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Orthoptische Kurve

Orthoptische Kurve einer Parabel ; y = a x 2 {\displaystyle y=ax^{2}} {\displaystyle y=ax^{2}} beschreiben. Die Steigung in einem Parabelpunkt ; ( x , a x 2 ) {\ …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Überblick
  2. 2. Orthoptische Kurve der Parabel
  3. 3. Ellipse und Hyperbel
  4. 4. Orthoptische Kurve der Astroide
  5. 5. Gleichungen der isoptischen Kurven
  6. 6. Herleitung der Isoptischen

Definition und Überblick

Die orthoptische Kurve einer ebenen Kurve k ist der geometrische Ort aller Schnittpunkte orthogonaler Tangenten von k. Orthogonal bedeutet, dass sich die Tangenten unter einem Winkel von 90° schneiden. Die orthoptische Kurve beschreibt somit alle Punkte, von denen aus die ursprüngliche Kurve durch zwei sich rechtwinklig schneidende Tangenten berührt werden kann.

Wichtige Beispiele sind:

  • Bei einer Parabel ist die orthoptische Kurve ihre Leitlinie.
  • Bei der Ellipse x²/a² + y²/b² = 1 ist sie der Kreis x² + y² = a² + b².
  • Bei der Hyperbel x²/a² − y²/b² = 1 mit a > b ist sie der Kreis x² + y² = a² − b². Für a ≤ b gibt es keine orthogonalen Tangenten.
  • Bei der Astroide x²ᐟ³ + y²ᐟ³ = 1 ist sie ein Vierblatt, auch Quadrifolium genannt, mit r = 1/√2 · cos(2φ), 0 ≤ φ < 2π.

Eine isoptische Kurve verallgemeinert die Orthoptische: Sie ist der geometrische Ort aller Schnittpunkte von Tangenten, die sich unter einem festen Winkel schneiden. Das gilt auch für Tangenten zweier ebener Kurven k₁ und k₂. Der Thaleskreis über einer Strecke P₁P₂ kann als orthoptische Kurve zweier zu P₁ und P₂ degenerierter Kreise aufgefasst werden.

Orthoptische Kurve der Parabel

Durch geeignete Verschiebung und Drehung lässt sich jede Parabel als y = ax² darstellen. Im Punkt (x, ax²) beträgt die Tangentensteigung m = 2ax. Mit x = m/(2a) erhält man die Parameterdarstellung der Parabel nach der Tangentensteigung:

(x, y) = (m/(2a), m²/(4a)).

Die Tangente mit Steigung m lautet y = mx − m²/(4a). Für einen Punkt (x₀, y₀) auf einer solchen Tangente gilt daher

y₀ = mx₀ − m²/(4a),

also

m² − 4ax₀m + 4ay₀ = 0.

Die beiden Lösungen m₁ und m₂ sind die Steigungen der beiden Tangenten durch (x₀, y₀). Nach dem Satz von Vieta ist ihr Produkt gleich dem Absolutglied: m₁m₂ = 4ay₀. Bei orthogonalen Geraden muss das Steigungsprodukt −1 sein. Deshalb gilt

4ay₀ = −1 beziehungsweise y₀ = −1/(4a).

Diese Gleichung beschreibt die Leitlinie der Parabel. Die Leitlinie ist somit ihre orthoptische Kurve.

Ellipse und Hyperbel

Für die Ellipse E: x²/a² + y²/b² = 1 liegen die vier Schnittpunkte der senkrechten Tangenten durch die Hauptscheitel (±a, 0) und der waagrechten Tangenten durch die Nebenscheitel (0, ±b) bei (±a, ±b). Sie liegen auf einem Kreis um den Ursprung mit Radius √(a² + b²).

Für einen Ellipsenpunkt (u, v) lautet die Tangente in Normalform u/a² · x + v/b² · y = 1. Als Funktion y = mx + n hat sie die Parameter

m = −b²u/(a²v), n = b²/v.

Wegen der Punktsymmetrie gibt es zu jeder Steigung m zwei parallele Tangenten, deren Achsenabschnitte sich nur im Vorzeichen unterscheiden. Daraus folgt für nicht senkrechte Tangenten die Hauptform

y = mx ± √(m²a² + b²).

Für einen Punkt (x₀, y₀) ergeben sich die beiden Tangentensteigungen aus

m² − [2x₀y₀/(x₀² − a²)]m + (y₀² − b²)/(x₀² − a²) = 0.

