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Krabat (Roman)

Krabat ist ein erstmals 1971 erschienenes Jugendbuch von Otfried Preußler, das auf der sorbischen Krabat-Sage basiert. Es erzählt die Geschichte des …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Handlung und zentrale Konflikte
  2. 2. Entstehung und Bedeutung
  3. 3. Auszeichnungen
  4. 4. Verfilmungen und Hörspiele
  5. 5. Theater, Oper und musikalische Bearbeitungen

Handlung und zentrale Konflikte

Krabat ist ein 1971 erstmals erschienenes Jugendbuch von Otfried Preußler. Der Roman basiert auf der sorbischen Krabat-Sage und erzählt, wie der vierzehnjährige sorbische Waisenjunge Krabat Lehrling eines Zaubermeisters wird und sich gegen dessen Macht behaupten muss. Die Handlung spielt in der Lausitz während des Großen Nordischen Krieges.

Krabat zieht mit seinem Freund Lobosch bettelnd durch das Land. Nach einem Traum tritt er eine Lehrstelle in einer einsamen Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm an. Die Mühle erweist sich als „Schwarze Schule“: Der Müllermeister unterrichtet dort zwölf Mühlknappen mithilfe eines Koraktors in der „Kunst der Künste“, der Schwarzen Magie. Krabat ist zunächst von den magischen Kräften und der Möglichkeit fasziniert, Macht über andere Menschen auszuüben. Besonders eng befreundet er sich mit Tonda, dem Altgesellen und seinem Vorbild.

In Neumondnächten erscheint ein geheimnisvoller Fremder mit einer roten Hahnenfeder am Hut. Vor ihm fürchtet sich sogar der Meister. Er lässt im sonst nicht benutzten siebenten Mahlgang rätselhafte Dinge mahlen. Bereits nach dem ersten Jahr wird Krabat freigemüllert und damit Geselle. Er erfährt, dass das erste Jahr auf der Mühle für drei zählt und er tatsächlich um drei Jahre gealtert ist. Zum Jahreswechsel kommt Tonda auf rätselhafte Weise ums Leben; Witko wird als neuer Lehrjunge aufgenommen.

Am Ostermorgen begegnet Krabat der Kantorka, der Vorsängerin der Ostergesänge aus dem Dorf, und verliebt sich in sie. Nach dem zweiten Jahr stirbt der Geselle Michal. An seine Stelle tritt Lobosch. Krabat erkennt allmählich den Zweck der Schwarzen Schule: Der Meister hat sich dem Teufel, „dem mit der Hahnenfeder“, verschrieben und muss in jeder Silvesternacht einen Schüler opfern, damit er selbst nicht stirbt. Er wählt jeweils den besten Schüler aus, bevor dieser zu mächtig und für ihn gefährlich wird.

Krabat versucht, den magischen Kräften des Meisters zu widerstehen. Dabei hilft ihm Juro, der sich absichtlich dumm stellt und deshalb unterschätzt wird. Juro weiß, dass die Liebe eines Mädchens den Meister besiegen kann. In der Silvesternacht muss das Mädchen in der Mühle erscheinen, seinen Geliebten freibitten und unter den zwölf magisch veränderten Müllergesellen den richtigen erkennen. Bei einem Fehlschlag würden beide sterben. Krabat erzählt der Kantorka davon; sie entscheidet sich freiwillig, die lebensgefährliche Prüfung abzulegen.

Nach dem dritten Jahr bietet der Meister Krabat die Nachfolge an. Krabat soll als neuer Meister ein bequemes Leben mit den Möglichkeiten der Schwarzen Magie führen und sogar mitentscheiden, welcher Geselle sterben soll. Als Krabat ablehnt, ordnet der Meister seinen Tod an. In der Silvesternacht fordert die Kantorka Krabats Freiheit. Sie besteht die Prüfung, indem sie die Angst erkennt, die Krabat um sie empfindet. Dadurch ist der Tod des Meisters um Mitternacht besiegelt. Die Gesellen verlassen die Mühle als freie Menschen, verlieren jedoch ihre magischen Fähigkeiten. Die Kantorka geht mit Krabat nach Schwarzkollm.

Entstehung und Bedeutung

Preußler arbeitete mit mehreren Unterbrechungen zehn Jahre an Krabat. Als Vorlage diente die sorbische Sage von Krabat, die Ende des 17. Jahrhunderts nahe Schwarzkollm in der Oberlausitz zwischen Hoyerswerda (Wojerecy) und Kamenz (Kamjenc) spielt. In der Sage und im Roman steht der Konflikt zwischen einem Lehrling und einem mächtigen Meister im Mittelpunkt; auch das Motiv der Erlösung durch Liebe findet sich in vielen anderen Sagen.

Preußler verlegte die Mühle in den Koselbruch. Er erklärte, dass er nicht gewusst habe, dass es dort tatsächlich einen Koselbruch gebe. Der Ort sollte ein verrufener, unwirklicher Schauplatz sein. Preußler beschrieb die Landschaft im Buch nicht ausdrücklich und sagte, Leser, die den Ort kannten, würden ihre eigene Landschaft in den Roman hineinlegen.

