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Kairo

Kairo ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und der Arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung, Lage und Stadtgebiet
  2. 2. Historische Entwicklung und Bevölkerung
  3. 3. Gesellschaft, Kultur und Sehenswürdigkeiten
  4. 4. Wirtschaft, Wohnen und Umwelt
  5. 5. Verkehr und Stadtentwicklung
  6. 6. Bildung und Verwaltung

Bedeutung, Lage und Stadtgebiet

Kairo ist die Hauptstadt Ägyptens und die größte Stadt der arabischen Welt. Es ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und der Arabischen Welt. Hier befinden sich die ägyptische Regierung, das Parlament, staatliche und religiöse Zentralbehörden sowie zahlreiche diplomatische Vertretungen. Kairo ist außerdem der wichtigste Verkehrsknotenpunkt Ägyptens und ein bedeutender Standort für Universitäten, Theater, Museen und historische Bauwerke. Die islamische Altstadt gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Name Kairo bezeichnet je nach Zusammenhang das Gouvernement al-Qahira, den städtischen Kern, die Metropolregion oder das gesamte zusammenhängende Ballungsgebiet. Klare Stadtgrenzen gibt es nicht. Im administrativen Gebiet lebten 2021 9.606.916 Menschen; für 2022 werden dort gut 10 Millionen Einwohner genannt. Die Metropolregion hatte 2020 19.373.000 und 2022 etwa 20,75 Millionen Einwohner. Da es in Ägypten keine Meldepflicht gibt, beruhen die Einwohnerzahlen auf Hochrechnungen und Volkszählungen.

Kairo liegt im Nordosten Ägyptens am Nil, durchschnittlich 68 Meter über dem Meeresspiegel. Die Koordinaten sind 30° 3′ nördlicher Breite und 31° 14′ östlicher Länge. Der zum Gouvernement al-Qahira gehörende Teil liegt am rechten Nilufer und umfasst die Inseln Gezira und Roda. Gegenüber am westlichen Nilufer liegt Gizeh mit den Pyramiden, der Sphinx und der Nekropole. Im Norden schließt sich das industriell geprägte Schubra al-Chaima an. Östlich begrenzt der Gebirgsausläufer Muqattam den alten Stadtkern, westlich der Nil.

Die Metropolregion umfasst den dicht besiedelten urbanen Kern, peri-urbane Übergangszonen und neuere Siedlungen in der Wüste. Eine 2024 veröffentlichte Studie schätzte die urban geprägte Fläche auf 5.020 km². Davon entfielen 778 km² auf den urbanen Stadtkern von Kairo, Gizeh und Schubra al-Chaima; dort lebten 79 Prozent der Bevölkerung der Metropolregion. Rund 3.600 km² entfielen auf vor allem im 21. Jahrhundert entstandene Wüstensiedlungen. Die Region verteilt sich auf vier Gouvernements.

Kairo liegt im Niltal. Der Fluss hat dort Schotterterrassen und eine durchschnittlich zehn Meter mächtige Schlammschicht abgelagert. Unterhalb Kairos öffnet sich das Tal zum 23.000 km² großen Nildelta. Das Klima ist subtropisch, warm und trocken. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 21,7 °C, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 24,7 mm. Der Juli ist mit durchschnittlich 28 °C der wärmste, der Januar mit 13,9 °C der kälteste Monat. Von Mai bis September können Sandstürme auftreten. Im Dezember 2013 fiel in Kairo erstmals seit über hundert Jahren Schnee.

Historische Entwicklung und Bevölkerung

Kairos Ursprünge liegen in mehreren älteren Siedlungen. Die römische Festung Babylon in Ägypten wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründet und später ausgebaut. Am 9. April 641 eroberten arabische Truppen die Festung. ʿAmr ibn al-ʿĀs gründete 643 in ihrer Nähe das Lager Fustāt, das sich zu einer Stadt entwickelte. Fustāt und Babylon wuchsen zusammen; das koptische Viertel ist bis heute erhalten.

Unter den Tuluniden wurde Fustāt vorübergehend Hauptstadt. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die Ibn-Tulun-Moschee und der Nilometer. 969 gründete der fatimidische Feldherr Dschauhar as-Siqillī nordöstlich von Fustāt ein rechteckiges Militärlager. Die Bauarbeiten begannen am 6. Juli 969. Nach dem Umzug des fatimidischen Kalifen al-Muizz wurde die Palaststadt 973 in al-Qāhira al-Muʿizzīya, kurz al-Qāhira, umbenannt. Die von Dschauhar errichtete Moschee wurde später als Azhar-Moschee bezeichnet und ist mit der al-Azhar-Universität verbunden.

