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Nordamerikanische Stadt
Damit bildete sich im Bereich der Kernstadt das Geschäftszentrum heraus – auch Central Business District (CBD) genannt – in dem sich beispielsweise Banken und …
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Kernmerkmale der nordamerikanischen Stadt
Die nordamerikanische Stadt ist ein Stadttyp, der vor allem in den USA und Kanada vorkommt. Prägend sind eine starke Stadtflucht, also die Abwanderung aus der Innenstadt in Randgebiete, eine zunehmende soziale und räumliche Segmentierung der Bewohner sowie die typische Skyline aus Hochhäusern im Stadtkern. Die USA haben einen Verstädterungsgrad von 77 %, Kanada von etwa 79 %. Beide Staaten gehören damit zu den am stärksten verstädterten Ländern der Erde.
Das Grundmuster vieler nordamerikanischer Städte besteht aus drei großen Bereichen: Downtown, Übergangsbereich und Umland. In der Downtown liegt meist der Central Business District (CBD), also das zentrale Geschäftsviertel mit vielen Dienstleistungs- und Finanzunternehmen. Um die Downtown liegt die Transition Zone, ein Übergangsbereich mit gemischten Nutzungen und häufig sozialen Problemen. Im Umland befinden sich die Suburbs, also ausgedehnte Vororte mit Wohngebieten, Arbeitsplätzen, Einkaufsangeboten und Freizeiteinrichtungen.
Historische Entwicklung und Stadtform
Die Verstädterung Nordamerikas begann im 16. und 17. Jahrhundert an der Ostküste durch europäische Kolonialmächte und Einwanderer. Nach Westen breitete sie sich entlang von Entwicklungsachsen aus, zunächst über Binnenschifffahrtswege und später über Eisenbahnrouten. Anders als viele europäische Städte besitzen nordamerikanische Städte meist keine typischen historischen Elemente wie Stadtmauern, Burganlagen oder Marktplätze.
Da viele Städte in relativ kurzer Zeit entstanden, fehlt ihnen oft die architektonische und städtebauliche Vielfalt älterer europäischer Städte. Sie sind selten auf einen einzigen Mittelpunkt ausgerichtet. Typisch ist vielmehr ein gleichförmiger, schachbrettartiger Straßenverlauf. Dieses Straßensystem geht auf renaissance-klassizistische Grundrisse der Kolonialstädte des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zurück.
In frühen Kolonialstädten gab es teilweise noch zentrale Plätze. Dazu gehörten etwa die Plaza in spanischen Kolonialstädten wie Santa Fe, das Vieux carré in New Orleans oder ein zentraler Exerzierplatz beziehungsweise Common in englischen Kolonialstädten wie New Haven. In später entstandenen Städten wurde ein solcher zentraler Platz jedoch kaum noch angelegt.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in den USA, weniger in Kanada, öffentliche Gebäude nach klassischem Vorbild. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden in größeren Städten Blockbauten, sogenannte Walk-up-buildings, errichtet. Sie hatten bis zu vier Geschosse, waren von Treppen erschlossen und wirkten oft monoton. In kleineren Städten entstanden niedrige Holzblockhäuser, deren Bauweise bis heute für Einfamilienhäuser in Nordamerika typisch ist.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das heutige Grundmuster der nordamerikanischen Stadt. Wegen steigender Bodenpreise und Platzmangels in der Innenstadt begann man Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau von Hochhäusern. Das erste Hochhaus war das Home Insurance Building in Chicago, das 1885 errichtet wurde. Möglich wurde diese Bauweise durch fehlende behördliche Einschränkungen, die Stahlskelettbauweise und den elektrischen Personenaufzug.
1916 wurden neue Bauvorschriften eingeführt, um Straßen besser zu belichten und zu belüften. Deshalb verjüngten sich Hochhäuser nach oben, wie etwa beim Empire State Building in New York City. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Hochhäuser mit Glasfronten, mehreren Flügeln und gemischter Nutzung als Wohn-, Büro- und Geschäftsgebäude. So bildete sich in der Kernstadt der Central Business District mit Banken, Versicherungen und anderen zentralen Einrichtungen heraus.
