Anfang 1948 lebten etwa 600.000 Einwanderer und rund 1,2 Millionen arabische Palästinenser im Land; der Jischuw, die jüdische Bevölkerung Palästinas, umfasste bei der Staatsgründung etwa 700.000 Menschen. Viele Juden kamen wegen der nationalsozialistischen Verfolgung und der Shoa nach Palästina. Die arabische Bevölkerung lehnte die Einwanderung und jüdische Landkäufe vielfach ab, weil sie Verdrängung und politische Unterdrückung befürchtete.
Der Arabische Aufstand von 1936 bis 1939 gegen die britische Mandatsmacht und die jüdische Einwanderung wurde nach rund 18 Monaten mit zehntausenden britischen Soldaten niedergeschlagen. Etwa 5000 Aufständische wurden getötet, 10.000 verwundet und bis 1939 5679 inhaftiert. Die palästinensisch-arabische Bevölkerung verlor rund 10 % ihrer erwachsenen männlichen Mitglieder. Der Aufstand schwächte ihre Wirtschaft und politische Organisation. Dagegen baute der Jischuw seine militärischen Strukturen aus; rund 6000 Juden wurden von den Briten als Hilfspolizei bewaffnet. Während des Zweiten Weltkriegs dienten etwa 26.000 jüdische und 12.000 arabische Bewohner Palästinas in den britischen Streitkräften.
Die britischen Teilungsversuche der Peel-Kommission und eines anglo-amerikanischen Komitees scheiterten. Am 29. November 1947 beschloss die UN-Generalversammlung mit 33 zu 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat sowie ein von der UN verwaltetes Corpus separatum um Jerusalem. Beide Seiten lehnten frühere Pläne ab; die arabische Seite wies auch diesen Beschluss zurück.
Im Bürgerkrieg standen schlecht zentralisierte arabische Milizen der besser organisierten Hagana gegenüber. Zu den jüdischen Verbänden gehörten der Palmach, die Feldtruppen und die Wachtruppen der Hagana sowie Irgun und Lechi. Die Hagana verfügte Ende 1947 über etwa 10.000 Gewehre, 1900 Maschinenpistolen und rund 630 Maschinengewehre, aber kaum schwere Waffen. Mit Zustimmung der Sowjetunion bezog sie Waffen aus der Tschechoslowakei.
Ab April 1948 ging die Hagana mit der Operation Nachschon zur Offensive über und öffnete am 4. April die Route nach Jerusalem. Nach dem Tod des arabischen Befehlshabers Abd al-Qadir al-Husaini zerfielen viele palästinensische Verbände. Haifa und Jaffa wurden erobert. Übergriffe und Tötungen gab es auf beiden Seiten; das Massaker von Deir Yasin durch Irgun und Lechi verstärkte die Flucht der palästinensischen Bevölkerung. Die Arabische Befreiungsarmee wurde am 4. April bei Mischmar haEmek geschlagen.
Unabhängigkeit und arabische Offensiven
David Ben-Gurion erklärte am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit Israels. Die USA erkannten Israel noch am selben Tag an, die Sowjetunion am 17. Mai. Am 15. Mai griffen reguläre arabische Armeen an. Die Arabische Legion Transjordaniens unter Glubb Pascha war mit rund 9000 Soldaten und 1200 irregulären Hilfskräften die bestorganisierte arabische Truppe.
Jordanien eroberte die Jerusalemer Altstadt und das Jüdische Viertel. Die Straße zwischen Tel Aviv und Jerusalem wurde bei Latrun blockiert; mehrere israelische Angriffe auf die dortige Stellung scheiterten. Durch die Burma Road, die am 10. Juni fertiggestellt wurde, konnten die Israelis Westjerusalem dennoch wieder versorgen. Im übrigen Verlauf blieb die jordanische Front überwiegend defensiv. In der Operation Dani eroberten israelische Truppen am 10. Juli Lydda und am 12. Juli Ramla; der Angriff auf Latrun scheiterte am 16. Juli.
Irakische Einheiten übernahmen das arabische Dreieck zwischen Tulkarm, Nablus und Dschenin. Ihre Stärke stieg auf etwa 15.000 bis 18.000 Mann. Ein israelischer Angriff auf Dschenin scheiterte am 28. Mai; danach blieben die irakischen Truppen weitgehend passiv.
Ägypten entsandte rund 10.000 reguläre Soldaten und etwa 2000 Freiwillige. Ein Vorstoß über Be’er Scheva nach Jerusalem wurde am 23. Mai bei Ramat Rachel gestoppt. Die Hauptoffensive entlang der Küste kam bei Jad Mordechai vom 24. bis 29. Mai zum Stehen und wurde schließlich bei ʿAd Halom nördlich von Aschdod aufgehalten. Dadurch konnte Israel seine Kräfte verstärken; zugleich schrumpfte die ägyptische Streitmacht auf etwa 2500 Mann.
Syrische Truppen rückten am 14. Mai südlich des Sees Genezareth ein und eroberten am 18. Mai Zemach. Die Angriffe auf die Kibbuzim Degania Aleph und Bet scheiterten. Im Norden nahm eine zweite syrische Brigade am 10. Juni Mishmar haYarden ein, konnte aber nicht weiter nach Westen vordringen. Syrien errichtete zwei Brückenköpfe im Westjordanland, erreichte seine ursprünglichen Ziele jedoch nicht. Der Libanon beschränkte sich auf kleinere Aufklärungsoperationen und hielt seine Armee überwiegend in der Defensive.
Waffenruhen und israelische Offensiven
Der UN-Sicherheitsrat forderte am 22. Mai eine zweitägige Waffenruhe und am 29. Mai einen vierwöchigen Waffenstillstand mit Waffenembargo. Nach Vermittlung von Folke Bernadotte und Ralph Bunche trat am 11. Juni die Erste Waffenruhe in Kraft. Israel verstärkte seine aktiven Soldaten vom 14. Mai bis zum 9. Juni von 35.000 auf 65.000. Während der Pause gelangten unter Umgehung des Embargos etwa 25.000 Gewehre, 5000 Maschinengewehre und 50 Millionen Schuss Munition nach Israel. Die israelische Artillerie wuchs von fünf auf rund 150 Geschütze. Die arabischen Armeen konnten vor allem personell verstärkt werden.
Die Waffenruhe blieb brüchig und wurde am 6. Juli von den arabischen Staaten in Kairo nicht verlängert. Der anschließende „Krieg der zehn Tage“ begann am 8. Juli mit einem ägyptischen Präventivangriff. Der Kibbuz Negba hielt trotz rund 4000 ägyptischer Artillerie- und Mörsergranaten stand. Bis zur erneuten Waffenruhe am 18. Juli erzielte keine Seite einen entscheidenden Vorteil.
In Galiläa schlug Israel mit der Operation Dekel vom 8. bis 18. Juli die verbliebenen Einheiten der Arabischen Befreiungsarmee zurück; am 16. Juli rückten israelische Truppen kampflos in Nazareth ein. Der syrische Brückenkopf konnte nicht beseitigt werden.
Am 15. beziehungsweise 18. Juli verlangte und beschloss der UN-Sicherheitsrat die Zweite Waffenruhe, die bis zum 15. Oktober dauerte. Israel nutzte sie erfolgreicher zur Aufrüstung und erhöhte seine Truppenstärke um 20.000 auf 85.000 Soldaten.
Ab dem 15. Oktober zerschlug Israel in einer Offensive die ägyptische Stellung. Die israelische Luftwaffe schaltete den Flughafen al-ʿArisch aus, israelische Truppen durchbrachen die Verbindung zwischen Gaza und Madschdal und schlossen rund 4000 Ägypter bei Faludschah ein. Am 22. Oktober meldete der ägyptische Befehlshaber Ahmed Ali al-Mwawi, Ägypten selbst sei bedroht. Israel stieß bis auf ägyptisches Gebiet vor, zog sich aber unter britischem Druck bis zum 6. Januar 1949 aus dem Sinai zurück. Im Oktober vertrieb Israel außerdem die verbliebenen arabischen und syrischen Truppen aus Galiläa und besetzte einen Teil des Südlibanons. Die Operation Uvda führte im März 1949 zur kampflosen Einnahme des Gebiets um das heutige Eilat und damit zum Zugang zum Roten Meer.