Nach Vieta ist ihr Produkt (y₀² − b²)/(x₀² − a²). Orthogonalität verlangt, dass dieses Produkt −1 ist. Daraus folgt x₀² + y₀² = a² + b². Die orthoptische Kurve der Ellipse ist daher der Kreis um den Ursprung mit Radius √(a² + b²). Von jedem Punkt dieses Kreises aus erscheint die Ellipse unter einem Öffnungswinkel von 90°.

Für die Hyperbel x²/a² − y²/b² = 1 wird im Wesentlichen b² durch −b² ersetzt; zusätzlich gilt für die Tangentensteigungen |m| > b/a. Die orthogonalen Tangentenschnittpunkte liegen auf dem Kreis mit Radius √(a² − b²). Dafür muss a > b sein.

Orthoptische Kurve der Astroide

Die Astroide wird parametrisch beschrieben durch

c⃗(t) = (cos³t, sin³t), 0 ≤ t < 2π.

Die Tangentenrichtung ist durch c⃗˙(t) gegeben. Orthogonale Tangenten werden über die Bedingung c⃗˙(t) · c⃗˙(t + α) = 0 bestimmt. Unabhängig von t ergibt sich α = ±π/2.

Die beiden entsprechenden Tangenten lauten

y = −tan t(x − cos³t) + sin³t

und

y = 1/tan t(x + sin³t) + cos³t.

Ihr Schnittpunkt hat die Koordinaten

x = sin t cos t(sin t − cos t),

y = sin t cos t(sin t + cos t).

Diese Gleichungen sind zugleich eine Parameterdarstellung der orthoptischen Kurve. Nach Eliminierung des Parameters erhält man

2(x² + y²)³ − (x² − y²)² = 0.

Mit φ = t − 5π/4 kann die Kurve auch in der Form

x = 1/√2 · cos(2φ) cos φ, y = 1/√2 · cos(2φ) sin φ

geschrieben werden. Daraus folgt die Polardarstellung r = 1/√2 · cos(2φ), 0 ≤ φ < 2π. Die Kurve ist ein Vierblatt beziehungsweise Quadrifolium.

Gleichungen der isoptischen Kurven

Für einen festen Schnittwinkel α ≠ 90° heißen die zugehörigen Kurven α-isoptische Kurven. Bei der Parabel y = ax² sind sie die beiden Äste der Hyperbel

x² − tan²α · (y + 1/(4a))² − y/a = 0.

Die beiden Äste entsprechen den Winkeln α und 180° − α.

Für die Ellipse x²/a² + y²/b² = 1 sind die α-isoptischen Kurven Teile der Kurve 4. Grades

tan²α · (x² + y² − a² − b²)² = 4(a²y² + b²x² − a²b²).

Für die Hyperbel x²/a² − y²/b² = 1 lauten sie als Teile der Kurve 4. Grades

tan²α · (x² + y² − a² + b²)² = 4(a²y² − b²x² + a²b²).

Die isoptischen Kurven von Ellipse und Hyperbel sind spirische Kurven.

Herleitung der Isoptischen

Für die Parabel kann man die Tangenten durch ihre Steigungen parametrisieren:

c⃗(m) = (m/(2a), m²/(4a)), m ∈ ℝ,

y = mx − m²/(4a).

Für einen Punkt (x₀, y₀) erfüllen die beiden Tangentensteigungen m₁ und m₂ die quadratische Gleichung m² − 4ax₀m + 4ay₀ = 0. Der Winkel zwischen zwei Geraden mit Steigungen m₁ und m₂ erfüllt

tan²α = ((m₁ − m₂)/(1 + m₁m₂))².

Setzt man die Lösungen der quadratischen Gleichung in diese Beziehung ein und beseitigt die Nenner, erhält man

x₀² − tan²α · (y₀ + 1/(4a))² − y₀/a = 0.

Das ist die angegebene Hyperbelgleichung der beiden isoptischen Kurven.

Bei der Ellipse beginnt die Rechnung mit der quadratischen Gleichung

m² − [2x₀y₀/(x₀² − a²)]m + (y₀² − b²)/(x₀² − a²) = 0.

Wie bei der Parabel setzt man die beiden Lösungen in tan²α = ((m₁ − m₂)/(1 + m₁m₂))² ein. Nach dem Beseitigen der Nenner ergibt sich

tan²α · (x₀² + y₀² − a² − b²)² = 4(a²y₀² + b²x₀² − a²b²).

Der Hyperbelfall folgt durch die Ersetzung von b² durch −b². Für α = 90° geht die Betrachtung in die orthoptischen Kurven über.

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