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Curaçao
Geographie · Die Insel ist circa 60 km vom Festland (nördlich von Venezuela und nordöstlich von Kolumbien) entfernt. · Höchste Erhebung ist der Sint- …
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Überblick und geografische Lage
Curaçao (niederländisch; Papiamentu Kòrsou) ist eine rund 444 km² große Insel in der Karibik. Zusammen mit der unbewohnten Nebeninsel Klein Curaçao bildet sie ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Curaçao gehört zu den drei ABC-Inseln und damit zu den Inseln unter dem Winde in den südlichen Kleinen Antillen. Geologisch liegt die Insel auf der südamerikanischen Kontinentalplatte.
Curaçao ist etwa 60 km vom Festland entfernt, nördlich von Venezuela und nordöstlich von Kolumbien. Aruba liegt westlich, Bonaire östlich. Südöstlich befindet sich Klein Curaçao, das vor allem bei Tauchern beliebt ist und nur einen Leuchtturm besitzt. Die höchste Erhebung der Hauptinsel ist der Sint-Christoffelberg mit 375 m.
Die Hauptstadt ist Willemstad. Curaçao ist weder Mitglied der Europäischen Union noch des Schengen-Raums, aber mit der Europäischen Union assoziiert. Die Bürger Curaçaos besitzen die niederländische Staatsbürgerschaft und sind dadurch EU-Bürger. Staatsform ist eine konstitutionelle Monarchie und parlamentarische Demokratie; Curaçao ist ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Staatsoberhaupt ist König Willem-Alexander, vertreten durch Gouverneur Mauritsz de Kort. Regierungschef ist Premierminister Gilmar Pisas.
Bevölkerung und Sprachen
Zum Jahresbeginn 2026 lebten 158.006 Menschen auf Curaçao; die Bevölkerungsdichte betrug 356 Einwohner pro km². Der größte Teil der Bevölkerung lebt in Willemstad und im urbanen Raum um das Schottegat im zentral-östlichen Inselteil. Rund 145.000 Menschen aus Curaçao lebten 2023 in den Niederlanden.
Die Bevölkerung ist ethnisch vielfältig. Die meisten Bewohner sind Nachkommen ehemals versklavter Afrikaner. Rund sechs Prozent haben niederländische Vorfahren. Wenige Menschen stammen von den indigenen Arawak beziehungsweise Caiquetio ab. Weitere Bevölkerungsgruppen gehen auf sephardische Juden aus Spanien und Portugal sowie auf angeworbene Arbeitskräfte aus Asien, Südamerika und der Karibik zurück. Die Mehrheit der Einwohner sind Papiamentu sprechende Katholiken.
Eine Familie hat durchschnittlich zwei Kinder. Männer werden etwa 76 Jahre, Frauen etwa 81 Jahre alt. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei ungefähr 96 % der über 15-Jährigen.
Die Bevölkerungszahl entwickelte sich laut CBS folgendermaßen: 1960: 125.181; 1972: 147.059; 1981: 147.658; 1992: 144.097; 2001: 130.627; 2011: 150.563; 2021: 153.671; 2026: 158.006. Für 2026 wird eine Bevölkerungsentwicklung von +1,2 % gegenüber 2025 angegeben.
Im Artikel werden die Amtssprachen unterschiedlich angegeben: In der Infobox stehen Papiamentu, Niederländisch und Englisch; im Abschnitt „Sprachen“ werden Niederländisch und Papiamentu als Amtssprachen genannt. Papiamentu ist eine Kreolsprache mit spanischen, portugiesischen, niederländischen und englischen Elementen und die dominierende gesprochene Sprache. Nach einer Schätzung von 2011 wurde zu Hause zu 80 % Papiamento, zu 8,8 % Niederländisch, zu 5,6 % Spanisch und zu 3,1 % Englisch gesprochen; 2,3 % entfielen auf andere Sprachen und 0,3 % waren nicht spezifiziert. Englisch- und Spanischkenntnisse sind verbreitet.
