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Landkreis Friesland
Der Landkreis Friesland ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen in Ost-Friesland. Kreisstadt ist Jever. Wappen, Deutschlandkarte. Basisdaten.
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Überblick und Raum
Der Landkreis Friesland ist ein Landkreis im Nordwesten Niedersachsens. Kreisstadt und Sitz der Verwaltung ist Jever. Die Fläche beträgt 609,54 km²; am 31. Dezember 2025 lebten 100.261 Einwohner im Kreis, entsprechend 164 Einwohnern je km². Der Kreisschlüssel lautet 03 4 55, das Kfz-Kennzeichen FRI.
Das Gebiet liegt auf dem traditionellen Siedlungsgebiet der Friesen auf der Halbinsel zwischen Ems und Jadebusen, gehörte politisch aber nie zu Ostfriesland. Nach dem Untergang der Herrschaft Jever wurde das Jeverland – ebenso wie zuvor die Friesische Wehde – Teil von Oldenburg und wird weiterhin zum Oldenburger Land gezählt. Zum Kreis gehört die ostfriesische Nordseeinsel Wangerooge.
Die Landschaft besteht vor allem aus Marsch, also angeschwemmtem Land, daneben aus Geest und Moor. Mittelalterliche Wallhecken, mit Bäumen oder Sträuchern bewachsene Erdwälle, prägten die Kulturlandschaft: Früher markierten sie Grundstücksgrenzen, heute dienen sie als Windschutz und ökologische Kleingebiete. Die Lage an der Nordsee macht den Tourismus wichtig; Wangerooge liegt im Wattenmeer und ist neun Kilometer lang. Nachbarn sind das Wattenmeer der Nordsee, Jade und Jadebusen, die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Wesermarsch, Ammerland, Leer und Wittmund.
Entstehung und Gebietsreformen
Seit dem 19. Jahrhundert bestand das heutige Kreisgebiet aus den Ämtern Jever und Varel sowie den amtsfreien Städten Jever und Varel. In der oldenburgischen Verwaltungsreform von 1933 entstanden aus Amt und Stadt Jever, der Stadt Varel und dem größten Teil des Amtes Varel das Amt Friesland. Am 1. Januar 1939 erhielt es die Bezeichnung Landkreis Friesland. 1946 kam der Kreis mit dem Freistaat Oldenburg zu Niedersachsen.
Die 1933 gebildeten größeren Gemeinden wurden 1948 wieder in kleinere Gemeinden aufgeteilt. Bei der Gebietsreform entstand am 1. Januar 1971 durch den Zusammenschluss von Hohenkirchen, Minsen und Tettens die Gemeinde Wangerland. Zum 1. Juli 1972 wurde Sengwarden nach Wilhelmshaven eingemeindet; die frühere Gemeinde Gödens aus dem Landkreis Wittmund wurde Teil der Gemeinde Sande. Danach gab es im Kreis acht Gemeinden.
Am 1. August 1977 wurde Friesland aufgelöst: Bockhorn, Zetel und Varel kamen zum Landkreis Ammerland, während Jever, Sande, Schortens, Wangerland und Wangerooge mit Wittmund einen neuen Landkreis Friesland mit Kreisstadt Wittmund bildeten. Verfassungsklagen führten dazu, dass diese Regelung zum 1. Januar 1980 zurückgenommen wurde. Ammerland, Friesland und Wittmund erhielten wieder die Grenzen von 1977; Jever wurde erneut Kreisstadt. Gödens blieb dabei als Teil von Sande im Landkreis Friesland.
2012 und 2013 wurde eine engere Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion von Friesland und Wilhelmshaven diskutiert. Ein Gutachten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement empfahl im November 2013, Wilhelmshaven in den Landkreis Friesland einzugliedern. Beide Kommunen lehnten dies im Dezember 2013 ab.
Bevölkerung, Gemeinden und Schutz
Die Einwohnerzahl entwickelte sich von 54.942 im Jahr 1933 über 94.964 im Jahr 1950 und 100.889 im Jahr 2000 zu 98.971 im Jahr 2020. Der Kreis umfasst acht Einheitsgemeinden; die Einwohnerzahlen stammen vom 31. Dezember 2025:
- Bockhorn: 8791; Jever: 14.671; Sande: 8629; Schortens: 21.001.
- Varel: 24.635; Wangerland: 9137; Wangerooge: 1048; Zetel: 12.349.
Nach dem Zensus 2011 waren am 9. Mai 2011 58,2 % evangelisch und 8,3 % römisch-katholisch; 33,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Im Zensus 2022 lagen die Anteile am 25. Mai 2022 bei 47,3 % evangelisch, 7,7 % katholisch und 45,0 % Sonstige. Laut Mitgliederstatistik der oldenburgischen Kirche sank der Anteil evangelischer Gemeindeglieder in den Jahren 2022 bis 2025 jährlich um 1 Prozentpunkt.
