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New Orleans

Sie wurde 1718 gegründet und ist ein Industriezentrum mit einem bedeutenden Hafen am Mississippi River. Die Stadt ist bekannt für ihre lokale kreolische Küche …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage, Bedeutung und Naturraum
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung und Folgen von Katrina
  4. 4. Kultur und Stadtbild
  5. 5. Wirtschaft, Behörden und Verkehr
  6. 6. Weitere Bezüge

Lage, Bedeutung und Naturraum

New Orleans ist die größte Stadt des US-Bundesstaates Louisiana. Die 1718 gegründete Stadt liegt im Delta des Mississippi River und ist ein Industriezentrum mit einem bedeutenden Hafen. Bekannt ist sie außerdem für die kreolische Küche, das historische French Quarter und ihre Rolle als „Wiege des Jazz“.

New Orleans umfasst 907 km², davon 467,6 km² Land und 439,4 km² Wasser; 48,45 % der Fläche bestehen aus Wasser. Die Stadt liegt zwischen dem Mississippi im Süden und dem 1839 km² großen Lake Pontchartrain im Norden. Ihr mondsichelförmiger Umriss führte zum Beinamen Crescent City. Das Stadtgebiet liegt auf etwa 0 m Höhe, 70 % der Fläche liegen bis zu 1,6 m unter dem Meeresspiegel.

Der Untergrund besteht größtenteils aus ehemaligem Sumpf, der sich aus Flusssedimenten entwickelte. Seit der Eindeichung des Mississippi sinkt das Gebiet um etwa 8 mm pro Jahr. Seit 1910 entwässern Pumpen und ein mehrere hundert Kilometer langes Drainagesystem die Stadt; bei starkem Regen arbeiten 22 Pumpstationen. Die Trockenlegung ermöglichte eine Ausdehnung der Stadt, verstärkte aber zugleich die Absenkung des Bodens. Heute schützen im Norden ein 5 bis 6 m hoher und im Süden ein 9 m hoher Deich vor Wassereinlauf.

Das Klima ist warm und feucht. Die mittlere Tageshöchsttemperatur beträgt im Jahresmittel 26,5 °C, die mittlere Tagestiefsttemperatur 15,6 °C. Der Jahresniederschlag liegt bei 1.571,8 mm; im Juli und August fallen durchschnittlich 155,4 bzw. 156,7 mm.

Historische Entwicklung

New Orleans wurde 1718 von Jean-Baptiste Le Moyne de Bienville als La Nouvelle-Orléans gegründet und 1722 Hauptstadt der französischen Kolonie Louisiana. 1762 ging das Gebiet im geheimen Abkommen von Fontainebleau an Spanien über; dies wurde 1763 im Pariser Frieden bestätigt. Ein Großbrand am 21. März 1788 zerstörte 856 von etwa 1100 Gebäuden. Am 8. Dezember 1794 vernichtete ein weiterer Brand mehr als 200 Häuser im French Quarter.

Im Pinckney-Vertrag von 1795 gewährte Spanien den Vereinigten Staaten Niederlassungsrechte und die Nutzung des Hafens. Durch das Abkommen von San Ildefonso von 1800 fiel Louisiana zunächst an Frankreich zurück. Napoleon verkaufte die gesamte Kolonie 1803 im Louisiana Purchase für 15 Mio. US-Dollar an die Vereinigten Staaten unter Präsident Thomas Jefferson. New Orleans wurde am 20. Dezember 1803 offiziell übergeben; damals hatte die Stadt etwa 10.000 Einwohner.

Im Britisch-Amerikanischen Krieg wurden britische Truppen am 8. Januar 1815 in der Schlacht von New Orleans von den von Andrew Jackson geführten Truppen zurückgeschlagen. In den 1830er und 1840er Jahren verdoppelte sich die Bevölkerung. New Orleans wurde zur größten Stadt des amerikanischen Südens und außerhalb des „Atlantic Seaboards“. Hauptstadt Louisianas war die Stadt bis 1849 und erneut von 1865 bis 1882.

Der Hafen war stark mit dem Sklavenhandel verbunden. Zugleich war New Orleans die nordamerikanische Stadt mit den meisten schwarzen Einwohnern. 1838 wurde eine Münze eingerichtet, in der neben Gold- auch Silbermünzen geprägt wurden. Eine Gelbfieber-Epidemie forderte 1853 fast 8000 Todesopfer; neuere Forschungen gehen von über 9000 Toten aus, etwa 8 % der Bevölkerung. Im Amerikanischen Bürgerkrieg eroberte die Union die Stadt am 28. April 1862 kampflos durch eine Schiffsoperation unter Admiral David Glasgow Farragut.

Im frühen 20. Jahrhundert entstand in New Orleans aus europäischen, lateinamerikanischen und afroamerikanischen Musiktraditionen sowie den Street Bands der Jazz. Seine große Blüte erlebte er besonders in den frühen 1920er Jahren. Die Überschwemmung des Mississippi von 1927 betraf etwa 70.000 km² und machte mehrere 100.000 Menschen obdachlos. 1965 setzte Hurrikan Betsy einen Großteil der Stadt unter Wasser.