Geschichte und politischer Status
Curaçao ist seit ungefähr 4000 v. Chr. besiedelt. Nach einer weiteren Besiedelungswelle um etwa 1500 v. Chr. entwickelte sich eine zweite indigene Kultur. 1499 landeten Spanier unter Alonso de Ojeda auf der Insel. Die Arawak wurden wenige Jahre später zur Zwangsarbeit auf das Festland deportiert; 1527 begann die spanische Kolonisierung.
1634 eroberte Johan van Walbeeck Curaçao für die Niederländische Westindien-Kompanie (WIC). Unter Jacob Pieters Tolck wurde die Insel bis ins 18. Jahrhundert zu einem Zentrum des karibischen Sklavenhandels. 1675 wurde Curaçao zum Freihafen erklärt. Zwischen 1658 und 1729 verkaufte die WIC fast 100.000 Sklaven nach Spanisch-Amerika, überwiegend über Willemstad. Nach 1713, als der Asiento an Großbritannien fiel, ging der Sklavenhandel stark zurück. Die Zahl der Freilassungen nahm zu, wodurch eine neue soziale Schicht entstand.
Sephardische Familien gehörten im 18. Jahrhundert zu einem großen Teil zur Elite; ab der Mitte des Jahrhunderts beherrschten jüdische Kaufleute den Handel. Um das Ende des 18. Jahrhunderts waren nur 18 % der Schwarzen und Mulatten auf der Insel frei. Um 1840 waren bis zu 40 % der Einwohner Sklaven. Die Niederlande schafften die Sklaverei am 1. Juli 1863 ab. Eine ausgeprägte Plantagenwirtschaft entstand wegen des trockenen und unfruchtbaren Bodens nicht.
Während der napoleonischen Kriege besetzten die Briten Curaçao; 1816 fiel die Insel wieder an die Niederlande. Nach einem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust ab den 1860er Jahren gewann sie durch Erdöllagerstätten in den 1930er Jahren wieder an Bedeutung.
Bei einem Referendum 2005 stimmten 67,83 % für ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. 23,61 % wollten Curaçao zu einem Teil der Niederlande machen, 4,82 % stimmten für Unabhängigkeit und 3,74 % für den Verbleib bei den Niederländischen Antillen. In einem nicht bindenden Referendum am 15. Mai 2009 stimmten 52 % für den ausgehandelten Status. Am 10. Oktober 2010 wurden die Niederländischen Antillen aufgelöst; Curaçao wurde ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande, neben Aruba, Sint Maarten und den Niederlanden.
Das Parlament umfasst 21 Abgeordnete und heißt „Estates of Curaçao“. Nach mehreren Regierungswechseln und Wahlen ist Gilmar Pisas seit dem 14. Juni 2021 Premierminister.
Klima und Ökologie
Curaçao liegt im Einflussbereich des Nordost-Passats. Die Insel ist zu flach für Steigungsregen, daher fallen relativ geringe und unregelmäßige Niederschläge. Es gibt keine permanenten Flüsse; Regen kann plötzlich und heftig auftreten. Das Klima ist semiarid und durch den Tagesgang der Temperaturen geprägt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt fast 28 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag 550 mm. Die jährlichen Niederschlagsmengen schwanken stark zwischen 200 und 1200 mm.
Für Willemstad werden als Jahresmittel eine mittlere Tageshöchsttemperatur von 30,8 °C und eine mittlere Tagestiefsttemperatur von 25,2 °C angegeben. Der Jahresniederschlag beträgt 552 mm bei insgesamt 71 Regentagen. Oktober bis Dezember sind mit 83, 96 beziehungsweise 99 mm die niederschlagsreichsten Monate; März ist mit 15 mm der trockenste. Die mittlere Wassertemperatur liegt bei 26,8 °C, die durchschnittliche tägliche Sonnenscheindauer bei 8,3 Stunden und die Luftfeuchtigkeit bei 76 %.