Unter den Fatimiden wurde Kairo politisches Zentrum eines Reiches von Marokko bis in den Nahen Osten. Das benachbarte Fustāt entwickelte sich zu einem internationalen Handelszentrum, wurde später aber von Kairo überholt. Nach Saladins Machtübernahme 1171 wurde Kairo ein wichtiges Zentrum des sunnitischen Islams. Saladin ließ Moscheen, Schulen und die Grundmauern der späteren Zitadelle errichten. Die Mamluken machten Kairo ab 1250 erneut zur Hauptstadt und bauten zahlreiche Paläste, Moscheen und Karawansereien.

1517 eroberten die Osmanen die Stadt; Kairo verlor politisch an Bedeutung. 1798 übernahmen französische Truppen unter Napoleon die Kontrolle, 1801 kam die Stadt wieder unter osmanische Herrschaft. Im 19. Jahrhundert wuchs Kairo unter Ismail Pascha stark. Die Eröffnung des Suezkanals 1869 sollte die Stadt als moderne Metropole präsentieren. Europäische Architekten gestalteten neue Viertel und Teile der heutigen Innenstadt; zugleich nahm wegen der Auslandsfinanzierung der britische Einfluss zu. 1876 betrug die staatliche Auslandsverschuldung 91 Millionen britische Pfund. 1914 wurde Ägypten britisches Protektorat, 1922 erlangte es unter britischem Einfluss die Unabhängigkeit.

Nach den Weltkriegen beschleunigten Bevölkerungswachstum, Industrialisierung und Landflucht die Ausdehnung. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte Kairo zwei Millionen Einwohner. Nach dem Großbrand des „Schwarzen Samstags“ 1952 entstanden zahlreiche Trabantenstädte. Die Einwohnerzahl des Gouvernements stieg von 200.000 im Jahr 1800 auf 3.349.000 im Jahr 1960 und 9.153.135 im Jahr 2017. 2011 war Kairo ein Zentrum der ägyptischen Revolution gegen autoritäre Herrschaft, fehlende politische Mitsprache und Korruption. 2013 folgten ein Militärputsch und die Absetzung Mohammed Mursis; 2014 gewann Abd al-Fattah as-Sisi die Präsidentschaftswahl. Zwischen 2010 und 2016 wurde die Stadt wiederholt von politisch oder islamistisch motivierten Anschlägen erschüttert.

Am 12. Oktober 1992 um 15:09 Uhr wurde Kairo von einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala getroffen. Rund 550 Menschen starben, Tausende Gebäude wurden beschädigt oder zerstört und etwa 50.000 Menschen verloren ihre Unterkunft. Das Epizentrum lag rund 26 Kilometer südwestlich von Kairo bei Dahschur. Es war das stärkste Erdbeben in Kairo seit 1847.

Gesellschaft, Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Bevölkerung spricht überwiegend Ägyptisch-Arabisch. Der Kairoer Dialekt unterscheidet sich von den Dialekten Mittel- und Oberägyptens und wird durch die ägyptische Filmindustrie im gesamten arabischsprachigen Raum verstanden. Hocharabisch ist die Schriftsprache. In der koptischen Kirche wird Koptisch als Liturgiesprache verwendet. Englisch und in der Oberschicht auch Französisch sind verbreitet; durch Tourismus und deutschsprachige Universitäten gewinnt Deutsch an Bedeutung.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind nach Schätzungen sunnitische Muslime. Die wichtigste christliche Minderheit bilden die orthodoxen Kopten; hinzu kommen katholische Kopten und griechisch-orthodoxe Christen. Außerdem gibt es eine kleine jüdische Gemeinde, weitere christliche Gemeinden und schätzungsweise einige Hundert bis 2.000 Bahai im Land. Eine amtliche Zählung der Christen wird nicht durchgeführt. Kopten waren wiederholt Angriffen radikaler Islamisten ausgesetzt; für den Bau neuer Kirchen ist ein Präsidialerlass erforderlich. Die jüdische Gemeinde, die früher eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Kultur spielte, schrumpfte infolge von Pogromen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen nach 1945 stark. Für das Jahr 2000 wurden in ganz Ägypten noch etwa 100 Juden geschätzt.

