Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Olympische Spiele der Antike

Nach offizieller Zeitrechnung wurden Olympische Spiele (auch elische Olympien genannt) von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. abgehalten. Archäologisch nachweisen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee, Ursprung und Bedeutung
  2. 2. Teilnahme, Aufsicht und Regeln
  3. 3. Vorbereitung, Ablauf und Ehrung
  4. 4. Wettbewerbe
  5. 5. Niedergang und Ende

Grundidee, Ursprung und Bedeutung

Die Olympischen Spiele der Antike waren das bedeutendste und langlebigste Sportfest des alten Griechenlands und Teil der Panhellenischen Spiele. Sie fanden im Sommer nach jeder Olympiade, also alle vier Jahre, im Heiligen Hain von Olympia in der Landschaft Elis auf der Peloponnes statt. Sportliche Wettkämpfe waren dabei eng mit religiösen Kulthandlungen zu Ehren des Zeus verbunden.

Die offizielle Zeitrechnung setzt die Spiele von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. an. Ob sie bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. stattfanden, ist jedoch stark umstritten: Ein Kultbetrieb ist seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. belegt, athletische Wettkämpfe lassen sich archäologisch aber erst ab etwa 700 v. Chr. nachweisen. Überregionale Bedeutung erlangten die zunächst lokalen Wettbewerbe im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. Die erste bekannte Siegerliste erstellte Hippias von Elis gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr.; ihre Grundlage ist unbekannt.

Der Überlieferung zufolge regelten 776 v. Chr. Iphitos von Elis, Kleosthenes von Pisa und Lykurgos von Sparta die Spiele. Sie garantierten die heilige Waffenruhe, die Ekecheiria, damit die Athleten sicher an- und abreisen konnten. Die Heiligtümer Olympias durften ohnehin nicht bewaffnet betreten werden. Mythen schrieben die Gründung entweder Herakles oder Pelops zu.

Olympia verband Sport, Kult, Politik, Wirtschaft und Unterhaltung. Menschen aus der gesamten griechischen Welt trafen dort zusammen; Diplomaten und politische Vertreter nutzten die Spiele als Forum. Nach den Perserkriegen sollte Olympia die Eintracht der häufig zerstrittenen Griechen symbolisieren und bot auch ein Orakel und ein Schiedsgericht. Bis zu 100.000 Besucher kamen in das Heiligtum und auf die umliegenden Felder, während die Stadionhänge etwa 45.000 Zuschauer fassten. Theater, Trompeter, Jongleure und Buden verliehen der Veranstaltung zugleich Volksfestcharakter.

Teilnahme, Aufsicht und Regeln

An den eigentlichen Wettkämpfen, den Agonen, durften nur freie Männer teilnehmen, die Vollbürger, von ehrlicher Geburt, ohne Blutschuld und keines Verbrechens schuldig waren. Als Zuschauer waren freie Männer und unverheiratete Frauen zugelassen. Eine Ausnahme bildete die Priesterin der Demeter, die auf der Tribüne der Kampfrichter sitzen durfte. Verheirateten Frauen und Unfreien war die Teilnahme auch als Zuschauer verboten; bei einem Verstoß drohte angeblich die Todesstrafe durch einen Sturz vom Felsen Typaion.

Frauen konnten dennoch im Wagenrennen Olympiasiegerinnen werden, weil nicht der Wagenlenker, sondern der Besitzer des Rennstalls geehrt wurde. So errang Kyniska aus Sparta zwei Olympiasiege. Für Frauen gab es außerdem die Heraia, eigene Wettkämpfe zwischen den Olympischen Spielen. Anfangs nahmen besonders sportliche freie Männer teil; später dominierten Berufssportler aus eher wohlhabenden Verhältnissen, die lange trainieren konnten.

Die Hellanodiken, die Wettkampfrichter, prüften die Teilnahmeberechtigung und überwachten Hygiene, Training und Regeln. Da Geburtsnachweise fehlten, ordneten sie Menschen und Pferde nach dem Augenschein Altersklassen zu. Athleten und Richter wurden zu Beginn vereidigt. Zeiten und Entfernungen wurden nicht gemessen: Entscheidend war allein der erste Platz.

Regelverstöße konnten zum Ausschluss und zur unehrenhaften Heimkehr führen. Möglich waren auch öffentliche Auspeitschungen oder Geldstrafen, mit denen Zeusstatuen, die Zanes, bezahlt wurden. Auf ihren Sockeln standen Name und Herkunftsort des Bestraften. Insgesamt entstanden im Lauf der Jahrhunderte nur 16 solcher Statuen. Auch Frühstarter konnten von den „Peitschenträgern“ geschlagen werden. Ein durch Regelbruch errungener Sieger behielt trotz seiner Bestrafung Titel und Kranz.