Als „Insel unter dem Winde“ liegt Curaçao außerhalb des Hurrikan-Gürtels und wird nur sehr selten von tropischen Wirbelstürmen getroffen.
Die Riffe und die Unterwasserwelt sind für Tauch- und Schnorcheltourismus besonders wichtig. Tourismus und Erdölraffinerie haben die Riffe jedoch geschädigt. Die Isla-Raffinerie emittierte große Mengen Schwefeldioxid und Schwermetalle wie Nickel und Vanadiumpentoxid; die Schwefeldioxidwerte lagen oft deutlich über den in der EU geltenden Höchstgrenzen. Als Folge gab es einen hohen Anteil an Asthmaerkrankungen. Nach der teilweisen Stilllegung der Anlage 2019 verbesserten sich die Bedingungen deutlich.
Curaçao ist durch den Meeresspiegelanstieg gefährdet, weil ungefähr 40 % der wirtschaftlichen Aktivitäten an der Küste konzentriert sind. Außerdem wird erwartet, dass die Insel heißer und trockener wird, wodurch die begrenzten Wasserressourcen zusätzlich belastet werden. Mit dem Living Lab Curaçao will die Regierung gemeinsam mit der Universität von Curaçao und niederländischen Unternehmen, darunter dem Hafenbetrieb Rotterdam, erneuerbare Energien fördern und künftig Energie in den Karibikraum exportieren. Auch die alte Erdölraffinerie soll auf nachhaltige Produkte umgestellt werden.
Wirtschaft, Erdöl, Tourismus und Verkehr
Die Wirtschaft Curaçaos beruht auf fünf Säulen: Erdöl, Hafen, Tourismus, Offshore-Banking und eine beschränkte lokale Produktion. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2023 4,312 Milliarden USD, das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 27.700,00 USD. Der HDI wird mit ± 0.890 angegeben. Die größten Wirtschaftszweige sind Tourismus und Erdölraffinerie; außerdem ist Curaçao ein bedeutender Offshore-Finanzplatz. Das Land besitzt die Dutch Caribbean Securities Exchange mit Sitz in Willemstad.
Die Arbeitslosigkeit sank von 18,2 % im Oktober 2005 auf 10,3 % im Jahr 2008, stieg aber auf 17,4 % im Jahr 2019 und 19,1 % im Jahr 2020. Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2019 bei 41,7 %. Seit 2017 war die Migrationsrate wieder negativ und betrug 2019 −16,7; mehr als 80 % der Auswanderer gingen in die Niederlande.
Die Isla Oil Refinery wurde in den 1920er Jahren von Royal Dutch Shell im Stadtteil Schottegat als Hafenanlage mit Raffinerie errichtet. Das Rohöl kam aus Venezuela. In ihren besten Zeiten trug die Anlage bis zu 9 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Shell verkaufte sie in den 1980er Jahren für einen Gulden an die Inselregierung, die damit technische und ökologische Altlasten erbte. Anschließend pachtete die venezolanische Staatsgesellschaft Petróleos de Venezuela (PDVSA) die Raffinerie und zahlte jährlich 20 Millionen US-Dollar Miete, investierte aber kaum.
Die nominale Kapazität betrug 350.000 Barrel pro Tag. Tatsächlich wurden 2010 64.000 und 2015 178.000 Barrel pro Tag verarbeitet; 2019 waren es nur noch 4.000 Barrel pro Tag, für 2020 ist keine Produktion verzeichnet. Nach dem Auslaufen des Pachtvertrags mit PDVSA 2019 und dem Rückzug wegen US-Sanktionen wurde der Betrieb teilweise eingestellt, weil Lieferungen aus Venezuela fehlten. Das raffinierte Erdöl wurde vor allem in die USA und nach Südamerika exportiert.