Das traditionelle Kairo liegt östlich der Innenstadt vor der Zitadelle und dem Muqattam. Es umfasst das islamische Viertel mit der Azhar-Moschee, die Wohnviertel Darb el-Ahmar, el-Mūskī und Sayyida Zeinab sowie Alt-Kairo mit dem koptischen Viertel und den Ruinen von Fustāt. Die „Stadt der Toten“ ist eine bewohnte Nekropole. Das moderne Kairo erstreckt sich um den Tahrir-Platz, den Opernplatz, den Ramses-Bahnhof und den Nil. Zamalek auf der Insel Gezira und Garden City sind wichtige moderne Viertel; in Garden City befinden sich viele Botschaften.

Zu den bedeutenden Bauwerken gehören die Ibn-Tulun-, Azhar-, al-Hakim- und al-Aqmar-Moschee, Saladins Zitadelle mit der Muhammad-Ali-Moschee, die erhaltenen Stadttore Bab al-Futuh, Bab an-Nasr und Bab Zuweila sowie die spezialisierten Suqs. Auf Gezira stehen das 1988 eröffnete Opernhaus und der 187 Meter hohe, 1961 fertiggestellte Cairo Tower. Die „Hängende Kirche“ wurde im 4. Jahrhundert errichtet, im 11. Jahrhundert wiederaufgebaut und später mehrfach renoviert.

Die Pyramiden von Gizeh liegen etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Große Sphinx wurde in der 4. Dynastie circa 2700–2600 v. Chr. errichtet. Sie stellt einen liegenden Löwen mit Menschenkopf dar, ist circa 73,5 Meter lang, sechs Meter breit und circa 20 Meter hoch. Ihre Vorderpfoten sind etwa 15 Meter lang.

Das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz besitzt rund 150.000 Ausstellungsstücke und umfasst altägyptische Kunst aus verschiedenen Epochen, darunter Funde aus dem Grab Tutanchamuns. Weitere Museen sind das Nationalmuseum der ägyptischen Zivilisation, das Museum Arabischer und Islamischer Kunst, das Koptische Museum, das Mahmoud-Khalil-Museum, das Ägyptische Eisenbahnmuseum und das Gayer-Anderson-Museum. Kairo verfügt außerdem über zahlreiche Theater und Konzerthäuser. Das neue Opernhaus wurde 1988 eröffnet; das Cairo Puppet Theatre führt arabischsprachige Marionettenstücke auf.

Zu den wichtigsten Parks zählen der Gabalaya-Park, der Zoo von Gizeh, der Dream Park und der 2005 eröffnete al-Azhar-Park. Dieser größte öffentliche Park Kairos umfasst 30 Hektar und entstand auf einer früheren Mülldeponie. Regelmäßige Veranstaltungen sind unter anderem die Internationale Buchmesse, die Cairo International Fair, Film- und Theaterfestivals, der Arabische Reise-Markt, das Cairo International Film Festival sowie religiöse Mulids. Typische Speisen sind Mezze, Tamaya, Ful und Kuschari; außerdem werden Kofta, Kebab und Fischgerichte gegessen.

Wirtschaft, Wohnen und Umwelt

Der Großraum Kairo erwirtschaftete laut einer Studie von 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 102,2 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität. Damit lag er weltweit auf Rang 131 der wirtschaftsstärksten Metropolregionen. Kairo zählt zusammen mit Johannesburg und Lagos zu den führenden Wirtschaftszentren Afrikas. Die verkehrsgünstige Lage zwischen Südeuropa, Vorderasien, dem Maghreb und Subsahara-Afrika machte die Stadt früh zu einem Handelszentrum.

Bedeutende Wirtschaftszweige sind Metallverarbeitung, Zementindustrie, Möbel-, Schuh-, Tabak- und Textilherstellung sowie das Druckgewerbe. Der öffentliche Sektor einschließlich Regierung, öffentlicher Einrichtungen und Militär ist der größte Wirtschaftsbereich. Tourismus ist eine zentrale Devisenquelle. Etwa ein Drittel der ägyptischen Industriebetriebe befindet sich im Raum Kairo. Die Stadt ist außerdem das wichtigste Verlagszentrum des Nahen Ostens und Sitz der Egyptian Exchange. Traditionelle Märkte und Basare verkaufen unter anderem Stoffe, Vorhänge, Kleidung, Lebensmittel, Kunsthandwerk und Bücher.

