Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Nicholas J. Spykman

Eines seiner Hauptanliegen war, seinen Studenten die Bedeutung von Geographie für Geopolitik zu vermitteln. Diese sei nur mithilfe der Geographie zu verstehen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundgedanken
  2. 2. Geografisches Weltmodell
  3. 3. Heartland und Rimland
  4. 4. Machtverhältnisse in Eurasien und der Welt
  5. 5. Folgerungen für die USA
  6. 6. Leben und zentrale Veröffentlichungen

Bedeutung und Grundgedanken

Nicholas John Spykman (13. Oktober 1893–26. Juni 1943) war ein niederländisch-amerikanischer Politikwissenschaftler und Geostratege. Er gilt als einer der Begründer der realistischen Schule der internationalen Politik und als geistiger Urheber der späteren Containment-Politik. Diese zielte darauf, die Ausbreitung gegnerischer Macht einzudämmen. Spykman lehrte Internationale Beziehungen an der Yale University und betonte, dass Geopolitik – die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen geografischen Bedingungen und politischer Macht – nur mithilfe der Geografie verstanden werden könne.

Sein Denken beruhte auf dem Mächtegleichgewicht: Kein einzelner Staat sollte eine für andere gefährliche Vorherrschaft erreichen. Spykman hielt dauerhaften Weltfrieden auf der Grundlage gemeinsamer Werte für unrealistisch, weil Staaten unterschiedliche Wertvorstellungen und Interessen hätten. Frieden und Sicherheit könnten daher nur durch eine ausreichend wirkungsvolle Außenpolitik gesichert werden, die mögliche Angreifer abschreckt.

Spykman vertrat geografisch-deterministische Vorstellungen. Geografie sei „wegen ihrer Dauerhaftigkeit der fundamentalste Faktor“. Die mögliche Außenpolitik eines Staates müsse deshalb vor allem aus seiner Lage, seinen natürlichen Bedingungen und seinem Verhältnis zu Land- und Seewegen erklärt werden. Das Mächtegleichgewicht in Eurasien betraf nach seiner zentralen These unmittelbar die Sicherheit der USA. Deshalb lehnte er den amerikanischen Isolationismus ab, also den weitgehenden Rückzug aus internationalen Konflikten. Die Beherrschung der Meere allein könne die USA nicht dauerhaft schützen.

Geografisches Weltmodell

Spykman knüpfte an Alfred Thayer Mahan und Halford Mackinder an, übernahm deren Vorstellungen aber nicht unverändert. Wie Mackinder ging er von der Einheit der Weltpolitik und des Weltmeeres aus; zusätzlich bezog er die Atmosphäre als zusammenhängenden strategischen Raum ein. Aus dieser globalen Perspektive beeinflusst die Außenpolitik eines Landes nicht nur seine unmittelbaren Nachbarn, sondern mittelbar die Ausrichtung von Staaten in allen Weltregionen.

Er gliederte die Welt in drei große geografisch-strategische Räume:

• das Heartland oder Herzland im Inneren Eurasiens,

• das Rimland als breiten Küsten- und Randgürtel Eurasiens,

• die Küsteninseln und die außerhalb Eurasiens liegenden Kontinente.

Das Modell untersucht vor allem das Verhältnis von Landmächten und Seemächten. Entscheidend ist dabei nicht allein, wer das eurasische Binnenland beherrscht, sondern wer den bevölkerungsreichen und wirtschaftlich bedeutenden Randgürtel kontrolliert. Die entsprechenden Ausführungen des Wikipedia-Artikels sind als nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet gekennzeichnet; die dargestellten Aussagen sind daher als Wiedergabe von Spykmans Positionen zu verstehen.

Heartland und Rimland

Das Heartland bezeichnet das eurasische Herzland. Spykman erkannte ihm eine besondere Verteidigungsposition zu, hielt es aber nicht für einen Raum, der durch den Ausbau der Infrastruktur in naher Zukunft vollständig vereinigt werden könnte. Selbst ein vereintes Heartland könne nicht mit den USA als Seemacht konkurrieren. Russland umfasse zwar eine große Landmasse, doch lägen sein fruchtbares Land, die meisten Bodenschätze sowie sein politischer und materieller Schwerpunkt hauptsächlich westlich des Urals. Deshalb hielt Spykman eine starke sowjetische Machtausübung in Zentralasien für eher unmöglich. Russland werde dennoch die größte Landmacht Eurasiens bleiben und könne dadurch entweder als Friedensstifter oder als Problem wirken.

