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Ostfriesische Inseln
Die Inselgruppe ist Teil des größten Wattenmeeres in der Nordsee und umfasst etwa fünf Prozent des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Naturräumlich …
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Überblick und Lage
Die Ostfriesischen Inseln sind eine Gruppe deutscher Nordseeinseln vor der niedersächsischen Festlandsküste entlang der Ostfriesischen Halbinsel. Sie sind Düneninseln, also Inseln, die vor allem aus Sand und Dünen bestehen. Die Inselkette erstreckt sich von West nach Ost über rund 90 Kilometer zwischen den Mündungen von Ems und Jade beziehungsweise Weser. Die Inseln liegen etwa 3,5 bis 10 Kilometer vor dem Festland.
Zwischen den Inseln und dem Festland liegen große Wattbereiche. Das Watt ist ein Küstengebiet, das bei Ebbe trockenfallen kann und bei Flut vom Meer bedeckt wird. Diese Wattflächen sind größer als die Inseln selbst. Vor den Inseln liegt außerdem das Küstenmeer. Inseln, Watt und Küstenmeer stehen ökologisch eng miteinander in Verbindung. Die Inselgruppe gehört zum größten Wattenmeer der Nordsee und umfasst etwa fünf Prozent des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Naturräumlich bilden die Ostfriesischen Inseln die Haupteinheit 613.
Inseln und Gliederung
Die größte Insel ist Borkum, zugleich die westlichste der bewohnten Ostfriesischen Inseln. Die bewohnten Inseln heißen von West nach Ost: Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge. Norderney besitzt die größte Stadt auf den Inseln.
Daneben gibt es kleinere unbewohnte Inseln und Sandplaten. Dazu gehören Lütje Hörn östlich von Borkum, die Brauerplate nördlich von Borkum, Memmert und die Kachelotplate südwestlich von Juist sowie Minsener Oog südöstlich von Wangerooge. Minsener Oog ist künstlich aufgespült worden. Mellum liegt am östlichen Rand der Inselkette; nach der Abgrenzung des Bundesamtes für Naturschutz gehört Mellum nicht mehr zu den Ostfriesischen Inseln, sondern zu den Watten im Elbe-Weser-Dreieck. Westlich von Borkum schließen sich die niederländischen Westfriesischen Inseln an.
Nach den angegebenen Daten besitzen die bewohnten Ostfriesischen Inseln zusammen eine Landfläche von 126,05 km² und eine Bevölkerung von 14.256 Personen bei einer Bevölkerungsdichte von 129 Personen pro km². Norderney hat mit 5358 Einwohnern die größte Bevölkerung, gefolgt von Borkum mit 4295 Einwohnern. Zu den früheren oder untergegangenen Inseln werden Bant, Buise, Burchana und Bant genannt; Norderney ist das östliche Ende der früheren Insel Buise.
Landschaft, Gezeiten und Entstehung
Zur Seeseite hin haben die Ostfriesischen Inseln Sandstrände. Im Inneren bestehen sie aus Dünen unterschiedlichen Alters. Zur Festlandseite gehen sie in Salzwiesen über, also regelmäßig vom Meer beeinflusste Wiesenflächen, die an das Watt anschließen.
Zwischen den Inseln liegen Seegatten. Durch diese Durchlässe strömt das Wasser mit den Gezeiten auf die Watten und wieder zurück in die offene See. In den Tiderinnen, also den gezeitenabhängigen Strömungsrinnen, sind die Strömungen sehr stark. Weil die Hauptströmung überwiegend von West nach Ost verläuft, wird an den Westseiten der Inseln Material abgetragen, während sich im Osten Sand ablagert. Über Jahrhunderte führte das dazu, dass Siedlungen an den Westseiten aufgegeben und weiter östlich neu gebaut wurden.
Durch Befestigungen konnte diese Wanderung der Inseln im 20. Jahrhundert stark verlangsamt werden. Einzelne Sandbänke wandern aber noch heute jährlich rund hundert Meter. Die Ostbewegung der Inseln beträgt gegenwärtig nur noch einige Meter pro Jahr. Dabei bewegen sich nicht alle Inseln gleich stark: Spiekeroog wandert kaum, Wangerooge dagegen stärker.
Nach der heute bevorzugten „Platen-Hypothese“ entstanden die heutigen Inseln allein durch Meeresablagerungen. Dabei wirkten Strömungen, Seegang, Wind und Sturmfluten zusammen. „Geestkerne“, also ältere feste Landkerne wie bei den Nordfriesischen Inseln, besitzen die Ostfriesischen Inseln nicht mehr. Soweit solche Kerne vorhanden waren, wurden sie nacheiszeitlich im jüngeren Atlantikum und im Subboreal, also vor 2000 bis 5000 Jahren, von marinen Sedimenten überdeckt.
Bei Ebbe sind Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge per Wattwanderung vom Festland aus erreichbar. Bei Niedrigwasser fällt das Watt mit Ausnahme einiger Fahrwasser, der Priele, bis zum Festland trocken.
