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Opposition und Widerstand in der DDR

Als Opposition und Widerstand in der DDR bezeichnet man die Gesamtheit verschiedener Bewegungen, die sich unter anderem aus politischen oder religiösen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Entwicklung der Opposition
  2. 2. Von offenem Widerstand zu friedlicher Opposition
  3. 3. Unterstützung und Einfluss der Bundesrepublik
  4. 4. Gruppen und Friedliche Revolution
  5. 5. Politischer Samisdat

Begriff und Entwicklung der Opposition

Opposition und Widerstand in der DDR umfasst unterschiedliche Bewegungen, die sich aus politischen oder religiösen Gründen gegen die SED-Diktatur richteten und gegen sie aktiv wurden. Bürgerrechtler forderten vor allem eine Reform des politischen Systems. Dafür riskierten sie Überwachung, „Zersetzung“ und Repressionen durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), etwa Haft oder Ausbürgerung. Daneben bestand eine starke kirchliche Opposition, die sich nach der deutschen Wiedervereinigung rasch auflöste. Wichtige Zentren waren Ost-Berlin, Leipzig und Jena.

Zur Vorgeschichte gehören die sowjetischen Speziallager in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die von 1945 bis 1950 bestanden. Schätzungen nennen 160.000 deutsche Insassen; knapp 800 Menschen wurden hingerichtet, 65.000 starben an Hunger, Kälte, Krankheiten und Misshandlungen. Knapp 12.000 wurden in den sowjetischen Gulag verschleppt und knapp 7.000 in Kriegsgefangenenlager verlegt. Bis 1955 übergaben DDR-Behörden mehrere Tausend wirkliche oder vermeintliche Gegner an die Sowjetunion. Rund 1000 wurden dort exekutiert, mehrere Tausend im Gulag inhaftiert; etwa ein Drittel überlebte die Internierungen nicht.

Hubertus Knabe unterscheidet 10 Stufen der Opposition: von „Resistenz“ bis zu aktivem Widerstand und Aufstand. Nach der erneuten Zulassung von Parteien 1945 arbeiteten Oppositionelle zunächst durch Parteiaufbau und Parlamente. Die SPD musste nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED illegal arbeiten. Durch die Gleichschaltung von Parteien und Massenorganisationen gingen zwischen 1947 und 1950 die Möglichkeiten parlamentarischer Opposition verloren.

Von offenem Widerstand zu friedlicher Opposition

Politiker wurden mundtot gemacht, gingen ins Exil oder arbeiteten illegal weiter. In den 1950er Jahren nahm der Widerstand ab. Der gescheiterte Aufstand vom 17. Juni 1953, Repressionen und die Flucht vieler Menschen aus der DDR verringerten die Hoffnung auf einen Sturz des Regimes.

Spätestens nach dem Mauerbau trat offener Widerstand zunehmend hinter friedliche Opposition zurück, die sich innerhalb der vom System gesetzten Grenzen bewegte. Die oft locker organisierten Gruppen wurden geduldet, waren aber zu bedeutenden Teilen vom MfS infiltriert, also von dessen inoffiziellen Mitarbeitern durchdrungen.

Auch die Verfolgung wandelte sich: In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren reagierten sowjetische Besatzungsmacht und DDR-Sicherheitsbehörden mit Säuberungen der Verwaltungen, zahlreichen Verhaftungen, Morden und Todesurteilen. Mit der Stabilisierung des Systems sank die Zahl politischer Gefangener; besonders drakonische Strafen wurden seltener. Gegen Personen im Widerstand konnten jedoch weiterhin lange Haftstrafen verhängt werden.