Das Rimland umfasst die europäischen Küstenländer, den Nahen und Mittleren Osten sowie die asiatischen „Monsoon“-Länder. Spykman hielt allerdings die Zusammenfassung der asiatischen Länder zu einem einheitlichen „Monsoon“-Raum für ungeeignet: Indien, die Küsten des Indischen Ozeans und die indische Kultur seien geografisch und kulturell deutlich von China zu unterscheiden.

Kennzeichnend für das Rimland ist seine mittlere Lage zwischen dem Heartland und den äußeren Seemächten. Als amphibische Pufferzone – also als Übergangsraum zwischen Land und Meer – müsse es sich gegen beide Seiten verteidigen. Darin liege sein grundlegendes Sicherheitsproblem. Dieses Konzept ähnelt Mahans „debated and debatable zone“ stärker als Mackinders „inner or marginal crescent“.

Wegen seiner großen Bevölkerung, seiner Bodenschätze und seiner industriellen Entwicklung besitzt das Rimland für Spykman entscheidende Bedeutung. Während Mackinder dem äußeren „insularen Halbmond“ die Schlüsselrolle zuschrieb, betrachtete Spykman die Kontrolle des Rimlands als ausschlaggebend für das Heartland und damit für Eurasien.

Machtverhältnisse in Eurasien und der Welt

Mackinder deutete die Kriege Eurasiens vor allem als Kampf des Heartlands gegen die Seemächte um das Rimland und damit als Gegensatz von Land- und Seemacht. Spykman sah die geschichtlichen Bündnisse anders: Großbritannien habe mit Verbündeten aus dem Rimland gegen Russland gekämpft, aber ebenso gemeinsam mit Russland gegen eine vorherrschende Macht im Rimland. Entscheidend sei somit nicht die Eroberung des Heartlands durch Seemächte gewesen, sondern die Verhinderung einer einseitigen Kontrolle des Rimlands.

Mackinders bekannte Formel lautete: „Wer Osteuropa kontrolliert, beherrscht das Herzland. Wer das Herzland kontrolliert, beherrscht die Weltinsel. Wer die Weltinsel kontrolliert, beherrscht die Welt.“ Spykman wandelte sie entsprechend seinem Modell um: „Wer Rimland kontrolliert, beherrscht Eurasien. Wer Eurasien beherrscht, bestimmt das Schicksal der Welt.“ Großbritannien, Russland und die USA sollten demnach eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der europäischen Küsten und der weltweiten Machtverhältnisse spielen.

Afrika und Australien betrachtete Spykman als zwei an Eurasien angrenzende Kontinente außerhalb der Küsten. Ihre strategische Lage werde durch die Kontrolle des Mittelmeers und des „asiatischen Mittelmeers“ bestimmt. Nach seiner Einschätzung entstand auf keinem von ihnen eine bedeutende politische Macht: Afrika könne wegen seines „Chaos“ seine Ressourcen nicht nutzen, und Australien verfüge nicht über genügend fruchtbares Land, um als Machtbasis zu dienen. Bedeutende küstennahe Inseln seien Großbritannien und Japan. Der amerikanische Kontinent sei dagegen durch Atlantik und Pazifik von Eurasien getrennt.

Folgerungen für die USA

Spykman wollte verhindern, dass sich die USA nach dem Zweiten Weltkrieg erneut aus der Weltpolitik zurückzogen wie nach dem Ersten Weltkrieg. Aus seiner Sicht waren die Vereinigten Staaten auf ein Mächtegleichgewicht in Eurasien angewiesen. In seinem 1942 veröffentlichten Buch „America’s Strategy in World Politics“ erklärte er, Isolationismus und die bloße Herrschaft über die Meere reichten nicht aus, um die Sicherheit der USA zu gewährleisten.

Nach Spykmans Auffassung sollte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mächtig genug bleiben, um die Macht Russlands auszugleichen. Eine deutsche Vorherrschaft bis zum Ural und eine russische Vorherrschaft bis nach Deutschland seien für die USA strategisch gleichermaßen bedrohlich. Entscheidend war für ihn somit nicht die politische Ordnung der jeweils dominierenden Macht, sondern die Verhinderung einer Vorherrschaft über den eurasischen Randgürtel.