Im Kreis gibt es neun ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017), außerdem Landschaftsschutzgebiete und Naturdenkmale. Vier jüdische Friedhöfe liegen in Hohenberge bei Varel, Jever, Neustadtgödens und Schortens. Sie sind geschützte Kulturdenkmäler und Zeugnisse früherer jüdischer Gemeinden und eines bis in die 1930er Jahre regen jüdischen Gemeindelebens. Zu den genannten archäologischen Denkmälern zählen unter anderem Schloss Jever, die Kirchenburg in Jever, das Wasserschloss Gödens und die Dorfwurt Ziallerns.
Kreispolitik und Kennzeichen
Der Kreistag besteht aus 42 gewählten Abgeordneten und dem Landrat. Die Wahlperiode dauert fünf Jahre; die laufende Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026. Bei der Kreistagswahl vom 12. September 2021 erhielt die SPD 38,2 % und 16 Sitze, die CDU 21,2 % und 9 Sitze, die Grünen 13,1 % und 6 Sitze. FDP, Zukunft Varel und AfD erhielten jeweils 2 Sitze; Linke, Die PARTEI, Freie Bürger, UWG und WPW jeweils 1 Sitz. Die Wahlbeteiligung betrug 58,5 %.
Landrat vertritt den Landkreis politisch und leitet zugleich die Kreisverwaltung. Seit dem 12. August 2003 ist Sven Ambrosy (SPD) hauptamtlicher Landrat. Seine allgemeine Vertreterin ist seit dem 1. Januar 2012 Silke Vogelbusch als Erste Kreisrätin. Daneben gibt es drei gleichberechtigte ehrenamtliche stellvertretende Landräte für repräsentative Aufgaben.
Der Landkreis bildet den Landtagswahlkreis 070 Friesland. Olaf Lies (SPD) gewann dort 2022 erneut das Direktmandat mit 48,96 % bei 59,54 % Wahlbeteiligung; Katharina Jensen (CDU) und Sina Beckmann (Grüne) zogen über Landeslisten in den Landtag ein. Im Bundestagswahlkreis 026 Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund gewann Siemtje Möller (SPD) 2025 zum dritten Mal in Folge das Direktmandat; Anne Janssen (CDU) und Martin Sichert (AfD) kamen über Listen in den Bundestag.
Das Wappen zeigt in Blau einen rot-bewehrten goldenen Löwen zwischen silbernen Ankerkreuzen in beiden oberen Ecken. Es wurde am 26. April 1962 verliehen. Die blau-rot waagerecht gestreifte Flagge trägt das Wappen; Blau und Rot sind oldenburgische Landesfarben. Das heutige Kennzeichen FRI wurde am 17. Mai 1978 eingeführt und blieb nach der Wiederherstellung des Kreises 1980 erhalten.
Wirtschaft, Institutionen und Verkehr
Im Zukunftsatlas 2016 belegte Friesland Platz 224 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland. Die Region wurde als Gebiet mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ bewertet. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2020 26.964 Euro; der niedersächsische Durchschnitt lag bei 37.980 Euro.
Für kulturelle und historische Belange des alten Oldenburger Landes ist die Oldenburgische Landschaft zuständig, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Oldenburg. Sie gehört für das Kreisgebiet außerdem der Sektion Ost des Interfriesischen Rates an. Eine Online-Bürgerbeteiligung gab es unter dem Namen LiquidFriesland: Die Software LiquidFeedback wurde am 9. November 2012 freigeschaltet, die kaum genutzte Plattform Ende April 2016 beendet und im Dezember 2016 durch eine überarbeitete Plattform ersetzt, über die Bürger Anregungen direkt an den Kreis senden können.
Die Bahnstrecke Wilhelmshaven–Oldenburg verbindet seit 1867 über Sande und Varel Wilhelmshaven mit Oldenburg. Von Sande führt seit 1871 eine Strecke nach Jever und weiter in Richtung Wittmund, Esens und Norden. Die Wangerooger Inselbahn wurde 1897 als meterspurige Bahn in Betrieb genommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehr als die Hälfte des 110 km langen Personenbahnnetzes auf dem Festland stillgelegt, zuletzt 1987 die Strecke Jever–Carolinensiel–Harle. Den heutigen Personenverkehr auf dem Festland betreibt die NordWestBahn GmbH; die Deutsche Bahn ist außer bei der Wangerooger Inselbahn nicht mehr im Kreisgebiet tätig. Straßenverbindungen sind die A 29 sowie die Bundesstraßen 210, B 436 und B 437.