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Watt (Küste)
Als Watt bezeichnet man Flächen in der Gezeitenzone der Küsten, die bei Niedrigwasser trockenfallen. Dabei kann es sich um Sand-, Misch-, Schlick- oder …
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Was Watt ist und wo es vorkommt
Watt sind Flächen der Gezeitenzone an Küsten, die bei Niedrigwasser trockenfallen und bei Flut wieder überflutet werden. Dieser Wechsel geschieht innerhalb von 24 Stunden jeweils zweimal. Watt kann aus Sand, einer Mischung verschiedener Sedimente, Schlick oder Fels bestehen.
Sehr große Wattflächen an Flachküsten, die von Prielen – natürlich entstandenen Wasserläufen im Watt – durchzogen sind, bilden zusammen mit angrenzenden Bereichen wie Salzwiesen ein Wattenmeer. Watt gibt es auch an Ufern und in Seitenarmen von Flussmündungen. Ein wichtiges Beispiel ist das Wattenmeer an den Küsten der Deutschen Bucht. Es entstand in der Nacheiszeit als 10–20 m mächtiger Sedimentkörper aus Sand und Schlick, der auf älteren Glazialsedimentschichten lagert.
Tropische Küsten besitzen häufig Mangrovenwälder, können aber auch offene Wattflächen haben. In den Brack- und Süßwasserbereichen von Flussmündungen gemäßigter Zonen gibt es Watt mit ausgedehnten Schilfbeständen und wenigen Gehölzen; dies wird als Süßwasserwatt bezeichnet. Oberhalb des normalen Flutsaumes geht Watt natürlicherweise in Salzwiesen über, die nur selten überflutet werden. Mancherorts schließt sich ein Strand an. Durch Landgewinnung versucht man teilweise, Watt zunächst in Salzwiesen und später in Marschland umzuwandeln.
Sedimentwatt und seine Eigenschaften
Sedimentwatten entstehen, wenn Schwebstoffe, die Flüsse ins Meer transportieren, sich in der Gezeitenzone ablagern. Ihre Form hängt vor allem von der Korngröße der Sedimente ab. Allen Sedimentwatten gemeinsam ist ein Feinsandanteil mit Korngrößen von 0,063–0,125 Millimeter von 40–60 %. Die Unterscheidung zwischen Sandwatt und Schlickwatt richtet sich nach dem Anteil von Schluff und Ton; beide gehören zu Sedimenten mit Korngrößen unter 0,063 mm. Sandbänke zählen nicht zum eigentlichen Watt, weil ihr Anteil an gröberem Sand mit 0,2 mm Korngröße vergleichsweise hoch ist.
Sandwatt ist bei Niedrigwasser meist fester, Schlickwatt gewöhnlich nachgiebiger. Das gilt aber nicht ausnahmslos: Auch Sandwatt kann als Treibsand sehr weich sein und große Einsinktiefen erlauben, während Schlickwatt fest und widerständig sein kann. Entscheidend ist die Wassersättigung des Sediments: Je mehr Wasser sich in seinen Poren befindet, desto instabiler ist der Untergrund.
In der Bodenkunde werden Wattsedimente den semisubhydrischen Böden zugeordnet. Der entsprechende Bodentyp heißt in Deutschland ebenfalls Watt.
Sandwatt, Mischwatt und Schlickwatt
Sandwatt enthält weniger als 10 % Schluff und Ton. Es besitzt nur wenig organische Substanz und Wasser. Wellen und Wind wirken hier besonders stark, sodass das Sediment erheblich umgelagert wird. Deshalb ist Sandwatt der sauerstoffreichste Watt-Typ.
Mischwatt enthält 10–50 % Ton- und Schluffanteile. Es liegt in geschützten Bereichen nahe dem Festland, auf Wasserscheiden und teilweise im Schutz großer Inseln vor der Brandung.
