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Madrid
Madrid · Inhaltsverzeichnis · Geographie und Klima · Geschichte · Bevölkerung · Politik und Verwaltung · Kultur und Sehenswürdigkeiten · Wirtschaft und Infrastruktur.
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Hauptstadt, Lage und Klima
Madrid ist die Hauptstadt Spaniens und der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Die Stadt ist seit Jahrhunderten das geografische, politische und kulturelle Zentrum des Landes sowie Sitz der spanischen Regierung, des Königs, eines Erzbischofs und wichtiger Verwaltungs- und Militärbehörden. Mit 3.506.730 Einwohnern auf 605,77 km² und einer Bevölkerungsdichte von 5.789 Einwohnern je km² (Stand: 2025) ist Madrid ohne Vororte nach Berlin die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union und die größte Stadt Südeuropas. In der Metropolregion leben etwa sieben Millionen Menschen.
Madrid liegt im Zentrum Spaniens in der historischen Landschaft Kastilien und wird vom kleinen Fluss Manzanares durchflossen. Die Stadt befindet sich auf der Meseta, der kastilischen Hochebene, in 657 m Höhe. Damit ist sie die höchstgelegene Hauptstadt der Europäischen Union und nach Andorra la Vella die zweithöchstgelegene Hauptstadt Europas. Nordwestlich erhebt sich die Sierra de Guadarrama mit dem 2.429 m hohen Peñalara. Rund 70 km südlich liegt Toledo am Tajo.
Wegen der Höhenlage und des kontinentalen Klimas sind die Sommer heiß und trocken, die Winter deutlich kälter als in den Städten am Mittelmeer. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 14,7 °C; im Januar werden durchschnittlich etwa 6,1 bis 6,2 °C und im Juli etwa 24,2 bis 24,8 °C erreicht. Jährlich fallen im Mittel 433 mm Niederschlag. Nachtfröste sind häufig, Schnee fällt fast jeden Winter sporadisch. Besonders starke Schneefälle gab es im März 1971, Februar 1984 und Januar 2021.
Historische Entwicklung
Madrid ist spätestens seit dem 9. Jahrhundert belegt. Nach 854 ließ der Emir Muhammad, der von 852 bis 886 regierte, an der Stelle der heutigen Almudena-Kathedrale eine maurische Festung errichten. 1083 eroberte das Königreich Kastilien Madrid während der Reconquista, der christlichen Rückeroberung der Iberischen Halbinsel. Eine Belagerung durch den Almoravidenherrscher Ali ibn Yusuf scheiterte 1109. Teile der maurischen Stadtmauer sind erhalten. Ob damals bereits eine städtische Siedlung bestand, ist umstritten: Ausgrabungen fanden als älteste Wohngebäude Reste aus dem 12. Jahrhundert; andere Funde wie Brunnen, Silos und eine Kanalisation sprechen nach anderer Auffassung für eine Ansiedlung in der Umayyadenzeit. 1309 trat die kastilische Ständeversammlung erstmals in Madrid zusammen.
1561 verlegte Philipp II. den königlichen Hof von Valladolid nach Madrid. Damit begann der Aufstieg zur faktischen Hauptstadt Spaniens; lediglich von 1601 bis 1606 befand sich der Hof nochmals in Valladolid. Unter den Habsburgern entstanden unter anderem die Puerta del Sol, die Plaza Mayor und die Plaza de la Villa. Im Spanischen Erbfolgekrieg, der 1701 begann, wurde Madrid 1706 englisch-portugiesisch besetzt. Seit 1714 herrschten die Bourbonen. Sie ließen den heutigen Königspalast errichten; besonders Karl III. modernisierte Straßen, Plätze, Parks, Wasserversorgung und öffentliche Gebäude.
Von 1808 bis 1813 war Madrid von Frankreich besetzt, und Joseph Bonaparte wurde zum König ernannt. Der blutig niedergeschlagene Aufstand vom 2. Mai 1808 löste weitere Erhebungen aus; der 2. Mai ist heute ein arbeitsfreier Stadtfeiertag. Zwischen 1833 und 1876 fanden die drei Karlistenkriege statt, während Madrid auch von einer Choleraepidemie betroffen war. 1873 wurde die Erste Republik ausgerufen.
Am 14. April 1931 wurde in Madrid die Zweite Republik verkündet. Während des Spanischen Bürgerkriegs blieb die Stadt bis zum 28. März 1939 republikanisch und erlitt durch deutsche und italienische Bombardements schwere Schäden. Unter Francisco Franco prägte die Diktatur bis 1975 Architektur, Wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Plan de Estabilización von 1959 förderte den Hochhausbau. Zwischen 1900 und 1980 stieg die Einwohnerzahl durch starke Landflucht von etwa 500.000 auf ungefähr drei Millionen. Madrid war zugleich ein Zentrum des studentischen Widerstands; von 1965 bis 1973 kam es zu zahlreichen Streiks und Protesten.
