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Olympische Sommerspiele 1900

Die Olympischen Sommerspiele 1900 (offiziell Spiele der II. Olympiade genannt) wurden in der französischen Hauptstadt Paris im Rahmen der Weltausstellung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Vergabe und Organisation
  3. 3. Wettkampforte und Ablauf
  4. 4. Sportarten und Abgrenzungsprobleme
  5. 5. Teilnehmer und Frauen
  6. 6. Auszeichnungen und sportliche Leistungen

Einordnung und Bedeutung

Die Olympischen Sommerspiele 1900, offiziell Spiele der II. Olympiade, fanden vom 14. Mai bis 28. Oktober 1900 in Paris statt. Sie waren in die Weltausstellung eingebunden und wurden nicht als eigenständiges Großereignis wahrgenommen. Offiziell hießen die Wettkämpfe Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports, also Internationale Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport. Eine Eröffnungs- und eine Schlussfeier gab es ebenso wenig wie einen olympischen Eid oder eine olympische Fackel.

Die Wettbewerbe dauerten insgesamt 168 Tage, wurden aber nur an 71 Tagen ausgetragen; an 36 Tagen fielen Entscheidungen. Die heute häufig genannten Rahmendaten lauten 997 Athleten, darunter 22 Frauen, 24 Länder, 95 Wettbewerbe und 20 Disziplinen in 19 Sportarten. Diese Zahlen sind teilweise umstritten, weil zeitgenössische Unterlagen lückenhaft sind und damals nicht eindeutig zwischen olympischen und anderen Wettbewerben der Weltausstellung unterschieden wurde. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannte die Veranstaltung später als Olympische Spiele an.

Die Spiele waren schlecht bekannt gemacht, die Austragungsorte lagen über Paris und seine Umgebung verteilt, und die Bedingungen waren teilweise unzumutbar. Einige Teilnehmer erfuhren erst Jahre später, dass ihre Wettkämpfe als olympisch galten. Historisch besonders wichtig war die erstmalige Teilnahme von Frauen an Olympischen Spielen.

Vergabe und Organisation

Pierre de Coubertin wollte die erneuerten Olympischen Spiele ursprünglich 1900 in Paris parallel zur Weltausstellung veranstalten. Beim internationalen Sportkongress von 1894 wurde jedoch befürchtet, die lange Wartezeit könne das Projekt gefährden. Coubertin und Dimitrios Vikelas einigten sich deshalb darauf, die ersten Spiele bereits 1896 in Athen und die folgenden vier Jahre später in Paris auszutragen. Nach dem Erfolg von Athen verlangten griechische Kreise dauerhafte Spiele in Griechenland. Coubertin hielt dagegen an einem vierjährigen Rhythmus mit wechselnden Austragungsorten fest. Finanzielle und organisatorische Folgen des Türkisch-Griechischen Krieges von 1897 sicherten schließlich Paris als Austragungsort.

Die Leitung der Weltausstellung wollte ihre Sportwettbewerbe selbst organisieren und zeigte wenig Interesse an Coubertins olympischem Konzept. Coubertin gründete im Mai 1898 ein eigenes Organisationskomitee unter Charles de la Rochefoucauld. Die Ausstellungsleitung gewann jedoch den Racing Club de France, den Stade Français und den Verband Union des sociétés françaises de sports athlétiques für ihre Seite. Ihr offizielles Komitee stand unter Daniel Mérillon. Coubertins Organisation wurde praktisch handlungsunfähig und löste sich 1899 auf. Coubertin blieb nur eine formale Rolle; hauptsächlich sollte er ausländische Sportler einladen.

Die Spiele von 1900 waren, wenn man die Zwischenspiele 1906 nicht mitzählt, die ersten und bis 2021 einzigen Olympischen Sommerspiele, die nicht in einem Schaltjahr stattfanden.

Wettkampforte und Ablauf

Coubertins Pläne für eine Nachbildung der Altis von Olympia oder ein neues Stadion nach dem Vorbild des Panathinaiko-Stadions scheiterten an den Kosten. Deshalb nutzten die Veranstalter vorhandene Anlagen. Als Hauptstätte gilt das Vélodrome municipal in Vincennes, wo Radsport, Rugby, Fußball, Cricket und Gerätturnen stattfanden. Leichtathletik und Tauziehen wurden im Croix Catelan im Bois de Boulogne ausgetragen.