Waffenstillstand, Folgen und Erinnerung
Am 24. Februar 1949 schlossen Ägypten und Israel auf Rhodos einen Waffenstillstand. Ägypten durfte seine Truppen im Gazastreifen belassen, die Brigade von Faludschah wurde geordnet abgezogen; im Gegenzug gab Ägypten seine Ansprüche auf den Negev auf. Um Al-Auja entstand eine demilitarisierte Zone. Libanon schied am 23. März, Jordanien am 3. April und Syrien am 20. Juli aus dem Krieg aus. Jordanien annektierte das Westjordanland und gab im Gegenzug rund 300 km² mit etwa 34.000 Bewohnern an Israel ab. Irak und Saudi-Arabien schlossen keinen Waffenstillstandsvertrag.
Die Abkommen waren keine Friedensverträge. Keine arabische Regierung erkannte Israel damals als souveränen Staat an. Ägypten schloss erst 1979, Jordanien 1994 einen Friedensvertrag mit Israel; mit Syrien, Irak, Saudi-Arabien und Libanon bestanden weiterhin keine Friedensabkommen.
Die israelischen Verluste werden unterschiedlich angegeben: Stanley Sandler schätzte 6373 Tote, darunter etwa 4000 Soldaten und 2373 Zivilisten; Benny Morris nannte 5700–5800 Tote. Nach offiziellen israelischen Angaben wurden 5700–5800 Menschen des Jischuw getötet, etwa 25 % davon Zivilisten, und rund 12.000 verwundet. Die arabischen Verluste sind umstritten: genannt werden 5000 bis 20.000 Tote, eine Schätzung von 15.000 Toten und 25.000 Verwundeten sowie die Angabe al-Husseinis von rund 12.000 Toten. Ägypten meldete offiziell 1400 Tote und 3731 Kriegsversehrte, doch diese Zahlen werden angezweifelt. Die britischen Truppen verloren 1947 und 1948 174 Soldaten und hatten 419 Verwundete.
Rund 750.000 bis 800.000 palästinensische Araber wurden Flüchtlinge; mehr als die Hälfte der arabischen Bevölkerung war betroffen. Die meisten flohen aus Angst vor Kämpfen und israelischen Truppen, eine Minderheit wurde von israelischen Kräften vertrieben. Auch arabische Truppen vertrieben jüdische Bewohner aus mehreren Siedlungen und aus Ostjerusalem. Israel verweigerte arabischen Flüchtlingen die Rückkehr, während arabische Staaten sie teilweise jahrzehntelang ohne volle Bürgerrechte in Lagern beließen. Gleichzeitig flohen oder wurden während und nach dem Krieg etwa 500.000 bis 600.000 Juden aus muslimischen Ländern nach Israel vertrieben; bis in die frühen 1970er Jahre waren es insgesamt 800.000 bis eine Million.
Die Niederlage schwächte die arabischen Regime und trug zu Putschen, Revolutionen und politischer Instabilität bei. In Ägypten wurde Ministerpräsident Mahmud an-Nukraschi Pascha 1948 ermordet; 1952 putschten Nasser und Nagib. In Syrien leitete der Putsch Husni al-Za'ims 1949 eine instabile Phase ein. König Abdallah von Jordanien wurde 1951 ermordet.
Die israelische und arabische Erinnerung an den Krieg unterscheidet sich stark. Die „Neuen israelischen Historiker“ stellten seit den 1980er Jahren die ältere Darstellung infrage, nach der die arabischen Regierungen die Flucht befohlen hätten und Israel stets militärisch unterlegen gewesen sei. Ob Israel eine planmäßige ethnische Säuberung betrieb, ist umstritten. Die palästinensische Historiografie dokumentierte vor allem Flucht, Vertreibung und Zerstörung; die arabische Forschung blieb wegen verschlossener Archive begrenzt. Medial wurde der Krieg unter anderem in Leon Uris’ Roman Exodus, den Filmen Exodus und Der Schatten des Giganten, dem Buch O Jerusalem sowie den israelischen Dokumentationen Amud Ha-Esh und Teḳumah verarbeitet.