Die Wohnungsversorgung ist durch Landflucht, Bevölkerungswachstum und hohe Nachfrage geprägt. Etwa die Hälfte der Bevölkerung der Metropolregion lebt in informellen Siedlungen mit hoher Dichte und unzureichender Infrastruktur. Gleichzeitig stehen mehrere hunderttausend Wohnungen leer. Eingefrorene Altbaumieten erschweren die Finanzierung notwendiger Reparaturen; bei Neubauten führen niedrige staatliche Mieten zu illegalen Zahlungen oder zum Verkauf der Wohnungen. Immobilienspekulation und der Abbau von Subventionen für Nahrung, Energie und öffentliche Verkehrsmittel verschärfen die Lage. Das Armenviertel Imbaba gehört zu den größten Slums der Welt. In einer Lebensqualitätsrangliste belegte Kairo 2018 den 178. Platz unter 231 Städten.

Die informelle Wirtschaft macht nach den Angaben des Artikels ungefähr ein Viertel der gesamten wirtschaftlichen Aktivität aus. Sie ist für Einzelhandel, Handwerk und Infrastruktur wichtig, bietet aber kaum soziale Absicherung und oft schlechte Arbeitsbedingungen. Die Arbeitslosigkeit wird offiziell mit rund zehn Prozent angegeben; Schätzungen liegen wegen nicht registrierter Erwerbsloser über 20 Prozent. Ein Drittel der Bevölkerung soll unterhalb der Armutsgrenze leben.

Probleme bestehen bei Strom- und Wasserversorgung, Abwasser, Abgasen und Abfällen. Unzureichende Hygiene begünstigt Cholera, Diarrhöe und Typhus; Industrie- und Verkehrsemissionen verursachen zusätzlich Atemwegs- und Hauterkrankungen. Luftverschmutzung und Zersiedlung gefährden historische Bauwerke. Staatliche Müllentsorgungsanlagen fehlen; Freiwillige und private Unternehmen sammeln den Müll ein, sortieren ihn teilweise und bringen ihn an den Stadtrand, wo große Müllhalden entstehen.

Seit 1961 werden in der Region Fahrzeuge in Lizenz produziert. Die El Nasr Automotive Manufacturing Company nahm 1961 in Wadi Hof nahe Helwan den Betrieb auf. Weitere Hersteller sind unter anderem die Ghabbour Group, General Motors Egypt, Arab American Vehicles und die Seoudi Group. 2011 wurden landesweit 133.000 Fahrzeuge produziert und 97.000 importiert; 2018 wurden 150.016 Fahrzeuge verkauft. Seit 2019 entstehen auch in Lizenz chinesischer Unternehmen Elektrobusse. In vier Jahren sollen etwa 2.000 Omnibusse gebaut werden; rund 45 Prozent der Teile stammen aus Ägypten.

Verkehr und Stadtentwicklung

Kairo ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt Ägyptens. Zwei transafrikanische Straßenrouten, der Trans-African Highway TAH 1 Kairo–Dakar und der TAH 4 Kairo–Gaborone–Kapstadt, beginnen beziehungsweise kreuzen sich hier. Autobahnen verbinden die Stadt mit Alexandria, der Mittelmeerküste, Luxor, Port Said und Suez. Der internationale Flughafen Kairo liegt in Heliopolis, 22 Kilometer nordöstlich des Zentrums. 2024 nutzten ihn 18,7 Millionen Passagiere. Eisenbahnverbindungen führen vom Ramses-Bahnhof nach Alexandria, zum Suezkanal und entlang des Nils bis Assuan. Fernbusse verbinden Kairo mit dem übrigen Land. Zehn Brücken überspannen den Nil.

Im innerstädtischen Verkehr betreibt die Cairo Transport Authority 2.600 Omnibusse auf 450 Linien mit einer Gesamtlänge von 8.460 Kilometern. Jährlich werden 1,3 Milliarden Fahrgäste befördert. Der erste Oberleitungsbus fuhr 1950; der Betrieb wurde am 22. Oktober 1981 eingestellt. Rund zwei Millionen private Autos verursachen tägliche Staus und starke Umweltverschmutzung. Straßenbahnen fahren seit Ende der 2010er Jahre nicht mehr; zuvor gab es in Kairo und Heliopolis zwei verbundene meterspurige Netze mit zuletzt 30 Kilometern Länge sowie ein 16 Kilometer langes Netz in Helwan.