Bei den gymnischen Agonen, also den nackt ausgetragenen Wettbewerben der Leicht- und Schwerathletik einschließlich des Fünfkampfs, mussten ab den 95. Spielen 400 v. Chr. auch die Trainer unbekleidet sein. Laut Pausanias war der Anlass Kallipatira, die sich bei den Spielen von 404 v. Chr. als Trainer eingeschlichen und beim Sieg ihres Sohnes versehentlich entblößt hatte.

Vorbereitung, Ablauf und Ehrung

Die Eleier organisierten die Spiele, während Sparta als Schutzmacht auftrat. Zehn Monate vor dem Beginn wurde in Elis ein Trainingslager eingerichtet; spätestens 30 Tage vor den Spielen mussten die Athleten dort eintreffen. In Olympia standen Trainingsräume, Bäder, Herbergen und eine Bibliothek bereit. Zur Sportnahrung gehörten unter anderem Gerstenbrot, Weizenbrei und getrocknete Früchte.

Ursprünglich bestand das Programm nur aus dem Stadionlauf über 192,27 beziehungsweise nach genauer Vermessung 192,28 Meter. Mit der wachsenden Zahl der Wettbewerbe verlängerte sich das Fest von einem auf fünf Tage. Es begann zwei Tage vor dem zweiten oder dritten Vollmond nach der Sommersonnenwende, also im August oder September. Am ersten Tag folgten auf Opfer und Eid die Lauf-, Ring- und Faustkämpfe der Jungen. Der zweite Tag brachte Pferde- und Wagenrennen sowie den als Höhepunkt geltenden Fünfkampf. Am dritten Tag wurden nach einem Stieropfer Langstreckenlauf, Stadionlauf und Doppellauf ausgetragen. Am vierten Tag folgten Ringen, Faustkampf, Pankration und Waffenlauf. Der fünfte Tag war der Prozession zum Zeustempel und den Siegesfeiern gewidmet.

Die Sieger erhielten einen Palmzweig, ein Stirnband und einen Kranz vom wilden Ölbaum kotinos kallistephanos nahe dem Zeustempel. In ihrer Heimat wurden sie als Helden gefeiert und konnten Steuerbefreiungen, Geld, Geschenke, Bürgerrechte oder ein besonders ehrenvolles Begräbnis erhalten. Zweite und dritte Plätze wurden nicht geehrt; allein der Sieg zählte.

Wettbewerbe

Das Laufen, Dromos, war die älteste Disziplin. Alle Läufe erfolgten barfuß und aus dem Hochstart. Es gab keine Rundbahn: Beim Doppellauf wendete jeder Läufer auf seiner Bahn um eine Stange; der Langstreckenlauf war wahrscheinlich ein Pendellauf. Zum Programm gehörten der Stadionlauf über 192,28 Meter seit 776 v. Chr., der Doppellauf über etwa 385 Meter seit 724 v. Chr., der Langstreckenlauf über 20 oder 24 Stadien, also etwa 3845 oder 4614 Meter, seit 720 v. Chr. und der Hoplitenlauf über etwa 385 Meter seit 520 v. Chr. Beim Hoplitenlauf trugen die Teilnehmer zunächst eine vollständige Hoplitenausrüstung, später nur Helm und Schild.

Der erstmals 708 v. Chr. ausgetragene Fünfkampf, das Pentathlon, vereinte an einem Nachmittag Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Stadionlauf und Ringkampf. Das genaue Verfahren zur Bestimmung des Siegers ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich schied ein Athlet aus, sobald ein Konkurrent in drei Disziplinen besser platziert war. Der Weitsprung war vermutlich eine Folge von fünf Einzelsprüngen mit Sprunggewichten, den Halteres. Diese wurden beim Absprung nach vorn gerissen und vor der Landung wahrscheinlich nach hinten bewegt. Die einzige historisch belegte Gesamtweite beträgt etwa 16 Meter.

Zur Schwerathletik gehörten Ringkampf, Faustkampf und Pankration. Das Pankration war ein Allkampf, in dem nur Beißen und das Bohren in den Augen verboten waren. Gekämpft wurde, bis ein Gegner aufgab, bewusstlos wurde oder starb. Der Männer-Ringkampf wurde 708 v. Chr., der Männer-Faustkampf 688 v. Chr. und das Männer-Pankration 648 v. Chr. eingeführt. Später kamen entsprechende Wettbewerbe für Jungen hinzu.