Gefährdung durch Sturmfluten und Meeresspiegelanstieg
Die Ostfriesischen Inseln und ihre Bewohner sind seit Jahrhunderten durch Sturmfluten gefährdet. Schwere Sturmfluten treten im Abstand von einigen Jahrzehnten auf. Die Weihnachtsflut 1717, die Februarflut 1825 und die Neujahrsflut von 1855 forderten viele Todesopfer. Auch die Sturmflut 1962 und die Allerheiligenflut 2006 trafen mehrere Ostfriesische Inseln und verursachten schwere Sachschäden.
Durch die globale Erwärmung treten Sturmfluten laut Artikel immer häufiger auf. Wenn starke Sturmfluten öfter auf die Küste treffen, werden die Schäden größer, und Sand wird schneller weggespült. Zusätzlich bedroht der weltweite Anstieg des Meeresspiegels die Inseln, weil sie nur wenige Meter über Normalhöhennull liegen. Forscher warnen, dass Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog und Langeoog irgendwann überflutet werden könnten.
Die kleiner werdende Landfläche wirkt sich auch wirtschaftlich aus; auf einigen Inseln steigen deshalb die Immobilienpreise. Um die Folgen von Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten zu verringern, werden teure technische Maßnahmen eingesetzt, zum Beispiel Aufspülungen und Sandvorspülungen. Dabei wird Sand künstlich aufgebracht oder vor die Küste gespült, um Landverlust und Küstenerosion abzumildern.
Wirtschaft, Politik und Zusammenarbeit
Der wichtigste Wirtschaftszweig aller Inselgemeinden ist heute fast ausschließlich der Tourismus. Die Inseln sind beliebte Ausflugsziele und verfügen über touristische Infrastruktur. Deshalb sind sie staatlich als Nordseeheilbäder anerkannt. Für 2024 werden insgesamt 1.511.372 Gäste und 10.370.866 Übernachtungen angegeben. Die meisten Übernachtungen hatte Norderney mit 3.778.172, gefolgt von Borkum mit 2.245.256 und Langeoog mit 1.567.576.
Die COVID-19-Pandemie in Deutschland zeigte, welche Risiken entstehen, wenn Einnahmen aus dem Tourismus wegfallen. Früher waren Fischfang und Landwirtschaft wichtig. Beide Bereiche sind seit Ende des 20. Jahrhunderts bedeutungslos geworden oder fast verschwunden. Auf Norderney wurde die Milchwirtschaft und -verarbeitung 1978 aufgegeben. In geringem Maß wird noch Heu für die vielen Pferde produziert. Neben dem Tourismus gibt es als kleineren Wirtschaftszweig das Gesundheitswesen, etwa Reha-Kliniken sowie balneologische und andere therapeutische Einrichtungen.
Politisch gehören nicht alle geographisch zu den Ostfriesischen Inseln gezählten Inseln zum politischen Ostfriesland: Wangerooge und Minsener Oog liegen im Oldenburger Friesland. Borkum verlor 1996 mit der Schließung seines Marinestützpunkts mehr als 20 Prozent der Arbeitsplätze; viele Insulaner wurden damals an andere Bundeswehrstandorte versetzt.
Wegen ihrer gemeinsamen Lage und Interessen arbeiten die sieben bewohnten Inseln in verschiedenen Formen zusammen. Seit 1997 treffen sich Kulturvereine jährlich unter dem Namen „Insulaner unner sück“. Bürgermeister, Kurdirektoren und Ratsmitglieder kommen ein- bis zweimal im Jahr zum insularen Erfahrungsaustausch zusammen. Die Inseln nehmen auch gemeinsam politisch Stellung, etwa gegen Kohlekraftwerke in Eemshaven und Wilhelmshaven sowie gegen Erdgasbohrungen in der Nordsee.
Die Ostfriesische Inseln GmbH wurde 2017 als gemeinsame Destinationsmarketinggesellschaft der sieben bewohnten Inseln gegründet, nachdem sie aus der Nordsee GmbH ausgestiegen waren. Sie bündelt die touristische Vermarktung und vertritt die Interessen der Inseln gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Gesellschafter sind lokale Kurverwaltungen und Reedereien. Seit 2025 wird sie von Corina Habben von der AG EMS und Wilhelm Loth von der Staatsbad Norderney GmbH geleitet. Vorgänger war die Werbegemeinschaft Ostfriesische Inseln GbR.
Der Kulturlandschaftsraum Nordseeinseln und Wattenmeer umfasst 2750 km² und schließt die Ostfriesischen Inseln ein. Diese Zuordnung traf der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz 2018. Ein besonderer rechtlich verbindlicher Schutzstatus ist damit nicht verbunden.
Reihenfolge merken
Für die Reihenfolge der bewohnten Inseln gibt es Merksätze, auch Eselsbrücken genannt. Dabei steht der Anfangsbuchstabe jedes Wortes für eine Insel. Juist wird dabei oft mit dem Buchstaben „I“ veranschaulicht.
Ein bekannter Merksatz von Ost nach West lautet: „Welcher Seemann liegt bei Nacht im Bett?“ Er steht für Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und Borkum. Häufig wird die Bedeutung des Buchstabens „N“ variiert, zum Beispiel mit Nanni, Nebel, Nelly oder Nina.
Eine neuere Form von West nach Ost mit korrekter Verwendung aller Buchstaben lautet: „Bei jeder Nordseeinsel buddeln lustige Seemänner Wattlöcher!“ Sie steht für Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge.