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Olympische Sommerspiele 1896

Die Olympischen Sommerspiele 1896 (offiziell Spiele der I. Olympiade genannt) fanden vom 6. April bis zum 15. April 1896 in Athen statt. Es waren die ersten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Organisation
  3. 3. Teilnehmer und Medaillen
  4. 4. Sportarten und wichtige Wettbewerbe
  5. 5. Zeremonien und Nachwirkung

Überblick und Bedeutung

Die Olympischen Sommerspiele 1896, offiziell „Spiele der I. Olympiade“ genannt, fanden vom 6. bis 15. April 1896 in Athen statt. Sie waren die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, nachdem Kaiser Theodosius I. die Olympischen Spiele der Antike im Jahr 393 wegen der Verehrung heidnischer Götter verboten hatte. Trotz des im Vergleich zu heutigen Spielen kleinen Umfangs galten sie als großer Erfolg und trugen entscheidend dazu bei, dass sich die Olympischen Spiele dauerhaft etablierten.

Austragungsort war das Panathinaiko-Stadion. Es nahmen 241 Athleten aus 14 Ländern teil; Frauen waren nicht als Sportlerinnen zugelassen, durften aber zuschauen. Insgesamt wurden 43 Wettbewerbe in 9 Sportarten und 10 Disziplinen ausgetragen. Ein olympischer Eid und eine olympische Fackel gab es noch nicht; diese wurden erst 1920 beziehungsweise 1936 eingeführt.

Entstehung und Organisation

Im 19. Jahrhundert gab es mehrere Vorschläge, die antiken Olympischen Spiele wiederzubeleben. In Griechenland veranstaltete Evangelos Zappas zwischen 1859 und 1889 sogenannte Olympien, die mit Industrie- und Landwirtschaftsausstellungen verbunden waren. Der angestrebte Vierjahresrhythmus wurde dabei nicht eingehalten.

Pierre de Coubertin stellte seine Vorstellungen am 23. Juni 1894 auf einem Kongress in der Sorbonne in Paris vor. Delegierte von Sportverbänden aus elf Ländern beschlossen die Wiederbelebung der Olympischen Spiele. Weil eine Austragung erst 1900 in Paris als zu spät erschien, wurden die ersten Spiele für 1896 beschlossen. Auf Vorschlag de Coubertins wurde Athen einstimmig gewählt, um Griechenland als Ursprungsland der Olympischen Spiele zu ehren. Demetrius Vikelas wurde zum ersten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt.

Die Finanzierung war zunächst unsicher. Ein neuer Organisationsausschuss unter dem Vorsitz von Kronprinz Konstantin sammelte 330.000 Drachmen durch Spenden. Sonderbriefmarken erbrachten 400.000 Drachmen, Eintrittskarten 200.000 Drachmen. Georgios Averoff finanzierte mit etwa 920.000 Drachmen den Neubau des Panathinaiko-Stadions.

Das Stadion war der Wiederaufbau eines antiken Stadions aus dem Jahr 330 v. Chr. Die Laufbahn war 333,33 Meter lang, das Stadion hatte etwa 69.000 Plätze, darunter 50.000 Sitzplätze. Die Gesamtzuschauerzahl wird auf etwa 312.000 geschätzt. Organisatorische Schwierigkeiten entstanden unter anderem durch griechischsprachige Programme und Einladungen sowie durch die Verwendung des Julianischen Kalenders in Griechenland.

Teilnehmer und Medaillen

Die Spiele standen unter strengen Amateurregeln. Da die Definition des Amateurstatus von Land zu Land verschieden war, kam es zu Kontroversen. Eine Ausnahme bildete das Fechten: Professionelle Fechtmeister im Offiziersrang durften in einem zusätzlichen Wettbewerb antreten. Schützen galten trotz erheblicher Sach- oder Geldpreise als Amateure. Die Athleten waren noch nicht grundsätzlich in Nationalmannschaften organisiert, und Qualifikationswettkämpfe fanden nur selten statt.

Von den 241 Athleten kamen 163 aus elf europäischen Ländern, 15 aus zwei amerikanischen Ländern, einer aus Australien und vier aus einer gemischten Mannschaft. Griechenland stellte mit 102 Teilnehmern die größte Gruppe, gefolgt vom Deutschen Reich mit 19, den Vereinigten Staaten mit 14 und Frankreich mit 12. Belgien und Russland hatten Teilnehmer gemeldet, zogen sie jedoch vor Beginn zurück. Bei einzelnen Zuordnungen bestehen Unsicherheiten: Dionysios Kasdaglis wird je nach Quelle Ägypten oder Griechenland zugerechnet, und die Teilnahme des Chilenen Luis Subercaseaux ist im offiziellen Bericht nicht belegt.

Die Sieger erhielten zeitgenössisch eine Silbermedaille, einen Olivenzweig und eine Urkunde. Zweitplatzierte erhielten Bronzemedaillen, Zweige und Urkunden. Drittplatzierte wurden zunächst nicht ausgezeichnet, weil die finanziellen Mittel fehlten. Einige Quellen nennen für Zweitplatzierte Kupfermedaillen und Lorbeerzweige. Das IOC erkennt die damaligen Platzierungen heute als Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an. In der zeitgenössischen Medaillenübersicht werden insgesamt 43 erste, 43 zweite und 36 dritte Platzierungen aufgeführt, insgesamt 122 Medaillen.

In der nachträglichen Länderwertung führten die Vereinigten Staaten mit 11 Gold-, 7 Silber- und 2 Bronzemedaillen, vor Griechenland mit 10, 18 und 19 sowie dem Deutschen Reich mit 6, 5 und 2. Zu den erfolgreichsten Sportlern gehörten Hermann Weingärtner, Carl Schuhmann, Alfred Flatow, Paul Masson, Robert Garrett und Fritz Hofmann. Jüngster Teilnehmer war der zehnjährige griechische Turner Dimitrios Loundras, ältester der 40-jährige amerikanische Schütze Charles Waldstein.

Sportarten und wichtige Wettbewerbe

Das Programm umfasste Fechten, Gewichtheben, Leichtathletik, Radsport, Ringen, Schießen, Schwimmen, Tennis und Turnen. Alle Wettbewerbe waren Männern vorbehalten. Geplant, aber abgesagt, wurden Fußball, Cricket, Rudern und Segeln. Rudern fiel wegen starken Winds und heftigen Regens aus; Segeln wurde mangels geeigneter Boote abgesagt.

Die Leichtathletik umfasste 100, 400, 800 und 1500 Meter, 110 Meter Hürden, Marathon, Hochsprung, Stabhochsprung, Weitsprung, Dreisprung, Kugelstoßen und Diskuswurf. James Connolly aus den Vereinigten Staaten wurde im Dreisprung der erste Olympiasieger der Neuzeit. Robert Garrett gewann Kugelstoßen und Diskuswurf. Der Marathon war für die Gastgeber besonders bedeutend: Der Grieche Spyridon Louis gewann mit einer offiziellen Zeit von 2 Stunden, 58 Minuten und 50 Sekunden und wurde zum Nationalhelden.

Beim Gewichtheben gab es keine Gewichtsklassen, sondern einen einarmigen und einen beidarmigen Wettbewerb. Im beidarmigen Wettbewerb siegte Viggo Jensen aus Dänemark nach einer Juryentscheidung wegen des „besseren Stils“ vor Launceston Elliot; im einarmigen Wettbewerb gewann Elliot.

Im Radsport wurden fünf Bahn- und ein Straßenwettbewerb ausgetragen. Paul Masson gewann drei Bahnrennen. Léon Flameng siegte im 100-Kilometer-Rennen, Adolf Schmal im 12-Stunden-Rennen und Aristidis Konstantinidis im 87 Kilometer langen Straßenrennen von Athen nach Marathon und zurück.

Ringen wurde in einer offenen Gewichtsklasse nach Regeln ausgetragen, die dem griechisch-römischen Stil ähnelten. Carl Schuhmann besiegte im Finale Georgios Tsitas. Im Schwimmen fanden vier Wettbewerbe im offenen Meer bei 13 °C statt. Der Ungar Alfréd Hajós gewann über 100 und 1200 Meter Freistil. Beim 100-Meter-Matrosenschwimmen waren nur Matrosen griechischer Kriegsschiffe zugelassen.

Im Tennis gewann John Pius Boland das Einzel. Gemeinsam mit Friedrich Adolf Traun gewann er auch das Doppel; die Medaille wurde beiden Ländern zugeschrieben. Im Turnen dominierte die deutsche Mannschaft. Deutsche Sportler siegten unter anderem am Reck, Barren und Pferdsprung; Louis Zutter aus der Schweiz gewann am Pauschenpferd, Ioannis Mitropoulos an den Ringen und Nikolaos Andriakopoulos im Tauklettern. Im Fechten siegte Eugène-Henri Gravelotte im Florett; Leonidas Pyrgos wurde im Wettbewerb für Fechtmeister der erste griechische Olympiasieger der Neuzeit.

Zeremonien und Nachwirkung

Die Eröffnungsfeier fand am 6. April im voll besetzten Panathinaiko-Stadion statt. Die Athleten waren nach ihrer Nationalität gruppiert. König Georg I. eröffnete die Spiele mit den Worten: „Ich erkläre die ersten internationalen Olympischen Spiele in Athen für eröffnet. Lang lebe die Nation. Lang lebe das griechische Volk.“ Danach führten neun Marschkapellen und 150 Chorsänger die von Spyros Samaras komponierte und von Kostis Palamas getextete olympische Hymne auf.

Die Schlussfeier wurde wegen heftigen Regens vom 14. auf den 15. April verschoben. George Stuart Robertson trug eine selbst verfasste Ode vor. Anschließend ehrte der König die erfolgreichen Sportler. Spyridon Louis erhielt von Michel Bréal, dem Erfinder des Marathonlaufs, einen Pokal und führte die Ehrenrunde an. Der König beendete die Spiele mit der Erklärung: „Ich erkläre die ersten internationalen Olympischen Spiele für beendet.“

König Georg I. sprach sich dafür aus, die Spiele dauerhaft in Athen abzuhalten. Pierre de Coubertin lehnte dies ab, weil die internationale Rotation für ihn ein Grundprinzip der modernen olympischen Bewegung war. Deshalb fanden die nächsten Spiele 1900 in Paris statt, wie bereits 1894 beschlossen.

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