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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Nebensatz

Gliedsätze und weiterführende Nebensätze · „Er hat mich eingeladen, worüber ich mich sehr freue.“ · Nicht!: *„Worüber ich mich sehr freue, hat er mich eingeladen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Funktionen im übergeordneten Satz
  3. 3. Attributsätze
  4. 4. Verbform und satzwertige Konstruktionen
  5. 5. Einleitung und Wortstellung
  6. 6. Verschachtelung und Sprachenvergleich

Begriff und Grundprinzip

Ein Nebensatz ist ein Teilsatz, der an einen übergeordneten Satz angebunden ist und von ihm abhängt. Er kann deshalb nicht allein stehen. Der übergeordnete Satz heißt Matrixsatz; er kann ein Hauptsatz, aber auch selbst ein Nebensatz sein. Die Unterordnung heißt Hypotaxe.

Nebensätze sind von der Parataxe zu unterscheiden: Bei ihr werden zwei Hauptsätze etwa mit nebenordnenden Konjunktionen wie „und“ oder „denn“ verbunden. Auch Parenthesen, also Schaltsätze, sind keine Nebensätze.

Der abhängige Status wird meist, aber nicht immer, sichtbar markiert. Im Deutschen leiten oft Konjunktionen, Fragepronomen oder Relativpronomen den Nebensatz ein. Dann steht das finite Verb, also die nach Person, Zahl, Zeitform oder Modus bestimmte Verbform, gewöhnlich am Satzende. Es gibt jedoch auch uneingeleitete Nebensätze mit Verb-Erst- oder Verb-Zweit-Stellung sowie nebensatzwertige Infinitivkonstruktionen.

Funktionen im übergeordneten Satz

Nach ihrer Funktion unterscheidet man Gliedsätze, Attributsätze und weiterführende Nebensätze. Gliedsätze sind in den Matrixsatz integriert und übernehmen dort die Rolle eines Satzglieds. Attributsätze erweitern ein Satzglied, genauer meist ein Substantiv, und heißen deshalb auch Gliedteilsätze. Weiterführende Nebensätze sind nicht als Satzglied in den Hauptsatz integriert.

Ein weiterführender Relativsatz ist: „Er hat mich eingeladen, worüber ich mich sehr freue.“ Er kann nicht vorangestellt werden: *„Worüber ich mich sehr freue, hat er mich eingeladen.“ Dagegen ist „Worüber du dich so freust, verstehe ich nicht.“ ein integrierter Gliedsatz: Er bildet das direkte Objekt zu „verstehe“ und kann im Vorfeld vor dem finiten Verb stehen.

Gliedsätze sind Inhaltssätze, Adverbialsätze oder Prädikativsätze. Subjekt- und Objektsätze besetzen eine Argumentstelle eines Prädikats. Sie werden oft, aber nicht immer, mit „dass“, „ob“ oder einem Fragewort eingeleitet. Ein Subjektsatz in Endstellung wird häufig durch „es“ als Korrelatpronomen angekündigt, etwa: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Weitere Beispiele sind „Wann er kommt, ist unklar“ und „Ich weiß nicht, ob sie mich noch kennt.“

Adverbialsätze geben zum Beispiel Zeit, Bedingung oder Einschränkung/Gegengrund an: „Als das hohe Pfingstfest gekommen war, waren sie alle an einem Ort“; „Wenn/Falls ich gewinne, bezahlst du“; „Obwohl es regnet, spielen sie draußen.“ Ein Prädikativsatz steht in der Position eines Prädikativums, zum Beispiel nach dem Kopulaverb „bleiben“: „Anna will bleiben, was sie immer war.“

Attributsätze

Attributsätze sind mit einem Substantiv verbunden und erweitern es. Häufig sind sie Relativsätze, die mit Relativpronomen oder Relativadverbien beginnen: „Lange stand Julian auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte.“ Ebenso: „Der Ort, in dem ich geboren bin, liegt am Meeresufer“ oder „Der Ort, wo ich geboren bin.“

Neben Relativsätzen können auch dass-/ob-Sätze oder W-Fragesätze ein Attribut sein. In „Die Ungewissheit, ob sie kommt, beunruhigt mich“ erweitert der Nebensatz das Substantiv „Ungewissheit“. Da das Substantiv mitsamt seiner Erweiterung ein Satzglied bildet, zählt der Attributsatz als Gliedteilsatz.

Verbform und satzwertige Konstruktionen

Nach Verbform oder Phrasenkern unterscheidet man Finitsätze, Infinitivsätze und Partizipialsätze. Die Begriffe werden nicht in allen Grammatiken gleich verwendet: Wenn ein Satz zwingend eine finite Verbform und ein Subjekt voraussetzt, heißen Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen stattdessen nebensatzwertige Phrasen. Finitsätze wären dann die eigentlichen beziehungsweise einzigen Nebensätze.

Finitsätze beruhen auf einer finiten Verbform und bilden den überwiegenden Teil der deutschen Nebensätze. Infinitivsätze beruhen auf einem Infinitiv mit „zu“ und enthalten im Deutschen kein ausgesprochenes Subjekt. Dieses wird aus Matrixsatz oder Kontext ergänzt; dies heißt Kontrolle des Infinitivsubjekts. In „Er hoffte, nicht bestraft zu werden“ wird das fehlende Subjekt als identisch mit dem Subjekt von „hoffte“ verstanden. In „Sie alle zu vereinen, war sein Anliegen“ entspricht es „sein“, und in „Er kam, um das Schlimmste zu verhindern“ dem Subjekt von „kam“. Infinitivsätze können mit bestimmten (Sub-)Junktionen eingeleitet werden, besonders mit „um“. Die Abgrenzung zu nicht satzwertigen, kohärenten Infinitivkonstruktionen kann schwierig sein.

