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Jean Paul

März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Lebensweg
  3. 3. Schreibweise und Themen
  4. 4. Werke und Ausgaben
  5. 5. Wirkung und Erinnerung

Überblick

Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, auch Jean Paul Friedrich Richter, wurde am 21. März 1763 in Wunsiedel geboren und starb am 14. November 1825 in Bayreuth. Er war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Literaturgeschichtlich steht sein Werk zwischen Klassik und Romantik, ohne eindeutig einer dieser Epochen zuzuordnen zu sein. Den Namen Jean Paul wählte er aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau.

Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner besonderen Erzählweise: Seine Romane verbinden Humor, Satire, Ironie, Gesellschaftskritik, philosophische Gedanken, poetologische Kommentare und oft abschweifende Handlungen. Er prägte außerdem das literarische Motiv des „Doppelgängers“ ausdrücklich mit, das er in Siebenkäs so erklärt: „Doppeltgänger (So heißen Leute, die sich selber sehen).“

Lebensweg

Jean Paul wuchs als Sohn des Lehrers und Organisten Johann Christian Christoph Richter und Sophia Rosina Richter, geborene Kuhn, in einem protestantischen Pfarrhaus auf. Die Familie zog 1765 nach Joditz im Hofer Land und 1776 nach Schwarzenbach an der Saale. Durch Lehrer und Geistliche kam er mit Ideen der Aufklärung in Berührung. Schon mit fünfzehn Jahren besaß er ein großes Bücherwissen, das er in Exzerptheften sammelte. 1779 besuchte er das Gymnasium Albertinum in Hof, wo er Johann Bernhard Hermann kennenlernte, der ein enger Freund und später Vorbild für Romanfiguren wurde. Nach dem Tod des Vaters geriet die Familie in schwere Armut.

1781 begann Jean Paul an der Universität Leipzig ein Theologiestudium, betrieb es aber nur ungern. Stattdessen verstand er sich zunehmend als Schriftsteller. 1783 erschienen seine Satiren Grönländische Prozesse. Weitere Erfolge blieben zunächst aus, und 1784 floh er vor Gläubigern zurück nach Hof. Diese Jahre waren von Armut und mehreren Todesfällen geprägt: 1786 starb Johann Adam Lorenz von Oerthel, 1789 nahm sich sein Bruder Heinrich das Leben, 1790 starb Johann Bernhard Hermann. Themen wie Tod und Atheismus verarbeitete er literarisch, unter anderem in der später im Siebenkäs aufgenommenen Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei.

Der Durchbruch begann 1793 mit Die unsichtbare Loge. Karl Philipp Moritz vermittelte das Manuskript begeistert an einen Berliner Verlag. 1795 machte Hesperus oder 45 Hundposttage Jean Paul berühmt; das Buch wurde zum größten literarischen Erfolg seit Goethes Die Leiden des jungen Werthers. Herder, Wieland und Gleim reagierten begeistert, Goethe und Schiller dagegen eher ablehnend.

1796 besuchte Jean Paul Weimar, später zog er dorthin. Zu dieser Zeit erschienen Werke wie Siebenkäs (1796/97), Das Leben des Quintus Fixlein (1796), Der Jubelsenior (1797) und Das Kampaner Tal (1797). 1800 lernte er in Berlin Karoline Mayer kennen, die er 1801 heiratete. Die Berlin-Reise war ein Höhepunkt seines Ruhmes; Königin Luise schätzte seine Werke, und Jean Paul knüpfte Kontakte zu August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Johann Ludwig Tieck, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und Johann Gottlieb Fichte.

Später ließ sein Erfolg nach. Die heute besonders wichtigen Romane Titan (1800–1803) und Flegeljahre (1804/1805) lösten damals weniger Begeisterung aus als frühere Werke. 1804 zog Jean Paul mit seiner Familie nach Bayreuth. Dort lebte er zurückgezogen, unternahm aber Reisen, etwa nach Bamberg, Würzburg und Heidelberg. 1817 erhielt er in Heidelberg auf Vorschlag Hegels den Ehrendoktortitel. 1820 wurde er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Nach dem Tod seines Sohnes Max 1821 brach Jean Paul die Arbeit an Der Komet ab. 1823 erkrankte er am grauen Star und erblindete allmählich; 1825 starb er an Brustwassersucht.

Schreibweise und Themen

Jean Paul nimmt in der deutschen Literatur eine Sonderstellung ein. Seine Bücher spalteten schon zu Lebzeiten das Publikum: Manche verehrten ihn, andere reagierten mit Unverständnis. August Wilhelm Schlegel nannte seine Romane „Selbstgespräche“, an denen der Leser teilnehme. Gemeint ist, dass Jean Paul oft nicht geradlinig erzählt, sondern Gedanken, Einfälle, Kommentare und Abschweifungen in seine Handlung einbaut.

Typisch für seine Werke sind kühne Metaphern, witzige und skurrile Einfälle, labyrinthische Handlungen und eine Mischung aus Ironie, bitterer Satire, mildem Humor, Realismus und idyllischen, oft ironisch gebrochenen Szenen. Auch Gesellschaftskritik und politische Stellungnahmen kommen vor.