Die Pferdesportwettbewerbe fanden im Hippodrom statt. Geritten wurde ohne Sattel und Steigbügel. Wagen lenkten häufig Sklaven, manchmal auch Frauen; als Sieger galt in der Regel der meist aristokratische Rennstallbesitzer. Zu den Wettbewerben gehörten unter anderem das Viergespann über zwölf Runden und ungefähr 13.843 Meter seit 680 v. Chr., das Galopprennen über zwei Runden und ungefähr 2307 Meter seit 648 v. Chr. sowie das zweispännige Wagenrennen seit 408 v. Chr. Die genannten Distanzen beruhen auf einer angenommenen Rundenlänge von 1154 Metern und sind umstritten.

Niedergang und Ende

Innere Konflikte in Griechenland und der wachsende römische Einfluss seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. beeinträchtigten die Spiele. 80 v. Chr. ließ der römische Diktator Sulla sie in Rom austragen, nachdem er Olympia und Delphi zur Finanzierung seiner Kriege geplündert hatte. Kaiser Nero verschob den Zeitpunkt der Spiele passend zu seiner Griechenlandreise von 66 n. Chr. und wurde nach einem Sturz sogar zum Sieger im Wagenrennen erklärt. Andere Kaiser förderten Olympia später wieder durch neue Gebäude und ein Bewässerungssystem. Eine Spende des Herodes ermöglichte 12 v. Chr. die Wiederaufnahme der Spiele im gewohnten Umfang, nachdem Bürgerkriege Finanzierung und Teilnehmerzahlen geschwächt hatten.

Wahrscheinlich wurden die Spiele 393 n. Chr. letztmals offiziell ausgetragen. Kaiser Theodosius I. verbot 394 heidnische Zeremonien; wie wirksam dieses Verbot war, ist umstritten. Ein Brand zerstörte 426 den Zeustempel, doch archäologische Hinweise sprechen dafür, dass in Olympia noch im 6. Jahrhundert kleinere Wettkämpfe stattfanden. Invasionen durch Goten und Awaren sowie besonders der Einfall der Slawen kurz nach 580 beendeten das antike Olympia endgültig.

Überschwemmungen, Erdrutsche und Erdbeben begruben die Stätte. Sie wurde 1766 wiederentdeckt; 1875 begannen deutsche Ausgrabungen. An die antike Tradition knüpfte Pierre de Coubertin 1894 maßgeblich mit der Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit an. Die ersten modernen Spiele fanden 1896 in Athen statt.

Lernvideos zu Olympische Spiele der Antike

Weiterlesen

Antike Die Antike (von lateinisch antiquus ‚alt, altertümlich, altehrwürdig') war eine Epoche im Mittelmeerraum, die etwa von 800 v. Chr. bis 600 n. Archäologie In der Vor- und Frühgeschichte hat man es hauptsächlich mit materieller Kultur zu tun, in der Frühgeschichte wird auch auf Schriftquellen zurückgegriffen. Diese … Olympische Spiele Olympiade (die XXXIII. Olympiade begann am 1. Januar 2024 und dauert bis 31. Dezember 2027) heißen. Die Olympischen Spiele sind in ihrem Umfang stetig gewachsen … Neuzeit Unter kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten außerdem als Wendemarken anzusehen sind Renaissance, Humanismus und die Entwicklung des Buchdrucks in Europa mit … Sparta Die fragmentarische antike Überlieferungslage und dominante Sparta-Bilder in der Populärkultur erschweren einen differenzierten Blick auf das antike Sparta. Korinth (antike Stadt) Korinth liegt etwa 75 km westlich von Athen. Der Isthmus wurde in der Antike mit Schiffen überquert, indem sie auf Schiffskarren in vorgefertigten Spurrillen … Athen Mit der attische Demokratie wurde in Athen eine auf den Prinzipien der Volkssouveränität und der Mehrheitsentscheidung aufbauende politischen Ordnung begründet. Bürger Geschichte. Bearbeiten. Im europäischen Mittelalter waren Bürger im Sinne der Ständeordnung Bewohner einer befestigten (sie bergenden, schützenden) Stadt mit … Sonnenwende Zu diesem Zeitpunkt herrscht der kürzeste Tag und die längste Nacht, da der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt. Fuß (Einheit) Das einzige heute noch übliche Fußmaß, der englische Fuß, beträgt 1 ft = 30,48 cm (12 Zoll). Obwohl es sich nicht um eine SI-Einheit handelt, wird die Einheit … Sklaverei In vielen sklavenhaltenden Staatswesen und Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse Rechtsfähigkeit und konnten zum Beispiel die Gerichte anrufen oder … Aristokratie Aristokratie – veraltet auch Bestherrschaft – bezeichnet in der Politikwissenschaft die Herrschaft einer kleinen Gruppe besonders befähigter Individuen, …