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Opportunitätskosten

Opportunitätskosten gehören zu den Zusatzkosten, weil ihnen kein Aufwand zugrunde liegt. Sie sind damit kalkulatorische Kosten (kalkulatorische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Arten und Berechnung
  3. 3. Opportunitätskosten in der Volkswirtschaftslehre
  4. 4. Typische Beispiele
  5. 5. Betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte

Grundbegriff und Bedeutung

Opportunitätskosten (englisch: opportunity cost) sind entgangener Gewinn oder entgangener Nutzen, der entsteht, weil bei einer Entscheidung nicht die beste Alternative gewählt wird. Sie sind keine echten Kosten im Sinne der Kostenrechnung. Je nach Ziel der handelnden Einheit beziehen sie sich auf unterschiedliche Größen: Bei Unternehmen sind es bei Gewinnmaximierung entgangene Gewinne, bei Umsatzmaximierung entgangene Umsatzerlöse. Bei Privathaushalten richten sie sich nach persönlichen Zielen, beim Staat nach den Staatszielen. Der Gegensatz zu Opportunitätskosten sind Opportunitätserlöse.

Unternehmen tragen Opportunitätskosten insbesondere dann, wenn ein knapper Produktionsfaktor, etwa Geld, Arbeitszeit, Maschinen oder Material, nicht mehr für eine andere Verwendung verfügbar ist. Allgemein bilden Opportunitätskosten vollständig oder teilweise entgangene Erträge, Gewinne oder Nutzen ab. Eine Entscheidung gilt im Umkehrschluss als optimal, wenn die Opportunitätskosten der nicht gewählten Alternativen geringer sind als der Gewinn oder Nutzen der gewählten Alternative. Der Begriff wurde bereits 1894 als verlorener Zahlungseingang durch die Verwendung eines Produktionsfaktors für einen anderen Zweck eingeführt.

Arten und Berechnung

Nach ihrer Beziehung zum Produktionsprozess werden inputbezogene und outputbezogene Opportunitätskosten unterschieden.

Inputbezogene Opportunitätskosten werden ermittelt, indem der Deckungsbeitrag des produzierten Gutes auf einen Inputfaktor wie Arbeitsstunden, Stück oder Tonnen bezogen wird. Das Ergebnis ist der relative Deckungsbeitrag. Möglich sind auch Vergleiche anhand entgangener Kundenakquise, Marktanteile oder Umsätze. In der Praxis hat sich jedoch vor allem die Bewertung anhand entgangener Stückdeckungsbeiträge durchgesetzt, weil diese leichter vergleichbar sind.

Outputbezogene Opportunitätskosten sind entgangene Deckungsbeiträge, die auf den Output, also das Produktionsergebnis, und nicht auf den eingesetzten Faktor bezogen werden. Dabei unterscheidet man:

  • Alternativkosten: Sie messen die Abweichung von der nächstbesten Alternative und können zum Vergleich verschiedener Produktionsprogramme dienen.
  • Optimalkosten: Sie messen die Abweichung der gewählten Alternative von der optimalen Verwendung beziehungsweise vom optimalen Produktionsprogramm.

Das Konzept ermöglicht meist erst nach einer Entscheidung eine Bewertung der Alternativen. Es lässt daher im Allgemeinen nur eine Ex-post-Analyse zu.

Opportunitätskosten in der Volkswirtschaftslehre

Erreicht eine Volkswirtschaft ihre Kapazitätsgrenze, kann sie von einer Gütergruppe nur mehr produzieren, wenn sie auf eine bestimmte Menge anderer Güter verzichtet. Das Verhältnis der Verringerung der Menge von Gut A zur Erhöhung der Menge von Gut B wird als Opportunitätskosten Oₖ bezeichnet:

Oₖ = Verringerung der Menge von Gut A / Erhöhung der Menge von Gut B.

Das Gesetz der zunehmenden Opportunitätskosten besagt, dass bei einer fortgesetzten Ausdehnung der Produktion eines Gutes um jeweils eine infinitesimal kleine Einheit immer mehr Einheiten alternativer Güter aufgegeben werden müssen. Soll beispielsweise bei Vollbeschäftigung mehr Kleidung als Nahrung hergestellt werden, müssen zunehmend Arbeitskräfte und Maschinen aus der Nahrungsmittelindustrie abgezogen werden. Dabei können die Qualifikation des Personals und die Eignung des Sachkapitals Engpässe darstellen.