Bevölkerung und Folgen von Katrina

Die Bevölkerung New Orleans’ entstand aus französischen und europäischen Siedlern, kanadischen Grenzbewohnern, Handwerkern, Soldaten, Häftlingen sowie schwarzen und indigenen Sklaven. 1727 kamen 88 aus Pariser Gefängnissen befreite Frauen mit acht ursulinischen Nonnen in die Stadt. Später prägten unter anderem Cajuns, Spanier, Deutsche, Iren und Italiener die Bevölkerung. „Kreole“ bezeichnete in Louisiana ursprünglich eine in der Kolonie geborene Person französischer Abstammung. Seit 1968 fördert der Bundesstaat die Wiederbelebung der französischen Sprache, obwohl kaum noch Französisch gesprochen wird.

New Orleans hatte am 1. Juli 2005 454.863 Einwohner. Nach der Evakuierung infolge von Katrina waren es am 1. Juli 2006 nur 223.388 und im Juli 2007 239.124. Bei der Volkszählung 2010 wurden 343.829 Einwohner gezählt, am 1. April 2020 383.997. Für März 2008 schwankten die Schätzungen zwischen 300.000 Rückkehrern nach Angaben des City Council und 240.000 nach Angaben der Bundesbehörden. Diese Differenz wurde mit unterschiedlichen Interessen bei der Bemessung von Bundeszuschüssen erklärt.

Nach den Angaben für 2010 waren 67,25 % der Einwohner Afroamerikaner, 28,05 % Weiße, 0,20 % Ureinwohner, 2,26 % Asiaten und 3,06 % Hispano-Amerikaner. Die Metropolregion hatte am 1. Juli 2005 1.313.787 Einwohner und am 1. Juli 2006 1.024.678.

Hurrikan Katrina traf New Orleans am 29. August 2005. Obwohl die Stadt hauptsächlich von Ausläufern betroffen war, brachen die Wände zweier Kanäle, sodass Wasser des Lake Pontchartrain fast die gesamte Stadt überschwemmte. Die Pumpen fielen aus, Gebäude stürzten ein, und Wasser, Müll und Schutt gelangten in den als Notunterkunft genutzten Superdome. Am 30. August brachen auch die Wände des Industrial Canal. Besonders stark betroffen war der tiefer gelegene Ninth Ward; dort stand das Wasser bis zu zwei Meter hoch.

Am 31. August wurde die vollständige Evakuierung angeordnet, zunächst mit Bussen und später durch eine Luftbrücke. Am 6. September wurde die Zwangsevakuierung der letzten Bewohner angeordnet. Mitte Oktober 2005 war die Stadt wieder trockengelegt. Die höher gelegenen historischen Viertel am Mississippi, darunter das French Quarter, blieben verschont.

Die Katastrophe traf Afroamerikaner, Arme, Mieter und Arbeitslose überproportional stark. Die Stadt entschied sich anschließend für eine geringere Bevölkerungsdichte, besonders in Public Housing Projects. Viele dieser Sozialwohnungsanlagen wurden abgeriegelt, nicht saniert oder abgerissen; in der Innenstadt entstanden beziehungsweise entstanden geplant dünner besiedelte Wohngebiete mit gemischten Einkommen. Laut einer 2016 zitierten Einschätzung war New Orleans danach „kleiner, wohlhabender und weißer“ als vor dem Sturm.

Kultur und Stadtbild

Das French Quarter, auch Vieux Carré genannt, wurde 1721 von Adrian de Pauger entworfen. Es grenzt an Mississippi, Rampart Street, Basin Street, Canal Street und Esplanade Avenue. Die historische Altstadt bewahrt zahlreiche Gebäude im französischen und spanischen Kolonialstil. Zu den wichtigen Orten gehören der French Market, das Café du Monde, die Bourbon Street, der Jackson Square und der Louis Armstrong Park im angrenzenden Treme.

Am Jackson Square stehen die St.-Louis-Kathedrale sowie das Cabildo und das Presbytere. Die Kathedrale wurde 1727 gegründet, nach dem Brand von 1788 zwischen 1789 und 1794 neu errichtet und ab 1850 erneuert. Der Garden District besitzt ein gut erhaltenes Ensemble eleganter Wohnhäuser der Antebellum-Architektur des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts. In Faubourg Marigny, Bywater und Treme ist das für New Orleans typische Shotgun House verbreitet.

Wegen des feuchten, tief liegenden Bodens werden die Toten seit 1830 in Mausoleen beigesetzt. Diese „Cities of the Dead“ sind zugleich Touristenattraktionen. Bei einem Jazz Funeral begleitet eine Marching Band den Trauerzug: Auf dem Weg zur Beerdigung erklingen Hymnen, auf dem Rückweg fröhliche weltliche Musik und Hot Jazz.