Schlickwatt enthält mehr als 50 % Ton und Schluff. Es entsteht besonders an geschützten Stellen, etwa in inneren Buchten oder im Windschatten von Inseln. Weil es weniger umgelagert wird als Sand- und Mischwatt, ist es besonders sauerstoffarm. Dort findet vor allem Biodeposition statt, also die Ablagerung von Stoffen durch Lebewesen; dadurch entstehen nährstoffreiche Gebiete.
Schlickwatt wirkt besonders dunkel. Schon wenige Millimeter unter der Oberfläche liegt oft der Reduktionshorizont: In der sauerstoffarmen Zone reagiert Schwefelwasserstoff mit fein verteiltem Eisen zu schwarzem Eisensulfid. Tiere und Pflanzen müssen hier lange Trockenzeiten, starke Temperaturschwankungen und wenig Sauerstoff im Boden aushalten. Schlickwatt nimmt im Wattenmeer zwar den kleinsten Anteil ein, wird aber häufig wahrgenommen, weil es oft nahe der Küstenlinie liegt.
Felswatt
Felswatt unterscheidet sich grundlegend von Sedimentwatt: Es kommt überwiegend an Steilküsten statt an Flachküsten vor und entsteht durch Erosion, nicht durch Ablagerung. Es besteht aus einer Felsplattform unmittelbar vor einem Kliff. Diese wird Brandungsplattform oder Felsschorre genannt.
Die Küstenerosion greift besonders die Teile eines Kliffs oberhalb des mittleren Wasserstandes an; tiefer gelegene Teile sind den Wellen weniger stark ausgesetzt. Dadurch bildet die Brandung eine fast ebene, leicht seewärts geneigte Felsfläche. Sie ist der verbliebene „Stumpf“ des bereits abgetragenen Kliffs. Bei ausgeprägten Gezeiten fällt ihr landwärtiger Teil bei Niedrigwasser trocken: Er ist das Felswatt.
Brandungsplattformen entstehen nur an Kliffküsten mit ausreichend erosionsbeständigem Gestein, zum Beispiel Granit sowie bestimmten Sand- und Kalksteintypen. Solche Küstenabschnitte bilden meist Landspitzen oder Kaps. Tonstein oder Mergel sind dagegen zu erosionsanfällig; dort kann sich keine Brandungsplattform ausbilden. Diese Abschnitte bilden eher Buchten, in deren ruhigerem Wasser sich Sedimente sammeln und Strände entstehen können. In Mitteleuropa gibt es Felswatt beispielsweise bei Helgoland.
Watt als Lebensraum
Watt gehört zur Gezeitenzone, auch Eulitoral oder Intertidal genannt. Pflanzen und Tiere müssen an den ständigen Wechsel zwischen Ebbe und Flut angepasst sein. Dabei unterscheiden sich Sedimentwatt und Felswatt deutlich.
In Sand-, Misch- und Schlickwatt leben viele Tiere eingegraben im Sediment. Einige, etwa die Strandkrabbe, verbergen sich dort nur während der Niedrigwasserphase. Andere leben dauerhaft im Boden, zum Beispiel Herzmuscheln und Wattwürmer.
Im Felswatt sind viele Arten an felsige Oberflächen angepasst. Napfschnecken weiden Cyanobakterienrasen von Felsen ab. Seepocken heften sich fest und filtrieren nährstoffreiche Partikel aus dem Meerwasser. Napfschnecken und Seepocken schützen sich vor Austrocknung, indem sie Meerwasser in ihrem Gehäuse zurückhalten.
Andere Tiere überdauern Niedrigwasser in Gezeitentümpeln. Das sind Vertiefungen in der Brandungsplattform, darunter auch Strudeltöpfe, in denen Wasser stehen bleibt. Seeigel und Seesterne suchen solche Tümpel bei Niedrigwasser auf; Seeanemonen nutzen sie sogar als festen Siedlungsraum. Auch zahlreiche Algenarten leben im Felswatt.
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