Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Kollokation
Als Kollokation (von lateinisch collocatio „Stellung, Anordnung“, als Fachbegriff jedoch von engl. collocation) bezeichnet man in der Linguistik das …
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Eine Kollokation ist in der Linguistik das gehäufte benachbarte Auftreten von Wörtern. Gemeint ist also, dass bestimmte Wörter besonders oft in der Nähe voneinander vorkommen, unabhängig davon, wie dieses gemeinsame Auftreten zunächst erklärt wird.
Typische Beispiele aus dem Artikel sind: Buch – dick, Tag – hell, Jesus – Christentum und Katze – miauen. Solche Wortpaare können häufig zusammen auftreten, weil sie semantisch eng zusammenhängen, weil der bezeichnete Sachverhalt eng verbunden ist oder weil feste Wendungen, Phraseologie und Stereotype eine Rolle spielen.
Begriff und Abgrenzung
Der Begriff wurde von John Rupert Firth (1890–1960) eingeführt, allerdings ohne klare Definition. Firth erklärte ihn über Beispiele, etwa mit dem Satz: „Eine der Bedeutungen von Nacht ist die Kollokabilität mit dunkel und natürlich von dunkel mit Nacht.“
Weil die Definition unscharf ist, kann unter Umständen der Begriff Kookkurrenz vorzuziehen sein. Kookkurrenz bezeichnet allgemein das gemeinsame Auftreten sprachlicher Einheiten. Das Phänomen wurde außerdem mit Begriffen wie „wesenhafte Bedeutungsbeziehung“ und „syntaktisches Bedeutungsfeld“ bei Porzig sowie „lexikalische Solidaritäten“ bei Coseriu beschrieben.
Zwei Konzepte
Der Artikel unterscheidet unter anderem ein statistisches Kollokationskonzept und einen „signifikanz-orientierten Kollokationsbegriff“.
Nach dem statistischen Verständnis ist Kollokation grundsätzlich „jedes Miteinandervorkommen von benachbarten Wörtern in Sätzen“. Entscheidend ist hier also vor allem, dass Wörter in Texten nebeneinander oder nahe beieinander vorkommen.
Nach dem signifikanz-orientierten Verständnis liegt eine Kollokation nur dann vor, wenn eine übliche Verbindung nicht vorhersehbar ist. Solche Kollokationen lassen sich besonders gut mit syntagmatischen lexikalischen Funktionen beschreiben. Für die Lexikografie, also die Wörterbucharbeit, wird empfohlen, sich auf „zwar semantisch weitgehend transparenten, aber dennoch etablierten Wortkombination[en]“ zu konzentrieren.
Satzstellung
Bei Kollokationen kann nicht nur wichtig sein, dass zwei Wörter zusammen auftreten, sondern auch, in welcher Stellung sie zueinander im Satz stehen.
Beim Beispiel Tag – hell ist nicht eindeutig, welches Wort zuerst steht. Anders ist es bei Tag und helllicht: Das Adjektiv helllicht steht mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Bezugswort, weil es praktisch nur in der festen Redewendung am helllichten Tag vorkommt. Es ist nicht einfach ein frei im Satz verschiebbares Adjektiv.
Elektronische Ermittlung
Kollokationen lassen sich heute besonders effizient mit linguistischer Datenverarbeitung aus großen elektronischen Textkorpora ermitteln. Ein Textkorpus ist eine große Sammlung von Texten, die für sprachwissenschaftliche Analysen genutzt wird. Dabei werden Methoden des Text Mining eingesetzt, also Verfahren zur automatischen Auswertung von Textdaten.
Die Freie-Software-Bibliothek NLTK enthält fertige Methoden zum Auffinden von Kollokationen. Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass Google in seinem „Keyword Tool“ oder beim Keyword Crossing Begriffe wie „Kookkurrenz“, „Kollokation“ oder „Synonym“ nicht technisch korrekt verwendet. Dort geht es um einen technischen Vorgang, der durch Textanalyse Begriffsvorschläge zu Werbezwecken erzeugt. In die Bewertung einer „Kollokation“ fließen dort neben der sprachlichen Nähe auch werbetechnische Werte wie Klickpreise und Suchvolumen ein.
Gerichtetheit und Wörterbücher
Für die Sprachproduktion, besonders beim Fremdsprachenlernen, ist wichtig, dass Kollokationen im signifikanz-orientierten Sinn gerichtet sind. Die beiden Wörter sind also nicht gleichberechtigt. Es gibt ein Basiswort, das frei gewählt wird, zum Beispiel Regen, Junggeselle oder Krieg. Dazu gehört ein von der Sprache vorgegebenes Begleitwort, zum Beispiel starker Regen, eingefleischter Junggeselle oder ein Krieg wird ausgetragen.
Dieses Begleitwort nennt die Forschung Kollokator. Muttersprachliche Sprecher bemerken den Formulierungszwang meist nicht. Lernende anderer Sprachen können aber Schwierigkeiten haben, wenn ihre Muttersprache andere Verbindungen nahelegt, etwa Englisch heavy rain, wörtlich „schwerer Regen“, oder Niederländisch mit einer Verbindung, in der ein Junggeselle „verstockt“ genannt wird.
Basiswörter sind vor allem Substantive. Sie werden häufig durch Adjektiv- oder Verbkollokatoren näher bestimmt, zum Beispiel eine Wunde klafft oder ein Ei abschrecken. Verben und Adjektive sind meist nur dann Basiswörter, wenn sie durch Adverbien genauer bestimmt werden.
Als Kollokationswörterbuch ohne systematische Berücksichtigung der Gerichtetheit nennt der Artikel den seit 1934 existierenden Stilduden, Duden. Das Stilwörterbuch, 10. Auflage 2017. Wörterbücher, die die Gerichtetheit als Ordnungsprinzip nutzen und deshalb Basiswörter mit passenden Kollokatoren aufführen, sind das Wörterbuch der Kollokationen im Deutschen von Uwe Quasthoff (2011) und Feste Wortverbindungen des Deutschen von Annelies Häcki Buhofer und anderen (2014).