Nach Francos Tod 1975 leitete König Juan Carlos I. die Demokratisierung, die Transición, ein. Ein Putschversuch am 23. Februar 1981 scheiterte; anschließend demonstrierten in Madrid mehr als eine Million Menschen für die Demokratie. Die Movida madrileña wurde zum Ausdruck der neu gewonnenen kulturellen Freiheit. 1992 war Madrid Kulturstadt Europas, 1993 wurde die Almudena-Kathedrale fertiggestellt. Bei islamistischen Anschlägen auf vier Nahverkehrszüge und den Bahnhof Atocha starben am 11. März 2004 insgesamt 191 Menschen. Nach der Finanzkrise und dem Platzen der Immobilienblase 2007 entstand aus Protesten gegen den Sparkurs das Bündnis Podemos; Manuela Carmena war von 2015 bis 2019 Bürgermeisterin.
Bevölkerung und politische Gliederung
Seit Madrid im 16. Jahrhundert Hauptstadt wurde, wuchs seine Bevölkerung langfristig stark. Sie stieg von 510.616 Einwohnern im Jahr 1897 auf 3.120.941 im Jahr 1970 und erreichte damit bereits in den 1970er-Jahren ungefähr das heutige Niveau. Nach 3.158.818 Einwohnern im Jahr 1981 sank die Zahl 1991 auf 2.909.792, bevor sie wieder zunahm: 2022 lebten 3.280.782 und 2025 insgesamt 3.506.730 Menschen in der Stadt. Die Einwohner heißen Madrilenen beziehungsweise spanisch madrileños.
Die Bevölkerung ist mehrheitlich römisch-katholisch. Einer Umfrage von 2019 zufolge bezeichneten sich 67 Prozent als katholisch, wobei die Mehrheit ihren Glauben nicht aktiv praktizierte. Weitere 4 Prozent gehörten einer anderen Religion an, 15 Prozent waren agnostisch oder nicht gläubig und 13 Prozent atheistisch.
Madrid ist in 21 Stadtbezirke, die distritos, und 131 Stadtteile, die barrios, gegliedert. Zu den Bezirken gehören unter anderem Centro, Retiro, Salamanca, Chamartín, Chamberí, Moncloa-Aravaca, Carabanchel, Hortaleza und Barajas. Das Stadtwappen zeigt in einem silbernen Feld einen schwarzen Bären, der sich an einem Erdbeerbaum mit roten Früchten aufrichtet. Den blauen Rand schmücken sieben silberne sechszackige Sterne; über dem Schild steht eine goldene Krone.
Seit Juni 2019 ist José Luis Martínez-Almeida von der Partido Popular Bürgermeister. Bei der Stadtratswahl 2023 erhielt die PP 29 der insgesamt 57 Sitze. Más Madrid bekam 12, die PSOE 11 und VOX 5 Sitze.
Kultur, Stadtbild und Sport
Madrid besitzt zahlreiche Museen, Theater, historische Bauwerke, moderne Hochhäuser, Plätze und Parks. Zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten gehören der Palacio Real, die Almudena-Kathedrale, die Puerta de Alcalá, der Palacio de Cibeles, der Bahnhof Atocha, der Parque del Buen Retiro, der Tempel von Debod, das Teatro Real und das Estadio Santiago Bernabéu.
Die Plaza Mayor wurde im 15. Jahrhundert als Marktplatz angelegt. Sie ist ein rechteckiger, geschlossen bebauter und autofreier Platz in der Altstadt, auf dem häufig Konzerte stattfinden. An der Puerta del Sol befindet sich der Kilómetro Cero, der traditionelle Ausgangspunkt der sechs radialen Nationalstraßen. Die Plaza de Cibeles vereint den Kybelebrunnen, den Palacio de Comunicaciones und die Banco de España; Real Madrid feiert dort seine Meisterschaften. Weitere bedeutende Plätze sind die Plaza de Oriente, Plaza de Colón, Plaza de España und Plaza de Castilla.
Am Paseo del Prado bilden das Museo del Prado, das Museo Reina Sofía und das Museo Thyssen-Bornemisza das sogenannte Museumsdreieck. Das Gebiet wurde 2021 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Der Prado besitzt eine herausragende Sammlung spanischer Malerei vor 1900, darunter Werke von El Greco, Velázquez und Goya, sowie bedeutende europäische Kunst. Das Reina Sofía konzentriert sich auf moderne Kunst ab dem 20. Jahrhundert und zeigt unter anderem Pablo Picassos „Guernica“. Das Thyssen-Bornemisza umfasst Werke seit dem 14. Jahrhundert. Weitere wichtige Einrichtungen sind das Archäologische Nationalmuseum und die 2023 eröffnete Galerie der königlichen Sammlungen.