Spykman sagte eine Niederlage Japans im Pazifikkrieg sowie den Aufstieg Chinas zur asiatischen Vormacht voraus. Wegen Grenzstreitigkeiten würden China und Russland im Konflikt bleiben. Daraus leitete er ab, dass die USA die Verantwortung für die Verteidigung Japans übernehmen müssten.

Er lehnte auch die europäische Integration ab. Eine Mächtebalance zwischen mehreren europäischen Staaten entspreche den Interessen der USA eher als eine vereinigte europäische Macht. Da die USA gegen Deutschland gekämpft hätten, um dessen Eroberung Europas zu verhindern, hielt er es für widersprüchlich, Europa anschließend durch eine Föderation zu vereinigen.

Spykmans Verständnis von Sicherheit ging über ein genaues Gleichgewicht hinaus. Staaten strebten seiner Ansicht nach nicht freiwillig nach einer Beschränkung ihrer eigenen Macht, sondern nach einer günstigen Machtmarge. Sicherheit bestehe darin, etwas stärker als ein möglicher Gegner zu sein; eine handlungsfähige Außenpolitik verlange einen frei einsetzbaren Machtüberschuss. John Foster Dulles und die Urheber der Containment-Strategie griffen bei der Entwicklung der Strategie des Kalten Krieges stark auf Spykman und Mackinder zurück.

Leben und zentrale Veröffentlichungen

Spykman wuchs in den Niederlanden auf und besuchte die Universität in Delft. Anschließend lebte er vier Jahre im Nahen Osten und arbeitete unter anderem für die niederländische diplomatische Vertretung in Kairo sowie in Niederländisch-Indien. 1920 kam er von Jakarta nach Kalifornien. An der University of California studierte er Politik- und Wirtschaftswissenschaften und erlangte 1923 mit „The Social Theory of Georg Simmel“ den Ph.D.

1925 wurde er an die Yale University berufen, 1928 zum Professor für Internationale Beziehungen ernannt. Von 1935 bis 1940 war er Vorsitzender des Fachbereichs Internationale Beziehungen und Direktor des Institute of International Studies. Er war mit der Kinderbuchautorin E. C. Spykman verheiratet. Am 26. Juni 1943 starb er im Alter von 49 Jahren in New Haven, Connecticut, an Krebs.

Seine wichtigsten außenpolitischen Monografien waren „America’s Strategy in World Politics: The United States and the Balance of Power“ von 1942 und „The Geography of the Peace“, das 1944, ein Jahr nach seinem Tod, erschien. Das erste Werk sollte vor einem erneuten Rückzug der USA aus der Weltpolitik warnen; das zweite stellte seine Geostrategie und die Bedeutung des eurasischen Mächtegleichgewichts für die amerikanische Sicherheit dar. Daneben veröffentlichte er zwischen 1926 und 1942 Artikel über Nationalismus, Internationale Beziehungen, Geografie, Außenpolitik, Grenzen, Sicherheit und internationale Organisationen.

Weiterlesen

Amsterdam Amsterdam (niederländisch) ist die niederländische Hauptstadt und zugleich die bevölkerungsreichste Stadt des Königreichs der Niederlande. Niederlande Die Niederlande (niederländisch und friesisch Nederlân, Singular, auf Deutsch informell auch Holland) sind eines der vier autonomen Länder des Königreiches … Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Politische Geographie Die Politische Geographie als Teilbereich der Humangeographie/Kulturgeographie untersucht die Zusammenhänge zwischen Macht und Raum, folglich also … Containment-Politik Truman in der nach ihm benannten Truman-Doktrin am 12. März 1947 als offizielle Linie der amerikanischen Außenpolitik verkündet. Umsetzung. Bearbeiten. Als … Realismus (Internationale Beziehungen) Die sechs Prinzipien des klassischen Realismus · Existenz objektiver sozialer Gesetze in der Politik · Macht und Interesse als Prinzipien des Politischen · Das … Geographie Weitere sozialwissenschaftlich orientierte Bereiche der Geographie stellen die Bevölkerungsgeographie, die Bildungsgeographie und die Religionsgeographie dar. Geopolitik Geopolitik wird häufig als Synonym für das raumbezogene, außenpolitische Agieren von Großmächten im Rahmen einer Geostrategie bezeichnet. Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Erster Weltkrieg Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Kairo Kairo ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und der Arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, … Internationale Beziehungen Themen der internationalen Politik sind Außenpolitik, Diplomatie, Entwicklungspolitik, Friedensforschung, globale Umweltpolitik, Globalisierung, internationale …