Die Metro wurde am 26. September 1987 eröffnet. Heute bestehen drei Linien mit rund 65 Kilometern Länge. Linie 1 verbindet New El Marg und Helwan in Nord-Süd-Richtung. Linie 2 fährt von Schubra al-Chaima nach Gizeh, verläuft im Zentrum unterirdisch und unterquert den Nil; sie kreuzt Linie 1 an den Stationen Anwar as-Sadat und Al-Shohadaa. Linie 3 verbindet schrittweise westliche Stadtteile mit dem Flughafen; der erste Abschnitt zwischen Attaba und ʿAbbāsīya wurde am 21. Februar 2012 eröffnet. Seit 1989 gibt es in der Metro eigene Wagen für Frauen.

Für die neuen Siedlungsgebiete entstehen weitere Verkehrssysteme. 2019 wurde der Bau zweier vollautomatischer Einschienenbahnlinien mit insgesamt 97 Kilometern geplant. Sie sollen Ost-Kairo mit der Neuen Hauptstadt Ägyptens sowie die Stadt des 6. Oktober mit Gizeh verbinden. Am 6. Oktober 2024 ging der erste Teilabschnitt der östlichen Linie mit acht von 22 Stationen in Betrieb. Die Linien sind für bis zu 45.000 Passagiere pro Stunde und Richtung ausgelegt.

Das Stadtplanungsprojekt New Cairo läuft seit 2004. Es liegt 17 bis 28 Kilometer östlich der Innenstadt auf einer etwa 120 km² großen Wüstenfläche und soll nach seiner Fertigstellung 2 bis 2,4 Millionen Menschen aufnehmen. Vorgesehen sind Schnellstraßen, Einkaufszentren, Grünflächen, Sportzentren, Schulen und Hochschulen. New Cairo richtet sich wegen des überdurchschnittlichen Wohnstandards und der Preise vor allem an den neuen Mittelstand und ausländische Fachkräfte. Weitere Satellitenstädte sind Nasr City, die Stadt des 15. Mai, die Stadt des 6. Oktober und Sadat City.

Bildung und Verwaltung

Kairo besitzt zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Fachschulen, Akademien, Forschungsinstitute und Bibliotheken. Die al-Azhar-Universität ist eine der ältesten und angesehensten islamischen Bildungseinrichtungen und besitzt besondere Autorität in Fragen der Scharia für sunnitische Muslime. 2004 waren dort etwa 375.000 Studierende eingeschrieben, darunter 150.000 Frauen; rund 16.000 Dozenten lehrten an der Universität.

Weitere Hochschulen sind die Universität Kairo, die American University in Cairo, die Ain-Schams-Universität, die Helwan-Universität und die German University in Cairo. In der Metropolregion liegen außerdem unter anderem die British University in Egypt, die Arab Open University, die Misr University for Science & Technology und die Modern Sciences & Arts University.

Für die Allgemeinbildung gibt es rund 1.000 Schulen. Grund- und Sekundarstufe sind grundsätzlich kostenfrei. Die Grundschule wird nahezu von allen Kindern besucht, für die Sekundarschule werden etwa 75 Prozent der Kinder des entsprechenden Alters angemeldet. Diese Zahlen verdecken jedoch hohe Abbruchquoten von bis zu 30 Prozent, Kinderarbeit, überfüllte Klassen mit teilweise mehr als 70 Schülern und eine geringe Qualität der Schulbildung. Die geschätzte Analphabetenquote bei Erwachsenen ab 15 Jahren liegt zwischen 40 und 50 Prozent; bei Frauen ist sie um mehr als zehn Prozent höher als bei Männern.

An der Spitze des Gouvernements steht ein vom Präsidenten ernannter Gouverneur. Nach der im Artikel beschriebenen, als veraltet gekennzeichneten Verwaltungsstruktur bestehen ein ernannter Exekutivrat und ein gewählter Volksrat. Der Exekutivrat koordiniert Verwaltung und staatliche Politik. Der für vier Jahre gewählte Volksrat soll die Interessen der Bevölkerung vertreten. Die letzten im Artikel genannten Kommunalwahlen fanden am 8. April 2002 statt; für 2006 geplante Wahlen wurden auf 2008 verschoben. Kairo unterhält zahlreiche Städtepartnerschaften, unter anderem mit Algier, Amman, Amsterdam, Athen, Bagdad, Beirut, Istanbul, London, Madrid, New York, Paris, Rom, Seoul, Stuttgart, Tokio und Toronto; mit Frankfurt am Main besteht seit 1979 ein Freundschaftsvertrag.

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