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Nominalstil

Der Nominalstil benutzt in seinen Sätzen viele Nominalgruppen und nur wenige Vollverben. Der Verbalstil hingegen benutzt viele Verben und nur wenige …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Wirkung und Verwendung
  3. 3. Umformung vom Verbalstil zum Nominalstil
  4. 4. Nebensätze und soziale Unterschiede
  5. 5. Typische Mittel des Nominalstils

Grundidee

Der Nominalstil ist ein Sprachstil, der in Sätzen viele Nominalgruppen, also Gruppen um ein Nomen oder Substantiv, und nur wenige Vollverben verwendet. Der Verbalstil ist das Gegenstück dazu: Er benutzt viele Verben und vergleichsweise wenige Substantive.

Wichtig ist der Unterschied, weil beide Stile unterschiedlich wirken und in verschiedenen Textsorten typisch sind. Verbalstil entspricht eher der Umgangssprache, wirkt lebendiger, kann aber langatmiger und weniger prägnant sein. Nominalstil ist besonders in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten verbreitet.

Wirkung und Verwendung

Der Nominalstil wird unter anderem aus Gründen der Sprachökonomie, der Diversität im Ausdruck und der Reduktion syntaktischer Komplexität genutzt. Er kann Nebensätze einsparen und dadurch die informationelle Dichte erhöhen. Gleichzeitig gilt er oft als unlebendig; viele Stilratgeber empfehlen deshalb, ihn zu vermeiden.

Der Verbalstil findet sich häufig in der Belletristik. Er gilt als näher an der Alltagssprache und lebendiger, aber auch als weniger knapp.

Umformung vom Verbalstil zum Nominalstil

Bei der Überführung eines Satzes vom Verbal- zum Nominalstil wird ein Verb durch ein verwandtes Nomen ersetzt. Im Hauptsatz nimmt dieses Nomen den Platz des Subjekts ein. Dadurch erhält der Satz einen unpersönlichen Charakter.

Beispiel: Aus „Sie öffnet die Tür“ wird „Die Öffnung der Tür erfolgt durch sie.“ Das ursprüngliche Verb „öffnet“ geht dabei verloren; deshalb muss ein neues Verb eingefügt werden, hier „erfolgt“. Das ursprüngliche Subjekt wird zum Objekt.

Besonders unpersönlich wirkt der Nominalstil im Passiv: „Die Öffnung der Tür hat zu erfolgen.“ In diesem Satz steht weder im Subjekt noch im Objekt eine Person.

Nebensätze und soziale Unterschiede

Wenn ein Verb aus einem Nebensatz durch ein Nomen ersetzt wird, kann der Nebensatz eingespart werden. Beispiel: Aus „Sie veröffentlichte das Dokument, um die Information bereitzustellen“ wird „Sie veröffentlichte zur Bereitstellung der Information das Dokument“.

Die Soziolinguistik untersucht unter anderem geschlechterspezifische Merkmale im Sprachverhalten. Seit den 1990er Jahren weiß man laut Artikel, dass Frauen zum Verbalstil tendieren, Männer hingegen zum Nominalstil.

Typische Mittel des Nominalstils

Typische Mittel des Nominalstils sind Substantivierungen von Verben, Funktionsverbgefüge, Nominalisierungen von Funktionsverbgefügen, Präpositionen statt verbaler Formulierungen und untergeordnete Genitiv-Attribute.

Beispiele aus der Gegenüberstellung sind: „Die Weigerung des Ministers führte zu Streit in der Koalition“ statt „Der Minister weigerte sich, was zu Streit in der Koalition führte“; „Ich habe in Erwägung gezogen, eine Messung durchzuführen“ statt „Ich habe erwogen zu messen“; und „Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes dauerte es“ statt „Es dauerte, bis das Gesetz in Kraft trat“.

Weitere Beispiele sind „Ich handelte vermöge meines Verstandes so“ statt „Ich handelte so, weil ich es aufgrund meines Verstandes vermochte“ sowie „Das Vorhaben des Treffens der Minister der Länder scheiterte“ statt „Die Minister der Länder hatten vor, sich zu treffen, was scheiterte“.

Lernvideos zu Nominalstil

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