Aufriss und Skyline
Der Aufriss beschreibt die äußere Höhenstruktur einer Stadt. Für viele US-amerikanische Städte ist die starke Konzentration von Wolkenkratzern im Stadtkern typisch. Dadurch entsteht die charakteristische Skyline.
Diese Skyline zeigt den Kontrast zwischen drei Zonen: den Hochhäusern der Downtown als Dienstleistungs- und Finanzzentrum, der unterschiedlich genutzten Bebauung im Übergangsbereich und den niedrigen Wohnhäusern in den Suburbs. Besonders sichtbar wird dadurch die funktionale Gliederung der nordamerikanischen Stadt: hohe, dichte Bebauung im Zentrum und niedrigere, weitläufigere Bebauung nach außen.
Grundriss und funktionale Gliederung
Der Central Business District (CBD) bildet den zentralen Geschäftsbereich der US-amerikanischen Stadt. Er liegt innerhalb der Downtown und ist durch Wolkenkratzer geprägt. Dort befinden sich überwiegend Einrichtungen des Dienstleistungs- und Finanzbereichs, aber auch kulturelle Einrichtungen, Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie Einkaufsläden. Wegen des schachbrettartigen Straßensystems haben viele Hochhäuser einen Grundriss von etwa 100 mal 100 Meter.
Die Downtown wird von einem Übergangsbereich, der Transition Zone, umschlossen. Dieser Bereich ist durch eine starke Mischung verschiedener Funktionen gekennzeichnet. Dort finden sich öffentliche Dienstleistungseinrichtungen, Parkplätze, Bahnhöfe und Wohnhäuser in vernachlässigtem Zustand. Am Rand der Downtown können Slums sozial schwacher Bevölkerungsschichten entstehen. In Städten, die sich entlang einer Flussseite entwickeln, übernimmt manchmal die gegenüberliegende Stadt diese Funktion, etwa East St. Louis gegenüber St. Louis oder Camden gegenüber Philadelphia. Solche Städte sind häufig durch fehlende Wirtschaftskraft eines CBD oder fehlende neue Industrieansiedlungen vom Niedergang geprägt.
Weiter entfernt vom Zentrum liegen im Übergangsbereich Wohngebiete der Mittelschicht. Dort wohnen Menschen häufig in Mehrfamilienhäusern mit geringer Stockwerkzahl auf kleinen Grundstücken.
Entlang großer Ein- und Ausfallstraßen befinden sich Commercial Strips. Sie entstanden durch die räumliche Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz. Der dadurch entstehende Pendelverkehr führte dazu, dass sich an beiden Straßenseiten Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen ansiedelten. Diese Betriebe profitieren von guter Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten. Commercial Strips sind oft durch große Reklametafeln geprägt. Ihre Länge kann von wenigen 100 Metern bis zu mehreren Meilen reichen.
Um den Übergangsbereich herum liegt das Umland mit den Suburbs. Dort befinden sich Fabriken und Bürogebäude entlang von Hauptstraßen und Autobahnen. Viele Industrie- und Dienstleistungsbetriebe wanderten wegen günstigerer Standorte aus der Innenstadt ins Umland ab. Dadurch entstanden immer mehr Arbeitsplätze im suburbanen Raum.
Im Umland liegen außerdem weitläufige Wohngebiete der oberen Mittelschicht und Oberschicht. Dort gibt es oft Freizeiteinrichtungen wie Golfplätze, Tennisanlagen oder Spazierwege. Allgemein nehmen Bebauungsdichte und Altersdurchschnitt von innen nach außen ab, während Bildungsstand und Pro-Kopf-Einkommen nach außen zunehmen. Wichtig ist dabei die Lage an Verkehrsknotenpunkten, weil sie eine gute Verkehrsanbindung ermöglicht.
