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Schloss Oberwiederstedt
Schloss Oberwiederstedt ist ein ehemaliges Rittergut in Oberwiederstedt in der Stadt Arnstein im Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt.
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Bedeutung des Schlosses
Schloss Oberwiederstedt ist ein ehemaliges Rittergut in Oberwiederstedt, einem Ortsteil der Stadt Arnstein im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Es ist besonders wichtig, weil dort 1772 der Dichter Friedrich von Hardenberg geboren wurde, der unter dem Namen Novalis bekannt ist. Heute dient das Schloss als Sitz der Novalis-Forschungsstätte für Frühromantikforschung.
Die Frühromantik war eine literarische und geistige Strömung um 1800. Im Zusammenhang mit Schloss Oberwiederstedt steht sie vor allem durch Novalis im Mittelpunkt: Das Schloss verbindet seinen Geburtsort, ein Museum, Forschungseinrichtungen und mehrere Organisationen, die sich mit seinem Leben, seinem Werk und der Frühromantik beschäftigen.
Vom Rittergut zum Familiensitz
Das Renaissanceschlösschen diente von 1261 bis zur Reformation und der damit verbundenen Säkularisation als Ausweichquartier für Dominikanerinnen. Diese Ordensfrauen waren zuvor in Kupferberg bei Hettstedt ansässig und wurden nach Oberwiederstedt umgesiedelt.
Im 17. Jahrhundert kam das Gut durch Heirat in den Besitz der adligen Familie von Hardenberg. 1772 wurde hier Friedrich von Hardenberg geboren, der später als Novalis bekannt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verpachtete die Familie das Gut mehrere Jahre lang und zog auf andere Besitzungen. Auch Hans von Hardenberg (1824–1887), der später Landrat des Mansfelder Gebirgskreises und Regierungsvizepräsident wurde, wurde im Schloss geboren.
Bis Oktober 1945 blieb das Rittergut Familiensitz der Freiherren von Hardenberg. Dann wurde die Familie enteignet und vertrieben.
Verfall und Rettung
In der Deutschen Demokratischen Republik wurde das Gut bis 1981 als Altenheim genutzt. Danach wurde es aufgegeben und verfiel zunehmend. Mitte der 1980er Jahre wurde es sogar von der Liste der zu erhaltenden Baudenkmäler gestrichen, wodurch ein Abriss möglich wurde.
1988 bildete sich eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Anlage. Eine zentrale Rolle spielte der Handwerker Gerald Wahrlich, der mit Freunden und Kollegen begann, das stark gefährdete Schloss unbezahlt und ehrenamtlich zu sichern und teilweise zu sanieren. Daraus entstand die „Interessengemeinschaft Novalis“. Sie widersetzte sich den Abrissplänen der DDR-Kulturfunktionäre und setzte alternative Nutzungspläne durch konstruktive Protestaktionen durch. In der Wendezeit fuhr die Gruppe unter anderem nach Ost-Berlin, um direkt für den Erhalt des Hauses einzutreten.
Die Interessengemeinschaft beschäftigte sich auch selbst mit Novalis und der Frühromantik. Zugleich wurde sie zu einem wichtigen sozialen und kulturellen Treffpunkt für Menschen aus einer Region, in der größere Kulturzentren wie Magdeburg, Halberstadt oder Halle oft schwer erreichbar waren.
Sanierung und Museum
Mitglieder der Interessengemeinschaft gehörten später zu den Gründern des heutigen Kuratorium Novalis-Geburtshaus e. V. Nach der Wende kamen verstärkt Spenden aus dem Westen. Auch die Wochenzeitung Die Zeit warb für Unterstützung zum Erhalt der Geburtsstätte des Dichters.
Seit Beginn der 1990er Jahre konnten das Schlossgebäude und das umliegende Parkland gesichert und grundsaniert werden. Danach begann auch die Restaurierung der nahegelegenen Taufkirche von Novalis und von Teilen eines alten Dominikanerklosters, die ebenfalls zum Ensemble gehören.
Das Novalis-Museum wurde in das 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen. Dieses Blaubuch enthält eine Liste von „kulturellen Gedächtnisorten“. Schloss Oberwiederstedt gilt dadurch als „kultureller Gedächtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung“. Die Dauerausstellung zeigt historische Gemälde der Familie von Hardenberg sowie Artefakte zu Leben und Wirken von Novalis.
Forschung zur Frühromantik
Am 2. Mai 1992 wurde das teilrestaurierte Gut anlässlich des 220. Geburtstages von Novalis dem Landkreis zur öffentlichen Nutzung übergeben. Am selben Tag wurde mit Beteiligung internationaler Novalis-Forscher und -Freunde die Internationale Novalisgesellschaft gegründet. Aus Australien reiste zum Beispiel der Literaturwissenschaftler und Novalis-Forscher Gerhard Schulz an.
Ein wichtiger Teil der Novalis-Forschung hatte bis nach der Wende im Ausland stattgefunden. Als Gründe nennt der Artikel die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler durch die Nationalsozialisten und das Desinteresse der DDR-Literatur an der Frühromantik.
Bereits 1993 nahm die Forschungsstätte ihre Arbeit auf. Sie wurde unter anderem mit Landesmitteln und durch den Landkreis betrieben. Heute ist Schloss Oberwiederstedt Sitz einer Forschungsstätte für Frühromantik, des Novalismuseums, der Internationalen Novalisgesellschaft e. V. und der Novalis-Stiftung.