Typische Beispiele

In Unternehmen entstehen Opportunitätskosten beispielsweise, wenn wegen Geldmangels eine günstigere Erweiterungsinvestition statt einer besseren Alternative gewählt wird. Der entgangene Gewinn der besseren Alternative gilt dann als Opportunitätskosten. Bringt ein Unternehmer Eigenkapital in sein Unternehmen ein, zählen außerdem die entgangenen Erträge einer alternativen Geldanlage als Opportunitätskosten.

In der Volkswirtschaftslehre beschreibt der komparative Kostenvorteil die Fähigkeit eines Staates oder einer Region, ein Gut zu geringeren Alternativkosten als andere Staaten oder Regionen zu produzieren. Auch eine staatliche Einsparpolitik kann Opportunitätskosten verursachen, wenn dadurch Chancen zur kurzfristigen Konjunkturstärkung oder zur mittelfristigen Verbesserung des Wirtschaftswachstums und mögliche Steuereinnahmen entfallen.

Bei Privathaushalten entsteht ein typischer Zielkonflikt zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Teilzeitarbeit erhöht zwar die Freizeit, senkt aber das Arbeitsentgelt; diese Einkommensminderung ist eine Opportunitätskosten. Wird die Arbeitszeit erhöht, besteht der entgangene Nutzen in einem geringeren Freizeitwert. Aus Sicht des Arbeitnehmers sind Opportunitätskosten daher der Disnutzen des Arbeitsleids.

Betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte

In der Volkswirtschaftslehre sind Opportunitätskosten besonders bei Kostenvorteilen und der Faktorallokation wichtig. Wird innerhalb einer gegebenen Produktionsstruktur ein kostengünstigeres Substitutionsgut anstelle eines kostengünstigeren Gutes eingesetzt, müssen die dabei entstehenden Alternativen berücksichtigt werden. Das Konzept steht unter anderem mit der Transformationskurve und dem entgangenen Nutzen in Verbindung. Opportunitätskosten können außerdem als Summe expliziter Kosten, also tatsächlicher Kosten, und impliziter Kosten verstanden werden. Implizite Kosten sind theoretisch mögliche Einnahmen, die bei einer anderen Tätigkeit in derselben Zeit erzielt werden könnten.

Sie entstehen in der Betriebswirtschaftslehre nicht nur durch eigene Entscheidungen. Auch Dritte können auf Investitionen oder Verträge einwirken, etwa durch die Kündigung eines Vertragspartners oder die Stilllegung eines Betriebs durch den Staat. Sind Vertragsstrafen oder Entschädigungen niedriger als die ursprünglich erwarteten Gewinne, entstehen ebenfalls Opportunitätskosten.

Opportunitätskosten gehören zu den Zusatzkosten, weil ihnen kein Aufwand zugrunde liegt. Sie sind kalkulatorische Kosten, etwa kalkulatorische Abschreibungen, kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung, kalkulatorische Mieten und Pachten, ein kalkulatorischer Unternehmerlohn oder kalkulatorische Wagnisse. Sie fallen nur bei knappen Produktionsfaktoren an; bei nicht knappen Faktoren sind sie gleich null. Wegen ihrer schwierigen Ermittlung haben sie eher theoretische als praktische Bedeutung. Beispiele für ihre Anwendung sind Entscheidungen über Zusatzaufträge, die Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms, opportunitätskostenorientierte Marktpreise und die Investitionsrechnung. Dort bezeichnet der opportunity cost of capital den Zinssatz, der mit einer vergleichbaren Alternativinvestition erzielt werden könnte.

Auch in der Sozial- und Familienpolitik werden Opportunitätskosten betrachtet. Haus- und Familienarbeit, besonders Kindererziehung, kann zu entgangenem Erwerbseinkommen und einer geringeren beruflichen Karriereentwicklung führen. Genannt werden außerdem der Verlust rentenrechtlicher Ansprüche, ein erhöhtes Beschäftigungsrisiko und bei längeren beruflichen Auszeiten eine Dequalifikation.

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