Unterstützung und Einfluss der Bundesrepublik

Im geteilten Deutschland war die Bundesrepublik für Oppositionelle ein Gegenmodell für politische und gesellschaftliche Ordnung. Westdeutsche Organisationen unterstützten den Widerstand zunächst logistisch, finanziell und organisatorisch; viele ins Exil gegangene Oppositionelle setzten ihren Kampf von dort fort. Ab Ende der 1960er Jahre nahm die öffentliche Unterstützung ab, weil Teile der Öffentlichkeit die DDR-Opposition als Hindernis für die Entspannung zwischen beiden deutschen Staaten ansahen. Die Angaben dieses Abschnitts sind im Ausgangsartikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.

Die Fluchtmöglichkeit in den Westen schwächte die Opposition zugleich personell: Wer ging, konnte seine Position nicht mehr in der DDR vertreten. Die DDR nutzte diesen Effekt gezielt; die Ausbürgerung Wolf Biermanns ist ein bekanntes Beispiel.

Beim Häftlingsfreikauf ab 1964 kaufte die Bundesrepublik insgesamt 33.755 politische Häftlinge für mehr als 3,4 Milliarden DM frei. In den Demonstrationen der 1980er Jahre hatten Westfernsehen und westdeutsche Journalisten Bedeutung: Ihre Anwesenheit konnte Sicherheitsorgane manchmal von besonders brutaler Gewalt abhalten. Westmedien wirkten außerdem als Gegenöffentlichkeit zur DDR-Propaganda, beispielsweise Radio 100 aus West-Berlin.

Gruppen und Friedliche Revolution

Ende der 1940er Jahre entstanden Widerstandsorganisationen gegen die Systeme von SBZ und DDR. Dazu gehörten spontane und lockere Gruppen wie die Belter-Gruppe sowie größere Organisationen, besonders die Ost-Büros demokratischer Parteien der Bundesrepublik und des DGB. 1950 verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal in Weimar drei Mitglieder einer Widerstandsgruppe zum Tode und ließ sie hinrichten. Mitglieder dieser Gruppe hatten Flugzettel verteilt und offizielle Radioübertragungen gestört.

Auch später bildeten sich kritische Gruppen: 1980 in Dresden der Soziale Friedensdienst (SoFd), 1981 die Initiativgruppe des Aufrufs zum 13. Februar 1982, 1985 in Berlin die Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM), 1986 in Leipzig die Arbeitsgruppe Menschenrechte und 1987 der Arbeitskreis Gerechtigkeit Leipzig. Aus diesem ging der DDR-weite Leipziger Sonnabendskreis hervor.

Opposition zeigte sich auch in Literatur, etwa in Monika Marons 1981 in Westdeutschland erschienenem Roman „Flugasche“, Stefan Heyms „Schwarzenberg“ von 1984, Rudolf Bahros Essay „Die Alternative“ von 1978 und Reiner Kunzes Erzählband „Die wunderbaren Jahre“. In der heißen Phase der friedlichen Revolution 1989 wurde das Neue Forum die bekannteste alternative Parteigründung. Nach dem Sturz des SED-Regimes verloren solche zivilgesellschaftlichen Gruppen im vereinten Deutschland wieder an Bedeutung.

Politischer Samisdat

Samisdat bezeichnet von Autoren selbst herausgegebene Publikationen, die wegen ihres Inhalts oder wegen der Haltung ihrer Autoren zum politischen System nicht gedruckt werden durften. Staatliche Medienzensur verhinderte eine gewöhnliche Veröffentlichung. Teilweise wirkten jedoch Personen an oppositionellen Publikationen mit, die zugleich als inoffizielle Mitarbeiter des MfS tätig waren; Sascha Anderson wird als Beispiel genannt.

Zu den wichtigsten politischen Samisdat-Publikationen der späten DDR gehörten die „Umweltblätter“ der Umwelt-Bibliothek in der Berliner Zionskirchgemeinde. Im Herbst 1989 wurden sie in „Telegraph“ umbenannt. Die Samaritergemeinde verbreitete außerdem „Wendezeit“, „Schalom“ und „Wegzehrung“ aus der Friedrichshainer Friedens-, Menschenrechts- und Bürgerbewegung um Rainer Eppelmann und Thomas Welz.

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