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Oberzentrum
Ein Oberzentrum (in der Schweiz Hauptzentrum genannt) bezeichnet in der Raumordnung und Wirtschaftsgeografie einen zentralen Ort (Hauptort) der höchsten …
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Bedeutung und Aufgaben
Ein Oberzentrum bezeichnet in Raumordnung und Wirtschaftsgeografie einen zentralen Ort, also einen Hauptort, der höchsten Stufe. In der Schweiz heißt es Hauptzentrum. Bayern führte 2018 mit Metropole und Regionalzentrum zwei noch höhere Stufen ein. Liegt ein Oberzentrum außerhalb einer Metropolregion, kann es als Regiopole bezeichnet werden.
Oberzentren versorgen einen großen Verflechtungsbereich. Sie decken zusätzlich zum Grundbedarf und periodischen Bedarf den spezifischen Bedarf. Dazu gehören insbesondere besondere Warenhäuser, Spezialgeschäfte, Fachkliniken, Theater, Museen, Hochschulen und Regionalbehörden.
Strukturen der oberzentralen Versorgung
Die Länder und Regionen legen Oberzentren und andere zentrale Orte in ihren Landes- und Regionalplänen fest. Meist sind Oberzentren von mehreren Mittelzentren umgeben; diese sind wiederum für Unterzentren wichtig.
Die verlangte Ausstattung ist je nach Bundesland verschieden. Es kann Oberzentren höherer und niedrigerer Stufe geben. Mittelzentren mit oberzentraler Teilfunktion stellen nur ausgewählte oberzentrale Einrichtungen für einen größeren Verflechtungsbereich bereit, müssen aber zugleich die Aufgaben mittlerer und unterer zentraler Orte erfüllen. Doppelzentren und Städteverbünde erfüllen die Anforderungen nur gemeinsam durch Funktionsergänzung. Gelsenkirchen ist laut jeweiliger Landesplanung mit circa 260.000 Einwohnern die größte Stadt der Bundesrepublik, die weder selbst Oberzentrum noch Teil eines Oberzentrums ist.
Oberzentren in den Ländern
Ausgewiesene Oberzentren sind beispielsweise Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart und Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg; Berlin, Brandenburg an der Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam; Bremen und Bremerhaven; Hamburg sowie Darmstadt, Frankfurt am Main, Kassel, Wiesbaden und weitere hessische Städte.
Weitere Beispiele sind Neubrandenburg, Rostock als Regiopole, Schwerin und das gemeinsame Oberzentrum Stralsund–Greifswald; Celle, Göttingen, Hannover, Oldenburg, Osnabrück und der Verbund Salzgitter–Braunschweig–Wolfsburg; sowie Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster und Wuppertal. In Rheinland-Pfalz gehören Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier dazu, im Saarland Saarbrücken.
In Sachsen sind Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen, Zwickau sowie der oberzentrale Städteverbund Görlitz–Bautzen–Hoyerswerda genannt. Sachsen-Anhalt weist Dessau-Roßlau, Halle (Saale) und Magdeburg aus; Schleswig-Holstein Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster. Thüringen nennt Eisenach, Erfurt, Gera, Jena, Nordhausen und Südthüringen, das funktionsteilig aus Suhl, Zella-Mehlis, Schleusingen, Oberhof, Meiningen und Schmalkalden besteht.
Grenzüberschreitende Doppelzentren sind Mannheim–Ludwigshafen, Ulm–Neu-Ulm, Wiesbaden–Mainz, Limburg an der Lahn–Diez und Zweibrücken–Homburg. Baden-Württemberg besitzt in der Region Ostwürttemberg kein ausgewiesenes Oberzentrum: Aalen, Ellwangen (Jagst), Heidenheim an der Brenz und Schwäbisch Gmünd teilen dort diese Funktion.
Einstufung in Österreich
Es gibt keine einheitliche Einteilung in Ober-, Mittel- und Unterzentren, weil die Länder unterschiedliche Ansätze verfolgen. Das System der Zentralen Orte ist bekannt, doch diese Nomenklatur ist nicht verbreitet.
Wien gehört als Bundeshauptstadt zur höchsten zentralörtlichen Stufe 8. Die Landeshauptstädte zählen entweder zur Stufe 7, den voll ausgestatteten Ballungszentren, oder zur Stufe 6, den nicht voll ausgestatteten überregionalen Zentren. Stufe 7 umfasst Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt am Wörthersee; Stufe 6 St. Pölten, Bregenz und Eisenstadt. Überregionale Zentren der Stufe 5, sogenannte Viertelshauptstädte, sind Krems an der Donau, Wiener Neustadt, Wels, Steyr, Leoben, Villach, Dornbirn und Feldkirch. Sie unterscheiden sich von Stufe 6 dadurch, dass sie keine Landeshauptstädte sind. Mittelzentren haben die ZO-Stufe 4 (voll ausgestattet) oder 3 (nicht voll ausgestattet).
Hauptzentren in der Schweiz
Der Ausdruck Oberzentrum ist in der Schweiz nicht besonders geläufig. Die entsprechenden Hauptzentren im Raumkonzept Schweiz des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) sind Basel für die Nordwestschweiz, Bern, Genf, Lausanne, Lugano für das Tessin, Luzern für die Innerschweiz, St. Gallen für die Ostschweiz, Winterthur und Zürich.