Schwimmen, Wasserball und Rudern fanden im offenen Wasser der Seine bei Asnières-sur-Seine statt. Gesegelt wurde auf der Seine bei Meulan und im Ärmelkanal vor Le Havre. Weitere Orte waren das Camp de Satory bei Versailles für Schießen, der Festsaal der Weltausstellung in den Tuilerien für Fechten, die Île de Puteaux für Tennis, der Bois de Vincennes für Bogenschießen, eine Reitanlage im 7. Arrondissement, der Parc de Bagatelle für Polo, Neuilly-sur-Seine für Pelota, der Cercle du Bois de Boulogne für Krocket und Compiègne für Golf.

Der lange Zeitplan begann im Mai unter anderem mit Fechten und Segeln. Leichtathletik, Tennis und zahlreiche Schießentscheidungen lagen vor allem im Juni, Juli und frühen August. Im späteren Verlauf folgten unter anderem Schwimmen, Rudern, Radsport, Golf, Fußball, Rugby und Turnen. Die letzten Wettbewerbe endeten am 28. Oktober.

Sportarten und Abgrenzungsprobleme

Das Programm wurde nicht vom IOC oder von Coubertin festgelegt, sondern vom Komitee der Weltausstellung unter Daniel Mérillon. Es enthielt neben Sportwettkämpfen auch Schau- und Technikwettbewerbe, etwa für Feuerwehren, Militär, Automobile und Ballons. Daher ist bis heute nicht vollständig geklärt, welche Wettbewerbe olympisch waren. Die Siegerlisten und der Medaillenspiegel des IOC umfassen 89 Wettbewerbe; an anderer Stelle nennt das IOC 95, entsprechend den Forschungen des Sporthistorikers Bill Mallon.

Für olympische Wettbewerbe galten wichtige Kriterien: Zugelassen sein sollten Amateure, die Wettkämpfe sollten grundsätzlich allen Athleten offenstehen, und leistungsangleichende Handicaps waren nicht vorgesehen. Wettbewerbe nur für Berufssportler, Schüler, Junioren oder Franzosen sowie Handicapwettkämpfe gelten deshalb nicht als olympisch. Das IOC ordnet mindestens 89 Entscheidungen zu: 73 für Männer, 2 für Frauen, 1 Mixed-Wettbewerb und 13 offene Wettbewerbe.

Die 19 Sportarten beziehungsweise 20 Disziplinen waren Bogenschießen, Cricket, Fechten, Fußball, Golf, Krocket, Leichtathletik, Pelota, Polo, Bahnradsport, Reitsport, Rudern, Rugby Union, Schießen, Schwimmen, Wasserball, Segeln, Tauziehen, Tennis und Turnen. Tauziehen wurde damals zur Leichtathletik gerechnet, später aber vom IOC als eigene Sportart behandelt. Gegenüber Athen 1896 kamen 46 Wettbewerbe und 10 Sportarten beziehungsweise Disziplinen hinzu. Neu waren unter anderem Cricket, Fußball, Golf, Krocket, Pelota, Polo, Reitsport, Rudern, Rugby Union, Segeln, Tauziehen und Wasserball. Gewichtheben und Ringen fehlten.

Als nichtolympisch gelten gewöhnlich weitere Bestandteile des Weltausstellungsprogramms, darunter Automobil- und Motorradwettfahrten, Ballonfahren, Boule, Feuerwehrsport, Flug- und Drachenwettbewerbe, Gespannfahren, Jeu de Paume und Motorbootrennen.

Teilnehmer und Frauen

Die Teilnehmerzahlen sind wegen fehlender Aufzeichnungen unsicher. Das IOC nennt 997 Athleten, davon 22 Frauen, und 24 Länder. Sporthistorische Untersuchungen weisen dagegen 1186 namentlich bekannte Teilnehmer an den anerkannten Wettbewerben nach. Hinzu kommen 288 nicht namentlich bekannte Personen im Bogenschießen, Fechten, Reiten, Rudern und Segeln; die tatsächliche Gesamtzahl wird deshalb auf etwa 1500 geschätzt.