Die zentrale Straßenachse besteht aus Paseo del Prado, Paseo de Recoletos und Paseo de la Castellana. Letzterer führt etwa 5,42 km nach Norden und steht mit seinen Hochhäusern für das moderne Madrid. Die Calle de Alcalá verbindet die Puerta del Sol mit der Richtung Alcalá de Henares. An der Gran Vía befinden sich Kinos, Geschäfte und die Zentrale von Telefónica. Die Calle Huertas im Literatenviertel erinnert an Schriftsteller des „Goldenen Jahrhunderts“ und ist heute Teil eines Ausgehviertels.
Im Sport ist Madrid besonders durch Fußball bekannt. Real Madrid, Atlético Madrid und Rayo Vallecano spielen in der Primera División. Real Madrid Baloncesto gehört zur höchsten spanischen Basketballliga. Weitere wichtige Veranstaltungen sind der seit 1965 ausgetragene Silvesterlauf San Silvestre Vallecana, der Madrid-Marathon und das seit 2002 veranstaltete Madrid Masters im Tennis. 1982 wurde Italien in Madrid Fußballweltmeister. Bewerbungen um die Olympischen Sommerspiele 1972, 2012, 2016 und 2020 blieben erfolglos.
Wirtschaft und Verkehr
Madrid ist Spaniens führender Wirtschafts- und Industriestandort sowie ein Handels- und Finanzzentrum von nationaler und internationaler Bedeutung. Die Region erzeugt 17,7 Prozent des spanischen Bruttosozialprodukts. Mehr als 78 Prozent des regionalen Bruttoinlandsprodukts entstehen im Dienstleistungssektor. Daneben gibt es Flugzeug-, Fahrzeug-, Textil-, Chemie- und Nahrungsmittelindustrie. Viele Banken, Versicherungen, ausländische Unternehmen und die Bolsas y Mercados Españoles mit der Madrider Börse haben hier ihren Sitz. Einer Studie zufolge erwirtschaftete der Großraum 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 262,3 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftbereinigung und belegte damit weltweit Rang 42. Als Finanzzentrum lag Madrid 2018 auf Rang 41.
Madrid ist der größte Verkehrs- und Eisenbahnknotenpunkt Spaniens. Die wichtigsten Personenbahnhöfe sind Atocha und Chamartín. Schnellfahrstrecken verbinden die Stadt unter anderem mit Barcelona und der französischen Grenze, Sevilla, Lissabon und Toledo. Das Metro-Netz gehört zu den größten der Welt und wird laufend erweitert. Weniger dicht bebaute Gebiete bedient die Stadtbahn Metro Ligero; die Vororte werden durch das Cercanías-Bahnnetz erschlossen.
Der internationale Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas liegt nordöstlich der Stadt und ist eine wichtige Drehscheibe für Verbindungen nach Lateinamerika. 2018 wurden dort 57,8 Millionen Passagiere gezählt. Der Flughafen besitzt vier Start- und Landebahnen mit 4.400, 4.100, 3.500 und 3.500 m Länge; die 4.400-m-Bahn ist die längste Europas. Terminal 4 wurde 2006 eröffnet. Alle vier Terminals sind über die Metrolinie 8 erreichbar.
Bildung und überregionale Bedeutung
Madrid ist mit sechs öffentlichen Universitäten sowie weiteren Hochschulen ein bedeutendes Bildungs- und Wissenschaftszentrum. Die Universität Complutense wurde 1508 in Alcalá de Henares eröffnet und 1836 nach Madrid verlegt. Hinzu kommen unter anderem die Universidad Comillas von 1892, die Universidad Autónoma von 1968, die Polytechnische Universität Madrid von 1971, die Universität Carlos III von 1989 und die Universidad Rey Juan Carlos von 1996. Die staatliche Fernuniversität UNED hat ebenfalls ihren Hauptsitz in Madrid. Außerdem befinden sich dort die Königlich Spanische Akademie, Akademien der Schönen Künste, Naturwissenschaften und Sprachen sowie die 1896 gegründete Deutsche Schule Madrid.
Als Hauptstadt, Bildungsstandort, Verkehrsknotenpunkt und kulturelles Zentrum wirkt Madrid weit über seine Stadtgrenzen hinaus. Bedeutende Ziele im Umland sind Alcalá de Henares, der Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial, der Palacio Real in Aranjuez sowie Toledo, Ávila und Segovia. Die zahlreichen internationalen Städtepartnerschaften, darunter mit Berlin, Paris, Rom, Lissabon, New York City und Peking, unterstreichen Madrids weltweite Verbindungen.