Partizipialsätze beruhen auf Partizip I oder II und enthalten ebenfalls kein eigenes Subjekt; es wird über den Hauptsatz realisiert. Beispiele sind „Fröhlich pfeifend trat sie ab“, „Die Segel gehisst, lief es in den Hafen ein“ und „Obwohl vom Kampf geschwächt, siegte er.“ Auch „Müller, geboren in Hamburg, kam nach Berlin“ hat ein mit dem Hauptsatzsubjekt gleichgesetztes fehlendes Subjekt. Ähnlich können sich nebensatzwertige Adjektivphrasen verhalten, etwa: „Des Spieles überdrüssig, verließ er das Zimmer.“

Einleitung und Wortstellung

Eingeleitete Nebensätze werden in Subjunktorsätze und W/D-Sätze gegliedert. Subjunktorsätze beginnen mit einer Subjunktion und sind gewöhnlich Verbletztsätze: „Weil sie nicht kam, ging er“ oder „Er versuchte es, obwohl es nicht ging.“ Bei Verbindungen wie „anstatt dass“ und „ohne dass“ ist die Einordnung strittig: Die zusätzlichen Elemente werden als Präposition oder als Teil einer zusammengesetzten Konjunktion angesehen.

W/D-Sätze beginnen mit einem Relativ- oder D-Element wie „der, die, das, den“ oder mit einem W-Element wie „wer, warum, wozu“. Sie können mit einer Präposition verbunden sein, etwa „für wen“, oder als Pronominaladverb auftreten, etwa „wofür“. Auch sie sind gewöhnlich Verbletztsätze: „Wem es gehört, bleibt unklar“, „Sie wollte wissen, wer es war“, „Er sagte nicht, auf wen er wartet“ und „Der Papagei, den ich gestern kaufte, ist mausetot.“

Uneingeleitete Nebensätze beginnen nicht mit solchen Einleitungselementen. Verbzweitnebensätze sind, soweit das Matrixverb es erlaubt, meist bedeutungsgleich mit einem dass-Satz: „Er beteuert, sie sei unschuldig“ entspricht „dass sie unschuldig sei“. Verberstnebensätze entsprechen oft einem mit „wenn“, „falls“ oder „obwohl“ eingeleiteten Bedingungs- oder Konzessivsatz: „Kommst du rechtzeitig, (so) wirst du noch etwas abbekommen“ entspricht „Wenn du rechtzeitig kommst“. „Hätte sie aufgepasst, (so) wäre es nicht passiert“ entspricht „Wenn sie aufgepasst hätte“.

Verberstsätze bilden auch die Grundlage direkter Fragen wie „Ist Wikipedia eine Enzyklopädie?“. Indirekte eingebettete Ja/Nein-Fragen können im Deutschen dagegen nicht in Verberststellung stehen, sondern werden mit „ob“ markiert.

Verschachtelung und Sprachenvergleich

Haupt- und Nebensätze können weitere Nebensätze enthalten. Solche Schachtelsätze entstehen durch Rekursion; ihre mögliche Tiefe ist syntaktisch nicht begrenzt, wird praktisch aber durch die Gedächtnisleistung der Sprachbenutzer begrenzt. Satzzeichen helfen beim Lesen, weil sie die Struktur sichtbar machen. Wo sie seit der Rechtschreibreform wahlfrei sind, kann ihr Weglassen Sätze unübersichtlicher machen. Ein stark verschachtelter Satzbau heißt hypotaktischer Stil; ihm steht der parataktische Stil mit aneinandergereihten Hauptsätzen gegenüber. Seit dem 20. Jahrhundert besteht eine Tendenz zur Vereinfachung und Verkürzung des Satzbaus.

Im Deutschen unterscheidet sich die Wortstellung von Hauptsatz und den meisten Nebensätzen: Nach Konjunktionen oder Relativpronomen am Anfang bleibt das finite Verb im Nebensatz am Ende, während der Hauptsatz ein Verbzweitsatz ist. Ähnliche, aber nicht identische Unterschiede gibt es in anderen germanischen Sprachen außer dem Englischen. Außerhalb der germanischen Sprachen sind Unterschiede der Wortstellung zwischen Haupt- und Nebensatz eher selten. Als Beispiel wird Quileute genannt: Hauptsätze sollen die Reihenfolge Verb–Subjekt–Objekt, Nebensätze dagegen Subjekt–Verb–Objekt haben.

Sprachen markieren die Grenzen von Nebensätzen unterschiedlich. Im Deutschen überwiegen einleitende Elemente. Bwe Karen verwendet bei Adverbialsätzen zugleich Elemente am Anfang und Ende, etwa in „yə-khɔ́ ge [kɔ́ yə-dɛmɛ wá lɔ ]“: „Ich werde zurückkehren, wenn ich mit der Arbeit fertig bin.“ In Subjekt-Objekt-Verb-Sprachen können Markierungen als besondere Verbendungen erscheinen. Im West-Grönländischen zeigt „[anurli-ssa-mmat ] aalla-ssa-nngil-agut“ eine abhängige Verbform mit kausativer Endung: „Weil es windig werden wird, werden wir nicht gehen.“ Diese Endung könnte nicht an einem Verb im Hauptsatz stehen.

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