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Norwegen unter deutscher Besatzung

Die Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begann mit dem Unternehmen Weserübung am 9. April 1940 und endete am 8.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Besetzung und Bedeutung
  2. 2. Neutralität, Invasion und Exilregierung
  3. 3. Besatzungsherrschaft und Repression
  4. 4. Militär, Zwangsarbeit und Wirtschaft
  5. 5. Bevölkerung, Flucht und Verfolgung der Juden
  6. 6. Kriegsende und Aufarbeitung

Besetzung und Bedeutung

Die deutsche Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg begann am 9. April 1940 mit dem Unternehmen Weserübung und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. In diesen fünf Jahren standen deutsche Truppen im Land, und ein Netz aus Polizei-, SS- und Sicherheitsdienststellen kontrollierte die Bevölkerung.

Zentrale Figur der Besatzung war Josef Terboven, zuvor NSDAP-Gauleiter in Essen. Adolf Hitler ernannte ihn zum Reichskommissar für Norwegen. Terboven setzte König Haakon VII. und die demokratisch legitimierte Regierung unter Ministerpräsident Johan Nygaardsvold für abgesetzt, nachdem diese nach London ins Exil gegangen waren. 1942 machte er den norwegischen Faschisten Vidkun Quisling zum Regierungschef einer Marionettenregierung. Quislings Name wurde später in mehreren Sprachen zum Synonym für einen Kollaborateur oder Verräter.

Die Besatzungszeit prägte Norwegen stark. Nach dem Krieg wurde über Kollaboration und Widerstand gestritten. Auch Widerstandsgruppen wurden kritisiert, weil Sabotageakte und Anschläge gegen Einrichtungen der Besatzungsmacht zivile Opfer in Kauf nahmen.

Neutralität, Invasion und Exilregierung

Norwegen war im Ersten Weltkrieg neutral geblieben und wollte auch im Zweiten Weltkrieg neutral bleiben. Die Regierung lehnte ein deutsches Angebot zu einem Nichtangriffspakt ab, weil es nicht zur Neutralitätspolitik passte. Erst Ende der 1930er Jahre beschloss das Storting, das norwegische Parlament, eine Aufrüstung zur Verteidigung der Neutralität. Diese Maßnahmen kamen aber zu spät, um noch wirksam zu werden.

Norwegen war wegen seiner Lage im Nordatlantik und wegen wichtiger Rohstoffe wie Kupfer, Schwefel, Nickel, Molybdän, Eisenerz und Aluminium strategisch wichtig. Der Altmark-Zwischenfall vom 16. Februar 1940 zeigte, wie schwer die Neutralität durchzusetzen war: Ein britischer Stoßtrupp enterte in norwegischen Gewässern das deutsche Schiff Altmark und befreite britische Kriegsgefangene; sieben deutsche Matrosen starben.

Am 8. April 1940 begannen die Briten mit Operation Wilfred, bei der Minenfelder bei den Lofoten gelegt wurden. Am nächsten Tag griff Deutschland Dänemark und Norwegen an. General Nikolaus von Falkenhorst hatte den Angriff unter großer Geheimhaltung geplant. König Haakon VII. und die Regierung weigerten sich, sofort zu kapitulieren, flohen ins Landesinnere und riefen zum Widerstand auf. Erst nach 62 Tagen endeten die Kämpfe am 10. Juni 1940 mit der Kapitulation der 6. norwegischen Division. König und Regierung verließen Norwegen am 7. Juni 1940 auf einem britischen Kriegsschiff und bildeten in London eine Exilregierung.

Besatzungsherrschaft und Repression

Die deutschen Besatzer stellten die Invasion als „Inschutznahme“ gegen britische Operationen dar. Tatsächlich errichtete Terboven eine harte Besatzungsherrschaft. Norwegisches Recht wurde deutschen Befehlen untergeordnet; wenn es nicht passte, schuf der Reichskommissar eigenes Besatzungsrecht, veröffentlicht in den „Verordnungsblättern für die besetzten norwegischen Gebiete“. In einigen Gebieten galt deutsches Kriegsrecht.

Die Nasjonal Samling, Quislings faschistische Partei, hatte kaum Rückhalt. Terboven verbot am 20. September 1940 alle politischen Parteien außer ihr, löste den Administrasjonsråd als Übergangsregierung auf und setzte „Kommissarische Staatsräte“ ein. Am 1. Februar 1942 wurde Quisling Regierungschef, um der Besatzung einen Schein von Legitimität zu geben.

Sicherheitspolizei und SD verhafteten politische Gegner, Kommunisten, Gewerkschaftsmitglieder, oppositionelle Lehrer und Studenten, Polizisten, Offiziere, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Juden. Es entstanden Polizeihäftlings- und Strafgefangenenlager wie Grini bei Oslo, Falstad bei Trondheim, Ulven und Espeland bei Bergen sowie Sydspissen/Tromsdalen bei Tromsø. Die Lager dienten auch als Hinrichtungsorte; Häftlinge wurden in Konzentrationslager deportiert. Von etwa 500 norwegischen Nacht-und-Nebel-Gefangenen, die heimlich nach Deutschland verschleppt wurden, kehrte die Hälfte nie zurück.

Militär, Zwangsarbeit und Wirtschaft

Norwegen war für Deutschland militärisch wichtig. 1942 wurde Nikolaus von Falkenhorst Wehrmachtsbefehlshaber Norwegen; am 18. Dezember 1944 folgte Lothar Rendulic, im Januar 1945 Franz Böhme. Zwischen 1940 und 1944 mussten etwa 300.000 deutsche Soldaten versorgt werden, am Ende der Besatzung sogar 400.000. Im Verhältnis zur Bevölkerung war die Besatzungsarmee besonders groß.