New Orleans verbindet europäische, lateinamerikanische und afroamerikanische Musiktraditionen. Neben Jazz sind Rhythm and Blues, Cajun- und Zydeco-Musik verbreitet. Ende der 1980er Jahre entstand ein lokaler Doom-Metal-Stil, der später als Sludge beziehungsweise NOLA-Sound bezeichnet wurde. Bedeutende Feste sind das Jazz and Heritage Festival, das French Quarter Festival, das Satchmo SummerFest und der Karneval Mardi Gras. Die offiziellen Mardi-Gras-Farben sind Lila, Grün und Gold.

Die Küche umfasst kreolische und Cajun-Gerichte wie Crawfish Étouffée, Jambalaya und Gumbo. Weitere Spezialitäten sind Po’ boys, Muffuletta-Sandwiches, Bananas Foster, Pompano en Papillote, Golf-Austern, Red beans and rice sowie Beignets. Kreolische Küche entstand durch die Vermischung vieler Einflüsse; die Cajun-Küche geht auf französische Einwanderer aus Akadien zurück und nahm neue Elemente lange zögerlicher auf.

Im Sport vertreten die New Orleans Pelicans die Stadt in der NBA und die New Orleans Saints in der NFL. Die Saints gewannen den Super Bowl XLIV. New Orleans war zehnmal Austragungsort des Super Bowls; zuletzt 2013 beim Super Bowl XLVII. Im Hochschulsport treten die Tulane Green Wave in der AAC der NCAA an. Der Mardi Gras Marathon findet seit 1965 statt.

Wirtschaft, Behörden und Verkehr

New Orleans besitzt mit dem Hafen New Orleans einen der größten und verkehrsreichsten Häfen der Vereinigten Staaten. Gemessen am Frachtvolumen ist er der fünftgrößte Hafen der USA und der zweitgrößte Louisianas; nach Frachtwert liegt er auf Rang zwölf der USA. Zusammen mit dem Hafen South Louisiana bildet er volumenmäßig das viertgrößte Hafensystem. Ein Drittel der Kaffeeimporte der Vereinigten Staaten wird im Hafen von New Orleans umgeschlagen.

Die Metropolregion ist ein Zentrum der maritimen Industrie, der Ölraffinerie und Petrochemie sowie der Onshore- und Offshore-Erdöl- und Erdgasproduktion. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelt sich New Orleans außerdem zu einem Technologiezentrum. Weitere wichtige Bereiche sind Gesundheitswesen, Fertigung und Kreativwirtschaft. Die Metropolregion erzielte 2022 eine Wirtschaftsleistung von 74 Milliarden US-Dollar; mit einem BIP pro Kopf von 55.167 Dollar im Jahr 2021 gehört New Orleans zu den ärmeren der 100 größten Städte der USA.

New Orleans liegt am Knotenpunkt des Gulf Intracoastal Waterway, des Mississippi und des 106 km langen, 10,8 m tiefen Mississippi River-Gulf Outlet Canal. Der öffentliche Verkehr wird von der Regional Transit Authority mit Bus- und Straßenbahnlinien betrieben. Amtrak und Greyhound stellen weitere Verbindungen bereit.

Die grüne Straßenbahnlinie St. Charles verbindet die Stadt seit 1893 mit Carrollton; die Wagen wurden 1924 von Perley-Thomas gebaut. Die Riverfront-Linie wurde 1988 wiedereröffnet, die Canal-Street-Linie 2004. Die Stadt ist über Interstate 10, Interstate 55 und Interstate 12 sowie weitere Interstates und U.S. Highways angebunden. Die Crescent City Connection ist die einzige Mississippi-Brücke im Stadtgebiet und die letzte Brücke über den Fluss vor seiner Mündung. Der größte Flughafen ist der Louis Armstrong New Orleans International Airport im Vorort Kenner.

Zu den bedeutenden Einrichtungen gehören das United States Court of Appeals for the Fifth Circuit, die NASA-Fertigungsanlage Michoud Assembly Facility, das National Finance Center, Einrichtungen der US Navy und die Naval Air Station Joint Reserve Base. Die Tulane University gehört zu den wichtigen Forschungsuniversitäten; insgesamt studieren über 50.000 Menschen an elf Einrichtungen der Region. Die Zeitung The Times-Picayune erhielt 2006 den Pulitzer-Preis für ihre Katrina-Berichterstattung. 2019 wurden nach einer massiven Cyberattacke die Server der Stadtverwaltung heruntergefahren und der Ausnahmezustand erklärt.

Weitere Bezüge

New Orleans ist Schauplatz zahlreicher Filme und Serien, darunter „12 Years a Slave“, „American Horror Story“, „Easy Rider“, „Endstation Sehnsucht“, „Interview mit einem Vampir“, „JFK – Tatort Dallas“, „Küss den Frosch“, „Treme“ und „Your Honor“.

Der Artikel nennt außerdem Persönlichkeiten mit Bezug zur Stadt, darunter Jelly Roll Morton, Michael Ellis DeBakey, Ruby Bridges und die Rap-Gruppe Suicideboys. Zudem werden internationale Städtepartnerschaften aufgeführt, unter anderem mit Batumi, Durban, Florenz, Innsbruck, Klaipėda, Matsue, Mérida, Montreal, Orléans, Rotterdam und Tegucigalpa.

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