Suburbanisierung und soziale Spaltung
Der wichtigste Strukturwandel und zugleich das Hauptproblem der nordamerikanischen Stadt ist die Suburbanisierung. Damit ist die Verlagerung von Bevölkerung, Arbeitsplätzen und Einrichtungen aus der Innenstadt in das Umland gemeint. Besonders nach 1945 setzte eine rasche Abwanderung in die Randgebiete ein.
Die Ursachen dafür waren vielfältig. Staatliche Organisationen veränderten die Bedingungen für Kreditvergaben. Die Vororte wurden durch bessere Verkehrsanbindungen attraktiver, besonders durch das von der Regierung finanzierte Metropolitan-Freeway-System. Außerdem hatten die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg den Wohnungsbau behindert, sodass nach dem Krieg ein großer Wohnungsbedarf bestand. Wegen der hohen Siedlungsdichte in den Innenstädten wurde dieser Bedarf vor allem in den Vororten gedeckt.
Für junge Familien war ein Umzug in die Vororte oft kostengünstiger, unter anderem wegen geringerer lokaler Steuern. Hinzu kam der Wunsch nach einem Einfamilienhaus außerhalb enger, schmutziger und gefährlicher Innenstädte. Gleichzeitig verlagerten sich Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten an den Stadtrand. Dadurch mussten viele Menschen nicht mehr zum Arbeiten oder Einkaufen ins Stadtzentrum fahren. In den Randbereichen entstanden neue kleinere Zentren, die Edge Citys.
Seit Ende der 1980er Jahre verbreitete sich außerdem das Gating. Darunter versteht man die Einzäunung oder Ummauerung von Gemeinden im öffentlichen suburbanen Raum zu Gated Communitys. Gründe waren juristische Grundlagen für solche Organisationsformen, marktwirtschaftliche Entwicklungen sowie der Wunsch nach Sicherheit oder Exklusivität.
Während wohlhabendere Gruppen in suburbane Räume und Gated Communitys zogen, wanderten sozial schwächere Schichten in zentrumsnahe Stadtviertel, in denen früher wohlhabendere Bevölkerung wohnte. Dort entstanden Slums mit verfallender Bausubstanz und fehlenden Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern. Wegen ihrer einseitigen Sozialstruktur wurden diese Viertel häufig Auffangquartiere für Zuwanderer und Illegale. Durch die Gleichzeitigkeit von wohlhabenden, abgeschlossenen Vororten und verfallenden armen Innenstädten entwickelten sich nordamerikanische Städte zu sogenannten dualen Städten.
Verkehr, Zersiedlung und Hochhausprobleme
Ein weiterer Prozess des Strukturwandels ist die Dezentralisierung. Die durch Pendelverkehr entstandenen Commercial Strips zeigen die Verlagerung von Dienstleistungen in äußere Stadtbereiche. Dadurch breiten sich Städte immer weiter aus. Diese zunehmende Zersiedlung gilt als negative Folge der Entwicklung.
Auch der Bau von Wolkenkratzern bringt Probleme mit sich. Die Konzentration vieler Arbeitsplätze im Central Business District verursacht ein hohes Verkehrsaufkommen, besonders während der Rush Hour. Zusätzlich beeinflussen Hochhäuser das Stadtklima: Sie können Windströmungen erzeugen oder dafür sorgen, dass Straßenabschnitte dauerhaft im Schatten liegen.
Das dichte Straßennetz aus der Kolonialzeit führt ebenfalls zu Schwierigkeiten. In diesem Raster gibt es etwa alle 100 Meter eine Kreuzung mit vier Zufahrtsstraßen. Schon mit Beginn des Automobilzeitalters wurde dieses System problematisch, weil es Gefahren für Verkehrsteilnehmer und Behinderungen des Verkehrs verursachte. Ein Lösungsversuch ist das Einbahnstraßensystem. Dieses kann Autofahrer jedoch zu erheblichen Umwegen zwingen.