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Alexanderplatz-Demonstration

Die Alexanderplatz-Demonstration war die größte nicht staatlich gelenkte Demonstration in der Geschichte der DDR. Die Demonstration fand am Samstag, dem 4 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ziele
  2. 2. Entstehung und Genehmigung
  3. 3. Verlauf und Kundgebung
  4. 4. Gewaltfreiheit und staatliche Reaktion
  5. 5. Wirkung und Erinnerung

Bedeutung und Ziele

Die Alexanderplatz-Demonstration war am Samstag, dem 4. November 1989, die größte nicht staatlich gelenkte Demonstration in der Geschichte der DDR. Sie fand in Ost-Berlin statt und war die erste offiziell genehmigte Demonstration der DDR, die nicht vom Machtapparat ausgerichtet wurde. Organisiert wurde sie von Mitarbeitern mehrerer Ost-Berliner Theater.

Die Demonstrierenden wandten sich gegen Gewalt und forderten verfassungsmäßige Rechte sowie Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die Veranstaltung gilt als Meilenstein der friedlichen Revolution in der DDR. Die Teilnehmerzahl ist umstritten: Veranstalter nannten 500.000 bis eine Million Menschen und leiteten eine Million aus Luftbildern ab; der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk hält aus logistischen Gründen höchstens 200.000 Teilnehmer für möglich.

Entstehung und Genehmigung

Die Initiative entstand ab Mitte Oktober 1989 bei Schauspielern und Beschäftigten Ost-Berliner Theater. Auslöser waren Übergriffe von Volkspolizei und Stasi gegen Demonstranten während der Feiern zum 40. Jahrestag der DDR.

Am 15. Oktober trafen sich 800 Theaterleute in Berlin. Jutta Wachowiak schlug als Erste eine Demonstration für eine demokratische DDR vor; die Anregung dazu war vom Neuen Forum gekommen. Am 17. Oktober beantragte eine Gruppe von Theaterleuten die Zulassung einer Demonstration für Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR. Die Genehmigung erfolgte am 26. Oktober 1989. Offizielle Veranstalter waren Künstler der Berliner Theater, der Verband der Bildenden Künstler, der Verband der Film- und Fernsehschaffenden und das Komitee für Unterhaltungskunst.

Verlauf und Kundgebung

Die Demonstration begann um 10 Uhr vor dem ADN-Gebäude an der Ecke Mollstraße/Prenzlauer Allee. Der Zug führte über die Karl-Liebknecht-Straße zum Palast der Republik, umrundete ihn über den Marx-Engels-Platz und zog dann über die Rathausstraße zum Alexanderplatz. Dort dauerte die Abschlusskundgebung mehr als drei Stunden.

Mehr als 20 Redner sprachen von einer improvisierten Holztribüne auf der Ladefläche eines W50-Pritschen-LKW vor dem Haus des Reisens. Zu ihnen gehörten Vertreter von Bürgerbewegungen wie Jens Reich vom Neuen Forum und Marianne Birthler von der Initiative Frieden und Menschenrechte, außerdem Gregor Gysi, Friedrich Schorlemmer, Christa Wolf, Stefan Heym, Heiner Müller, Lothar Bisky sowie die Schauspieler Ulrich Mühe und Jan Josef Liefers. Auch Staatsvertreter wie Manfred Gerlach, Günter Schabowski und der frühere Stasi-Generaloberst Markus Wolf traten auf; sie wurden wiederholt durch Sprechchöre und Pfeifkonzerte unterbrochen. Wolf Biermann durfte trotz Einladung nicht über den Grenzübergang Friedrichstraße einreisen.

Viele Teilnehmer trugen selbst gemalte Transparente, etwa „Wir sind keine Fans von Egon Krenz“, „Volksentscheid zum Führungsanspruch der SED“, „Freie Wahlen statt falscher Zahlen“ und „Rücktritt ist Fortschritt“. Kreativität, Ironie und Witz der Plakate waren ein besonderes Kennzeichen. Die Demonstration wurde unangekündigt live im DDR-Fernsehen übertragen.

Gewaltfreiheit und staatliche Reaktion

Volkspolizisten waren kaum sichtbar. Künstler übernahmen freiwillig die Rolle von Ordnern und trugen farbige Schärpen mit der Aufschrift „Keine Gewalt“. Gleichzeitig standen Ost-Berliner Grenztruppen in erhöhter Alarmbereitschaft, weil die DDR-Führung einen Durchbruch zur Berliner Mauer befürchtete. In der Nacht vom 3. auf den 4. November verlegte sie außerdem NVA-Soldaten der 1. MSD in vierzehn Hundertschaften nach Ost-Berlin; sie blieben während der Demonstration gedeckt in Bereitschaft.

Wirkung und Erinnerung

In der Nachrichtensendung Aktuelle Kamera erklärte Bernd Niestroj am 4. November 1989, das Volk habe seine Sprachlosigkeit überwunden; Journalisten hätten durch dessen Stimme zu ihrem Beruf zurückgefunden. Ein großer Teil der Transparente wurde nach der Demonstration gesammelt und 1994 dem Deutschen Historischen Museum Berlin übergeben.

Zum zehnjährigen Jubiläum fanden im November 1999 in Berlin Ausstellungen, Diskussionen und künstlerische Aktionen unter dem Motto „Wir waren das Volk.“ statt. Das Haus des Lehrers erhielt dafür ein acht Stockwerke hohes Transparent. Kowalczuk bewertet die historische Bedeutung als hoch: Viele bekannte Persönlichkeiten kamen zu Wort, und die Übertragung durch DDR-Massenmedien verschaffte der Demonstration eine große Breitenwirkung.

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