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Otfried Preußler

Der kleine Wassermann, ; Die kleine Hexe, ; Der Räuber Hotzenplotz, ; Das kleine Gespenst und ; Krabat. Preußlers Bücher wurden in 55 Sprachen übersetzt und haben …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und wichtigste Werke
  2. 2. Herkunft, Jugend und Krieg
  3. 3. Lehrer und Schriftsteller
  4. 4. Merkmale des Werks
  5. 5. Späte Jahre, Tod und Nachwirkung
  6. 6. Werke, Filme und Auszeichnungen

Bedeutung und wichtigste Werke

Otfried Preußler (20. Oktober 1923 in Reichenberg, Tschechoslowakei, als Otfried Syrowatka; 18. Februar 2013 in Prien am Chiemsee) war ein deutschsprachiger Schriftsteller und einer der bekanntesten Autoren von Kinder- und Jugendliteratur im deutschsprachigen Raum. Sein Werk umfasst 38 Kinder-, Jugend- und Bilderbücher. Besonders bekannt sind Der kleine Wassermann, Die kleine Hexe, Der Räuber Hotzenplotz, Das kleine Gespenst und Krabat.

Preußlers Bücher wurden in 55 Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von 50 Millionen Exemplaren. Die deutschsprachige Gesamtauflage liegt bei über 15,2 Millionen Exemplaren; außerdem gibt es rund 275 Übersetzungen. Viele seiner Bücher wurden verfilmt oder für die Bühne bearbeitet. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, das Große Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst und eine Titularprofessur der Republik Österreich.

Herkunft, Jugend und Krieg

Preußler wurde in Reichenberg, dem heutigen Liberec, als Sohn zweier Lehrer geboren. Seine Mutter hieß Ernestine Tscherwenka (Czervenka), sein Vater Josef Syrowatka. Der Vater änderte 1941 den Familiennamen in Preußler. Viele Stoffe für Preußlers spätere Erzählungen stammten aus seiner böhmischen Heimat. Besonders wichtig war seine Großmutter Dorothea Jireš, genannt „Großmutter Dora“, die viele Sagen kannte. Auch sein Vater, der Volkskundler und Heimatforscher war, sammelte Sagen des böhmischen Teils des Isergebirges.

Preußler besuchte die deutsche Volksschule und die Oberschule für Jungen in Reichenberg. Seine Lieblingsfächer waren Deutsch und Fremdsprachen. Nach dem Abitur 1942 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag ein, konnte das Studium aber nicht beginnen, weil er zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Seine Jugend war vom deutsch-tschechischen Nationalitätenkonflikt im Sudetenland geprägt. Er war Mitglied der Jungturnerschaft, die später nach der Annexion des Sudetenlandes in die Hitlerjugend überführt wurde. In der Hitlerjugend wurde er mehrfach befördert. In seinem Antrag auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer gab er eine NSDAP-Mitgliedschaft seit September 1941 an; auch in seiner Kriegsgefangenenakte wurde eine Parteimitgliedschaft vermerkt.

Am 20. März 1942 wurde Preußler zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg einberufen. Er war an mehreren Abschnitten der Ostfront eingesetzt, erhielt am 15. März 1943 das Eiserne Kreuz II. Klasse und wurde im Mai 1944 Leutnant der Reserve. Im August 1944 geriet er nach der Operation Jassy-Kischinew in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er litt unter Typhus, Malaria und Fleckfieber und magerte bis auf 40 Kilogramm ab. Bis 1949 war er in Lagern in Jelabuga und Kasan gefangen. Dort schrieb er Gedichte und Theaterstücke und führte sie mit Kameraden auf.

Lehrer und Schriftsteller

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Juni 1949 fand Preußler seine Familie und seine Verlobte Annelies Kind in Rosenheim wieder. Noch im selben Jahr heirateten sie; das Paar bekam drei Töchter. Ab 1951 ließ er sich in München zum Grundschullehrer ausbilden. Nebenbei arbeitete er als Lokalreporter und schrieb Geschichten für den Kinderfunk. Von 1953 bis 1955 war er Lehramtsanwärter, danach bis 1970 Volksschullehrer und später Rektor an der später nach ihm benannten Otfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen. Seine Arbeit mit Kindern beeinflusste sein Schreiben: Er erzählte seinen Schülerinnen und Schülern Geschichten, die er später aufschrieb.

Preußler schrieb schon früh Gedichte und Texte. Seine ersten bekannten Veröffentlichungen waren 1940 drei Texte mit dem Titel Lieber Soldat! in der Zeitschrift Kameraden. Sudetendeutsche Briefe an Wehr- und Werkmänner. Posthum wurde stärker bekannt, dass er 1940/41 das Jugendbuch Erntelager Geyer geschrieben hatte, das 1944 erschien und der HJ-Jugendliteratur zugerechnet wird. Über die Einordnung dieses Frühwerks gibt es unterschiedliche Bewertungen: Einige Forschende sehen darin NS-Ideologeme, andere betonen stärker Bezüge zur bündischen Jugend oder halten eine direkte Propagierung der NS-Ideologie für weniger begründet.

Der Durchbruch gelang Preußler 1956 mit Der kleine Wassermann. Das Buch erhielt 1957 im Rahmen des Deutschen Jugendliteraturpreises einen Sonderpreis für Text und Illustration. Danach erschienen viele seiner bekanntesten Kinderbücher, darunter Die kleine Hexe, Der Räuber Hotzenplotz und Das kleine Gespenst. Der Räuber Hotzenplotz bekam wegen vieler Kinderbriefe zwei Fortsetzungen: Neues vom Räuber Hotzenplotz und Hotzenplotz 3. 1971 erschien Krabat, an dem Preußler mehr als zehn Jahre gearbeitet hatte. Er beschrieb das Buch als persönliche Auseinandersetzung mit seiner Jugend im Nationalsozialismus. 1972 erhielt Krabat den Deutschen Jugendbuchpreis.