Die Besatzer bauten Flugplätze, U-Boot-Stützpunkte wie Dora 1 und Dora 2 in Trondheim sowie Bruno in Bergen, Küstenbefestigungen, Straßen und Eisenbahnlinien. Hitler fürchtete nach dem Überfall auf die Sowjetunion besonders eine britische Invasion in Norwegen. Nach der britischen Operation Claymore gegen die Lofoten am 4. März 1941 ordnete er den verstärkten Ausbau der Küstenverteidigung an.

Zwangsarbeiter stammten vor allem aus sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen. Sie waren unter anderem in Stalag 303 bei Lillehammer, Stalag 322 bei Kirkenes, Stalag 330 bei Alta und Stalag 380 in Drevja und Oppdal untergebracht, dazu kamen mindestens 121 Nebenlager. Etwa 13.000 sowjetische, 2.600 jugoslawische und 160 polnische Gefangene starben in Norwegen durch Exekutionen, systematische Unterversorgung, Misshandlung, Erschöpfung und Krankheiten.

Auch wirtschaftlich sollte Norwegen für die deutsche Kriegswirtschaft genutzt werden. Geplant war, mit Wasserkraft die Aluminiumproduktion für den Flugzeugbau der Luftwaffe zu vervierfachen. Wegen Arbeitskräftemangel, Misswirtschaft und Transportschwierigkeiten scheiterte dieses Projekt.

Bevölkerung, Flucht und Verfolgung der Juden

Die Zivilbevölkerung litt unter sinkenden Löhnen, Lebensmittel- und Brennstoffrationierung, Schwarzmarkt und Mangelkrankheiten. Am 8. September 1941 eskalierte die Lage beim Milchstreik: Nachdem die Milchration gesenkt und der Milchverkauf in Betrieben eingestellt worden war, legten Arbeiter in 55 Betrieben im Raum Oslo die Arbeit nieder. Die Besatzungsmacht reagierte mit äußerster Härte. Norwegen erhielt Hilfslieferungen aus Dänemark und Schweden. Während im Deutschen Reich der Durchschnittsenergiebedarf mit 2700 kcal pro Person berechnet wurde, mussten Norweger wie auch Belgier, Franzosen und Italiener mit 2000 kcal pro Tag auskommen.

Während der Besatzungszeit flohen ungefähr 50.000 Norweger ins neutrale Schweden. Unter ihnen waren Juden, politische Gegner und Widerstandskämpfer. Die 1619 Kilometer lange Grenze war schwer zu kontrollieren, und Einheimische halfen vielen bei der Flucht. Viele wehrfähige Männer wollten sich norwegischen Exiltruppen anschließen. Eine weitere Route führte über den Nordatlantik zu den Shetlandinseln; daraus entwickelte sich der „Shetland Bus“, über den Menschen und Material in beide Richtungen transportiert wurden.

Nach der Besetzung lebten etwa 2100 jüdische Norweger und Flüchtlinge aus Mitteleuropa im Land. Ab Sommer 1941 verschlechterte sich ihre Lage. Am 25. Oktober 1942 wurde die Verhaftung aller jüdischen Männer angeordnet, am 25. November 1942 die Verhaftung jüdischer Frauen und Kinder. 532 Menschen wurden mit der Donau nach Stettin und weiter nach Auschwitz deportiert, wo die meisten sofort ermordet wurden. Am 25. Februar 1943 folgten weitere 158 Juden; bis auf 28 als arbeitsfähig eingestufte Männer wurden sie sofort ermordet. Die Verhaftungen und Deportationen wurden von norwegischem Personal durchgeführt. Gleichzeitig halfen im Herbst 1942 immer mehr nichtjüdische Norweger bei der Flucht; insgesamt wurden mehr als 1000 Juden nach Schweden geschleust.

Kriegsende und Aufarbeitung

Ab Ende 1944 wurde im Rahmen des Unternehmens Nordlicht die Bevölkerung ostwärts des Lyngenfjords deportiert und alle Unterkünfte dort durch die Wehrmacht zerstört. Terboven hatte zudem Pläne für einen „Endkampf“ in Norwegen, bei dem wichtige Industrie- und Versorgungsbetriebe zerstört werden sollten. Beim neuen deutschen Staatsoberhaupt Karl Dönitz setzte er sich damit nicht durch. Terboven wurde am 7. Mai 1945 abgesetzt und beging am folgenden Tag Suizid.

Nach der deutschen Kapitulation wurde besonders die Übergabe der Festung Akershus in Oslo am 11. Mai 1945 bekannt: Der Widerstandskämpfer Terje Rollem übernahm sie vom deutschen Kommandanten Major Wilhelm Nichterlein. Die letzte Wehrmachtseinheit, der Wettertrupp Haudegen auf Spitzbergen, kapitulierte erst am 4. September 1945.

In der juristischen Aufarbeitung entzogen sich Terboven, Friedrich Wilhelm Redieß und Heinrich Fehlis durch Suizid der Verantwortung. Von Falkenhorst wurde von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe begnadigt und 1953 aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Eine Liste der United Nations War Crimes Commission enthielt 380 Deutsche und Österreicher, die auf norwegische Initiative wegen Kriegsrechtsverletzungen verdächtigt wurden. In Norwegen wurden 86 angeklagt und 81 verurteilt. Gleichzeitig wurden 90.000 Fälle von Landesverrat gegen Norweger vorbereitet. Am 7. August 1959 schlossen Norwegen und die Bundesrepublik Deutschland ein Globalabkommen zur Wiedergutmachung über 60 Mio. DM.

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