Auch die Zahl der Nationen ist umstritten. Nur wenige Länder entsandten offizielle Delegationen; viele Sportler reisten privat an, lebten bereits in Paris oder meldeten sich kurzfristig an. Nach historischen Berechnungen waren 28 Nationalitäten vertreten. Ein Beispiel für die Schwierigkeiten ist Marathonsieger Michel Théato: Er besaß die luxemburgische und nicht die französische Staatsbürgerschaft, doch Luxemburg erscheint nicht in den offiziellen IOC-Listen. Frankreich stellte nach der aufgeführten historischen Zählung mit 715 Athleten die größte Gruppe. Aus Europa kamen 1106 Athleten aus 18 Nationen, aus Amerika 85 aus sieben Nationen, aus Asien zwei aus zwei Nationen und aus Ozeanien zwei aus einer Nation; außerdem werden 23 Mitglieder gemischter Mannschaften genannt.

Frauen nahmen erstmals an Olympischen Spielen teil, und zwar an sechs Wettbewerben in Krocket, Golf, Segeln und Tennis. Die Schweizer Gräfin Hélène de Pourtalès startete am 22. Mai in der Segelklasse 1–2 Tonnen. Sie gilt als erste Olympiateilnehmerin und, nach dem Sieg ihres Bootes, als erste Olympiasiegerin. Sieben Wochen später gewann die Britin Charlotte Cooper das Dameneinzel im Tennis und am selben Tag auch das Mixed-Doppel; damit war sie die erste zweifache Olympiasiegerin. Hedwig Rosenbaum aus Prag gewann zwei Bronzemedaillen im Tennis, darunter eine mit einem national gemischten Team. Die französische Reiterin Elvira Guerra wird trotz ihrer nachgewiesenen Teilnahme an einem Wettbewerb der Weltausstellung nicht offiziell als Olympiateilnehmerin geführt, weil das Vorführen von Reitpferden vom IOC nicht als olympisch anerkannt wird.

Auszeichnungen und sportliche Leistungen

Die heute übliche Vergabe von Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für die ersten drei Plätze gab es 1900 noch nicht. In einigen Sportarten wurden Plaketten aus vergoldetem Silber, Silber und Bronze vergeben, teilweise erst Monate später. Häufig erhielten erfolgreiche Teilnehmer Kunst- oder Gebrauchsgegenstände wie Statuen, Anstecknadeln, Spazierstöcke, Brieftaschen, Schreibmappen oder Uhren. Ihr tatsächlicher Wert lag oft deutlich unter dem angekündigten Wert, was viele Athleten empörte. Eine zeitgenössische Ehrung als Olympiasieger gab es nicht; Wettbewerbe trugen unterschiedliche, meist nicht amtliche Titel. Spätere Ehrungen führten wegen lückenhafter Ergebnisse teilweise zu Fehlern, etwa bei dem Radrennfahrer Ferdinand Vasserot, dem fälschlich ein zweiter Platz zugeschrieben wurde.

Im nachträglich berechneten Medaillenspiegel lag Frankreich mit 31 Siegen sowie 41 zweiten und 40 dritten Plätzen vorn, insgesamt 112 Platzierungen. Es folgten die Vereinigten Staaten mit 20, 13 und 15 sowie Großbritannien mit 20, 8 und 9. Diese Statistik beruht auf der späteren olympischen Einordnung und nicht auf einer damaligen Medaillenvergabe.

26 Sportler errangen mindestens zwei Siege. Erfolgreichster Athlet war der US-amerikanische Leichtathlet Alvin Kraenzlein mit vier Siegen über 60 Meter, 110 Meter Hürden, 200 Meter Hürden und im Weitsprung. Konrad Stäheli gewann im Schießen drei erste und einen dritten Platz. Ray Ewry siegte in drei Standsprungwettbewerben und gewann von 1900 bis 1908, einschließlich der Zwischenspiele 1906, alle ausgetragenen olympischen Standsprungwettbewerbe. Walter Tewksbury erreichte fünf Medaillen in individuellen Laufdisziplinen, eine bis heute von keinem Läufer bei denselben Olympischen Spielen übertroffene Zahl.

Michel Théato ist trotz der Unsicherheit um seine Nationalität unbestritten der bis heute jüngste olympische Marathonsieger. Charles Sands gewann das Golfturnier und trat zusätzlich im Tennis an, schied dort jedoch in allen drei Wettbewerben in der ersten Runde aus. 1908 startete er außerdem im Jeu de Paume und wurde damit zum ersten Vielzwecksportler der olympischen Geschichte.

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