Besonders bemerkenswert ist seine Darstellung weiblicher Figuren. Leserinnen schätzten seine Romane unter anderem deshalb, weil er Frauenfiguren mit großer psychologischer Tiefe gestaltete. Zugleich enthält sein Werk auch misogyn wirkende Sticheleien. Jean Pauls eigenes Denken verband literarische, philosophische und naturwissenschaftliche Interessen, etwa an Astronomie. Er hielt Abstand sowohl zur Weimarer Klassik als auch zur Romantik. In seiner Vorschule der Ästhetik sind Einflüsse der Romantik erkennbar, doch verabsolutierte er weder die Kunst noch das Ich des Autors. Eine zentrale Eigenschaft seines Schreibens ist Humor, mit dessen Wesen er sich eingehend beschäftigte.

Seine Weltanschauung wird im Artikel als illusionslos und zugleich von humorvoller Resignation geprägt beschrieben. Aufklärung und Metaphysik galten ihm als gescheitert, behielten aber dennoch einen Platz in seinem Weltbild. Er wollte nicht indoktrinieren, sondern das Glück des Menschen darstellen. Außerdem gehörte er zu den frühen Fürsprechern Arthur Schopenhauers.

Werke und Ausgaben

Zu Jean Pauls frühen Arbeiten gehören Abelard und Heloise (1781), Grönländische Prozesse (1783 f.) und Auswahl aus des Teufels Papieren (1789), die Satiren teils unter dem Pseudonym J. P. F. Hasus erschienen. Wichtige Romane und Erzählungen sind Die unsichtbare Loge (1793), Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal (1793), Hesperus oder 45 Hundposttage (1795), Leben des Quintus Fixlein (1796), Siebenkäs (1796–1797), Der Jubelsenior (1797), Das Kampaner Tal (1797), Titan (1800–1803), Flegeljahre (1804–1805), Dr. Katzenbergers Badereise (1809), Leben Fibels (1812) und Der Komet oder Nikolaus Marggraf (1820–1822).

Daneben schrieb er theoretische, politische und pädagogische Texte, etwa Vorschule der Ästhetik (1804), Freiheitsbüchlein (1805) und Levana oder Erziehlehre (1807). Nach seinem Tod erschienen die Fragmente Selberlebensbeschreibung (1826) und Selina (1827). Sein Werk wurde mehrfach in Gesamtausgaben herausgegeben, unter anderem in Jean Paul. Sämmtliche Werke, 65 Bände, bei Reimer in Berlin 1826–1838, sowie in historisch-kritischen Ausgaben.

Wirkung und Erinnerung

Jean Paul hatte keine direkten Nachfolger im engeren Sinn, beeinflusste aber viele spätere Autorinnen und Autoren. E. T. A. Hoffmann steht ihm in grotesker Komik und beim Doppelgänger-Motiv nahe. Auch der frühe Adalbert Stifter und Wilhelm Raabe zeigen Einflüsse. Für das 20. Jahrhundert nennt der Artikel unter anderem Georg Heym, Hermann Burger, Albert Vigoleis Thelen, Paul Celan, Arno Schmidt und Alban Nikolai Herbst als Autoren, die wegen Sprachkunst und Abschweifungstechnik als Erben seiner Prosa gelten können. Paul Celan nahm Jean Pauls Gesamtwerk auf seiner Emigration nach Paris mit und übernahm einzelne Anregungen und Wörter in sein eigenes Schreiben. Navid Kermani setzte sich 2010 in den Frankfurter Poetikvorlesungen Über den Zufall intensiv mit Jean Paul auseinander.

Jean Paul wurde vielfach geehrt. In Bayreuth gibt es ein Jean-Paul-Museum; 1925 wurde zum 100. Todestag die Jean-Paul-Gesellschaft gegründet. Der Große Literaturpreis des Freistaates Bayern heißt Jean-Paul-Preis. Büsten stehen in der Ruhmeshalle in München und in der Walhalla in Donaustauf. Das Hofer Gymnasium, das er besuchte, trägt seit 1946 den Namen Jean-Paul-Gymnasium. Nach ihm benannt sind außerdem Schulen, Straßen, Plätze, der Jean-Paul-Weg in Oberfranken und der Asteroid (14365) Jeanpaul.

Seine Werke wurden auch adaptiert und musikalisch rezipiert. Es gibt Hörbuch- und Rundfunkfassungen, etwa von Katzenbergers Badereise, Freiheits-Büchlein und Das Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz. Literarisch griffen unter anderem Arno Schmidt, Walter Kappacher und Franzobel auf Jean Paul zurück. Musikalische Bezüge reichen vom 19. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert; genannt werden unter anderem Robert Schumanns Papillons op. 2, Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 in D-Dur (Titan) und Wolfgang Rihms Andere Schatten nach der Rede des toten Christus aus Siebenkäs.

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