Merkmale des Werks

Preußlers Kinderbücher verbinden Fantasie und Alltag. Magie erscheint in seinen Geschichten selbstverständlich: beim kleinen Wassermann unter Wasser, bei der kleinen Hexe im Hexenwald, beim kleinen Gespenst oder in den Abenteuern um den Räuber Hotzenplotz. Zugleich vermitteln die Bücher Werte. Der kleine Wassermann zeigt Respekt vor der Natur, Die kleine Hexe betont Güte und Mut, Das kleine Gespenst zeigt gute und schwierige Seiten von Neugier, und Der Räuber Hotzenplotz stellt Gerechtigkeit und Freundschaft in den Mittelpunkt.

Viele Hauptfiguren sind Außenseiter. Der kleine Wassermann erkundet seine Welt, die kleine Hexe stellt Regeln der Hexenwelt infrage, das kleine Gespenst bringt eine Stadt durcheinander, und Kasperl und Seppel treten dem Räuber Hotzenplotz entgegen. Diese Perspektive macht Themen wie Gut und Böse, Freundschaft, Mut und Selbstbestimmung verständlich. In mehreren Büchern haben die Hauptfiguren tierische Begleiter, etwa Karpfen, Rabe oder Eule, die ihnen mit Rat zur Seite stehen.

Preußlers Stil gilt als einfach, klar und bildhaft. Seine Geschichten haben eine klare Handlung, Rhythmus und gutes Timing. Trotz ernster Themen enthalten sie Humor und Leichtigkeit. Außerdem finden sich Anspielungen und Persiflagen: Der Karpfen Cyprinus im Kleinen Wassermann spielt auf den wissenschaftlichen Namen Cyprinus carpio an; Hotzenplotz ist der deutsche Name des Ortes Osoblaha in Preußlers sudetendeutscher Heimat.

Krabat unterscheidet sich von vielen früheren Werken. Der Jugendroman basiert auf einer sorbischen Sage, spielt in einer Mühle in der Oberlausitz und verbindet Volksmärchen mit einem Coming-of-Age-Roman, also einer Geschichte über das Erwachsenwerden. Er erzählt von einem Waisenjungen, der in schwarze Magie hineingezogen wird und um seine Freiheit kämpfen muss.

Späte Jahre, Tod und Nachwirkung

Preußler lebte zuletzt als freier Schriftsteller in Prien am Chiemsee, zuvor in Haidholzen bei Rosenheim. 1976 gehörte er in Volkach zu den Gründern der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Er unterstützte über Jahrzehnte den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und gründete 1992 mit anderen ein Hilfswerk für die Orthopädische Kinderklinik in Aschau, das Kinder mit körperlichen, geistigen oder mehrfachen Einschränkungen im Klinikleben unterstützt.

Otfried Preußler starb 2013 im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee. Sein schriftstellerischer Nachlass und seine Korrespondenz befinden sich in der Staatsbibliothek zu Berlin. Briefe an Astrid Lindgren kamen mit deren Privatarchiv an die Königliche Bibliothek in Stockholm. 2013 wurde einmalig der mit 10.000 Euro dotierte Otfried-Preußler-Kinderstückepreis vergeben.

Preußler blieb nach seinem Tod im öffentlichen Gedächtnis präsent. Viele Schulen, besonders Grund- und Förderschulen, tragen seinen Namen; 2023 waren es 22 Schulen. Museen und Bibliotheken widmeten ihm und seinen Figuren Sonderausstellungen. Seit seinem Tod findet in der Orthopädischen Kinderklinik in Aschau jährlich eine Gedächtnislesung statt. Seine tschechische Heimatstadt Liberec ehrte ihn 2024 für sein Schaffen. Preußler gilt als wichtiger Vermittler zwischen Deutschen und Tschechen.

Werke, Filme und Auszeichnungen

Zu Preußlers Kinderbüchern gehören Der kleine Wassermann (1956), Die kleine Hexe (1957), Der Räuber Hotzenplotz (1962), Das kleine Gespenst (1966), Neues vom Räuber Hotzenplotz (1969), Hotzenplotz 3 (1973), Hörbe mit dem großen Hut (1981) und Hörbe und sein Freund Zwottel (1983). Zu seinen Jugendbüchern zählen Erntelager Geyer (1944) und Krabat (1971). Als Bilderbücher erschienen unter anderem Die dumme Augustine (1972), Das Märchen vom Einhorn (1975) und Das Eselchen und der kleine Engel (1993). Außerdem übersetzte oder bearbeitete er Werke wie Kater Mikesch von Josef Lada aus dem Tschechischen.

Von Preußlers Büchern gibt es zahlreiche Verfilmungen. Dazu gehören Fassungen von Kater Mikesch, Der Räuber Hotzenplotz, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst und Krabat. Einige Werke wurden mehrfach verfilmt, etwa Der Räuber Hotzenplotz in den Jahren 1974, 2006 und 2022 sowie Krabat 1977 und 2008.

Wichtige Auszeichnungen waren der Deutsche Jugendliteraturpreis 1957 für Der kleine Wassermann und 1972 der Deutsche Jugendbuchpreis für Krabat. Krabat erhielt außerdem internationale Anerkennung, darunter 1972 den Silbernen Griffel von Rotterdam und 1973 den Europäischen Jugendbuchpreis. Für sein Gesamtwerk wurde Preußler unter anderem mit dem Andreas-Gryphius-Preis, dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, dem Deutschen Fantasy-Preis und hohen staatlichen Orden geehrt.

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