Der Autor verstand Krabat außerdem als Aufarbeitung seines eigenen Verhältnisses zum Nationalsozialismus, von dem er in seiner Jugend fasziniert war. Er bezeichnete den Roman als seine Geschichte, die Geschichte seiner Generation und die Geschichte aller jungen Menschen, die mit Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken. Damit behandelt das Buch neben Magie und Abenteuer auch die Frage, wie Menschen in ein System der Macht geraten, warum sie darin bleiben und wie sie sich daraus befreien können.

Die Erstausgabe erschien 1971 im Arena Verlag; seit 1981 erscheint das Buch im Thienemann-Verlag. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen der Standardausgabe und die Illustrationen der farbigen Luxusausgabe von 2005 stammen von Herbert Holzing. Zum hundertsten Geburtstag des Autors wurde Krabat 2023 in einer Schmuckausgabe von Mehrdad Zaeri neu illustriert. Das Buch wurde in 39 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland über 3,8 Millionen Mal verkauft.

Auszeichnungen

Krabat erhielt mehrere nationale und internationale Auszeichnungen. 1972 wurde der Roman mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. 1973 folgten der niederländische Jugendbuchpreis Zilveren Griffel von Rotterdam, der Europäische Jugendbuchpreis der Universität Padua und der American Library Association Award als Notable Book of 1973. 1977 erhielt die polnische Übersetzung für ihre Gesamtaufmachung mit Illustrationen von Antoni Boratyński den Preis des polnischen Verlegerverbandes Polskie Towarzystwo Wydawców Książek (PTWK).

Verfilmungen und Hörspiele

Der Stoff wurde mehrfach filmisch und akustisch adaptiert. Der tschechische Trickfilmer Karel Zeman schuf 1977 den hochgelobten Film Čarodějův učeň. In der Stuttgarter Fassung sprach Friedrich Schütter den Müllermeister, in der DEFA-Fassung Horst Kempe. Eine Realverfilmung unter der Regie von Marco Kreuzpaintner entstand von 2006 bis 2008. Sie wurde am 23. September 2008 in der Lichtburg Essen uraufgeführt und kam am 9. Oktober 2008 in Deutschland ins Kino. In der Krabat-Mühle Schwarzkollm wird der Film regelmäßig gezeigt.

Zu den Hörspiel- und Hörbuchfassungen gehören eine dreiteilige Lesereihe von Karussell aus dem Jahr 1983, in der Preußler selbst liest, sowie ein fünfteiliges Hörspiel von Deutschlandradio Berlin, das vom 20. Oktober bis 17. November 1998 in der Kindersendung Kakadu ausgestrahlt wurde und insgesamt etwa 120 Minuten dauert. 2008 entstand beim Jumbo-Verlag zusammen mit der Realverfilmung ein Hörspiel mit den Originalstimmen des Films und Dietmar Mues als Erzähler. Der Westdeutsche Rundfunk produzierte 2010 ein vierteiliges Kinderhörspiel mit Laufzeiten von 44:04 Minuten, 46 Minuten, 46 Minuten und 45:49 Minuten.

Weitere Fassungen erschienen 2018 als Lesung mit Felix von Manteuffel, 2020 bei Titania Medien im Rahmen der Reihe Gruselkabinett, 2021 zum 50. Jubiläumsjahr als Hörspiel beim Hörbuch Verlag in Hamburg und 2024 als ungekürzte Lesung mit Charly Hübner bei Hörbuch Hamburg.

Theater, Oper und musikalische Bearbeitungen

Auch für Bühne, Oper, Ballett und Musik wurde Krabat vielfach bearbeitet. Cesar Bresgens Oper Krabat wurde 1983 nach einer Bühnenfassung Preußlers uraufgeführt. Nina Achminows Theaterstück Krabat folgte 1994 im Prinzregententheater München. Fredrik Zellers Oper Krabat wurde im Mai 2007 am Nationaltheater Mannheim im Programm Junge Oper uraufgeführt. Im Herbst 2007 inszenierte Markus Bothe den Stoff als Weihnachtsstück am Deutschen Schauspielhaus Hamburg; dort wurde das Stück innerhalb von fünf Jahren 87 Mal gespielt.

2008 wurde eine Bearbeitung von Horst Hawemann, Annette Trümper und Christopher Gottwald im Nürnberger Theater Pfütze uraufgeführt. Im selben Jahr setzte ASP den Stoff im Album Zaubererbruder – Der Krabat-Liederzyklus musikalisch um; Nachtgeschrei vertonte ihn mit dem Lied Der Meister auf dem Album Hoffnungsschimmer. 2009 entstand beim Schweizer Theater-Pack ein Licht- und Schattentheater mit Menschenschatten und Masken. Das Figurentheater Wilde & Vogel entwickelte gemeinsam mit der Grupa Coincidentia aus Białystok ein Theaterabenteuer mit Puppen, Masken und Musik.

2012 wurde Krabat am Oldenburgischen Staatstheater in niederdeutscher Sprache uraufgeführt. 2013 folgte am Stuttgarter Ballett Krabat – Ein Ballett in drei Akten nach Otfried Preußler. Weitere Inszenierungen entstanden 2016 bei den Bad Hersfelder Festspielen und 2019 am Staatstheater Mainz, wo sorbische Sprache in Zaubersprüchen und Gesang besonders einbezogen wurde. 2022 wurde Krabat als Rockoper im Musiktheater im Revier uraufgeführt; beteiligt waren das Komponistenkollektiv Himmelfahrt Scores, die Steampunk-Band Coppelius und der Dramatiker Ulf Schmidt.

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