Das tropische Klima ermöglicht ganzjährigen Tourismus. 2019 kamen 463.685 Touristen; 53 % stammten aus Europa, davon 80 % aus den Niederlanden, 21 % aus Nordamerika, 16 % aus Südamerika und 9 % von Nachbarinseln. Der direkte Beitrag des Tourismus zur Wirtschaftsleistung betrug 755 Millionen US-Dollar, indirekt kamen 478 Millionen US-Dollar hinzu. Die Grenzschließung zwischen Venezuela und Curaçao im Februar 2019 verringerte den südamerikanischen Quellmarkt; die Grenzschließungen im März 2020 wegen der Corona-Pandemie unterbrachen die geplante Entwicklung.
Der Curaçao International Airport verbindet die Insel mit Europa, Nord- und Südamerika und kann seit der Erweiterung von 2006 bis zu 1,6 Millionen Passagiere bewältigen. Es bestehen tägliche Direktverbindungen unter anderem nach Amsterdam, Miami, New York, Bogotá und zu mehreren Karibikinseln. Stand April 2024 gab es keine Direktverbindung von Deutschland; eine Verbindung von Düsseldorf mit Corendon Airlines war ab dem 14. Dezember 2026 geplant.
Willemstad, Alltag und kulturelle Bereiche
Willemstad hat mit Vororten rund 120.000 Einwohner; damit leben etwa 85 % der Bevölkerung Curaçaos in der Hauptstadt. Die historische Innenstadt umfasst Punda, Otrobanda, Scharloo und Pietermaai. Dort stehen zahlreiche Gebäude niederländischer Kolonialarchitektur, die nahezu vollständig unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes stehen.
Punda und Otrobanda werden durch die für Schiffe bewegliche Pontonbrücke Königin-Emma-Brücke verbunden. Der Autoverkehr nutzt die 55 m hohe Königin-Juliana-Brücke über die Sint Annabaai. Vor der Hafeneinfahrt gibt es zwei Megapier-Anlagen für große Kreuzfahrtschiffe. Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe stieg von 219 im Jahr 2000 auf 313 im Jahr 2019, die Passagierzahl von 303.718 auf 809.874. 2020 sank sie wegen der Corona-Krise auf 100 Schiffe mit 256.033 Passagieren; am 10. Juni 2021 traf nach einer fünfzehnmonatigen Pause wieder ein Kreuzfahrtschiff ein.
Zu den Insel-Spezialitäten gehört der Likör Curaçao aus den Schalen dort wachsender Bitterorangen. Die Bezeichnung ist keine geschützte Herkunftsbezeichnung, daher wird nur ein geringer Teil der weltweiten Produktionsmenge tatsächlich auf Curaçao hergestellt. Typische Speisen sind unter anderem die Meeresfrüchteplatte Parilla de Marisco, Stoba-Schmorgerichte und die klare Suppa Iguana mit Leguanfleisch.
Als offizielle Währung gilt der Karibische Gulden (XCG). Wegen des festen Wechselkurses kann auch mit US-Dollar bezahlt werden; in der Tourismusbranche wird häufig der Euro akzeptiert. Die Medien umfassen niederländische, papiamentusprachige und englische Zeitungen, Radiosender und Fernsehsender. Genannt werden unter anderem TeleCuraçao und TV11 auf Papiamentu, niederländische NPO-Sender sowie venezolanische spanischsprachige und amerikanische englischsprachige Kanäle.
Sportlich ist vor allem die Fußballnationalmannschaft bedeutsam. Sie gewann am 26. Juni 2017 mit 2:1 gegen Jamaika erstmals die Karibikmeisterschaft. Am 18. November 2025 qualifizierte sich Curaçao mit einem 0:0 gegen Jamaika erstmals für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten. Die Mannschaft schied dort nach der Gruppenphase als Rangletzter der Gruppe aus. Das Stadion Ergilio Hato in Willemstad ist ihr Heimstadion.